Fünf Tipps für wilde Familienferien

Gabriela Braun am Freitag, den 27. März 2015


In etwas mehr als drei Monaten ist es schon so weit, und wir haben noch immer keinen Plan, geschweige denn etwas gebucht. Es ist jedes Jahr dasselbe. Wir machen uns monatelang kaum Gedanken darüber, bis auch wir merken, dass – wenn wir in den Sommerferien wegwollen – wir uns schleunigst darum kümmern sollten.

Letztes Jahr verbrachten wir die Ferien an der Westküste Schwedens. Wir sind mit Zug, Bus und Schiff gereist, von Insel zu Insel gehüpft, haben Velos gemietet, Krabben gefischt, Freunde besucht und in Jugendherbergen übernachtet. Auch diesen Sommer wollen wir in den Ferien aktiv und in der Natur sein, mit einem vor Energie strotzenden Dreizehnjährigen als Begleitung bietet sich das an.

Ich habe mich an den letzten Abenden während Stunden für Inspirationen durchs Netz geklickt. Mal sehen, wohin es uns letztlich verschlägt. Diese fünf Ideen hier gehören zu meinen Favoriten.

Mit dem Kanu den Fluss hinab
Im Kanadier über Seen und Flüsse paddeln, am Lagerfeuer sitzen, in Zelten schlafen, und jeder packt mit an. Wieso nicht in Frankreich einen Teil des Flusses Ardèche und dessen Schluchten entdecken? Oder auf die Loire. Ich bin unweit der Reuss gross geworden, die Erinnerungen an die vielen Erlebnisse im und auf dem Fluss sind geprägt von Abenteuer und Natur.

Von Paris nach London mit dem Velo
Von der französischen Hauptstadt zur englischen – aus eigener Kraft! Man pedalt entlang des Seine-Tals und des Flusses Epte bis hin zum Meer; alles auf der vor drei Jahren eingeweihten Veloroute Avenue verte. Mit der Fähre gelangt man auf die englische Seite, um weiter bis nach London zu radeln. Die Tour ist 360 Kilometer lang. Sie soll machbar sein in 8 Tagen – doch ich denke, wir würden dafür ein, zwei Tage mehr benötigen. Klar ist: Eine Investition in gut gepolsterte Velohosen lohnt sich.

Eine mehrtägige Bergtour
Worauf ich schon lange Lust habe, ist eine mehrtägige Wanderung in den Alpen. Ideen dafür liefert der Wanderblog von Urs Kyburz – eine echte Trouvaille. Der Familienvater und begeisterte Wanderer, Mountainbiker, Kletterer schreibt über Wanderungen, Berg- und Velotouren mit Kindern – und wie man sie dafür motivieren kann.

Wale beobachten in der Strasse von Gibraltar
Auf einem Forschungsschiff mithelfen und Wale und Delfine beobachten – in Europa! Möglich ist das im südspanischen Tarifa. Familien können die Mitarbeiter der Schweizer Stiftung Firmm bei ihrer Arbeit begleiten. Die Ausfahrten dauern zwei Stunden. Man nimmt an einzelnen Trips teil oder besucht einen der einwöchigen Kurse, um die Wale und Delfine und ihren Lebensraum besser kennen zu lernen. Die richtige Zeit dafür ist zwischen April und Oktober.

Ferien auf der Alp
Vielleicht stelle ich es mir als Unterländerin allzu romantisch vor. Doch ein, zwei Wochen auf einer Alp in einer gemieteten Hütte verbringen, mit einem Brunnen davor; steile Wiesen runterrennen, Wege und Berge erkunden, abends ein Gemeinschaftsspiel spielen, früh zu Bett gehen und mit der Sonne wieder aufstehen? Klingt ziemlich verklärt. Umso mehr gilt es herauszufinden, wie es wirklich ist. Ich ahne allerdings bereits, was der Teenager davon halten wird...

Welche Reisepläne haben Sie?

Homeschooling braucht bessere Qualitätskontrollen

Mamablog-Redaktion am Donnerstag, den 26. März 2015

Ein Gastbeitrag von Marianne Binder-Keller*

In der Familie Gustoff in Des Moines (USA) macht die Mutter die Lehrerin. Foto: IowaPolitics.com (Flickr)

Mum knows best: Bei Gustoffs in Des Moines unterrichtet die Mutter. Foto: Iowapolitics.com (Flickr)

Schulpflicht bedeutet nicht Schulbesuchspflicht. In Ergänzung zu den öffentlichen und den privaten Schulen kann der Unterricht in der Schweiz auch zu Hause abgehalten werden. In den kantonalen Gesetzestexten nennt sich das «private Schulung» oder «Unterricht zu Hause», «nicht öffentlicher Unterricht», «l’enseignement au milieu privé» ... Einmal mehr ordnet ein englischer Begriff das föderale Babylon: Homeschooling! (Lesen Sie dazu auch das Posting «Kinder brauchen keine Schule».)

Homeschooling ist nicht etwa gleichzusetzen mit dem Unterricht durch Hauslehrer, der in der Vergangenheit dem Nachwuchs einer ausschliesslich privilegierten Gesellschaftsschicht vorbehalten war mit mitunter eindrücklichem Lehrpersonal wie Hegel, Novalis, Fichte, Hölderlin oder Mörike. Gemäss dem Schriftsteller Pirmin Meier bildete diese Lehrform im 18. und 19. Jahrhundert denn auch einen Höhepunkt in Sachen Begabtenförderung.

Homeschooling heute heisst, die Eltern unterrichten ihren Nachwuchs selber, es sei denn, sie lassen ihren Nachwuchs sich gleich selbst unterrichten, aber das wären dann keine «Homeschooler», sondern «Unschooler». Diese wiederum unterscheiden sich in Nuancen (oder auch nicht) von den «Deschoolern», den «Entschulern», denen das «Schooling» grundsätzlich suspekt ist, weil dies mit Schulung zu tun hat. Also der Vermittlung eines heimlichen Lehrplanes, eines bestimmten Gesellschaftssystems im Dienste derer, die gerade Macht im Staat haben. Geprägt hatte den Begriff der ehemalige New Yorker Pfarrer Ivan Illich im Zuge der 68er-Bewegung in seinem 1971 erschienenen Buch «Deschooling Society», das wie «Summerhill» zur reformpädagogischen Pflichtlektüre gehörte.

Wie auch immer; eines gilt für alle: Die Kinder gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht in die Schule. Manchmal machen Krankheiten einen privaten Unterricht nötig, ein nur vorübergehender Aufenthalt einer Familie in der Schweiz oder ein längerer im Ausland. Über weitere Motive gibt es in der Schweiz einen schlechten Überblick. Anders in den USA, wo das Homeschooling verbreitet ist. Studien nennen an erster Stelle die grundsätzliche Schulkritik, religiöse Gründe spielen eine grosse Rolle, ideologische, der Wunsch, das Kind vor schlechten und vor allem fremden Einflüssen zu schützen. Die Eltern sind überzeugt, ihren Kindern selber die beste Bildung zu vermitteln.

Nach dieser Überzeugung können sie auch bei uns leben. Doch da Kindern das verfassungsmässige Recht auf Bildung verbunden mit obligatorischem Grundschulunterricht zusteht, haben die Kantone Qualitätsgarantien für den Heimunterricht zu leisten.

So verlangen denn die meisten auch ein Lehrpatent, und beinahe überall ist ein Gesuch erforderlich für Eltern, die ihre Kinder selber schulen. Lockerer nimmt es die Westschweiz und ausserordentlich locker der Kanton Aargau. Da dürfen alle, die über irgendeinen Lehrabschluss verfügen, ihre Kinder selber unterrichten. Sie melden das zwei Wochen vor Schulbeginn und bekommen einmal im Jahr einen Besuch der Behörde. An kantonalen Leistungschecks lässt man die Kinder nicht teilhaben. Ich finde, das ist fahrlässig. Es geht nicht um mehr Kontrolle, sondern um mehr Qualität in der Kontrolle.

Auch im Interesse der Homeschooler, die sich oft über Vorurteile beklagen und über den dreisten Eingriff des Staates in die elterlichen Rechte. Doch was ist mit den Rechten der Kinder? An öffentlichen und privaten Schulen haben Kinder immerhin verschiedene Anwälte, wenn sich Qualitätsprobleme ergeben: Schulleiter, Eltern, Behörden, Schulkameraden. Kindern, die zu Hause geschult werden, bleiben nur ihre Eltern, bei denen sie sich ja wohl kaum wirkungsvoll über den Unterricht beklagen können.

Homeschooling ist ein ausschliesslich elterliches Bildungsprojekt, das ich nicht zur Debatte stelle, doch das Kind selbst ist mehr als ein Projekt. Seine Interessen stehen im Zentrum.

marianne binder*Marianne Binder-Keller ist Grossrätin des Kantons Aargau und Präsidentin der CVP Bezirk Baden.

Tipps für schwangere Männer

Marc Brupbacher am Mittwoch, den 25. März 2015

Ein Papablog von Manuel Weingartner*

Es gibts nichts schöneres als eine glückliche Frau: Schwangerer Mann bei einer Werbeaktion für eine App in Antwerpen, 2011. Foto: Henry Scott (Flickr)

Es gibt nichts Schöneres als eine glückliche Frau: Schwangerer Mann bei einer Werbeaktion für eine App in Antwerpen, 2011. Foto: Henry Scott (Flickr)

Ich sage es gleich vorweg. Wir Männer können uns nicht im Geringsten vorstellen, wie es ist, schwanger zu sein. Wie es sich anfühlt, dass ein Kind im eigenen Körper heranwächst. Wie es ist, einen solch enormen Hormonwechsel durchzumachen. Wie sich die Ängste, Lüste und die Vorfreude auf die Geburt anfühlen. Klar, wir könnten es zumindest versuchen. Wir könnten mit einer umgebundenen Bowlingkugel und in Kompressionsstrümpfe gequetscht im Hochsommer einen Berg hochlaufen, um es vielleicht körperlich nachzuempfinden. Aber es wäre trotzdem nicht das Gleiche.

Was wir aber können: die Frau während dieser 40 Wochen als Partner unterstützen – auf ganz viele verschiedene Arten. Nachfolgend vier Tipps aus eigener Erfahrung.

Tipp Nummer eins im Schwangere-Männer-Club: Informiere dich.
Der Mann soll sich gerade bei der ersten Schwangerschaft informieren. Bücher lesen. Zu den Arzt- oder Hebammenterminen mitgehen. Dazu gehören auch die Planung und die Organisation der Geburt. Ist alles bereit? Muss noch etwas abgeklärt werden? Die Frau fühlt sich wohler, wenn der Mann auch Interesse zeigt und mithilft. Die Frau soll nicht allein schwanger sein.

Tipp Nummer zwei: Koch deiner Frau immer, was sie will und wann sie es will.
Ich war noch nie so viel nachts in der Küche wie während der Schwangerschaft meiner Frau. Wenn sie zur normalen Bettgehzeit Lust auf Spaghetti mit Tomatensauce hat, dann hast du keine Wahl. Du machst ihr Spaghetti mit Tomatensauce. Nein, nicht Bolognese. Nicht Pesto alla siciliana. Sondern Tomatensauce. Und nein, nicht Fusilli, nicht Penne, nicht Farfalle, nicht Fettuccine. Spaghetti müssen es sein. Und wenn keine Spaghetti im Haus sind, gehst du zur Tankstelle. Auch bei Regen, Schneesturm und während des Champions-League-Finals.

Tipp Nummer drei: Sei zu Hause und verwöhne sie.
Mein Ausgehverhalten hat sich bei der ersten Schwangerschaft meiner Frau anpassen müssen. Das Dilemma zwischen «Bald kann ich sowieso nur noch selten raus, darum muss ich es jetzt noch ausnützen» und «Ich kann auch nicht weg und mich betrinken, dann bleib wenigstens auch zu Hause» war ein Dauerthema. Ich kann nur dies weitergeben: Liebe Männer, bleibt so viel wie möglich zu Hause und verwöhnt eure Frau. Massieren, Rücken kraulen, Rüebli mit Nutella streichen, den Bauch (im Uhrzeigersinn!) streicheln oder mit ihr «Germany's Next Topmodel» schauen. Es lohnt sich. Es gibt nichts Schöneres in dieser Zeit, als eine glückliche schwangere Frau zu haben. Denn für das Argument «Aber ich bin schwanger» gibt es kein Gegenargument.

Tipp Nummer vier: Vermeide Militärvergleiche.
Das Schlimmste, was man zum Thema Schwangerschaft aus dem Volksmund hört, ist dieser Schwangerschafts-Militär-Vergleich. Die Frauen werden schwanger, dafür müssen die Männer in die Armee. Dieser Vergleich hinkt noch mehr als der pazifistische Kiffer aus dem Arztzimmer bei der Aushebung. Mit diesem Vergleich sagt man, dass sich die Frau allein durch die Schwangerschaft kämpfen muss, wie der Mann durch die Dienstzeit, und das ist einfach nur kompletter Blödsinn.

Gerne würde ich noch mehr Tipps auflisten, aber ich muss los. Es ist jetzt doch schon 23.30 Uhr, und meine Frau hat Lust auf Spaghetti mit Tomatensauce.

manuel weingartner*Manuel Weingartner, 27 Jahre, lebt mit Frau und Kind (15 Monate) in der Zentralschweiz, arbeitet als IT-Projektleiter und verdient als Pointenschreiber für «Giacobbo/Müller» nebenbei zusätzliches Familiengeld.

Die teure Selbstverwirklichung

Mamablog-Redaktion am Dienstag, den 24. März 2015

Ein Gastbeitrag von Monika Zech*

studentinnen

Neun Jahre obligatorische Schule und ein Haushaltslehrjahr würden den Anforderungen einer heutigen Kleinfamilie genügen: Studentinnen an der Universität Zürich. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Letzthin wurde in diesem Blog die Frage gestellt, ob es wieder einen Frauenstreik brauche, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Nein, es braucht keinen Frauenstreik. Klar hat Remo Largo recht, wenn er sagt, dass kostenlose Kitas und Tagesschulen für alle die Chancengleichheit verbessern würden, weil dann auch Kinder aus ärmeren Schichten gut betreut würden. Aber bei diesem Kampf auf die Frauensolidarität zu setzen, ist illusorisch.

Denn dass die Schweiz nach fünfzig Jahren Diskussion über die Gleichstellung von Mann und Frau immer noch so rückständig ist, hat auch mit rückständig denkenden Menschen zu tun. Und darunter sind viele weiblichen Geschlechts. Noch immer gibt es zu viele Frauen, die, sobald sie Kinder kriegen, nichts mehr von Erwerbstätigkeit wissen wollen. Die sich die kommenden Jahre voll und ganz der Rolle als Mutter und Hausfrau hingeben und darauf bestehen, dass dies das Beste für die Kinder sei. Wir anderen akzeptieren das grosszügig unter dem Titel «Multioptionale Gesellschaft».

Nun hat aber die SVP darauf aufmerksam gemacht, dass es viel zu viele Studenten in den «Selbstverwirklichungsfächern» der Geistes- und Sozialwissenschaften gebe. Die SVP ist der Meinung, dass zu viele junge Leute auf Kosten der Steuerzahler eine für den Werkplatz Schweiz unnütze Ausbildung absolvieren. Das ist eine interessante Argumentation von einer Partei, die ständig das Halleluja auf das Familienmodell «Papi bringt das Geld nach Hause, Mami sorgt für Kind und Haushalt» singt und unlängst dieses Modell mit Steuerabzügen auch noch belohnen wollte. Denn: Wie der Blick in die Statistik zeigt, beträgt die Arbeitslosenquote von Geistes- und Sozialwissenschaftlern fünf Jahre nach Studienabschluss 2,8 Prozent; von den Müttern mit Partnern, deren jüngstes Kind null bis sechs Jahre alt ist, sind aber 28 Prozent nicht erwerbstätig und knapp 18 Prozent sind es immer noch nicht, wenn das jüngste sieben- bis 14-jährig ist.

Von diesen Zahlen ausgehend, müsste man der SVP also auch diese Fragen stellen: Wozu, bitte sehr, wurden alle diese Frauen auf Kosten der Allgemeinheit ausgebildet? Um sich jahrelang als Vollzeitmutter von durchschnittlich ein, zwei Kindern und Vorsteherin eines voll automatisierten Haushalts zu langweilen, statt sich auf dem «Werkplatz Schweiz» nützlich zu machen? Um die Wohnung keimfrei zu putzen? Um – heutzutage sehr verbreitet – die Kinder von hinten bis vorne zu betüddeln? Oder um dem Mann den Rücken für dessen Karriere freizuhalten, wie das zum Beispiel die gut ausgebildete Frau Köppel tut?

Konsequenterweise müssten die Herren und Damen der Volkspartei folglich dafür eintreten, dass wir die Bildung der Mädchen auf ein Minimum zurückschrauben: Neun Jahre obligatorische Schule und ein Haushaltslehrjahr dürften genügen, um den alltäglichen Anforderungen einer heutigen Kleinfamilie zu genügen. Denn auch wenn eine Frau nach zehn oder noch mehr Jahren Auszeit wieder ins Erwerbsleben einsteigen will oder muss, weil vielleicht der Gatte sich in eine Arbeitskollegin verliebt hat, ist ihre ursprüngliche Ausbildung nichts mehr wert.

Aber die SVP und ein paar ihr Zugewandte setzen jetzt erst mal auf mehr Ingenieurinnen, die können dann wenigstens die Waschmaschine selber reparieren, wenn sie mal kaputtgeht.

Monika*Monika Zech war von 2005 bis 2010 Chefredaktorin bei «Wir Eltern». Heute arbeitet sie als freie Journalistin. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern, Grossmutter von drei Enkelkindern und aufgewachsen mit neun Geschwistern.

Mein Kind braucht keinen Fitnesskurs

Jeanette Kuster am Montag, den 23. März 2015
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Bewegung beginnt im Alltag, nicht auf Anweisung eines Trainers. Foto: Patrick, Flickr.

Haben Sie heute schon Ihre Gewichte gestemmt und die fünf Kilometer auf dem Laufband abgespult? Und Ihr Nachwuchs war unterdessen im Kinderparadies des Fitnesscenters? Oder vielleicht in einem speziellen Kinderfitnesskurs? Die gibt es nämlich tatsächlich. Im Berner Bernaqua Fitness zum Beispiel werden sogenannte «Born to Move»-Kurse für Kinder ab zwei Jahren angeboten, wie die «Berner Zeitung» letzte Woche berichtete. «Die heutigen Kinder bewegen sich viel zu wenig», wird die Instruktorin zitiert, und das sollen diese Kurse ändern.

Tatsächlich gilt mittlerweile jedes fünfte Kind in der Schweiz als übergewichtig und der Mangel an Bewegung dürfte neben ungesunder Ernährung der Hauptgrund dafür sein. Trotzdem geht die Idee solcher Fitnesskurse für Kinder meiner Meinung nach in die komplett falsche Richtung.

Kinder sollten herumrennen, -tanzen und -hüpfen, auf Bäume oder meinetwegen auf Betonklötze klettern. Aber von sich aus, nicht auf Anweisung eines Fitnessinstruktors. «Wo sollen sie das denn noch tun, es hat ja keine freien Plätze mehr?», mögen Sie einwenden. Und die Kritik ist durchaus berechtigt. Laut Marco Hüttenmoser von der Fachstelle Kind und Umwelt fehlen unseren Kindern tatsächlich oft die passenden Räume, um sich frei bewegen und mit ihren Freunden spielen zu können. «Die Aussenräume sind von Motorfahrzeugen verstellt», sagt er gegenüber der «Berner Zeitung», was viele Eltern dazu bewege, die Kinder lieber gar nicht erst aus dem Haus zu lassen.

Dennoch ist es zu einfach, das Problem bloss beim fehlenden Platz zu sehen und die Sache damit abzuhaken. Denn Bewegung beginnt im Alltag. Und wir Eltern sind diejenigen, die unseren Kindern dies beibringen müssen – indem wir es ihnen vorleben. Ich denke an ganz banale Dinge: zu Fuss oder mit dem Velo einkaufen gehen, wenn gerade kein Grosseinkauf ansteht. Die Treppe nehmen, wenn man zum Briefkasten hinuntergeht. Mit Trottinetten und Rollschuhen gemeinsam zum grossen Spielplatz fahren, der etwas weiter entfernt liegt. Oder anstatt mit dem Auto das nächste Mal mit dem Zug und Tram in den Zoo fahren.

Zugegeben, gerade mit Kleinkindern erfordert die autofreie Variante manchmal etwas mehr Zeit. Ich benötige zum Beispiel mindestens zwanzig Minuten in die nächste Migros, wenn ich mit den Kindern zu Fuss gehe – und das bisweilen mühsame Anziehen, bevor man das Haus verlässt, ist da noch nicht mit einberechnet. Mit dem Auto wären wir in zwei Minuten dort. Dafür macht der zu Fuss zurückgelegte Weg uns allen viel mehr Spass, weil wir unterwegs dem Zug zuwinken können, mit etwas Glück unser Quartierbüsi antreffen und auf der Mitte der Strecke jeweils ein kleines Wettrennen machen.

Vor allem aber lernen meine Kinder durch den Autoverzicht, dass es selbstverständlich ist, sich im Alltag zu bewegen. Bestimmt ist das die erfolgreichere Art der Gesundheitsvorsorge, als schon Zweijährigen beizubringen, dass man immer zuerst ins Fitnesscenter fahren muss, wenn man den Körper wieder einmal etwas bewegen will.


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