Zwar dauert es noch 148 Tage bis die Olympischen Sommerspiele in London am 27. Juli eröffnet werden. Doch die Jagd nach Gold hat in der Themsemetropole längst begonnen.
Seit Ende Februar ist es nun auch offiziell: Die 85 Jahre alte Queen wird am 27. Juli die Olympischen Sommerspiele 2012 in London nicht nur «als eröffnet» erklären, sondern auch der Entfachung des Olympischen Feuers und der spektakulären Eröffnungsshow des englischen Filmemachers Danny Boyle («Trainspotting», «The Beach», «Slumdog Millionaire») beiwohnen.
Beiwohnen? Möglicherweise ein gesuchter, aber ein durchaus passender Übergang zum derzeit wichtigsten Thema in Sachen Olympische Sommerspiele in London: wo wohnen?
Denn die verfügbaren Hotelzimmer in der englischen Millionenmetropole werden nicht nur täglich weniger, sondern vor allem stündlich teurer. Wer gestern zum Beispiel auf www.londontown.com für die gesamte Zeit vom 27. Juli bis 12. August nach einem Doppelzimmer in Central London gesucht hat, dem wurde nur noch eine bescheidene Auswahl aus 27 Hotels geboten. Die anderen 172 Hotels meldeten «fully booked».
Für das billigste Angebot steht das «Holiday Inn Express» in Swiss Cottage. Dort kosten die 16 Nächte – Frühstück inklusive – im Doppelzimmer 5332 englische Pfund – also rund 7582 Franken. Auf der andern Seite der Skala präsentiert sich das «Hazlitt’s Hotel», ein luxusriöses Stadthotel mitten im trendigen Soho, das in diesen Tagen frisch renoviert wird. Hier schlagen die 16 Nächte mit genau 19’584 Pfund zu Buche (27’850 Franken). Wer buchen will, muss sich nicht nur beeilen – laut Anfrage «sind nur noch ganz wenige Zimmer frei» –, sondern auch eine potente Kreditkarte bereithalten. Denn bezahlt wird sofort, und wer stornieren will, oder muss, der verliert den ganzen Betrag. «Your booking cannot be modified or cancelled», heisst es unmissverständlich. Immerhin bekommt der Gast für dieses Geld eine zwar kleine, aber zweistöckige Suite mit Terrasse. Frühstück und Internet werden aber zusätzlich verrechnet.

«Günstig»: 16 Olympia-Nächte im «Holiday Inn Express» in Swiss Cottage kosten 5332 englische Pfund – also rund 7582 Franken. Frühstück inklusive.
Die horrenden Preise der Hotels und die fehlenden Betten haben nun auch die eigentlich so coolen Londoner aus dem Tritt gebracht. Zehntausende bieten ihre Wohnungen und Häuser während den Olympischen Sommerspiele für die täglich rund 500’000 zusätzlichen Besucher aus über 200 Ländern an. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen höflichen Akt der Gastfreundschaft, sondern um Business. Gutes Business. Oder «gold rush», wie der «Evening Standard» die Explosion bei den Vermietungen genannt hat. Denn die privaten Angebote der Hausbesitzer sind alles andere als Schnäppchen: Laut Experten werden die Objekte – egal in welchem Stadtteil –, beispielsweise auf Wimdu.com bis zu 10-mal teurer angeboten als der übliche Mietpreis.

Teuer: Wer im «Hazlitt’s», einem luxuriösen Stadthotel mitten im trendigen Soho, während der Sommerspiele 16-mal nächtigen will, muss dafür exakt 19'584 britische Pfund (27’850 Franken) berappen. Frühstück nicht inklusive.
So findet man auf der Website beispielsweise eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern an der Kentish Town Road in Camden für 1750 Pfund pro Nacht, während der normale Preis für dieses Objekt bei 145 Pfund pro Nacht liegt. Wer 16 Nächte bleibt muss 28’000 Pfund, also fast 40’000 Franken investieren. Im Vergleich dazu nehmen sich die Angebote der Hotels fast schon bescheiden aus. «Wir gehen aber nicht davon aus, dass solch überissene Angebote auch tatsächlich genutzt werden», meint Michael Riegel, Managing Director Wimdu.com. «Realistischerweise sollten die Leute davon ausgehen, dass sie den normalen Preis während den Olympischen Spielen verdreifachen können. Und das ist doch schon toll.»
Am tollsten treibt es aber derzeit ein Sportler: Ex-Fussball-Star Sol Campbell (Arsenal und Tottenham) bietet seinen Besitz am Cheyne Walk im edlen Stadtteil Chelsea für eine Wochenmiete von 75’000 Pfund (106’650 Franken) an. Für dieses Entgelt bekommt der Mieter ein 5-stöckiges Stadthaus mit knapp 1000 Quadratmetern Wohnfläche, sieben Schlazimmern, einem topmodernen Gym, einem riesigen Kino, einem luxuriösen Spa, und einem unterirdischen Ausgang. «Das ist vor allem für VIPs der grösste Pluspunkt», erläuterte Campbells Frau Fiona Barratt, die Millionen in das Design des Stadthauses investiert hat. «Cheyne Walk ist ein fantastischer Ort, der Blick über die Themse ein Traum», schwärmt Barratt, die mit ihrem Ehemann während der Sommerspiele in ein anderes Penthouse um die Ecke zieht. Denn trotz den möglichen Einnahmen will Campbell, der für England 73 Länderspiele gemacht hat, sein Land moralisch unterstützen.

Ex-Fussball-Star Sol Campbell (Arsenal und Tottenham) bietet sein 5-stöckiges Stadthaus in Chelsea für eine Wochenmiete von 75'000 Pfund (106'650 Franken) an.
Für die Vorwürfe, die 75’000 Pfund für Cheyne Walk seien ein «unmoralisches Angebot», hat Campbell kein Gehör. «Die 75’000 Pfund entsprechen rund dem vierfachen Wert, denn das Objekt normalerweise hat», entgegnete er in einem Interview zum Thema: «Damit bewegen wir uns sehr wohl in einem anständigen Bereich.»




Tracy Kawalik lebt und arbeitet seit sieben Jahren in der Londoner Mode-Szene. Nachdem sie ihre Karriere als professionelle Tänzerin aus gesundheitlichen Gründen beenden musste, fasste sie als Stylistin im Londoner Showbusiness Fuss. Dabei arbeitete die gebürtige Kanadierin für und mit den angesagtesten Designern, Promis und Events in der trendigen britischen Millionenmetropole. Zudem hat sich Tracy in den vergangenen Jahren einen Namen als Freelance-Journalistin und als Bloggerin gemacht. Bis Ende 2012 spürt sie für die Leserinnen und Leser von «London Calling» neue Fashion- und Shopping-Trends sowie schräge Figuren auf.
















Typisch britische Fussballer. Kriegen den Hals nicht voll. Wer 100’000 Franken für eine Woche in London bezahlt, hat eine Meise. Oder ist selber Fussballer. Im übrigen habe ich viele Leute gekannt, die während der Fussball-EM in der Schweiz ihre Wohnungen auch vermieten wollten. Das hat vor allem Nerven gekostet. Ansonsten Tipp: Ausserhalb London kosten die Hotels einen Viertel. Aber dann muss man halt mit dem ÖV reisen – und das wird während der Olympiade ziemlich eng… Darum geniesse ich London lieber ohne die Olympiade, und die Olympiade vor dem TV daheim.
Ich biete meine 3 Zimmer Wohnung in Zürich-Wipkingen für die besagten 16 Tage für 5000 Franken an. Sie hat einen grossen Flachbildfernseher. Bitte Blumen giessen.
Wollten diesen Sommer zu zehnt nach London – vor den olympischen Spielen. Die zu hohen Preise fürs Übernachten führten dazu, dass wir nun in der Schweiz Ferien machen. Ist eh vernünftiger …
Ein Freund hat seine Wohnung in London (Islington) für 8OO Euro pro Woche an Bekannte von Freunden angeboten. Die fanden das zu teuer. Hoffentlich haben die etwas Billigeres gefunden.
Je nach Wohnungsgrösse macht der Freund damit nicht mal ein grosses Geschäft. Es ist mir ein Rätsel, wie man in London die Miete zusammenbringt. Als Folge arbeiten Bedienungen in Restaurants jeden Tag für wenig Lohn, teilen sich Wohnungen etc. und die Bautrupps aus Polen und dem Osten leben in extremen Verhältnissen.
Naja, man muss ja auch nicht in Islington leben. Die Mietzinse sind hoch in London generell, aber wer sich von Islington und anderen “poshen” Vierteln wegbewegt, kriegt auch die Miete zusammen. Man muss halt seine Bedürfnisse anpassen – wer meint, er könne direkt über dem Topshop am Oxford Circus hausen und das zu einen Tarif, wie man sich das von der Schweiz her gewohnt ist, braucht definitiv einen Realitycheck.
Ach, heute ruft der Tagi nach der neuen Prüderie – und doch soll uns ein Blog gluschtig machen mit der byline Was London so Sexy Macht. Hätte mir was weniger abgelutschtes (solly) gewünscht als den faden Glanz und Gloria hype….
Ich habe ein Doppelzimmer in London zu einem guenstigen Preis zu vermieten. Es ist in dem schoenen Stadtteil von Herne Hill mit guten Verbindungen in alle anderen Stadtteile. Anfragen unter hannelore6@hotmail.com