Immer auf der Suche nach Themen, sprach ich jüngst mit einem Freund, der mit folgendem Vorschlag ankam: «Es scheint», sagte er, «unter Frauen so eine Art Yoga-Wahn zu geben. Ich frage mich, ob da so ein kollektives weibliches Un(ter)bewusstsein am Werk ist. Und ich frage mich, ob man nicht mal den ultimativen Anti-Yoga-Text schreiben müsste – das wär’ ein Aufreger.»
Und er hatte recht – es machen viele Frauen Yoga und es ist tatsächlich leicht, Aufsehen zu erregen, indem man ausspricht, was viele denken, aber nicht sagen. Zum Beispiel, dass Mütter arrogant sind. Oder dass Yoga eine organisierte Idiotie für verunsicherte Frauen ist. Man könnte sich darüber lustig machen, dass diese Frauen sich auf dem Wege der Mutterschaft irgendwie selbst abhanden gekommen sein müssen, weshalb sie sich nun im Selbstbedienungsladen dubioser östlicher Philosophien tummeln, in der Hoffnung, sich wieder zu finden, so wie wenn der Goof im Supermarkt verloren geht und dann irgend eine nette Dame über die Lautsprecher verkündet: Die Lara hat ihr Mami verloren, sie kann beim Kundenschalter abgeholt werden. Und dass es wirklich schade ist, dass Gott oder Freud oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, dass Menschsein so kompliziert ist und nicht daran gedacht hat, einen Kundenschalter einzurichten, wo man sich in einem solchen Falle selber wiederfinden kann. Aber verständlich auch, hatte wahrscheinlich einfach keinen Bock, dauernd Überstunden zu machen. Prosaischer könnte man auch argwöhnen, dass es den Yogamuttis eh nur darum geht, ihren Prä-Baby-Body mithilfe der 84 klassischen Stellungen zurückzugewinnen, was zwar einfacher ist, als ein ganzes ausgewachsenes Selbst zu finden, aber trotzdem ziemlich blöde, weil es dazu doch viel effektivere Gymnastikmethoden gäbe.
Aber ich schreibe den Text nicht, weil ich es dumm finde, irgendwas zu behaupten, nur um damit aufzufallen. Zum einen, weil ich seit Jahren Yoga praktiziere, zum andern, weil die oben skizzierten Gedanken von falschen Annahmen ausgehen. Typischerweise äussern sie jene, die keine Ahnung haben und sich auch nie die Mühe machen würden, sich auf die Sache einzulassen, was typischerweise Männer sind. Sie denken, Frauen hielten ihre Yogamatten für ein Accessoire und Yoga für eine moderne Form der Gymnastik. Und sie machen sich darüber lustig, weil sie es nicht verstehen und es vielleicht sogar selber ausprobieren würden, wären sie nicht so feige. Denn warum machen eigentlich nicht mehr Männer Yoga? Zumal es in den entsprechenden Kursen gemeinhin von schönen Frauen nur so wimmelt. Genau das dürfte aber auch der Grund für die männliche Zurückhaltung sein – wer möchte sich mit seinen steifen Gelenken vor den schönsten Exemplaren des anderen Geschlechts schon zum Narren machen?
Ich möchte ihnen jetzt gerne sagen, warum Yoga so toll ist und warum so viele Frauen es mit solcher Begeisterung praktizieren, aber das geht nicht. Denn es ist ähnlich wie bei der Elternschaft: Man muss es erfahren, um es zu begreifen. Aber ich kann sagen, warum die obigen Annahmen falsch sind. Erstens ist Yoga weder eine östliche Philosophie noch geht es primär um die 84 Stellungen, sondern eine Methode, die zwar aus Indien kommt und in weltanschauliche und philosophische Konzepte eingebettet, aber universell anwendbar ist. Man kann es als Gymnastik betreiben, erfolgreich ist Yoga aber wohl genau deshalb, weil es mehr ist als blosse Leibesertüchtigung. Zweitens geht es im Yoga nicht um Selbstfindung, sondern darum, über die Begrenzungen des Selbst hinauszuwachsen. Weil man als Mutter sowieso ab und an an seine Grenzen kommt, liegt es nahe, das mittels Yoga zu trainieren.
Und nicht zuletzt findet man, wenn man sich mit den Hintergründen von Yoga beschäftigt, Sätze wie diesen: «Gelassenheit ist das Resultat eines Gleichgewichts im Bewusstsein, wenn das Verlangen nach allen Dingen, die man sieht oder von denen man gehört hat, erloschen ist.»
«Da kann man aber», konterte mein Freund nachdem ich ihm das alles umrissen hatte, «auch gleich ins Bett gehen.» Auch wieder wahr.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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yoga praktizieren ist eine frage der iteligenz. fuer mich ist yoga das a + o fuer ein gesundes und ausgeglichenes lebens. yoga ist fuer mich; >richtige atmung, >gesunde ernaehrung und >totale konsentraçao. unsere welt waehre eine andere, wenn die gemeinschaften taeglichen und natuerlichen yoga betreiben wuerden( ohne fanatismus). verhaltens-weisen wie; >unwissenheit, >egoismus, >stolz, >anhaftigkeit, >rachegefuehle etc. etc… wuerden abgebaut. der mensch wuerde menschlicher leben!!! kriege und mit ihr die waffenherstellungen, wuerden sich aufs minimo beschraenken. ausbeutung der kapitalistischen egoisten zusammen mit ihren staatschefs (politikern), wuerde nicht mehr doleriert. der weg fuer eine friedliche welt braucht menschen ekilibradas, welche immer fuers wohl der (es) naechsten handeln und denken. WO SIND UNSERE RELIGIONEN mit ihren GRUNDSAETZEN?????? herzlichst, fritz mauti joaima/MG brasil,
“yoga praktizieren ist eine frage der iteligenz”
Scheinst ja reichlich davon zu besitzen.
verfassen sie bitte so eine aussage auf portugiesisch fehlerfrei, dannach kann man ja weiter diskutieren. findi den kommentar treffend und tiefsinnig. thumbs up!
Und immer ist sofort so ein Depp da, der Ansichten und Meinungen anderer sofort kritisieren und in’s Lächerliche ziehen muss. Scheinst selber auch reichlich davon zu besitzen. Ein wenig Bescheidenheit würde sicher auch Dir guttun.
… lasst doch jedem Tierchen sein Pläsierchen…