Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 16. Juni 2010

Ist Gender-Pädagogik sinnvoll?

Pink Brain, blue Brain - sollten Buben dazu angehalten werden, mit Puppen zu spielen - auch wenn sie dem nichts abgewinnen können?

Pink Brain, blue Brain – sollen Buben dazu angehalten werden, mit Puppen zu spielen, auch wenn sie dem nichts abgewinnen können?

Vor einiger Zeit verkündeten wir an dieser Stelle «Die Wahrheit über das männliche Gehirn» – worunter wir die Forschungsergebnisse der Berkeley-Professorin Louann Brizendine zusammenfassten, welche die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Biologie ihrer Gehirne ortet. Doch ist Biologie wirklich das Königsmodell, um die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu erklären?

Nein, behauptet die Neurobiologin Lise Eliot in ihrem neuen Buch «Pink Brain – Blue Brain» und grenzt sich damit insbesondere gegen Forscherinnen wie Brizendine und ihre Kolleginnen ab. Denn wohl gebe es angeborene Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen, sagte Eliot, doch viele populärwissenschaftlichen Bücher würden diese krass überinterpretieren. Ausserdem griffen alle immer wieder auf dieselbe Studie von Simon Baron Cohen (ja, das ist der Bruder von Borat) zurück, deren Ergebnisse zweifelhaft und auch nicht wiederholt worden seien.

Die unterschiedliche «Natur» der Geschlechter werde vor allem vom soziokulturellen Umfeld geprägt, so Eliots These aus unseren Annahmen und Vorstellungen über die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau. Schliesslich reagieren wir vom ersten Atemzug an auf das Geschlecht unserer Kinder und drängen sie, mit Schützenhilfe der Medien und der Werbung, unbewusst in die Rollenklischees, so Eliot. Der Untertitel ihres Buches lautet denn auch: «Wie kleine Unterschiede sich zu beunruhigenden Gräben auswachsen, und was wir dagegen tun können.»

Früher hätte mich das überzeugt. Aber seit ich selber zwei Kinder unterschiedlichen Geschlechts grossziehe, zweifle ich daran, ob wirklich die Gesellschaft dafür verantwortlich ist, dass Frauen schlecht parkieren und Männer immer nur das Eine wollen. Ich würde den Verdacht, meine Tochter unbewusst in weibliche Rollenklischees zu drängen, weit von mir weisen – zumal ich als Kind selber immer ein Junge sein wollte und mich im weiblichen Geschlechterstereotyp nie besonders heimisch fühlte. Ähnlich liegt der Fall beim Sohn, obschon die Gefahr, Geschlechterstereotypen zu vermitteln, beim andern Geschlecht, das man nicht so gut kennt, vielleicht grösser ist.

Trotzdem verhielten sich meine Kinder, teilweise zu meinem Schrecken, von Anfang an ganz «typisch» – und das, obschon sie in den ersten Jahren weder Medien noch Werbung konsumierten. Die Tochter interessierte sich zu Beginn vor allem für Puppen und rosa Kleider. Der Sohn hingegen stöberte, sobald er kriechen konnte, inmitten all dieser Puppen, Wiegen und Stofftiere zielsicher das einzige Spielzeugauto im Kinderzimmer auf, um es mit leidenschaftlichem Ernst und Brummbrumm über den Boden zu schieben. Oder dann gab es da den Besuch bei meiner Schwester, um ihr neugeborenes Baby zu bewundern. Die Nichte lag in einer speziellen Wiege, die mit Klammern und Gummizügen am Türrahmen befestigt war. Die damals fünfjährige Tochter und der dreijährige Sohn stellten sich vor die Wiege. Während das Mädchen eingehend das Baby betrachtete, studierte der Sohn die Konstruktion der Wiege.

Persönlich halte ich sowohl den reinen Biologismus, wie auch den Versuch, alles auf das soziokulturelle Umfeld zu schieben, für dumm. Ich gehe mit den meisten einig, dass die Ausprägung der Geschlechter in einem vielfachen Wechselspiel zwischen Veranlagung und Umwelt stattfinden (wofür auch spricht, dass meine Tochter sich inzwischen vehement gegen «Tussis» abgrenzt und lieber Fussball als Popstar spielt). Hier setzt auch Eliot an. Statt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu betonen, macht sie sich dafür stark, die Gräben mit gezielter Förderung aufzuschütten. Sie ermuntert dazu, mit den Söhnen ganz besonders viel zu reden, die Töchter dagegen zu ein wenig mehr Risikobereitschaft und offener Konkurrenz zu ermuntern.

Das tönt schön und gut – solange es als Empfehlung für die Eltern gedacht ist. Tatsächlich ist es ja für viele Frauen so, dass sie erst mit der Mutterschaft weibliche Rollenklischees zu umarmen beginnen und sicherlich ist es sinnvoll, diese Tendenz zu hinterfragen. Schwierig wird es allerdings in der Schule. Diese steht ja heute ohnehin unter dem Generalverdacht, vor allem «weibliche» Eigenschaften wie Sozialkompetenz und so weiter zu fördern und «männliche» Eigenschaften wegerziehen zu wollen.

Was meinen Sie? Ist komplementäre Gender-Pädagogik sinnvoll und wenn ja, wie müsste diese im Einzelnen aussehen?

120 Kommentare zu „Ist Gender-Pädagogik sinnvoll?“

  1. Hotel Papa sagt:

    Es hat halt alles seine Zeit. In den Nach-Achtundsechzigern war Nurture alles und Nature nichts. Heute schlägt unter dem Gen-Hype das Pendel (zu weit?) zurück.

    Jedenfalls habe ich bei meinen Kindern ähnliche Erfahrungen gemacht: Das ‘geschlechtertypische’ Verhalten war klar zu beobachten, und wir haben ganz sicher keine extremen Gender-Erwartungen auf unsere Kinder projiziert.

    Komplementäre Gender Padagogik? Bitte nicht. Das kann gar nicht anders herauskommen als als dogmatische Zwängerei. Wie wäre es mit einem breiten Angebot an Möglichkeiten? (z.b. das eine Spielzeugauto unter den Puppen.)

    Dann kann ein Kind alles kennenlernen und für sich das herauspicken, was es braucht.

    Noch ein Nachtrag zum Thema Nature: Habe mal den Kommentar einer Frau gelesen (die vorher schon durchaus tough war), die aus medizinischen Gründen mit Testosteron behandelt wurde: “Wenn das das ist, womit die Kerle tagein tagaus heurumlaufen müssen, dann verstehe ich ihr Verhalten heute einiges besser!”

  2. Juhee sagt:

    lesen sie (als philosophin doch ein leichtes) die butler mal SORGFÄLTIG, dann karrikieren sie die soziale position vielleicht nicht länger…

  3. Rahel sagt:

    Unsere beiden Mädchen haben auch beiderlei Spielzeug kennengelernt, typisch mädchenhaftes wie Puppen und Schminke etc. aber auch Werkzeugköfferli und ferngesteuerte Fahrzeuge.

  4. Pascal Sutter sagt:

    Naja. Wenn ich jetzt auch noch beginne, zusätzlich noch die Genderthematik bei der Erziehung zu berücksichtigen brauche ich bald mal einen wissensschaftlichen Beistand. Ich glaube dass die wichtigsten Charaktereigenschaften/Tugenden vorgelebt werden müssen.

    http://www.otto-friedrich-bollnow.de/doc/Tugenden0.pdf
    http://www.schulfach-ethik.de/ethik/download/Jungen_Maedchen.pdf

  5. Cara Mia sagt:

    Ach nein, nicht auch noch. Die Kinder lesen sich von alleine aus, was ihnen entspricht. Meine Töchter liessen die ganze Rosa-Phase, die andere Mädchen so haben, vollständig aus und Barbie lag meist verlassen in der Gegend rum, die waren viel draussen und bauten, wenn es regnete, im Haus ihre Hütten und spielten mit allem Möglichen. Diese Gender-Pädagogik ist ein kopfgesteuertes Bürotischding, jedes Kind ist anders und vor der Pubertät ist vieles offen. Mädcheneltern können problemlos Jungs anderer Familien hüten, sie spielen miteinander, kein Thema. Danach trennen sich die Wege von Jungs und Mädchen allerdings brutal plötzlich, aber das signalisieren sie selber zur Genüge.

  6. In der Interpretation einzelner Interessensgruppen verkommt die Gendertheorie zweifellos zu einer Fortsetzung des Machbarkeitswahns mit anderen Mitteln. Natürlich ist irgendwie nachvollziehbar, dass man als Andersartige(r) den vorherrschenden Geschlechterverhältnissen kritisch und bisweilen sogar abweisend gegenübersteht- doch die Lösung der eigenen Problematik lässt sich nun einmal nicht einfach mit dem Begriff Dekonstruktion herbeiführen. Ich glaube, nichts hat der Gender-Theorie mehr geschadet, als ihre sofortige Vereinnahmung durch erwähnte Gruppen. Nicht die Gendertheorie ist das Problem, sondern ihre (radikale) Interpretation durch diese Gruppen. Judith Butler gehört für mich zum Beispiel zu einer dieser Gruppen.

    Meine Tochter versuche ich als Elternteil (vulgo das Elter *Ironiemodus on*) männlicher Prägung (huch: warum plötzlich politisch so korrekt?) möglichst offen zu erziehen. Sie darf also genauso fluchen, rülpsen und sich zur Wehr setzen, wie ein Junge, auch wenn meine Mutter jeweils sagt, dass sich das für ein Mädchen nicht geziemt. So kam es, dass sich meine Tochter als allererstes Mädchen in der ganzen Gegend an einem Samstag dafür entschieden hat, mitzuhelfen beim Altpapier einsammeln- was bis dahin ausschliesslich eine Bubendomäne war. Ich konnte es vor Stolz kaum fassen. Trotzdem hat sie mittlerweile eine ausserordentlich hohe Affinität zu Schminkartikeln und ausgesprochen weiblichen Kleidungsstilen entwickelt. Aber Boxen kann sie auch und Fussball gehört natürlich zu ihren allerersten Interessen. Ich glaube, noch vor wenigen Jahrzehnten wäre dieses Verhalten bei einem Mädchen- wie meine Mutter beweist- noch nicht als positiv durchgegangen. Und das ist zweifellos ein Fortschritt, der nicht zuletzt auch auf das Einwirken der Gendertheorie zurückzuführen sein dürfte.

    Genderpädagogik an den Schulen ja, aber nicht im Imperativ- was sie in der Interpretation erw. Gruppen zweifellos ist.

    • Cara Mia sagt:

      Iich mag es auch an Jungs nicht, wenn wie gorpsen und fluchen, das ist nichts anderes als schlechte Erziehung…, sorry. Aber mit dem Rest bin ich einverstanden, meine Mädels packen auch zu.

  7. Benjamin Hitz sagt:

    Eigentlich interessiert mich Gender-Pädagogik kaum bis überhaupt nicht, aber ich finde die Bemerkung, dass Ihr Kind mangels Werbung oder Medien (was ich ohnehin bezweifle, denn das hiesse, dass im Haushalt dieser Kinder NIE Fernsehen oder Radio lief und ausserhalb des Haushaltes auf eine absolut reizfreie Umgebung geachtet wurde) eigentlich keiner Beeinflussung ausgesetzt waren, erstaunlich naiv. Ich nehme an, es gab auch Kontakte mit anderen Leuten, Kindern, es gab Spaziergänge in der Stadt und was weiss ich noch, was alles für Reize. Was die Kinder sich daraus aussuchen, kann man weder steuern noch gross beeinflussen.
    Übrigens: Ich kenne zwei dreijährige Mädchen, die ausserordentlich gerne mit Spiezlzeug-Bohrmaschinen spielen. Kann ich daraus jetzt auch schon eine soziologisch wertvolle Ableitung draus basteln?

    • Jutta sagt:

      “Übrigens: Ich kenne zwei dreijährige Mädchen, die ausserordentlich gerne mit Spiezlzeug-Bohrmaschinen spielen. Kann ich daraus jetzt auch schon eine soziologisch wertvolle Ableitung draus basteln?”
      Nein, eben NICHT – genau das ist auch die Aussage dieses wunderbaren Blogs!
      Mein Sohn: scheu, ziemlich ängstlich, tollpatschig, liebt babys, meidet jeden Streit mit anderen Kindern etc. ABER, wenn’s ums Kämfen geht, da wird plötzlich alles ganz, ganz anders – und dies ist uns aufgefallen lange bevor er sich irgendwo ein soziokulturelles “Model” holen konnte.
      Es ist sehr wohl ein gewisses “etwas” in den Genen. In der Biologie, mit der dieser Text anfängt. Sonst wäre das Artikulieren und Steuern der “soziologischen Ableitungen” sooo einfach, nicht wahr? :)

      • simone sagt:

        …da bei uns zuhause immer ich handwerke finden es meine toechter normal, zu bohren, …. was soll denn DARAN maennlich sein??? bei allen texten kommt doch nur durch, wie sehr die schreiber und schreiberinnen selber ganz klare vorstellungen haben, was gender-spezifisch sei.
        oder wie mein bruder einmal sagte als er mit der puppe unterwegs war und jemand einen bloeden kommentar abgab: “warum soll ich nicht baebele, der papi hat ja auch uns kinder?”

  8. Diana sagt:

    Dass es geschlechtspezifische Unterschiede gibt, die von Natur aus so sind resp. sich evolutionär so etabliert haben, ist eine Tatsache und lässt sich sogar in der anatomischen Hirnstruktur ablesen. Vorallem der Einfluss des Hormonsystems hinterlässt deutliche Spuren. Insofern halte ich es für sinnvoll, dass an Schulen auch darüber gelernt wird, dass Jungs und Mädels nicht ganz gleich ticken. Wichtig dabei ist aber, dass diese Unterschiede nicht in Stein gemeisselt sind und dementsprechend darf man Kinder auch nicht in Geschlechtsstereotypen zwängen.

  9. Auguste sagt:

    hmm…, wie wäre das gender-pädagogisch einzustufen? man gibt seinem sohn eine barbie-puppe zum spielen, um ihn seine “feminine seite” entdecken zu lassen, und er findet: an der puppe ist aber alles dran!

  10. zeitungsleser sagt:

    genderpädagogik sinnvoll? zweifelhaft, jedenfalls in ihrer mir bekannten real existierenden form:

    “Tritt ein geschlechtertypisches Problem auf, wird es auch als solches benannt: Keine Scheu z.B. davor, den allgemeinen Begriff «Jugendgewalt» als «Knabengewalt» zu benennen. (…)” (s. 7)

    “Bei der Klassenbildung wird das quantitative Verhältnis von Mädchen zu Knaben beachtet. Wenn möglich, sollten Mädchen in der Mehrheit sein” (s. 9)

    für den deutschunterricht: “«Schreibe in geschlechtergerechter Sprache!» Jeder Aufsatzauftrag enthält diese Anweisung.”
    (s. 14)

    speziell für den französischunterricht: “lente-lentement/lente-lent: Bei der Einführung der Adjektive wird (…) von der weiblichen Form ausgegangen. Von ihr – als umfassender Grundform – können das Adverb und die männliche «Schwundform» abgeleitet werden (…)” (s. 15)

    (gretel und hänsel, hg. frauenrat baselland, 2000, vorwort von aRR Schmid, gemäss einleitung qualitätssicherungshilfe für die volksschule, vgl. http://www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/fkd/gleich/publi/gretel-haensel.pdf ).

    • zeitungsleser sagt:

      ah ja. der leitfaden wurde von fünf frauen hergestellt. gleichzeitig befürwortet er abstimmungsresutlate nach geschlechtern zu interpretieren. (s. 11)

    • Hotel Papa sagt:

      Heh. Besonders nett, wie ein offen sexistisches Machwerk wie dieses Sexismus anprangert.

      Aber eben, Frauen die nach offensichtlicher Gehirnwäsche in diesem Dunstkreis arbeiten, können eine ander Welt offenbar gar nicht mehr wahrnehmen.

    • Ich nehme an, dass es in Basel auch Privatschulen gibt.

      • seronegativ sagt:

        Ob Gender-Pädagogik sinnvoll ist oder nicht (empirisch beobachtbar, falls es einen Unterschied gibt) sollte von der Frage getrennt werden, wer dazu geeignet ist, die entsprechenden Methoden zu entwickeln.

        Es wird von verschiedenen Protagonisten postuliert, dass es einen Unterschied zu gebe, wie Mädchen und Buben lernen – insofern scheint die vormals progressive Koedukation in Wahrheit ein Rückschritt gewesen zu sein. Allerdings scheinen die Lernstil-Grenzen zwischen den Geschlechtern weniger scharf zu sein als Unterscheidungsmöglichkeit aufgrund des ‘kleinen Unterschieds’.

        Nicht nur bei diesem Thema ist man versucht, zu vermuten, dass 80 % der staatlichen und parastaatlichen ‘Fachstellen’ einzig dazu dienen, arbeitslosen GeisteswissenschafterInnen eine Beschäftigung zu verschaffen. Umso schlimmer, dass diese Leute auch noch die Mittel von diesem Staat in die Hand kriegen, Steuergelder mit unsinnigen Pamphleten und Projekten zu verprassen und uns mit ihrem wirren Gedankengut zu terrorisieren.

        Der Hinweis, dass es in Basel auch Privatschulen gäbe, empfinde ich als sarkastisches Vergnügen eines gehobenen Mittelständlers, der weniger bemittelten Eltern zu verstehen geben will, dass sie selber schuld seien, wenn sie ihre Kinder aus wirtschaftlichen Gründen der Gender-Streamlining-Gehirnwäsche in der Volksschule aussetzen müssen – und als Bürger möchte ich meine Steuergelder nicht für eine ‘Sekten-Schule’ ausgegeben wissen.

    • StefanB sagt:

      Jugendgewalt ist Knabengewalt? in den meisten Fällen vielleicht. Aber was ist mit der nach einigen Medienberichten zunehmenden Zahl weiblicher jugendlicher Gewalttäter?

      Was den Französischunterricht angeht: in jedem, wirklich jedem Dictionnaire der mir bekannten Europäischen Sprachen sind die Adjektive danach aufgeführt, dass zuerst die (meist) kürzere männliche Form genannt wird. Alles andere ist schlicht sprachfeministischer Unsinn!

    • StefanB sagt:

      @zeitungsleser: War dieser Schwachsinn eigentlich verbindlich, oder nur ein Vorschlag zu Handen des Regierungsrates?

      • zeitungsleser sagt:

        wohl nicht verbindlich, da der frauenrat (heute: gleichstellungkommission, bestehend aus 6 damen und einer sekretärin) ein den regierungsrat beratendes gremium ist. der leitfaden wurde in einer auflage von 5′000 stück gedruckt und an die schulen im kanton verteilt (vgl. einleitung betr. adressaten)

    • Als Elter von zwei weiblichen Kindern habe ich der Genderpädadogik viel zu verdanken. Meine Töchter dürfen ungeniert sich handgreiflich zur Wehr setzen auch gegen Knaben, sie werden fast ausschliesslich von Frauen erzogen, sie haben mit 10 Jahren im Präventionskurs gelernt, dass man streichelnden Onkeln in die Eier treten soll und sie wurden extra in Naturwissenschaften gefördert. Natürlich spielen sie nach wie vor fleissiger ein Instrument als die meisten männlichen Kindern, bei denen man heute froh ist, wenn sie früh zu gamen beginnen, denn Gutsein in der Schule, Sport oder Musik, Reiten und Fechten ist heute alles “Maitlizügs”.
      Was mich aber trotz allem immer wieder erstaunt: wie lange sie vor dem Spiegel die Zeit verbringen und ihre Inbrunst für lackierte Nägel: irgendetwas scheint immer noch nicht zu klappen mit dem “gendern”.

      • Auguste sagt:

        hmm…, ich sehe, sie gefallen sich auch in der “neuen” elter-rolle.

    • Lea sagt:

      Ein Beispiel des ehmm der

      Real Existierenden Gender Pädagogik.

  11. Rahel S sagt:

    Lustig, dass es als durchaus normal, ja vielleicht sogar “cool” angesehen wird, wenn Maedchen nicht nur mit Puppen spielen, sondern auch mit Autos und Werkzeug (was unsere Tochter auch ganz gerne macht- zugleich liebt sie alles glitzerige und rosarote)- aber wie steht es umgekehrt? Wenn ein Junge gerne mit Puppen spielt, sich schoen frisieren moechte und gerne kocht? Maedchen ziehen blaue und oliv-farbene T-Shirts an, aber Buben rosarote? Ich glaube, dass die Gesellschaft da immer noch weniger offen ist…

    • simone sagt:

      das sehe ich auch so. schon zweimal ist mir passiert, dass sich jungs das rosarote prinzessinenkostuem der schwestern angezogen haben und die eltern dann wahnsinnig peinlich beruehrt waren uns sich fast schon rechtfertigten. ein junge, der eine rosarote jacke will bekommt sie wohl kaum je. da lernt er seine rolle schnell.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Ich schickte meinen Jüngsten mit fünf Jahren ins klassische Ballett, wo es ihm sehr gefiel. Er war der einzige Bub, die Lehrerin, eine Russin, die in jungen Jahren eine gefeierte Tänzerin war, war entzückt, endlich einen kleinen Jungen unterrichten zu können. Die Sache entwickelte sich sehr erfreulich, bis ihm sein grosser Bruder einredete, Ballett sei etwas für Mädchen oder für Schwule, da war es vorbei, ich konnte sagen, was ich wollte, er ging nicht mehr hin. Die Höchststrafe für einen Jungen ist immer noch, wenn man ihm unterstellt, ein Mädchen zu sein. In unserem Kulturkreis ist Tanz etwas für Mädchen, also ist der Fall klar. Schade……

  12. mensch sagt:

    die allgmeine pädagogik von menschen für menschen gemacht…….

    die perpetierten intellektuellen-mobiles sind anscheinend der zeitvertrieb in unserer epoche

  13. mira sagt:

    Warum ist das schlimm, wenn sich Kinder “geschlechter-typisch” verhalten? Ich sehe absolut keinen Grund, meine Tochter nicht bevorzugt mit Puppen spielen zu lassen. Anbieten sollte man von allem etwas, und dann das Kind wählen lassen, was es interessiert. Ich halte mehr davon, die Stärken auszubilden, als sich auf die Schwächen zu konzentrieren. Das kommt doch in der Schule noch schnell genug…

    Was mich jedoch aufregt, ist, dass Eltern stolz sind, wenn sich die Tochter “wie ein Junge benimmt”. Solche Verhaltensweisen sind doch nicht erstrebenswert, (aber auch nicht unterdrückenswert), sondern gehören einfach zum grossen Sortiment, welche uns die Natur mitgegeben hat. Jede Kind hat seine eigene Mischung, und das ist auch gut so!

  14. StefanB sagt:

    Gender-Pädagogik? Was für ein Schwachsinn! Darauf können auch nur die Amis kommen… :-)

    Nun mal im Ernst (oder sollte es nicht besser: in der Ernestine – nein, da kann mannch einer auf ein falsches Bild kommen :-) )

    Also seriös: Es kommt doch nicht drauf an, was die Kids machen, ob sich ein Mädchen nun eher wie ein Junge verhält, oder umgekehrt. Wichtiger ist IMHO, dass die Kinder gelehrt werden, dass es völlig in Orndung ist, wenn sich ein Junge nun nicht ganz wie ein “richtiger” Junge, oder ein Mädchen nicht als Pre-Teenie-Tussi verhält! Nicht der Fakt, sondern die Wertung des Faktes in den Augen der Anderen ist es, der verändert werden muss.

    Kurz gesagt: Wir müssen die Kinder wieder einmal Toleranz lernen: der/die andere ist anders, aber genauso wertvoll wie der/die “Normale”.

    • Pascal Sutter sagt:

      Gender Pädagogik ist etwas für Sitzpinkler und Mannweiber

    • StefanB sagt:

      Nein, Herr Sutter, Gender Pädagogik ist einer jener vielen psychofeministislchen und pseudowissenschaftlichen Verirrungen, die auf den Müll der Geschichte gehört – wie das Ptolemäische Weltbild der Antike oder die diversen Rassentheorien, die soviel Unheil über die Menschen brachten.

  15. heidi reiff sagt:

    Ich habe mich als Kind an der Fasnacht immer als BUB verkleidet. Ich bin zwischen 2 Brüdern aufgewachsen. Wir sind sicher auch geprägt von unseren Geschwister, ich habe viel gelernt von meinem älteren Bruder in jeder Beziehung.

    • StefanB sagt:

      An der Fasnacht – also nur einmal im Jahr, und an den anderen 364 Tagen das brave rosa Mädchen? Sorry, das zählt nicht – an der Fasnacht sieht man ja auch gestandene Männer, die Frauenkleider tragen! Einige gehen sogar soweit, dass sie dabei das Gesichtsrasieren weglassen.

  16. Auguste sagt:

    hmm…, dass frauen-fussball immer wieder als gendertechnische errungenschaft angesehen wird, ist eine völlige verklärung.
    die mädels brauchten einfach länger, um heraus zu finden, was für ein grossartiges spiel es ist, das runde ins eckige zu befördern. aber ich bin zuversichtlich, dass auch sie noch die kameradschaftliche wärme entdecken werden, die wir beim in der gruppe herumstehen und iphone apps bewundern empfinden oder diese sinnliche begeisterung, die wir für alu-felgen und breite reifen entwickeln können. und wenn sie dann auch noch die letzte bastion erobert haben, nämlich das perfekte, einhändige und mit links bierbalancierende “extremly well done” grillieren von fleischwaren auf kugelgrills, dann sind sie definitiv und total ebenbürtig im maskulinen nirvana angekommen. dieser tag wäre dann wohl auch das ende der gender-themen im mamablog – gut sind wir davon noch ein stück enfernt.

    • mira sagt:

      Also, wenn meine Tochter Fussball spielen wollte, dann hätte ich glaub tatsächlich ein Problem… Mein Verstand sagt mir zwar, dass das ok ist, aber mein Bauch rumort schon nur bei dem Gedanken…

      • StefanB sagt:

        Mira, ich muss bekennen: in meiner Jugend gabs einige Mädchen, die waren im Fussball und auch sonst im Sport besser als ich – nun gut, ich bekenne, ich war damals nicht eine Flasche, eher ein ganzer Harrass :-(

        Und ja, das Fach Turnen (wie der Schulsport damals bei uns noch hiess) hätte meiner damaligen Meinung nach abgeschafft gehört.

  17. Lena sagt:

    Das Rosa-zeugs auf jedenfall ist nurture (anerzogen) und nicht nature, vor ca. 1920 war rosa nämlich noch gar keine speziell weibliche Farbe. Rot war vor der Neuzeit eine eher männliche Farbe, blau eine eher weibliche (z.B. blauer Mantel der Maria . Wenn also Rosa anerzogen und nicht genetisch bedingt ist wundert man sich schon was alles andere vielleicht unbewusst anerzogen wird.

    • mira sagt:

      Als ich Kind war, habe ich immer blau getragen (die damals typische Mädchenfarbe) und mein älterer Bruder rot (die damals typische Jungenfarbe). Noch heute ist blau meine Lieblingsfarbe…. Rosa war da noch nicht so in….

      • StefanB sagt:

        naja, die Farben selbst sind vielleicht Nurture (Elvis besang doch irgendwann mal seinen Pink Cadillac)

        Rot selbst ist männlich, weil rot eine agressive Farbe ist (die Linken gehen mit roten Fahnen in den Klassenkampf, die Nazis mit roten Fahnen [inkl. Hakenkreuzsymbol] in den Rassenwahn :-( )

        Blau ist eher kühl, und war in den Zeiten des Ancienne Régime den Königshäusern vorbehalten; Maria trägt deshalb einen blauen Mantel, weil es der Mantel der Königin des Himmels ist.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Das war bei uns auch so, ich hatte ein einziges Mal ein zartrosa Sommerkleidchen als Kind. Nichts geht über Blau, auch für mich die schönste Farbe bei Kleidern.

        Dieser ganze Barbiekitschplunder ist sowieso eine relativ neue Erfindung, für die Mädchen peinlichen Kitsch, für die Jungs peinliche Master of the Universe Toggle. Am besten, man schmeisst das Zeug in den Müll.

  18. Luise sagt:

    Als Feministin in den 70er-Jahren war mir die Gender-Pädagogik wichtig. Ich schenkte meiner Tochter (geb 1979) Autos und Bären, sie war meist in Latzhosen gekleidet – wie ich. Ob es die Erziehung oder die Gene waren? Sie ist heute 30 und entzieht sich recht erfolgreich den Rollenklischees. Beim Sohn (geb. 1986) war ich überrascht, dass er fast auss chliesslich männliche Interessen hatte: Technik, Prügeln… heute ist er ein männlicher, aber doch sanfter Mann.

    Fazit: Erziehung ist wohl unbedeutender als wir gerne glauben möchten.

    • Auguste sagt:

      hmm…, hätten sie nicht ein paar photos ihrer tochter, die ihr gesicht zeigen, wenn sie ein auto geschenkt bekam? und nur nebenbei, latzhosen sind total frauenfeindlich. zwei träger lösen und schon sind die dinger unten an den knöcheln, dagegen sind strumpfhosen ein rechter chrampf. immer wieder amüsant, die hard-liner.

      • Luise sagt:

        Frauenfeindliche Latzhosen;-) Stimmt tatsächlich. Aber damals trug die emanzipierte Frauenwelt Latzhosen;-)

        Fotos hab ich leider keine. Aber meine Tochter ist heute 30 und repariert locker Motorsägen und Rasenmäher. Heute wünschte ich, dass sie ein bisschen “weiblicher” wäre im Bezug auf ihre Aufmachung. Sie pflegt immer noch das Punkerinnenimage. Ob das wegen der Erziehung ist?

      • Auguste sagt:

        @ luise

        hmm…, das tut “pink” ja auch und so unweiblich kommt die keinesweg rüber. (möglicherweise der eleganteste umweg zurück zum thema, der mir je eingefallen ist.)

    • Tronje sagt:

      Zum Glück ist Erziehung unbedeutender, als wir gerne glauben möchten. So besteht wenigstens noch Hoffnung.

  19. Wenn die Genderpädagogik dazu führt, dass Frauen mit 30 Jahren solche Texte schreiben:
    http://dasmagazin.ch/index.php/schwanger-kommt-von-schwierig/
    Dann muss ich sagen, verzichte ich gern auf Genderpädagogik.

  20. Pippi Langstrumpf sagt:

    “44-jährige ETH-Professorin gewinnt Millionen-Preis
    Fünf Millionen Euro: So viel Wert hat der höchstdotierte internationale Forschungspreis Deutschlands. Gewonnen hat ihn die 44-jährige Ulrike Kutay…..”

    Solche Nachrichten stellen die altbackenen Rollenmodelle mehr in Frage als jedes gendergerechte Lesebuch, aber ohne das Lesebuch wären solche Karrieren nicht denkbar……

    • …bis auf Marie Currie (1867- 1934).

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        An die habe ich auch gedacht. Marie Curie ist übrigens nach wie vor der einzige Mensch, der je für zwei verschiedene naturwissenschaftliche Gebiete den Nobelpreis bekam, für Physik und Chemie. Eine ganz aussergewöhnliche Frau.

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