Eine Carte Blanche von Liliane Minor*.

Eine der vielen Migros-Aktionen für Kinder: Zwei Buben kleben Bildchen in ein Album, 13. Juli 2009. (Keystone/Laurent Gillieron)
Nur noch drei Tage, dann können viele Eltern aufatmen: Die jüngste Migros-Mania ist vorbei. Allen Nichteltern kurz erklärt, bedeutet eine Migros-Mania, dass es für jeden Einkauf ab 20 Franken ein Sammelding gibt. Aktuell sind es Kreisel.
Die Migros hält solche Aktionen für Kundenbindung, die Kinder finden es sowieso cool, Dinge zu sammeln und zu tauschen. Doch für viele Eltern ist es Stress pur. Sie klagen, die Migros manipuliere ihre Kinder. Sie jammern über Wutausbrüche des Nachwuchses, wenn Mami statt im Migros im Coop einkauft, wo es keine Kreisel gibt. Sie warten bange auf jene Mittwoche, an denen es pro Einkauf von über 60 Franken einen Joker-Kreisel gibt. Weil sie dann zweimal durch die Migros müssen, weil sie ja zwei Kinder haben und beide einen Joker wollen.
Wer Kinder hat, kann die Klagen ein Stück weit verstehen. Dass sich Eltern deswegen an den Konsumentenschutz wenden, irritiert trotzdem. Schliesslich täuscht die Migros niemanden mit ihrer Aktion. Die Regeln sind von Anfang an klar. Nur können manche Eltern damit nicht umgehen. Kurz: Hier geht es nicht um Konsumentenschutz. Es geht um Erziehung.
Jedes Kind muss früher oder später lernen, dass es nicht alles haben kann. Den meisten Eltern ist das bewusst. Nur scheinen viele den simplen Grundsatz zu vergessen: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Man kann das eine abgedroschene Grossmutterweisheit nennen – falsch ist sie nicht.
Tatsache ist, dass die Wünsche mit den Kindern mitwachsen. Erst sind es Kreisel, später ists eine Barbie oder eine Rennbann, dann Spielkonsole und Smartphone, schliesslich das Auto. Tatsache ist ebenso, dass ein Kind, das früh mit einem gelegentlichen Nein zu leben gelernt hat, auch später eher eine Absage akzeptiert.
Besser, als die Verantwortung an den Konsumentenschutz zu delegieren, ist es, sich genau zu überlegen, welche Moden man als Eltern mitmachen will. Etwa Panini-Bildchen, dafür aber keine Kreisel. Oder: Kreisel ja, aber die Joker gibts nur abwechslungsweise. So gesehen kann man die Migros-Kreisel als eine Art Erziehungshilfe bezeichnen – auch wenn es nur darum geht, den Kindern zu sagen, warum man eben gerade nicht mitmacht.
*Liliane Minor ist Redaktorin beim «Tages-Anzeiger». Sie hat zwei Kinder und wohnt im Zürcher Unterland.




*Claudia Marinka ist Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen. Die zweifache Mutter hat zuletzt beim «Der Sonntag» gearbeitet und verfolgt jetzt eigene Projekte. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich.
Réda El Arbi ist Mitinhaber der Kommunikationsagentur SeinSchein, Autor, Geschichtenerzähler und 

*Michael Miedaner (51) ist Sekundarlehrer, Erwachsenenbildner und
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 































































