Rory Dobner macht Kunst für fast jeden Geschmack. Besonders aber für Buchstaben- und Zahlenfetischisten.
Seine faszinierende Tintenmalerei verschönert Möbel und Alltagsgegenstände, doch typisch sind für Rory Dobner Teller, Ziegel und andere Produkte mit Buchstaben von A bis Z und Zahlen von 0 bis 9. Diese Arbeiten sind inzwischen Teil einer Luxus-Kollektion, die von den führenden Londoner High End-Kaufhäusern angeboten werden: Liberty, Selfridges oder The Shop at Bluebird. Rorys Kunstwerke sind inzwischen ein Must für eine ziemlich lange und sehr exklusive Kundschaft. Und obwohl es so aussieht, als ob sein Hauptaugenmerk derzeit auf seiner Tintenmalerei liegt, hat der Künstler noch ein paar andere Asse im Ärmel. Skulpturen, Tapeten, Dekors – und vieles mehr, das seinen aussergewöhnlichen Stil verträgt.
Rory, Sie sind weltweit gefragt und eröffnen demnächst einen Shop in New York – wie aufregend ist Ihre Leben?
Sehr. Ich eröffne tatsächlich nächste Woche meinen ersten « Shop in Shop» an der wunderschönen Park Avenue im Maison 24 in New York. Ich bin sehr stolz darauf.
Ihre Arbeiten sind äusserst vielseitig. Sie sind Künstler, Designer, Innendekorateur, Maler, Bildhauer, Industriedesigner – als was sehen Sie sich selbst?
Eigentlich als all das. Für mich gibt es keine Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien. Deshalb fühlt es sich für mich auch nur natürlich an, wenn man sich zwischen den einzelnen Räumen hin und her bewegt. So kann ich kreativ bleiben, ohne mich eingeschränkt zu fühlen.
Sie haben aber sicher eine Lieblingssparte. Oder ändert das je nach Stimmung oder Klientel?
Ich liebe die Herausforderung und die Abwechslung. Deshalb ist für mich immer jenes Projekt am wichtigsten, an dem ich gerade arbeite oder über das ich gerade nachdenke. Obwohl – eines wird immer meine Lieblingsbeschäftigung bleiben: In einem leeren Raum zu sitzen und vor mich hin zu kritzeln.

Tiere und Tinte: Kissen (Bild oben links), Haushaltsobjekte und vieles mehr werden mit Tintenmalereien verschönert (oben rechts). Der Künstler: Rory Dobner (Credits: Rory Dobner).
Welche Ihrer Arbeiten stellen Sie vor die grössten Schwierigkeiten?
Da kommt mir nichts in den Sinn, weil ich es liebe, mich mit all meinen Projekten abzumühen. Mein grösstes Problem ist, dass ich nicht genug Zeit habe, um all die Dinge zu tun, die mir im Kopf herum schwirren. Ich habe einfach zu viele Ideen.
Ihre Teller und Ziegel mit den skurrilen Verzierungen von Buchstaben und Ziffern sind extrem populär geworden. Was hat Sie dazu inspiriert?
Ich möchte, dass meine Illustrationen etwas bedeuten, gleichzeitig aber spielerisch bleiben. Diese Arbeitens sind also eine Entschuldigung, mich stundenlang mit etwas sehr Spielerischem zu beschäftigen. Zum Beispiel «Three is a Magic Number» für die Zahl drei oder der S-Teller mit seinem Skelett mit den Lackschuhen. Der X-Teller mit X-Ray-Vision scheint die Leute zu verstören… wahrscheinlich ist mir das erst spät in der Nacht eingefallen. (lacht)
Tiere spielen eine grosse Rolle bei Ihnen. Haben Sie selber Haustiere?
Ich liebe Tiercharaktere, ihre ganze Erscheinung und wie man sie portraitieren kann. Ich habe keine Haustiere, aber wenn sich mein ältester Sohn durchsetzen kann, dürfte sich das bald ändern. Ich muss auch gestehen, dass wir eine ziemlich grosse Sammlung von nicht allzu lebendigen Tieren zu Hause haben, von denen einige schon fast zur Familie gehören.
Vom rauchenden Goldfisch bis hin zum Oktopus haben Sie viele grossartige Tierdesigns entworfen. Welches Tier zeichnen Sie am liebsten?
Hmm, das ist schwierig. Erst kürzlich habe ich Brooklyn, den Dalmatiner eines Klienten gemalt. Ich habe es sehr genossen, dieses Tier zu malen, ihm einen Charakter zu verpassen. Man kann ihn übrigens auf meiner Website bestaunen.
Woher kommt die Idee, Tiere zu malen?
Das kommt aus meiner frühen Kindheit, wo mir stundenlang Geschichten von Beatrix Potter vorgelesen wurden.
Sie haben auch viele spektakuläre Auftragsarbeiten gemacht. Welche war die überraschendste?
Schwierig, da eine heraus zu picken. Ich habe alle sehr gern gemacht. Agent Provocateur ist immer ein Riesenspass. Die überraschendste sollte ich wohl am besten für mich behalten. (lacht)
Ihre Arbeit für das Ibiza Rocks Hotel ist ein echter Hammer. Ist da mehr geplant?
Ich werde den Sommer dort verbringen, um genau das zu machen, ja. Der Tennisplatz steht auf dem Programm und vieles mehr. Lassen Sie sich überraschen!
Sie haben für viele Modedesigner und sogar für Kate Moss gearbeitet. Sie Sie ein Modefreak? Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?
Eklektisch und ein bisschen unordentlich.

Populär und luxuriös: Verzierte Keramikfliesen mit Ziffern (Bild ganz oben), Stand Modell: Brooklyn, der Dalmatiner (Mitte links), Typisch: Tierfiguren auf Tellern (Mitte rechts), Dobners Trademarks: Ziffern, Tiere und Tinte (Bild unten) Rory Dobner (Credits: Rory Dobner).
Irgendwelche Lieblingslabel? Wo gehen Sie shoppen?
Hauptsächlich in Antiquitätenläden und auf Märkten. Entweder in London oder auf Reisen, von wo ich gern Dinge mit nach Hause schleppe.
Für welchen Kunden würden Sie gerne noch arbeiten?
Ich würde lieben gern eine riesige Installation in der Turbine Hall der Tate Modern Art Gallery machen.
Sonst noch Träume?
Ich würde gerne ein Bühnenbild für eine Oper entwerfen! Ausserdem liebe ich es, Häuser und Wohnungen zu verschönern. Innendekorationen machen mir sehr viel Spass; ich empfinde diese Arbeit als sehr befriedigend. Diesen Sektor auszubauen ist ein Wunsch von mir.
Welche Jobs haben Sie gemacht, bevor Sie Künstler wurden?
Restaurationsarbeiten für den Staat sowie Stuckaturen und Kränze. Dazu die üblichen Sachen für Filmsets.
Führen Sie eine spezielle Recherche durch, bevor Sie mit Ihrer Arbeit beginnen?
Ich weiss nicht, ob es dafür eine technische Bezeichnung gibt – aber ich lese sehr viel und beschäftige mich stark mit meinen Tagträumereien.
Welcher Ort in London inspiriert Sie?
Wir sind hier verwöhnt, was grossartige Museen angehen. Ich liebe es besonders, mich im Royal College of Surgeons und im British Museum aufzuhalten.
Was sollten Besucher in London auf keinen Fall verpassen?
Hampstead. Aber da bin ich natürlich nicht ganz neutral, weil man Studio dort ist.
Wie feiern Sie die Olympiade?
Mit einer Büchse Farbe auf einem Tennisplatz auf Ibiza.
Was dürfen wir in Zukunft von Rory Dobner erwarten?
Mehr Tapete, Polstermöbel und meinen eigenen Laden im Liberty-Kaufhaus noch in diesem Jahr.



Tracy Kawalik lebt und arbeitet seit sieben Jahren in der Londoner Mode-Szene. Nachdem sie ihre Karriere als professionelle Tänzerin aus gesundheitlichen Gründen beenden musste, fasste sie als Stylistin im Londoner Showbusiness Fuss. Dabei arbeitete die gebürtige Kanadierin für und mit den angesagtesten Designern, Promis und Events in der trendigen britischen Millionenmetropole. Zudem hat sich Tracy in den vergangenen Jahren einen Namen als Freelance-Journalistin und als Bloggerin gemacht. Bis Ende 2012 spürt sie für die Leserinnen und Leser von «London Calling» neue Fashion- und Shopping-Trends sowie schräge Figuren auf.














