Wenn Teenager die falschen Freunde haben

Andrea Fischer am Donnerstag, den 24. Juli 2014
Mamablog

Freiheit oder Schutz: Darf man Teenagern noch vorschreiben, mit wem sie rumhängen dürfen? Foto: icanteachyouhowtodoit (Flickr)

Vor rund zwei Jahren habe ich mit dem Kinderarzt und Buchautor Remo Largo ein Interview über die Pubertät geführt. Darin ging es unter anderem darum, ob wir Eltern unseren Kindern den Umgang mit Freunden verbieten können, die uns nicht passen. Gemeint sind Freunde, die unseren Kindern nicht guttun, aus welchem Grund auch immer. Largos lakonische Antwort: Man könne zwar mit Teenagern über ihre Freundschaften reden, diese zu verbieten, bringe jedoch nichts. Verbote hätten oft sogar eine gegenteilige Wirkung. Dass er damit recht hat, wissen wir spätestens seit Adam und Eva.

Im frühen Alter ist das Ganze ja noch relativ einfach. Da hat man halt leider immer schon was anderes vor, sorry, oder man lädt bewusst Kinder ein, die man besonders mag. Aber mit Beginn der Pubertät wird das komplexer.

Ich selbst habe mich als Teenie vorbildlich an Largo und die Genesis gehalten. Je mehr meine Eltern jemanden missbilligten, desto faszinierender fand ich denjenigen oder diejenige. Zum Beispiel meinen ersten richtigen Freund. Ihre Ablehnung befeuerte lediglich meine Loyalität zu ihm. Ich musste ihn schliesslich vor einer Familie beschützen, die zu beschränkt war, einen wahren Prinzen zu erkennen, wenn er in ihrem Wohnzimmer stand. Oder nackert im Schlafzimmer der Tochter.

Darum denke ich eigentlich nicht daran, meinen Kindern Freundschaften zu verbieten, die ich für ungut betrachte. Dachte ich bis vor kurzem. Nun habe ich meine Meinung geändert. Aufgrund diverser Erlebnisse bin ich einmal mehr zum Schluss gekommen, dass Erziehung nichts Absolutes ist. Dass es Situationen gibt, in denen man vor allem junge Teenager vor sich selber schützen muss. Das kann im Notfall auch bedeuten, eine Freundschaft zu verbieten. Nämlich dann, wenn sie dem eigenen Kind massgeblich und offensichtlich schadet. Zum Beispiel indem vordergründige Freunde hintenrum Gerüchte verbreiten, sei es aus Neid oder aus schierer Lebenslangeweile oder warum auch immer.

Wer meint, solche grundlegenden Machtmechanismen seien nur Erwachsenen geläufig, sollte dringend sein Bild von der unschuldigen Kindheit revidieren. Das Prinzip von «teile und herrsche» beherrschen einige Kinder instinktiv bereits so ausgezeichnet, dass sich mancher Lobbyist eine Scheibe davon abschneiden könnte. Ebenfalls sehr wirkungsvoll ist es, nach einem zufälligen Muster entweder sehr freundschaftlich oder ohne Vorankündigung abweisend und kühl zu sein. Das Resultat ist verblüffend, Sie sollten es mal an Ihrem Lieblingsfeind testen: Man kann damit auch psychisch intakte Menschen verlässlich aus dem Gleichgewicht hebeln – zumindest bis sie kapieren, was mit ihnen gespielt wird.

Und genau da kommen wir Eltern ins Spiel. Im Normalfall mit reden, reden und reden. Auch darüber, was das eigene Kind zu dem beiträgt, was ihm widerfährt, und wie es sich schützen kann. Denn manipulativen Persönlichkeiten werden sie im Laufe ihres Lebens immer wieder begegnen. Nur können sie später als Erwachsene, Gott sei Dank, viel eher mitbestimmen, mit wem sie Umgang pflegen.

In der Schule geht das kaum. Das hat den Vorteil, dass Kinder sich hier dem Leben stellen müssen und lernen, auch harte Zeiten durchzustehen. Aber es gibt einen Punkt, an dem ich nicht mehr einig bin mit Largo: Dann nämlich, wenn ich sehe, dass allem Diskutieren, Verzeihen und Verstehen zum Trotz alles so weitergeht wie bis anhin. Wenn ich erlebe, dass ein Kind so massiv unter einer vermeintlichen Freundschaft leidet, dass ich das nicht mehr einfach mit ansehen kann und darf.

Dann ist es Zeit für einen angeordneten Bruch. Das zu tun, ist hart und geht nicht ohne die Angst, dem Kind damit zu schaden. Oder dem stubenreinen Frieden. Doch wenn alle Stricke reissen, muss ich dieses Risiko eingehen. Wir Eltern sind verantwortlich dafür, die Seelen unserer Kinder so weit wie möglich zu schützen. Im Härtefall kann das sogar so weit gehen, einem fremden Kind Hausverbot zu erteilen und zu verlangen, dass es auch nicht mehr über soziale Medien eindringen kann.

Ich bin nicht so naiv, zu glauben, dass das hundertprozentig funktioniert. Aber das ist noch lange kein Grund, es nicht zu versuchen. Ein Hausverbot ersetzt das Gespräch mit den eigenen Kindern natürlich nicht. Im Gegenteil, es erfordert erst recht die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Situation. Es geht ja nicht um «friss oder stirb», sondern darum, dass ich mein Kind ja auch nicht immer wieder dieselbe Treppe runterstürzen lasse, solange ich sehe, dass es noch ein Geländer braucht.

Wie denken Sie darüber? Soll man Kindern den Umgang mit Freunden verbieten, wenn die ihnen schaden? Falls ja, wie – und bis zu welchem Alter?

Der alte Mann und das Kind

Mamablog-Redaktion am Mittwoch, den 23. Juli 2014

Ein Papablog von Nils Pickert*

Mamablog

Späte Vaterfreuden: Schauspieler Michael Douglas mit Frau Catherine Zeta-Jones und ihren gemeinsamen Kindern. Foto: Getty

Jetzt ist es also passiert: Ich bin alt und werde noch einmal Vater. Gefühlt sehe ich mich auf einer Linie mit Michael Douglas (letztmalig Vater geworden mit 58), Rod Stewart (mit 66) und Anthony Quinn (mit 81!). Aber abgesehen davon, dass ich mir mit diesen Vergleichen – vorsichtig formuliert – ziemlich schmeichle, stimmt noch etwas nicht.

Ich bin nämlich gerade mal 34 Jahre alt und damit weit entfernt von den späten Vaterfreuden dieses virilen Dreigestirns. Andere Männer werden in meinem Alter erstmalig Vater, weil sie sich vorher als zu jung empfunden haben. Und ein gleichaltriger guter Freund hat nur wenige Tage gebraucht, um sich von der Nachricht zu erholen, dass aus seiner schönen Pärchen-mit-Kind-Situation eine Grossfamilie wird – er erwartet Drillinge. Ich hingegen hätte an seiner Stelle vermutlich den ersten Schock darüber frühestens auf der Abschlussfeier der drei verdaut.

Woran liegt das bloss? Zugegeben: Irgendwie werde ich das Kind auch diesmal geschaukelt bekommen. Aber beim Gedanken daran, dass es eine knappe Dekade her ist, seit ich zuletzt nachts aus dem Bett bin, um mich um ein Baby zu kümmern, wird mir ein bisschen mulmig. So warm, dass einem nicht scheissekalt wird, wenn man sich um Mitternacht unter der kuscheligen Decke hervorquält, um mit dem Kind schlaftrunken durch die Wohnung zu tapsen, wird es in Deutschland so gut wie nie. Ausserdem wecken die einen immer, wenn man gerade die Tiefschlafphase erreicht hat. Da fühlt sich das Aufstehen dann an wie nach einem Niederschlag beim Boxen – man weiss kurzzeitig nicht, wer oder wo man ist, oder auch nur, welcher Spezies man angehört. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Lebensgefährtin und ich schliesslich dazu übergegangen sind, immer später ins Bett zu gehen, um zumindest diesen ersten Moment des «Wer bin ich und warum schreit das da so?!» einfach auszusitzen.

Das ist ein Problem – die Erinnerung an all die Momente, in denen man gedacht hat, dass man nicht mehr kann, und feststellen musste, dass dieses Gefühl allenfalls zweitrangig ist.

Ein anderes Problem ist, dass länger wach bleiben gar keine Option mehr ist. Wir haben schon zwei Kinder und zwei Jobs. Da nimmt man jede Mütze Schlaf, die man bekommen kann. Pärchenzeit, das werden viele von Ihnen wissen, bedeutet für Eltern oft, dass sie komatös im Bett herumliegen – wenn sie nicht gerade tiefsinnige Gespräche darüber führen, wie müde sie sind («Auch so kaputt?» – «Hmmm!»). Ansonsten hetzt man sich so gut es geht durch die Rushhour des Lebens.

Das dritte und grösste Problem ist jedoch die Angst. Mit Mitte dreissig geht man die Dinge nicht mehr ganz so unverkrampft an, weil die Einschläge immer näher kommen. Befreundete Paare fangen an sich zu trennen, und man fragt sich unweigerlich, ob die eigene Beziehung auch ein Verfallsdatum haben muss. Best before third child. Oha! Im Bekanntenkreis gibt es plötzlich Leute, die ernsthaft erkrankt sind. Freundin X ist gekündigt worden. Freund Y hat gerade seine Mutter verloren. Und man selbst ist die letzten Jahre ein paar Mal so richtig schön auf die Fresse geflogen.

In den Zwanzigern nennt man das «Erfahrungen, die man gemacht haben muss». In den Dreissigern heisst das «Rückschläge». Ich könnte mir vorstellen, dass man in den Vierzigern dazu «Wunden» sagt. Und wenn man viel Glück hat, wird einem in den Fünfzigern klar, wie albern der Anspruch auf ein bruchloses Leben ist. Darauf, sich und die Kinder in Sicherheit wiegen zu können. Denn all die Befürchtungen, die ich mit einem neuen Kind verbinde, waren schon immer real. Nur habe ich mir früher die jugendliche Ignoranz geleistet, darüber hinwegzusehen.

Da man so naiv jedoch nicht werden, sondern nur sein kann, versuche ich es als Mittdreissiger stattdessen mit Pragmatismus. Okay, ich bin ein Schisser. Die Welt ist schlecht, das Leben kann echt ätzend sein. Dafür kann mein Frischling ja nichts. Ausserdem hat der bestimmt so ganz kleine Füsse und gähnt sehr süss. Später gurrt er dann, fängt an zu laufen, hält mich an der Hand und nervt und macht mich fürchterlich glücklich. Ach, das wird toll. Wenn ich es mir recht überlege: Gibt es eigentlich etwas Besseres, als mit 34 noch ein Kind zu bekommen?!

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.

Diese Termine dürfen Eltern nicht verpassen

Gabriela Braun am Dienstag, den 22. Juli 2014
Mamablog

Einer dieser Tage: Es gibt Daten, die muss man sich dick und rot eintragen. Foto: iStockphoto

Es war mein Fehler, ein wirklich ärgerlicher dazu. Ich hatte das Couvert zu den Rechnungen gelegt, die ich Ende des Monats bezahlen wollte. Vor vier Wochen dann der Schreck: Der Umschlag mit dem Anmeldeformular für den Schülerhort fällt mir in die Hände. Auf dem Formular steht klar und deutlich: Anmeldeschluss ist der 20. Juni. «Danach können wir dem Kind keinen Platz am Mittagstisch und im Hort garantieren.»

Ojemine! Das bedeutet, der Mittagstisch ist in Gefahr. Ich ärgere mich. Wie konnte ich bloss diese Anmeldefrist verpassen – handelt es sich doch für eine arbeitstägige Mutter wie mich um eine der wichtigsten Aufgaben des Jahres. Immerhin geht es um die Betreuung meines Kindes während der kommenden 12 Monate. Dessen Name steht nun tatsächlich auf einer Warteliste.

Es ist schon so Herausforderung genug, Familie, Job und Kinder miteinander zu kombinieren und aneinander vorbei zu organisieren. Verpasst man dabei noch eine Anmeldung für etwas, das einem das Leben erleichtern würde, ist das ziemlich blöd.

Deshalb, liebe Eltern und alle, die vorhaben, es zu werden: Versäumen Sie nur ja keine dieser wichtigen Anmeldetermine. Fristen wie die Abgabe der Steuererklärung oder das Vorführen des Autos sind Pipifax – sie lassen sich verschieben. Die folgenden hingegen nicht:

  • Geburt: Egal ob man im Spital, im Geburtshaus oder zu Hause mithilfe einer Hebamme gebären will – man muss die Geburt bis allerspätestens sechs Wochen vor dem errechneten Termin angemeldet haben. Das allerdings garantiert noch nicht zu 100 Prozent, dass man auch in der gewünschten Klinik gebären kann. Bei einer entfernten Bekannten von mir setzten die Wehen ein, doch das Spital bei dem sie sich angemeldet hatte, wimmelte sie ab. Die Geburtenabteilung sei proppenvoll. Die Klinik versuchte sie an ein anderes Spital zu vermitteln, aber auch dort: kein Platz. Nach einer wilden Fahrt durch den Kanton Zürich gebar sie in einem dritten Spital ihr Kind.
  • Krippenplatz: Heiss begehrt, insbesondere für Babys unter 18 Monaten, denn diese Plätze sind rar. Melden Sie Ihr ungeborenes Kind deshalb – so absurd es klingen mag – bereits im vierten Schwangerschaftsmonat schriftlich für einen Platz an. Eine zusätzliche Herausforderung ist, wenn Geschwister am selben Ort betreut werden sollen: Nicht immer findet sich für das jüngere Krabbelbaby auch ein Platz. Provisorische Anmeldungen bei zwei, drei weiteren Krippen sorgen für Entspannung. Kleiner Tipp am Rande: Am ehesten ergattert man einen Krippenplatz im August, wenn das neue Schuljahr beginnt.
  • Krankenversicherung: Melden Sie Ihr Kind schon vor der Geburt bei der Krankenkasse an – so sind Sie auf der sicheren Seite. Laut Gesetz müssen Eltern ihr Kind innerhalb der ersten drei Monate gegen Krankheit und Unfall versichert haben. Melden Eltern ihr Kind verspätet an, entsteht eine Deckungslücke.
  • Zahnversicherung: Teure Zahnkorrekturen als Teenager? Eine Zusatzversicherung kann sich lohnen. Diese sollte man am besten kurz nach der Geburt abschliessen, weil viele Krankenkassen später eine zahnärztliche Untersuchung verlangen, bevor sie das Kind in die Versicherung aufnehmen.
  • Fussballclub: Okay, das klingt vielleicht wie ein Witz. Und nein, sie brauchen Ihr Kind nicht schon im vierten Schwangerschaftsmonat für regelmässige Balltrainings anzumelden. Aber: Fussball ist bei den Kids seit Jahren hoch im Kurs, und der Andrang auf die Clubs ist riesig. Spielt Ihr Kind mit nichts lieber als einem Ball, so melden Sie es im Kindergartenalter in einem Verein an. Danach ist häufig nur noch ein Platz auf einer Warteliste übrig – und ein Vorrücken kann Monate, wenn nicht Jahre dauern. Ausser natürlich Sie übernehmen ein Traineramt, dann gehts ruckzuck. Doch das ist nicht jedermanns Sache.

Fehlt ein wichtiger Termin? Wenn ja, welcher?

Und hier noch 10 Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn Sie Ihr Kind im Kindergarten anmelden (Youtube, Kesslers Knigge):

Warum uns Kinder glücklich machen

Jeanette Kuster am Sonntag, den 20. Juli 2014
Mamablog

Kinder lassen uns die Welt neu entdecken. Foto: Stefano Montagner/Flickr

Kinder können unglaublich anstrengend sein und einem manchmal den letzten Nerv rauben. Doch Kinder machen auch unglaublich glücklich. Nicht nur, aber vor allem ihre Eltern. Oft mit klitzekleinen Dingen. Und manchmal sogar dann, wenn sie gar nichts tun. Zeit, sich all dieser Glücksmomente wieder einmal bewusst zu werden.

Unsere Kinder machen uns glücklich, weil

... sie dafür sorgen, dass wir im Zug wieder einmal ganz bewusst aus dem Fenster schauen und die Landschaft beobachten, anstatt ständig aufs Smartphone zu starren.

... wir dank ihnen dabei problemlos mit anderen Reisenden ins Gespräch kommen. Denn gibt es einen besseren Eisbrecher als ein drauflos plauderndes Kind?

... wir nur in ihrer Begleitung wieder einmal unbeschwert «bis in Himmel ue gireizle» können, ohne dass uns jemand kindisch nennen würde.

... wir gemeinsam mit ihnen unsere Kreativität ausleben dürfen, indem wir stundenlang im Sand buddeln oder mehrstöckige Legohäuser mit Balkon, Garten und Garage bauen.

... sie in uns immer wieder dieses wunderbare Gefühl des Elternstolzes hochkommen lassen. Ganz egal, ob sie zu krabbeln beginnen, zum ersten Mal einen klar erkennbaren Hund zeichnen, in die Schule kommen oder die Lehre abschliessen.

... wir richtiggehend von Liebe und Glück durchflutet werden, wenn wir ihnen beim Schlafen zuschauen.

... sie uns jeden Tag zum Lachen bringen. Mit ihrem ansteckenden Gekicher oder ganz ernsthaft vorgetragenen Dialogen wie diesem: «Mami, weisch was?» – «Was?» – «Ich weiss nüme.»

... sie dafür sorgen, dass wir zwischendurch innehalten, um eine Viertelstunde lang eine Schnecke zu beobachten, die nichts tut.

... wir dank ihnen gesünder leben. Jetzt, da wir Vorbilder sind, schauen wir nämlich plötzlich weniger fern, bewegen uns mehr und essen gesünder.

... sie uns Tag für Tag grenzenlose Liebe empfinden lassen. Ein Gefühl, das wir in diesem Ausmass und dieser Bedingungslosigkeit früher nicht gekannt hatten.

... sie uns (zumindest in den ersten Jahren) auch ganz offen zum Objekt dieser grenzenlosen Liebe machen und das mit so wunderbaren Sätzen wie «Ich liebe dich Millione Milliarde!» kundtun.

Welche Punkte gehören noch auf diese Liste? 

Auch das macht glücklich - oder zumindest gute Laune: Tanzende Kinder aus Helsinki zum Song «Happy» von Pharrell Williams.

Wie sieht Ertrinken aus?

Mamablog-Redaktion am Freitag, den 18. Juli 2014

Ein Gastbeitrag von Christa Wüthrich*

Mamablog

«Meist sind Ertrinkende nicht fähig, um Hilfe zu rufen»: Ein Mädchen taucht in einem Freibad unter Wasser. Foto: Frank Augstein (AP)

Nur schnell ein dringendes Mail geschrieben oder kurz die Toilette aufgesucht – und das Kind ertrinkt unterdessen im Schwimmbecken: ein Horrorszenario für alle Eltern. Schreckensgänsehaut auf der dünnhäutigen Mutterseele. Die Faktenorientierten unter ihnen werden sagen: «Selbst schuld, hätte besser aufpassen müssen oder wenigstens mehr Zeitung lesen.»

Jeden Sommer berichten die Medien über Kinder und Erwachsene, die ertrinken. In der Schweiz waren es vergangenes Jahr 52 Menschen, darunter sechs Kinder. Hinzu kommen 270 nicht tödliche Unfälle, deren schwere Folgen für die betroffenen Kinder ein lebenslanges Handicap bedeuten.

Doch wie kommt es so weit? Fehlt es an der Aufmerksamkeit der Eltern, der Schwimmfähigkeit der Opfer oder etwa an der Zivilcourage der potenziellen Retter? Fakt ist: Die meisten Menschen wissen nicht, wie Ertrinken aussieht! Denn es wird meistens nicht wild gestrampelt, geschrien und gefuchtelt, sondern stumm untergegangen. Mario Vittone, Rettungsschwimmer und Rettungshubschrauberpilot der US Coast Guard, hat in einem Artikel in der Onlinezeitschrift «Slate» das Phänomen des Ertrinkens durchleuchtet. Eine Pflichtlektüre für alle Badegäste und Eltern.

«Etwa die Hälfte aller Kinder, die ertrinken, befindet sich in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil», sagt der Arzt Francesco A. Pia. «In 10 Prozent dieser Fälle wird ein Erwachsener sogar zusehen und keine Ahnung davon haben, was da gerade geschieht.» Das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ertrinken zu verhindern, erläutert Mario Vittone wie folgt:

  1. In den meisten Fällen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu fähig, um Hilfe zu rufen. Da das Atmungssystem auf das Atmen ausgelegt ist und die Sprache die zweite, überlagerte Funktion darstellt, muss zunächst die Atmung sichergestellt werden, bevor die Sprachfunktion stattfinden kann.
  2. Da sich der Mund beim Ertrinken unter der Wasseroberfläche befindet und nur kurzzeitig wieder aus dem Wasser auftaucht, ist die Zeit für das Ausatmen, Einatmen und für einen Hilferuf zu kurz. Sobald sich der Mund einer ertrinkenden Person über der Wasseroberfläche befindet, wird schnell ausgeatmet und wieder eingeatmet, bevor der Kopf wieder unter Wasser abtaucht.
  3. Ein Herbeiwinken ist nicht möglich. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt. Diese Schutzfunktion soll den Körper über der Wasseroberfläche halten, um weiter atmen zu können.
 Ein Winken nach Hilfe ist also nicht möglich.
 Wenn Sie sichergehen wollen, fragen Sie die betreffende Person: «Geht es dir gut? Brauchst du Hilfe?» Erhalten Sie eine Antwort, dann scheint es der Person gut zu gehen. Wenn nicht, dann bleiben für die Rettung nur wenige Sekunden übrig.
  4. Während der Dauer des Ertrinkens befindet sich der Körper aufrecht im Wasser. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen.

Durch den Artikel wird klar: Viel Zeit, um einen Ertrinkenden zu retten, bleibt nicht. Ein Kind kann in 20 Sekunden untergehen und ertrinken. Vittone schliesst seinen Artikel mit einer Empfehlung an alle Eltern ab: «Kinder, die im Wasser spielen, machen Lärm. Sollte es still werden, schauen Sie nach, weshalb.» Nicht in fünf Minuten. Sofort.

Trauriges Thema, ästhetisch umgesetzt: Aufklärungsvideo der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) über lautloses Ertrinken.

So soll man reagieren, wenn ein Kind am Ertrinken ist. Erste-Hilfe-Tipps des Arbeiter-Samariter-Bunds Österreichs:

Wüthrich*Christa Wüthrich war als Lehrerin, Journalistin und IKRK-Delegierte rund um den Globus unterwegs. Heute arbeitet sie als freie Journalistin für verschiedene Printmedien. Sie ist Mutter zweier Kinder.

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