Der Mythos der Akademiker-Hausfrauen

Andrea Fischer am Donnerstag, den 21. August 2014
Mamablog

Viele junge Mütter schaffen den Sprung von der Uni ins Berufsleben nicht: Hochschulabsolventin mit Baby. Foto: Carl Wilke (bigcheesedad.com)

Über fünf Milliarden Franken sind quasi in den Sand gesetzt worden, weil rund 50'000 Frauen zwar fleissig studiert haben, dann aber Kinder in die Welt gesetzt und auf einen Job verzichtet haben (laut Bundesamt für Statistik). Das ist bitter. Aber dieses Lamento kommt reichlich spät. Beziehungsweise ist schon abgestanden und nun einfach und Gott sei Dank ein bisschen lauter geworden, da das Thema akuter wird.

Wer es hören will, weiss schon lange, dass in der Schweiz enorm viel Know-how brachliegt und nicht zugunsten des Bruttosozialprodukts arbeitet. Vor allem weil Frauen sich erstklassiges Wissen aneignen und es dann sozusagen in den Backofen und die Kloschüssel stecken. Nur: Solange es so schwierig ist, mit Vätern den Job zu teilen, weil sie entweder wirklich, wirklich nicht können oder weil sie heimlich saufroh sind, dass sie nicht müssen, wird es nicht besser.

Und auch nicht, bevor nicht jeder Betrieb begriffen hat, dass die Vereinbarkeit von Kind und Beruf nicht einfach Privatsache ist. Die Integration der weiblichen Bildung klappt nämlich nur, wenn alle am gleichen Strick ziehen. Bis dahin bleibt das Jammern gepflegter Small Talk. Man könnte sich genauso gut über das Wetter unterhalten. Wobei sich Letzteres nicht ändern lässt – ganz im Gegensatz zum Problem der Bildung, die ungenutzt in Windelbergen versickert.

Darum finde ich Statements «Meine Kinder profitieren von meiner Bildung», wie man sie in der Zeitung «20 Minuten» lesen konnte, zwar nett, aber kontraproduktiv, an der Sache vorbeiargumentiert. Und auch Nationalrat Hans Fehr bläst gern munter ins gleiche, schon spuckefeuchte Horn, wenn er behauptet, er fände, dass Akademikerinnen ihren Kindern mehr Bildung mitgäben und das darum gut sei für den Staat. Ich bitte Sie, das ist ein Faustschlag ins Gesicht aller nicht akademischen Mütter und in dasjenige der akademischen gleich dazu.

Ja, natürlich, es ist schön, wenn Kinder eine Mutter haben, der die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt und die viele Fragen beantworten kann oder zumindest weiss, wie und wo man Antworten bekommt. Aber dazu braucht es keine akademische Bildung. Ich habe selbst eine – und ausser bei ein paar wenigen Fragen rund um Zoologie oder Naturwissenschaften im Allgemeinen hat es mir kaum je so viel genützt, dass ich dafür sechs Jahre lang hätte büffeln müssen.

Ich weiss nämlich noch immer nicht, warum der liebe Gott Kriege zulässt, warum wir sterben müssen und wo die Schere schon wieder hingekommen ist, um nur drei der abertausend Fragen zu nennen, die wir als Mütter beantworten müssen. Zudem muss ich ja auch keine Bäckerinnenlehre machen, um mit meinen Kindern Kuchen zu backen, oder ein Kindergärtnerinnenseminar absolvieren, um mit ihnen zu basteln.

Solange Frauen nicht wirklich die freie Wahl haben zwischen Job und Kinderzimmer, bleibt die ganze Argumentation pro Akademiker-Mütter drum nichts als Schönschwätzerei. Bitte hört auf damit und konzentriert euch auf bessere Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren! Frau dankt. Und hilft gern mit.

Die ohnmächtigen Väter

Mamablog-Redaktion am Mittwoch, den 20. August 2014

Ein Papablog von Markus Theunert*

Mamablog

Plötzlich findet sich der Mann in einer passiven Rolle wieder: Ist ein Kind da, werden die Karten in einer Familie neu verteilt. Foto: Clay Hackett (Flickr)

Entspannt hantiert Suna (32) am Grill, während sich Eric (32) ihren beiden übermütigen Mädchen als mobile Kletterwand zur Verfügung stellt. Auf einer Studienreise nach Schweden haben wir die beiden diesen Sommer in ihrer 4-Zimmerwohnung in einem Neubauquartier Stockholms besuchen können. 480 Tage Elternzeit, Krippenplätze für 200 Euro im Monat, garantierte familienexterne Kinderbetreuung bis 12 Jahre: Mit Schweizer Augen betrachtet, ist es mehr als erstaunlich, welch familienfreundliche Rahmenbedingungen Schweden als Teil der staatlichen Infrastruktur gewährleistet – und zwar mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der wir in der Schweiz den Halbstundentakt der SBB als «normal» empfinden. Zurück zu Hause wartet die nüchterne Realität: Vaterschaftsurlaub null. Elterngeld null. Und ein Kindergeld, das nicht mal für zwei Monate Kinderkrippe reicht.

«Die Politik betreibt eine äusserst wirkungsmächtige Politik, indem sie keine Politik macht. Mit dem Verzicht auf einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub begünstigt sie vom ersten Lebenstag eines kleinen Kindes an die väterliche Entfremdung aus dem familiären Bereich.» Das habe ich im Januar 2013 im Manuskript meines Buches «Co-Feminismus» geschrieben.

Drei Monate später bin ich zum ersten Mal Vater geworden. In der Zwischenbilanz nach einem guten Jahr praktischer Überprüfung komme ich zum Schluss: Ich habe keineswegs übertrieben. Im Gegenteil. Der Verzicht auf eine staatlich garantierte und solidarisch finanzierte Väterzeit ist mehr als eine gleichstellungspolitische Unterlassung. Er ist Ausdruck einer doppelzüngigen Geringschätzung der Erziehungs- und Beziehungsarbeit von Vätern. Er ist Aufforderung, Vaterschaft auf die leichte Schulter zu nehmen – oder sich gleich ganz abzumelden. Er ist Anreiz zur chronischen Selbstausbeutung bei Männern, die auch ohne staatliche Unterstützung alles unter einen Hut bringen möchten – oder zur Flucht in die Arbeit (und entsprechend zur Fremdausbeutung und chronischen Überbelastung der Frauen).

Seit über zehn Jahren männer- und väterpolitisch engagiert, freundschaftlich verbunden mit führenden Fachleuten der Männer- und Väterarbeit, belesen mit allerlei Ratgeberliteratur für werdende Eltern und Väter: Blauäugig in das Abenteuer Vaterschaft gestiegen zu sein, muss ich mir nicht vorhalten. Ich war vorbereitet auf Balanceakte und Vereinbarkeitsstress, schlaflose Nächte und rastlose Tage. Nicht vorbereitet war ich aber auf Ausmass und Vielschichtigkeit der Belastungen, in die mich die (späte) Vaterschaft katapultiert hat.

Unterschätzt habe ich erstens, wie ultimativ dem frisch gebackenen Vater genau eine einzige Reaktion zugestanden wird: grenzenlose Freude. Im Angesicht dieses unschuldigen reinen Menschleins auch nur den Hauch eines unguten Gefühls zu erleben, scheint für einen zivilisierten Menschen nicht drin zu liegen. Sollte ich mich also dem Glückseligkeitsimperativ beugen und den strahlenden Neo-Vater mimen? Oder all meine gemischten Gefühle, die Verlustängste, die Trauer des Abschieds von meinem «alten Leben» benennen – und somit riskieren, mich zum gefühlskalten Barbaren abzustempeln?

Unterschätzt habe ich zweitens, dass dieser kleine Mensch keineswegs passives Subjekt meiner Fürsorge sein will, sondern sich vielmehr ohne Unterbruch mimisch, lautmalerisch und mit wildem Fuchteln artikuliert. Damit dreht es die vorgedachte Rollenverteilung um: Bébé agiert. Ich reagiere. Und so finde ich mich in der Rolle wieder, mit der ich – wie wohl so mancher Mann – mehr Probleme habe: in der Rolle des Passiven. Seither ist mir klarer, weshalb Männer im statistischen Schnitt nach der Geburt des ersten Kindes ihr Erwerbspensum erhöhen. Meine These: Es ist gar nicht so sehr der Ernährerdrang, der Arbeiten – so «richtig» Arbeiten, also für Geld Arbeiten – unheimlich attraktiv erscheinen lässt (der entfällt in meinem Fall, weil meine Lebensgefährtin wirtschaftlich eigenständig ist). Es ist die Sehnsucht danach, Momente von Souveränität und Kontrollierbarkeit zu erleben. Arbeiten, das kann ich. Das mit diesem herzerweichenden Mondwesen: Das kann ich nicht.

Unterschätzt habe ich drittens, wie einsam es macht, ein Baby zu betreuen. Brav halte ich meine Monologe, wie es die Ratgeber empfehlen, gewöhne die Kleine an die Laute unserer Sprache. Und fühle mich dabei nicht nur ziemlich doof. Sondern verdammt allein. Erwachsene Fürsorge zielt ja gemeinhin auf ein Gegenüber, das erkennbar was davon mitbekommt und vielleicht sogar in Ansätzen dankbar dafür ist. Es scheint mir aber, unser süsses Baby bemerke sie nicht einmal. Erst der Mangel wird beklagt. Das dann aber ausdauernd und in voller Lautstärke.

Unterschätzt habe ich viertens, wie schwer ich mich tue, mit meiner eigenen Ohnmacht umzugehen. Nach fünf Monaten trug ich erstmals die alleinige Verantwortung während ganzer Tage. Das waren die wohl aufreibendsten Stunden meines Lebens. Das geliebte eigene Kind schreiend in den Armen zu halten und einfach keine Ahnung zu haben, was nach erfolglosem Zücken der gängigen Trümpfe – Schoppen, Schaukeln und so weiter – noch an Handlungsmöglichkeiten bleibt: Eine solch abgrundtiefe Trauer über meine eigene Begrenztheit habe ich noch nie zuvor erlebt. Mir scheint Ohnmacht das Leitmotiv der ersten Phase von Vaterschaft zu sein.

Unterschätzt habe ich fünftens: Man(n) hat als engagierter Neu-Vater nicht nur halb so viel Zeit und doppelt so viel zu tun wie vorher. Man(n) ist auch dauernd krank – und hat die neue Doppelbelastung mit halb so viel Kraft wie zuvor zu bewältigen.

Meine Schlussfolgerung ist deftig und heisst: Jeder, der Vätern in den ersten Monaten nach der Geburt keine staatlich finanzierte Väterzeit gewähren will und trotzdem ihr häusliches Engagement einklagt, ist entweder Zyniker oder Sadist. Frühe Vaterschaft ist – genauso wie die Mutterschaft – nicht nur eine Zeit ganz handfester Beanspruchung, sondern auch eine Phase massiver Eruptionen in den emotionalen Tiefenschichten, in der sich neben aller Freude auch Einsamkeit und Trauer, Ohnmacht und Wut, Verlust- und Selbstauflösungsängste mischen. All das will zuerst bewältigt sein. Und dafür braucht es vor allem anderen: Zeit. (Und was Elternschaft in der Paarbeziehung auslöst, ist hier noch nicht mal angetönt).

Was von der heutigen Männergeneration zum Glück und zu Recht verlangt wird – nämlich engagierte Vaterschaft, das heisst: während der Hälfte der Zeit die ganze Verantwortung für das eigene Kind zu übernehmen – ist ohne Entlastung nicht zu schaffen. Aber klar doch, geschätzte Parlamentarier, die ihr innert 10 Jahren 26 Vorstösse für einen Vaterschaftsurlaub versenkt habt: Was geht den Staat schon mein Befinden an? Mit ein bisschen Organisation (und dank der starken Frau daheim) lässt sich das schaffen, nicht wahr? Einfach Haltung zeigen. Und Eigenverantwortung übernehmen!

Theunert 150*Markus Theunert (41) ist Präsident des Dachverbands Schweizer Männer- und Väterorganisationen und Autor des Buches «Co-Feminismus» (erschienen 2013 im Verlag Hans Huber). Mit seiner Lebensgefährtin teilt er sich die Betreuung der gemeinsamen Tochter (Arbeitspensum je 80 Prozent, drei Tage Krippe pro Woche). 

Am 1. September 2014 erscheint die Männerzeitung zum Schwerpunkt Schweden.

Schule stresst

Gabriela Braun am Dienstag, den 19. August 2014
Mamablog

Manchmal findet sich noch ein alter Apfel und die Einladung zum vorletzten Elternabend: Schultasche packen birgt ein gewisses Konfliktpotential. (Foto: Getty images)

Sonntag Abend, halb zehn. Es ist ruhig in der Wohnung, zu ruhig. Ich versuche regelmässig ein- und auszuatmen, doch es gelingt mir schlecht. Der Puls trabt noch immer. Was bloss hat mich nur so rasend gemacht, frage ich mich. Warum habe ich am Ende mein Kind angeschrien, statt mit ihm die Vorfreude auf den ersten Schultag als Sechstklässer zu teilen, ihm liebevoll gute Nacht zu wünschen und einen Kuss zu geben? Ein Scheissgefühl, so die Sommerferien zu beenden und das neue Schuljahr zu beginnen, denke ich.

Dabei waren wir doch alle so entspannt. Knapp drei Wochen lang genossen wir die Tage ohne fixe Struktur. Wir lebten nach dem Lustprinzip. Doch schneller als uns lieb ist, hat uns der Alltag wieder. Adieu Ferien – hallo richtiges Leben.

Weshalb ist dein Zimmer noch immer nicht aufgeräumt, hört mein Sohn mich am Sonntagabend fragen. Deine Schulsachen sind nicht in deinem Schulrucksack... Wie – was heisst das, du weisst nicht, wo das Mathebuch ist? Nun mach dich endlich bereit fürs Bett. Ja, genau, so früh schon zu Bett, das wird jetzt wieder normal – und, nein, natürlich kannst du nicht mehr online sein. Und so weiter und so fort. Am Ende Türe schletzen. Dasselbe im Zimmer nebenan. Mein Mann spricht mit seinem Sohn – einem Sekundarschüler – in immer lauteren Ton. Es wird sich um ähnliches drehen.

Und wir sind wieder mitten drin, denke ich. Ich hatte kurzzeitig schlicht vergessen oder verdrängt, wie der anstrengende Familienalltag mit Schule und Arbeit oft ist, doch das ist es. Die Pflichten und der Druck, den der Alltag und die Schule mit sich bringen, lässt uns Eltern innert Sekunden zu Kontrolleuren und Befehlserteilern werden. Mach dies, tu das. Ich kann mich manchmal selbst kaum hören. Doch täte ich es nicht, würde nicht viel geschehen. Schule stresst, denke ich mir. Dabei fängt der Stress in der Sechsten ja erst richtig an.

Ich nehme mir also für das neue Schuljahr einmal mehr vor, im Alltag gegenüber meinem Kind klar zu kommunizieren, kooperativ aber auch konsequent zu sein – und dabei möglichst entspannt zu bleiben. Womöglich sollte ich damit beginnen, für gewisse Aufgaben die Fristen schon auf den Ferienanfang zu setzen, nicht erst auf das Ferienende hin. Ja, und dann immer schön weiter atmen, gemittet bleiben, ohm shanti – und überhaupt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Eltern, Kindern, Lehrerinnen und Betreuern einen guten Start ins neue Schuljahr und in den Alltag. Auf dass wir uns schnell daran gewöhnen und so lange wie nur möglich die Lockerheit der Ferien bewahren. Und vergessen wir nicht, nach den Schulferien ist vor den Schulferien. In sieben Wochen ist es bei uns bereits wieder soweit.

Einer der grossen Stressfaktoren sind Hausaufgaben - auch für Eltern. Comedian Martina Hill setzt dieses Thema wunderbar um.

Gemischte Gefühle zum Kindergartenstart

Jeanette Kuster am Sonntag, den 17. August 2014
SCHULANFANG, 1. SCHULTAG, ERSTER SCHULTAG, SCHULEINTRITT, BEGINN, SCHUELER, KIND, KINDER,

Mami und Papi bleiben aussen vor: Mit dem Start in den Kindergarten betritt das Kind eine neue Welt – alleine. (Foto: Keystone)

Bei einigen von Ihnen war es schon letzte Woche so weit, uns steht der grosse Tag morgen bevor: Unsere Tochter kommt in den Kindergarten.

Wir werden unser Mädchen also zum ersten Mal ganz alleine in die grosse, weite Welt hinausziehen lassen. Zugegeben, ich übertreibe leicht, schliesslich dauert der Kindergartenweg weniger als zehn Minuten und am Mittag wird unsere Grosse jeweils nach Hause zurückkehren. Trotzdem fühlt es sich genau so an. Und dies, obwohl unsere Tochter schon bisher gerne selbstständig unterwegs war und regelmässig ganze Nachmittage bei den Nachbarskindern verbracht hat. Nach draussen auf den Spielplatz habe ich sie aber erst vor einigen Monaten zum ersten Mal ohne erwachsene Begleitung gelassen. Sozusagen als Training. Nicht für sie, sondern für mich selber. Beim ersten Mal stand ich denn auch die ganze Zeit über am offenen Fenster und horchte. Sehen kann ich den Spielplatz von der Wohnung aus nämlich nicht, aber ich hätte so immerhin sofort gehört, wenn etwas passiert wäre und sie mich gebraucht hätte.

Beim zweiten Mal stand das Fenster zwar noch offen, aber ich ging (einigermassen entspannt) meiner Arbeit nach. Und nach ein paar weiteren Trainingseinheiten läuft das Ganze nun so relaxed ab, dass ich sie sogar alleine mit dem Velo rauslasse – was mein Mann übrigens schon wieder des Guten zu viel findet.

Er hat auch mit dem Kindergartenstart mehr Mühe als ich. Nicht bloss deshalb, weil er die Tochter ein Stück weit loslassen muss. Sondern auch wegen einer gewissen Skepsis gegenüber dem modernen Schulsystem, die durch die vielen Negativschlagzeilen noch gefördert wird. Eben erst hat die «SonntagsZeitung» berichtet, dass Kindergartenkinder in immer mehr Kantonen «wie Manager bewertet werden». Die Lehrpersonen müssten für jedes Kind einen Testbogen ausfüllen und so seine Fertigkeiten und Defizite festhalten. Die Kinder würden dadurch in eine Norm gepresst und das Augenmerk schon früh auf etwaige Defizite gerichtet.

Liest man so etwas kurz vor dem Kindergartenstart, ist man zwangsläufig verunsichert. Man hat Angst, das Kind könnte zu sehr unter Druck geraten durch solche Bewertungen. Oder befürchtet, dass die Lehrerinnen dem Kind seine Eigenheiten, die es als Person ausmachen, abtrainieren wollen. Gleichzeitig will man sich diese Ängste natürlich nicht anmerken lassen, weil die Vorfreude des Kindes nicht getrübt werden soll.

Das Ergebnis: Es sind häufig die Eltern und nicht die Kinder, die mit dem Kindergartenstart überfordert sind. Zumindest haben mir letzte Woche gleich mehrere Mütter erzählt, dass sie am ersten Kindergartentag völlig durch den Wind waren, zu Hause heimlich geweint haben und sich dabei fast ein bisschen lächerlich vorgekommen sind. Weil sie doch eigentlich vor hatten, den grossen Schritt zu feiern und die teilweise zurückgewonnene Freiheit zu geniessen, anstatt sich den Sorgen und Ängsten hinzugeben, die mit der grossen Veränderung einhergehen.

Trotz solcher Erzählungen löst der neue Lebensabschnitt bei mir persönlich auch ganz viele positive Gefühle aus. Ich werde unglaublich stolz sein auf meine Tochter, wenn ich sie an ihrem ersten Kindergartenmorgen begleiten und am Mittag wieder abholen und mir dabei ihre ersten Chindsgi-Geschichten anhören darf. Vor allem aber freue ich mich für sie, dass sie nun endlich zu den «Grossen» gehört und jeden Tag losziehen darf, um zusammen mit ihren Gspänli Neues zu lernen und zu entdecken. Und dies schon bald ganz ohne Mama und Papa, was sie bestimmt mit Stolz erfüllen wird.

Und obwohl ich es mir noch überhaupt nicht vorstellen kann, mein Mädchen nur noch so selten zu sehen (so fühlt es sich tatsächlich an), freue ich mich gleichzeitig darauf, Zeit nur mit meinem Sohn zu verbringen. Als Zweitgeborener hatte er nicht oft meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Nun regelmässig die Vormittage mit ihm alleine zu verbringen, auch mal etwas nur nach seinem Gusto zu unternehmen, fühlt sich wunderbar an. Dass wir neuerdings an einen strikten Zeitplan gebunden sein werden und pünktlich um 12 Uhr wieder zu Hause sein müssen, ist da gerade noch verkraftbar.

Wie haben Sie als Mutter oder Vater den Kindergartenstart gemeistert? Überwog bei Ihnen Freude oder Sorge? Und haben Sie sich schnell daran gewöhnt, plötzlich in einem so engen Zeitkorsett zu stecken?

Die 10 Top-Lügen an Neo-Eltern

Mamablog-Redaktion am Freitag, den 15. August 2014

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während zweier Wochen einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Gastbeitrag von Claudia Marinka* erschien erstmals am 16. März 2014.

Ein Vater erkennt die schonungslose Wahrheit. Oder die erste volle Pampers. (Flickr, Mark)

Mit Schwangerschaften und Kinderkriegen ist es ja so eine Sache: man nimmt über eine ereignisreiche Periode selektiv wahr, was auf einen zukommt. Man belügt sich ein wenig gerne selbst (und andere). Wenn Sie sich realistisch mit dem Thema Kinderwollen und Kinderhaben und dem ganzen Drumherum beschäftigen wollen, bedarf es eines schonungslosen Blickes hinter die Kulissen der Pampers-Werbung. Die ungeschminkte Wahrheit der meistverbreiteten Lügen an Neo-Eltern:

1. Körperlich bleibt alles beim Alten! Schwangerschaftsstreifen? Überschüssige Pfunde? Schlaffe Brüste? Wir wissen alle, die eigentliche Arbeit beginnt nach der Entbindung. Mit Baby, mit Körper, mit dem Wiedererlangen von optischem Stil. Hart aber herzlich: be strong and brave. Zum Thema Stillen, das gerne mit «Kilos purzeln von alleine» angepriesen wird: Nehmen Sie es, wie es ist:  Sie stillen fürs Kind.

2. Ein Kind verpflichtet zu nichts! Sie sind nicht für die Elternschaft geeignet, wenn Sie mit folgenden Schlagwörtern Schwierigkeiten haben: Bindung, Verantwortung, Geldverdienen, Chaos (innerlich und äusserlich), Kompromiss, Kotze, Kacke, Spucke, Gestank, Gebrüll, Vorbild, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Dreinreden, Lärm, Sparen, Geduld. Sie sind für das Elternsein geeignet, wenn Sie nachfolgenden Redewendungen etwas abgewinnen können: «Humor ist, wenn man trotzdem lacht», «Morgen ist auch noch ein Tag», «Das Glas ist halbvoll».

3. Das ganze Leben verändert sich! Auch wenn es Sie enttäuschen mag: Sie bleiben der selbe Mensch. Mit einer kleinen Fussnote: Sie haben ein Kind. Das macht Sie nicht zu einem besseren Menschen. Es macht Sie zu einem Elternteil. Niemand kann Ihr Leben verändern. Eltern sind für das Kind da, nicht umgekehrt. Kinder haben Anrecht auf Liebe, Geborgenheit und Vertrauen – vor allem haben sie Anrecht auf adäquate Erziehung.

 4. Sie werden das besser machen als andere! Sie haben eine Meinung zu allen pädagogischen Erziehungsmustern und vertreten diese auch inbrünstig in einer Runde. Demut ist angesagt. Niemand ist unfehlbar, auch Sie nicht. Erst recht nicht, wenn Sie Kinder haben. Eine Einsicht, die für die einen ein schmerzhafter «Lehrblätz» ist. Für andere schlicht und einfach das Leben.

5. Du hast Kinder, du musst auf Sicherheit setzen! Menschen haben Träume. Das fegen auch keine Kinder weg. Natürlich sind nicht alle Wünsche in der Realität umsetzbar. Die Gründe mögen durchaus mit Sicherheit (des Lebens oder des Geldes wegen) zu tun haben. Niemand sollte sich kasteien. Abenteuer und Wagemut gehören zum Leben. Seien dies ein Jobwechsel, die Selbständigkeit, eine Weltreise.

6. Kinder machen dich schöner! Auch wenn es Ihnen schwerfällt das zu glauben: die Zeit für Schminke, Ausgang – und gute Laune - kommt. Hormonschwankungen und ein gewisser objektiver Attraktivitätsverlust gehen miteinander einher. (Auch wenn Rita «schöner denn je war, als ich die Nabelschnur durchtrennte».) Natürlich, ein Kind macht grundsätzlich jede Frau und jeden Mann unvergleichlich schöner – nur Geduld.

7. Kinder kosten am Anfang doch nichts! Kinderzulagen, Zustupf der Grosseltern, Geburtsgeschenke. Toll, so viele Goodies. Jetzt gilt es, klaren Kopf zu bewahren. (Ein Kind bringt nicht selten Realitätsverlust mit sich.) Der Nachwuchs kostet eben doch schon im Babyalter. Statt in den Gitarrenunterricht investiert man in Windeln und Möbel. Mami und Papi kaufen haufenweise süsse Kleidchen (Klein-Henrik zieht die Mini-Krawatte nicht oft an) und natürlich ist der x-te Wand-Deko-Aufkleber nötig!

8. Gemeinsam sind wir stark! Was aber, wenn der eine Part der Beziehung einen Durchhänger, eine Depression oder ein Burnout hat? Dann ist man in erster Linie einsam stark. Es gibt Zeiten, in denen die Mutter oder der Vater alleine stark sein muss, für die Gemeinschaft. Dass das zu überstehen ist, zeigen jene, die eine Durststrecke (emotional, finanziell, körperlich) erfolgreich gemeistert haben. Im Leben gibt es Abzweigungen, die man nicht einkalkulieren kann.

9. Ein Kind schweisst das Paar noch enger zusammen! Wer Kinder als Rettungsanker einer Beziehung sieht, dem ist von deren Zeugung abzuraten. Kinder fordern – und das 24 Stunden am Tag. Gut, wenn Sie neben Nerven, Geduld und Toleranz auch noch über Optimismus, Gelassenheit und Humor verfügen. Dann können Sie sich abends glücklich nebeneinander kuscheln. Und vielleicht gibt es auch noch Sex. (Aber verlassen Sie sich nicht darauf.)

10. Viele Informationen helfen weiter! Vergessen Sie Ratgeber und Ratschläge. Selbst gut gemeinte Tipps verunsichern oft. Lassen Sie sich nicht von allen und von allem beeinflussen, wenn Sie nicht ein gutes Gefühl dabei haben. Das eigene Bauchgefühl rät meist das Richtige. Beherzigen Sie keine Empfehlungen, wenn es Ihnen nicht danach dünkt - diesen Blog mit eingeschlossen.

marinka*Claudia Marinka arbeitet als freie Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen und hat bei verschiedenen Medien in den Ressorts Nachrichten, Gesellschaft und People gearbeitet. Die zweifache Mutter lebt mit Tochter, Sohn und Mann in der Nähe von Zürich.

 

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