Das macht fruchtbar

Andrea Fischer am Donnerstag, den 24. April 2014

Fruchtbar wie die Karnickel – für die einen ein Albtraum, für andere blosses Wunschdenken. Kein Wunder boomen die wildesten Gerüchte darüber, wie man an der Fruchtbarkeit schrauben kann. Ich habe das Internet nach Mythen und Fakten rund ums Schwangerwerden durchkämmt. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Das hilft:

  • Viel Sex. Echt wahr. Offenbar gilt nicht mehr, dass man die Spermien aufsparen soll, bis sie zu einem Fruchtbarkeitscocktail eingedickt sind, den man seiner Frau dann zu gegebener Zeit einsetzen kann. Biologen aus Australien behaupten sogar, dass sich das Immunsystem der Frau möglichst ausgiebig an die Spermien ihres Mannes gewöhnen müsste. Na, wenn das kein Argument ist.
  • Gesund essen. Allein schuld am Erfolg einer Zeugung kann die Ernährung kaum sein. Wenn dem so wäre, wären ganze Bevölkerungsgruppen mit Unfruchtbarkeit geschlagen. Dennoch spielt eine ausgewogene Ernährung offenbar wirklich ein Rolle, auch in Sachen gesunde Spermien.
  • Genügend Essen. Sehr dünne Frauen haben oft Störungen des Hormonhaushaltes und folglich Probleme, schwanger zu werden. Sehr dicke allerdings auch. Das gilt auch für Männer.
  • Rahmglace und Co. Vollfette Milchprodukte sollen laut einer Harvard-Studie tatsächlich einen positiven Einfluss haben. Einen Versuch ist es allemal wert.

Das schadet:

  • Alkohol. Leider wahr. Falls deswegen Hemmungen das Schwängern erschweren sollten, müssen Fortpflanzungswillige eben einen anderen Weg finden, diese zu überwinden. Vielleicht die Augen verbinden oder laute Musik? Oder bewusst nicht an die Nachbarn denken. Oder bewusst an die Nachbarn denken. Kommt auf die Nachbarn an.
  • Rauchen. Ja. Das ist so. Und es gilt auch für Männer.
  • Mumps in der Kindheit des potenziellen Vaters. Gut zu wissen, nur ändert das nichts. Ausser vielleicht, dass Eltern nach der erfolgreichen Zeugung eines Sohnes dafür sorgen, dass seine künftige Frau sich nicht mit derselben Frage herumschlagen muss.
  • Langes Sitzen und enge Unterhosen bei Männern. Wusst ichs doch: Spermien werden nicht gern an den Körper gedrängt, dort bekommen sie heiss und das ist gar nicht heiss. (Also auch Schluss mit Vollbädern, Sitzheizung und Sauna.)
  • Künstliche Sexualhormone in Haarwuchsmitteln und Präparaten zum Muskelaufbau. Das Motto: Lieber ein Vater mit Glatze und schlaffen Oberarmen als gar keiner.

Das ist egal:

  • Der Zyklus. Zwar ist es bei einem regelmässigen Zyklus einfacher, den Eisprung zu erraten, aber dank der Sexregel erübrigt sich das eh.
  • Der Po. Viele recken nach dem Akt den Po hoch, damit die potenziellen Hosenscheisserchen möglichst lang drin bleiben und ihren Weg ins Ei finden. Man weiss ja, wie das ist von wegen Männer und nach dem Weg fragen. Bloss ist die Stellung des Pos nach dem Akt offenbar genauso unerheblich wie währenddessen. Ob Reiterstellung oder Doggy Style darf also wieder eine reine Frage von Lust und Laune sein.
  • Die Pille. Erwiesen ist, dass es bei einigen Frauen tatsächlich ein Weilchen dauern kann, bis es nach Pillenende einschlägt, aber eben nur bei einigen.
  • Der Korks. Wenn eine Frau zu verkrampft ein Kind will, soll es erst recht nicht klappen, heisst es. Nun entbehrt diese These nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage, sie ist schlicht und einfach fies. Natürlich verkrampfen wir uns, wenn wir etwas fest wollen. Und natürlich ist es so, dass intensives Sich-nicht-verkrampfen-wollen der Königsweg zur Verkrampfung des Jahrhunderts ist.
  • Die Dusche danach. Kinder werden nicht einfach weggeduscht. Wer will, der soll drum. Wer lieber noch ein bisschen nach gutem Sex riechen will oder schlicht zu faul ist, um gleich ins Bad zu hüpfen: frohes Chillen! Falls das mit dem Kinderkriegen klappen sollte, können Sie dann noch genügend rumhetzen und putzen.
  • Der Orgasmus der Frau. «Kein Orgasmus gleich kein Baby». Wer das erfunden hat, glaubt vermutlich auch: «Kein Hirn gleich mehr Spass.» Wäre der Orgasmus der Frau Bedingung für Kinder, dann wären Millionen von Frauen dem Himmel ewig dankbar. All die nämlich, die gegen ihren Willen geschwängert wurden und werden. Allerdings soll es stimmen, dass eine Gebärmutter beim Pulsieren während des Höhepunktes im Sperma nuckeln kann.

Fazit: Man nehme einen normal dicken Mann, teile mit ihm möglichst viel befriedigenden Sex und gutes Essen - und rauche und saufe dafür nicht mehr. Der Rest ist Hoffen, Resignation oder Medizin.

Die Gnade des späten Gebärens

Michael Marti am Mittwoch, den 23. April 2014

Ein Papablog von Michael Marti*

Späte Elternschaft ist ein Reizthema. Frauen und Männer, die sich in ihren Vierzigern, ja, in ihren Fünfzigern womöglich, für ein Kind entscheiden, gelten oft als Egoisten, die alles haben wollen im Leben: in der ersten Lebenshälfte Karriere und Ungebundenheit, in der zweiten Kinder und Familienbande.

Insbesondere alte Mütter trifft erbarmungslos Kritik, sie würden mit der Medizin als Komplizin die natürliche Ordnung der menschlichen Fortpflanzung pervertieren. So diskutierte die Boulevardzeitung «Blick» unlängst, ob es rechtens sei, wenn die Krankenkassen die Entbindung einer 66-Jährigen bezahle, die nach einer In-Vitro-Befruchtung mit Zwillingen schwanger war. Auch in einschlägigen Postings des Mamablogs («Alterslimite für Mütter?») derselbe Tenor, hier werden Schwangerschaften nach 45 als «unverantwortlich», als «selbstsüchtig» abgeurteilt.

Ein ganz anderes Bild allerdings zeichnen neuste Forschungsergebnisse. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» beleuchtet in seiner aktuellen Ausgabe mit einer Titelgeschichte den diesbezügliche Stand der Wissenschaft. So sei mittlerweile erwiesen, dass späte Eltern in der Regel nicht nur gute, sondern sogar die besseren Eltern seien. Denn diese würden sich meistens aus einer wirtschaftlich abgesicherten Position für Kinder entscheiden, sie lebten grösstenteils in einer stabilen Partnerschaft und seien überdurchschnittlich gut gebildet. Davon profitiere der Wunschnachwuchs in hohem Masse: «Kinder, deren Eltern ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben, sind weniger belastet als jene, deren Eltern noch suchen.»

Offenbar wurden bislang auch die gesundheitlichen Risiken überschätzt. «Kinder, deren Mütter bei der Geburt 35 bis 44 Jahre alt waren, erleiden – anders als lange angenommen – auch langfristig keine gesundheitlichen Nachteile», heisst es im «Spiegel». Und weil sich die Töchter und Söhne besonders erwünscht fühlten, würden sie nachhaltig den so wichtigen Glauben an sich selbst und den eigenen Wert entwickeln.

Auch ein zweites Vorurteil gilt es zu revidieren: Die späte Elternschaft ist mitnichten die exotische Option weniger egozentrischer Frauen und Männer, die mithilfe skrupelloser Ärzte sich über alle ethischen Grenzen hinwegsetzen. Vielmehr handelt es sich um einen «sozialen Megatrend», wie ein Experte im erwähnten «Spiegel»-Artikel zitiert wird, um eine Entwicklung, deren Auswirkungen vollkommen unterschätzt würden. Tatsächlich gilt dies auch für die Schweiz, hierzulande nimmt die Anzahl der unter 30-jährigen Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, ebenfalls ab, während gleichzeitig die Zahl der 35-jährigen und älteren Frauen steigt.

Hauptgründe dafür sind immer längere Ausbildungszeiten für beide Geschlechter und der härtere Konkurrenzkampf um attraktive Jobs, auch dies gilt für Männer und Frauen.

Vergegenwärtig man sich also die neuesten Erkenntnisse und Fakten zum Phänomen späte Elternschaft, ergibt sich ein ganz anderes Bild, als es derzeit in der Öffentlichkeit vorherrscht. Es geht hier nicht um selbstsüchtige Ego-Eltern, sondern vielmehr darum, dass es heute jungen Erwachsenen kaum noch möglich ist, gleichzeitig eine Karriere und eine Familie aufzubauen. Hinlänglich bekannte Gründe dafür sind etwa die Defizite bei den Kinderbetreuungsangeboten (Stichwort Tagesschulen) oder das Fehlen von Teilzeitjobs auf Kaderstufe.

Es sind mithin gesellschaftliche Ursachen, die hinter der Entwicklung zur späten Elternschaft stehen – nicht die Egozentrik einzelner Frauen und Männer. Man mag diesen Wandel begrüssen oder nicht, gut zu wissen ist: dass die späte Elternschaft nicht auf Kosten der spät geborenen Kinder geht.

memyselfandi*Michael Marti (48) ist Leiter Digital und Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeiger. Er wurde mit 40 erstmals Vater und lebt mit seinen beiden Töchtern und seiner Frau in Zürich.

Wir glauben an alles

Mamablog-Redaktion am Montag, den 21. April 2014

Ein Gastbeitrag von Martina Marti*

Kinder und ein Mann in festlicher Tracht gehen am Sonntag (17.04.11) in Waakirchen nach dem Festgottesdienst mit Palmbuschen ueber eine Wiese. Traditionell wird am Sonntag vor Ostern der Palmsonntag gefeiert. Foto: Oliver Lang/dapd

Sie glauben ans Christentum und an Traditionen: Vater und Kinder gehen nach dem Festgottesdienst im bayrischen Waakirchen mit Palmbuschen über eine Wiese. (Keystone, Oliver Lang)

Ich würde mich als sehr konsequente Mutter bezeichnen. Allerdings mit einer grossen Ausnahme: Mein Mann und ich sind vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, unsere Kinder wachsen konfessionslos und im freien Glauben auf – und trotzdem feiern wir regelmässig christliche Feiertage. Wie jetzt gerade Ostern. Auweia! Ich sehe vor meinem geistigen Auge (darf ich das überhaupt noch sagen?) bereits die bissigen Kommentare von gläubigen Katholiken. Wohl zu Recht. Denn mein persönlicher Sündengang ist nicht ganz ohne.

Meine Taufe war wohl das Einzige, was ich in der Kirche schweigend über mich ergehen liess. Dem folgenden Religionsunterricht konnte ich bereits nichts mehr abgewinnen und jagte lieber in Sirup getränkte Brotkrumen (der Zvieri war das Beste!) durch die Gegend. Heute denke ich, dass meine Kinderseele für Geschichten von einem Retter, der blutüberströmt und mit nageldurchbohrten Händen am Kreuz starb, schlicht zu zartbesaitet war.

Die Konfirmation und die dazugehörenden Kirchengänge absolvierte ich mit Ach und Krach, Mini-Kopfhörer im Ohr und einem jugendlichen Ziel: fette Geschenke absahnen. Mit dem Erwachsen- und Bewusstwerden meiner eigenen Glaubensrichtung war der Kirchenaustritt die logische Konsequenz. Wie auch der Traum von einer Eheschliessung in der freien Natur. Und die Geburt unserer Kinder ohne Taufe. Letzteres nicht ohne Bedenken: Meine einzige konfessionslose Schulfreundin wurde für ihren «fehlenden Glauben» jahrelang verspottet. Das wollte ich meinen Kindern nicht zumuten.

Doch gottlob hat sich das Blatt in den letzten Jahren gewendet: Im Jahr 2012 waren 21,4 Prozent der Bevölkerung konfessionslos. Fast doppelt so viele wie im Jahr 2000. Tendenz steigend. In der Klasse meiner Tochter besucht gerade mal die Hälfte den Religionsunterricht. Die Glaubensrichtungen sind durchmischt, was von allen Seiten akzeptiert und respektiert wird. In meiner Glaubenswelt eine Grundvoraussetzung: Akzeptanz und Respekt gegenüber «dem anderen».

Dies versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln: Vor Weihnachten spielen sie mit Krippenfiguren. Ihre Grossmutter praktiziert seit Jahren eine meditative Form von Yoga. In unserem Wohnzimmer dominiert ein Buddha im XL-Format. Vor jedem Einschlafen bedanken sie sich für das Schöne, das sie erleben durften und geben Sorgen ins Universum beziehungsweise ihren Schutzengel ab. Jede Glaubensrichtung hat für mich schöne Seiten – und meine Kinder kennen die jeweiligen Hintergründe.

Auf Prüfungsstand war ich allerdings letzte Woche, als meine Tochter beim Mittagessen prahlte: «An Ostern ist Jesus gestorben, weil man ihn ans Kreuz genagelt hat.» Ihr kleiner Bruder schaute sie erschrocken an: «Aber das macht doch mega weh! Mami, stimmt das?» Bingo. Da war sie wieder: meine Lieblingsgeschichte. Ich würgte die Bratkartoffel runter und antwortete kurzatmig: «Ja, viele Menschen glauben das.» Vier betroffene Kinderaugen schauten mich an – und ich fügte rasch hinzu: «Ob das wirklich so passierte damals, weiss niemand. Doch viele glauben daran.» Meine Achtjährige kombinierte blitzschnell und fragte mich, ob auch ich daran glaube. Ich bin für konsequente Ehrlichkeit und erwiderte deshalb: «Nein, ich glaube nicht daran.» Pause. Und dann fragte meine Tochter: «Muss ich das denn jetzt schon wissen, an was ich glauben will?» Glücklich darüber, auf dem für mich persönlichen richtigen Erziehungsweg zu sein, erkläre ich ihr, dass sie ihr ganzes Leben Zeit hat, um alles Mögliche kennen zu lernen – und auch, um ihren persönlichen (Glaubens-)Weg zu finden.

Welchen Stellenwert hat der Glaube in Ihrer Familie?

bild_martina_marti* Martina Marti ist freie Journalistin und Psychosoziale Beraterin in eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, www.martinamarti.ch. Sie lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern (Jg. 06 und 09) in der Nähe von Zürich.

Die Auferstehung des Osterhasen

Andrea Fischer am Donnerstag, den 17. April 2014
MAMABLOG

Für Kinder ist es in Ordnung, wenn sie erfahren, dass es den Osterhasen nicht gibt: Sie geniessen das Fest sowieso. Foto: Dominic Favre (Keystone)

Glauben Sie an den Osterhasen? Mal ganz, ganz, ganz ehrlich? Gar nicht so einfach, oder? Sicher, der Osterhase ist erfunden – für Tradition, Religion und für die Kinder. Eine nette Sache. Und sooo flauschig. So weit sind wir uns einig.

Aber Hand aufs Herz: Irgendwie ist er noch da, dieser Glaube, dass da ein Hase kommt und Zuckerbomben und Eier im Garten versteckt. Oder in der Abwaschmaschine oder im Wäschekorb. Zumindest bei mir. Und sei es nur, weil ich Spass daran habe.

Spätestens als Eltern kommen ja selbst die Bodenständigeren zurück zum Osterhasen und zum Christkind. Die einen aus Pflichtgefühl, die anderen aus Nostalgie und Leidenschaft. Ich gehöre definitiv zu Letzteren und finde, es gibt nicht viel Schöneres, als mit Kindern gemeinsam Pläne auszuhecken, Eier zu bemalen und den Osterhasen zu überlisten.

Dazu legen wir ihm immer eine Karotte, die mein Mann nachts heimlich anknabbert – und zwar möglichst nur mit der einen Ecke des Vorderzahns. Es soll echt wirken. Wir stäuben einen dünnen Film aus Mehl um die Karotten herum, damit man die Spuren des Hasen sehen kann. Dazu stippt mein Mann mit den Fingern und der Handkante Hasenspuren ins Mehl, bevor wir die Nestchen verstecken. Ich liebe den Moment, wenn wir dann am Ostersonntagmorgen gemeinsam dieses kleine Kunstwerk bestaunen.

Ich stehe also dazu: Wir betrügen unsere Kinder mit System. Als sie kleiner waren, haben wir das noch bar jeden schlechten Gewissens getan. Mit Beginn der Schule, dem Zeitalter der Aufklärung quasi, haben wir an Weihnachten und Ostern auf die grosse Entzauberung gewartet. Darauf, dass die Kinder wissen wollen, ob es das Christkind und den Osterhasen überhaupt gibt.

Wohl war uns dabei nicht. Sollten wir ihnen einfach sagen: «Sorry, ihr Lieben, wir haben das alles nur behauptet, um euch damit eine Freude zu machen, und weil wir selbst so grosse Kindsköpfe sind? Und überhaupt tun es ja alle...» Und was dann? Würden sie uns je wieder ein Wort glauben?

Ein wenig haben sich unsere Befürchtungen bewahrheitet – doch das währte nur kurz. Die Kinder haben gefragt und wir haben geantwortet. Wir haben ihnen zu erklären versucht, was wir selbst nicht erfassen: dass es vieles gibt, was wir nicht wissen. Und dass dieses Viele nicht sichtbar ist und auch nicht in Worten Platz hat, weil es dafür schlicht zu gross ist.

Aus diesem Grund müssten wir Eltern manchmal ein wenig nachhelfen und aus einer abstrakten Idee ein Geschöpf machen, das wir verstehen können. So wird aus einer Feier des Unfassbaren, sei dies Gott, Jahwe, Allah oder einfach die Natur, etwas Fassbares und Liebenswertes, auf das sich alle feierlich freuen.

Die Kinder blieben skeptisch. So was kann jeder behaupten, um die eigenen Flunkereien schönzureden. Sie mussten sich das Ganze erst mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, während wir den Ball flach hielten und abwarteten, wie es weitergehen würde.

Sie entschieden sich relativ rasch. Ohne grosse Worte darüber zu verlieren und ohne unsere Glaubwürdigkeit ganz infrage zu stellen – zumindest nicht wegen des Osterhasen. Sie gaben uns zu verstehen, dass wir einfach alles so weitermachen sollten, wie bis anhin. Mehl, Fussspuren, Karottenknabbern, Nestchen verstecken. Und wehe mir, wenn ich mal erwähnen will, dass wir das waren. So was tut man nicht. Mit Familientraditionen ist nicht zu spassen.

«Same procedure as every year» eben.

Und wie ist es bei Ihnen?

Jetzt ist Schluss mit lustig

Mamablog-Redaktion am Mittwoch, den 16. April 2014

Ein Papablog von Mahmud Tschannen*

Mamablog

Es gibt vieles, das interessanter ist als die berufliche Zukunft: Profiskater Stacy Peralta in den 70ern, zu sehen im Dokumentarfilm «Dogtown and Z-Boys». (Foto: Agi Orsi Productions)

Mein Sohn ist zurzeit in der 2. Sek. Für alle Uneingeweihten: Es ist die Zeit, in der Sekschüler mit ihrer beruflichen Zukunft konfrontiert werden und auf die Frage «Was willst du mal werden?» nicht mehr einfach mit grossen leuchtenden Augen und einem Lächeln antworten: «Astronaut!», «Bauer!» oder «Weiss nicht!». Ersteres wird jetzt realistisch eingeschätzt und Letzteres ist keine Option mehr. Eine Antwort muss her. Irgendeine.

Plötzlich spielen die Noten für die zukünftige Berufswahl eine entscheidende Rolle. Der Satz «Dann machst du es halt das nächste Mal besser» versagt seinen Dienst als Phrase, die ich einsetzen kann, um mein Kind nach einem nicht allzu tollen Zeugnis zu trösten und anzuspornen. Jetzt, zum ersten Mal im Leben meines Sohnes, wird es ernst – auf eine erwachsene Art und Weise.

Denn gleichzeitig mit dem steigenden Druck, sich mit seiner Zukunft zu beschäftigen und Entscheidungen zu fällen, die seine weitere Ausbildung betreffen, verändert sich mein Kind. (Das formuliere ich jetzt als geoutete männliche Gluggere bewusst so. Ich klammere mich an sein Kindsein. So lange es geht. Basta.) Aber das ist vielleicht genau der Punkt: Mein Sohn fängt an, zu denken und zu empfinden wie ein Erwachsener.

Auf Druck reagiert er nicht mehr kindlich mit einem Ausbruch oder mit regressivem Verhalten. Er heult nicht mehr, er flippt nicht aus und kommt dann nicht mehr anschliessend zu mir, um zu kuscheln. Nein, er denkt mal nach. Sein Blick richtet sich nach innen. Er will nicht darüber reden. Er verdrängt die ganze Angelegenheit. Und geht lieber mit seinen Freunden skaten oder gamen.

Kurzum: Er legt ein Verhalten an den Tag, das mich sehr an mich selbst in dem Alter erinnert. Meine Lösung damals: Ich habe nach der 2. Sek die Gymiprüfung gemacht und so die Entscheidung über meine Zukunft um fünf Jahre verschoben. Das kann mein Sohn nicht. Er will nicht ans Gymnasium. Das bedeutet, dass er sich jetzt mit seiner Berufswahl auseinandersetzen muss.

Seine Lage hat etwas Absurdes: Ich habe den Eindruck, dass er erst seit kurzem die Welt anfängt als junger Erwachsener wahrzunehmen. Unsere Gespräche werden immer vielschichtiger. Wenn ich mit ihm rede, muss ich mir nicht mehr überlegen «Wie formuliere ich das, damit es für jemanden in seinem Alter verständlich ist?» Ich knalle ihm die ganze Komplexität und Widersprüchlichkeit der Welt an den Kopf.

Und er bekommt dann, wie gesagt, diesen nach innen gerichteten Blick. Einen Blick, den ich nur zu gut kenne: Synapsen schalten wie wild, Zusammenhänge werden erkannt, aber auch die Tatsache, dass nicht alles so einfach ist, wie es vorher schien. Plötzlich rotiert das Hirn eines Pubertierenden, eines jungen Erwachsenen. Dinge, die vorher nicht hinterfragt wurden, werden von neuem angeschaut. Und eigene Schlüsse werden gezogen. Immer und immer wieder.

Es ist wie ein Erwachen oder eine Art Geburt. Und genau in dieser Zeit, wo mein Sohn verwundert die Welt frisch wahrnimmt, muss er sich überlegen, welche Rolle er in ihr einnehmen möchte. Wie gesagt: Ich find es absurd.

Ich habe beschlossen, ihm Zeit zu lassen. Er hat bereits eine Schnupperlehre als Polymechaniker hinter sich und plant, in einem Spital zu schnuppern. Hochbauzeichner findet er auch noch interessant. Oder doch eine kaufmännische Lehre? Egal, vielleicht macht er nach der 3. Sek doch die Gymiprüfung.

Oder etwas ganz anderes.

memyselfandi*Mahmud Tschannen wohnt mit seinem Sohn in Zürich.

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