Das Spannende am Mamablog ist es, sein eigenes Weltbild mit dem von vielen anderen Menschen abzugleichen. Ansichten kennenzulernen, die im Kreis, in dem man verkehrt, nicht vorhanden sind. Auf Gedanken zu stossen, die man sich selber nicht gemacht hat. Der Meinungsaustausch ist immer dann am lehrreichsten, wenn ein Thema polarisiert. Der Blog von gestern tat es. Und ich danke der Leserschaft für die angeregten Kommentare, auch wenn ich filetiert wurde.
Ganz offensichtlich habe ich die Realität und die Machtverhältnisse in dieser Stadt total verkannt. Zürich erstickt unter einem Tsunami an verzogenen Gören und geradezu rüppelhaften Müttern und ich beklage mich über ein Kinderwagen-Verbot:
Ich sehe nicht ein, was Mütter oder Väter mit ihrem wilden, ungezogenen und meist randalierenden Nachwuchs in einer Bar zu suchen haben. (Henri)
Diese Bars sind ja oftmals “Fick-Kontaktstellen” – selbstverständlich vergeht einem jegliche Lust aufs poppen, wenn man gleich am Nebentisch ein dringend zu vermeiden wollendes Ergebnis davon sieht…(:-) Saba)
In einem anderen, sehr kleinen vegetarischen Restaurant habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie eine Frau ihrem Baby während (!) dem Mittagessen die vollgekoteten Windeln auf der Sitzbank gewechselt hat. (Ninon)
Ein Kinderwagenverbot ist wohl die letzte Konsequenz, sich gegenüber der Flut an erzieherisch verwahrlosten Kindern und deren Eltern entziehen zu wollen. (ingo berner)
Wie konnte ich nur übersehen, dass die 1,3 Kinder, die in Zürich pro Frau noch auf die Welt kommen, den Erwachsenen den wohlverdienten Feierabend versauen, wenn nicht das ganze Leben, weil sie sich in Bars hinter Kinderwagenburgen verschanzen, weil sie Diskotheken und Clubs zu Kleinholz schlagen. Weil die dazugehörenden Mütter bei jeder Gelegenheit hinterhältig ihren Busen zücken. Und wenn das nichts nützt, die Gäste der Szenebeizen in die Flucht jagen, in dem sie mal schnell dem Nachwuchs auf dem Nachbarstisch die verkackte Windel wechseln.
Wahrscheinlich gehe ich einfach zu wenig aus. Wahrscheinlich bin ich als Mutter so verblendet, dass ich die Realität nur mehr verzerrt wahrnehme. Und die Gefahr der hochtoxischen Dosis an ungezogenen Bengel verharmlose. Vielleicht wähne ich mich in meiner Verblendung nur in Zürich und lebe eigentlich in Bern oder Basel oder Luzern oder gar im Ausland. Dort nämlich scheint das Problem mit den ungezogenen Eltern nicht so gross zu sein. Da sitzen und trinken und essen Eltern und Kinderlose in denselben Lokalen. Manchmal sprechen sie sogar miteinander. Und am Nebentisch sitzt ein Punk oder ein Rentner. Und niemand stört das.
Aber den Anfängen muss man wehren. Sonst stehen nachts plötzlich so viele Kinderwagen in Zürcher Szenebars wie Minarette in der Schweiz.











Nicole Althaus ist Autorin und freie Journalistin in Zürich. Seit beinahe zehn Jahren betreibt Nicole Althaus Feldforschung in der eigenen Familie: Die Autorin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 10 und 6 Jahren.
Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig und ist heute Redakteurin bei Tagesanzeiger/Newsnetz. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter (8) und ihrem Sohn (5) in Basel. 






























































