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Der Mythos von der Wiederkehr des Religiösen

Hugo Stamm am Samstag den 5. Juli 2014
MINARETT, MINARETTE, VERBOT, PLAKAT, VOLKSINITIATIVE, INITIATIVE MINARETTVERBOT,

War der Abstimmungskampf um das Minarettverbot wirklich ein Beweis für die Rückkehr des Religiösen, wie manche behaupten? Foto: Urs Flüeler/Keystone

Manche Religionswissenschaftler werden nicht müde, die Wiederkehr des Religiösen zu propagieren. Die amerikanische Expertin Monica Toft gab ihrem neuen Buch sogar den Titel «Gottes Jahrhundert». Wunschtraum einer Gläubigen oder Realität? Die Autorin verweist auf die öffentliche Diskussion über religiöse Themen in den Medien. Dabei erwähnt sie das Burkaverbot in Frankreich. Auch der Schweiz gibt sie die Ehre und zieht das Minarettverbot als Beweis heran.

Tatsächlich tauchen religiöse Themen täglich in den Schlagzeilen auf. Doch Wiederkehr des Religiösen? Man reibt sich verwundert die Augen. Denn die Schlagzeilen demonstrieren uns vor allem die hässliche Seite der Religiosität: Intoleranz, Verfolgung, Hass, Gewalt.

Zuständig für die öffentliche Aufmerksamkeit sind in erster Linie der Islam und die Islamisten. Al-Quaida, Isis, Boko Haram zetteln Bürgerkriege an und sorgen auch im Westen für Angst und Schrecken. Sie kämpfen gegen Aufklärung und Demokratie – und für den Gottesstaat. Wenn die Religionswissenschaftler diese Form der Wiederkunft des Religiösen meinen, dann Gnade Gott.

Das tun die meisten vermutlich nicht. Sie sehnen sich nach einer konstruktiven Religiosität. Doch kehrt diese bei uns zurück? Die Schlagzeilen sind zumindest bei der katholischen Kirche selten schmeichelhaft: sexuelle Übergriffe katholischer Geistlicher, Vatileak, die Verschwendungssucht, Bankskandale im Vatikan usw. Einen Propagandaeffekt erzielt die Kirche nur, wenn ein Papst stirbt oder sich der Pontifex auf einer Weltreise effektvoll in Szene setzt.

Eine klare Antwort auf die angebliche Wiederkehr des Religiösen geben die Zahlen. Zwar gehören immer noch 39 Prozent der Schweizer Bevölkerung der katholischen und 20 Prozent der reformierten Kirche an, doch die meisten sind Karteileichen. Eine Untersuchung des schweizerischen Nationalfonds ergab, dass sich nur noch 23 Prozent der Katholiken und 15 Prozent der Protestanten als echte Anhänger ihres Glaubens bezeichnen. Vor vierzig Jahren besuchte noch rund ein Drittel der Schweizer regelmässig einen Gottesdienst, heute sind es keine 10 Prozent mehr. Ein konkretes Beispiel: In Basel sank die Zahl der Protestanten in den letzten 30 Jahren von 130’000 auf 30’000. Die Folge: Kirchen müssen verkauft oder kommerziell genutzt werden.

Sieht so die Wiederkehr des Religiösen aus? Betrachtet man den Aufschwung der Esoterik als Ersatzreligion, muss eher von einer Wiederkehr des magischen Denkens und des Aberglaubens gesprochen werden.

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279 Kommentare zu “Der Mythos von der Wiederkehr des Religiösen”

  1. hm sagt:

    @ Alienus
    Ich muss Ihnen schliesslich in weiten Teilen Recht geben, nur das Prädikat “nationalkonservativ” ist doch noch etwas weit weg von einem Stürmer oder Ähnlichem. Der Rechtspopulismus hier in diesem Land hat auch seine Tradition. Insbesondere knüpft er – ob bewusst oder unbewusst bleibe mal dahingestellt – ideologisch an die sog. Geistige Landesverteidigung an. Das wissen Sie in Deutschland vielleicht weniger. Dieser Rechtsnationalismus hat also ein historisches Substrat, das mit Ihrem deutschen (Un-)Erbe nicht vergleichbar ist, wenn ich das mal so sagen darf. Und diese Geistige Landesverteidigung – in meinen Augen natürlich längst überholt und Relikt v.a. auch aus dem Kalten Krieg, v.a. was dann den Antikommunismus und auch Antisozialismus (was das auch immer ist) anbelangt, aber im Prinzip ist diese Schweizer Ideologie anti-totalitär und urtümlich ur-demokratisch, weil wir dieses historische Privileg halt haben, auch wenns nach Kuhstall riecht. Gut, diese Ideologie bringt schon Kurioses hervor, wie Sonderfall-Denken und -Glauben, also die Meinung halt etwas so Spezielles und Eigen-, ja Einzig-artiges zu sein. Das stört mich (als Schweizer) am Schweizer auch.

  2. hm sagt:

    @ Alienus, Fortsetzung
    Und natürlich solte man das nicht so pflegen und kultivieren, wie die WW das macht. Was mich v.a stört ist, abgesehen vom ideologisch-nationalen Traritrara, das ja ein Stück weit – Stichtworte Identifikation und identitätsstiftend, seine Daseinsberechtigung haben mag, v.a. dann aber die Kommerialisierung, also die Geldmache, wenn dieses Blatt ein Maximum aus einer im Grunde berechtigten Sorge um das Wohl des eigenen Landes herausschlägt, nachhaltig und anhaltend.
    Das dünkt mich fast schon schändlich.

  3. Waldmeister sagt:

    @ Ausländer

    habe Sie mitgemeint in meinem Kommentar bei kreidfeuer…mal schauen, obs freigeschaltet wird, hier wie dort.

  4. Edi Brugger sagt:

    @Alienus

    Diese Tonart kommt mir irgendwie bekannt vor. Lang lang ist her, aber nicht verlernt. Und schliesslich ist Deutschland Weltmeister.
    Wo kommen wir denn da hin, wenn sich das kleine Stachelschwein noch vor dem Frühstück erdreistet eine andere Meinung zu haben.

  5. Gaucho sagt:

    @ “Waldmeister”

    Jaja, die ganze Welt ist voller Ausländer. Denken Sie doch BITTE mal an all die Menschen auf den anderen Kontinenten. Merci beaucoup.
    sic

  6. Auslaender sagt:

    @Galium odoratum

    Hä, was sie sage wolle ?

  7. Alienus sagt:

    @Edi Brugger

    So, so, Sie waren also vor längerer Zeit im Reich und wurden als Stachelschein angesprochen? Hoffentlich aber liebevoll!

    Ach Edi, Sie enttäuschen mich, ….. weil Sie auch noch ein offensichtlicher Neidhammel sind.
    Ach Edi, es geht aber noch schlimmer. Ein Schweizer wollte mich einmal betrügen und anstatt nach dem verlorenem Prozess mit gesenktem Haupt das Schlachtfeld zu verlassen sagte er mir und meinem RA: „….Ihr bleibt halt doch die alten Nazis…..“. Wir beide sind Nachgeborene des 2. WK.
    Ach Edi, eine Erbsünde, die Sie nicht haben werden.
    Ach Edi, nicht einmal dafür können Sie was.
    Ach Edi, nicht einmal für eine Entschuldigung müssen Sie kämpfen.
    Ach Edi, nicht einmal dafür können Sie was, dass Sie ein armes Stachels………. sind.
    Ach Edi, Sie sind eine perfekte Enttäuschung. Wenn’s schwierig wird dann die alte gute Nazikeule aus dem Sack.

    PS: Was kann der Spiegel dafür, dass sich der Betrachter erschrickt.

  8. Edi Brugger sagt:

    @Alienus

    Mit meinem Votum für die WW habe ich in erster Linie für die Meinungsfreiheit plädiert. Dieses Recht steht auch ihnen zu.

  9. Alienus sagt:

    @Edi Brugger 17.07.2014 um 08.06

    Herr Brugger, da haben wir doch eine sehr wichtige Gemeinsamkeit. Bin auch für Meinungsfreiheit und habe in keinem meiner Texte je ein Verbot der WW gefordert.

    Unabhängig davon können aber unsere Meinungen über solch eine Zeitung weit auseinander gehen. Vermutlich sind unsere sozialen Werdegänge recht unterschiedlich und somit lässt sich erklären, warum wir zu solch einem Blatt so sehr unterschiedliche Bewertungen haben.

    Bedingt durch meine Werdung bin ich der Meinung, solche Blätter zu bekämpfen, da von diesen eine extrem ungute Entwicklung ausgeht und nicht zur nachbarschaftlichen Freundschaft führt.

    Drum habe ich Ihnen als Morgengabe ein Schüttelverslein vom Lehrer Lämpeln ach W. Busch umgeschrieben. Denn es wird kolportiert, der Roger Köppel würde im TV-Bereich Lehrer Lämpel genannt.

    Der Lehrer Köppel
    oder
    die Possen des Roger Lämpel
    .

    Also lautet ein köppelscher Beschluss,
    Dass der Deutsche viel lernen muss.
    Nicht allein nur das politische Abc,
    Bringt den Deutschen in die Höh.

    Nicht nur mit einem eisernen Besen,
    Sondern nur nach Schweizer Wesen.
    Also nur nach Köppels seiner Lehren,
    Kann sich der Deutsche nur bewähren.

    Europäer und Deutsche, diese beiden,
    Tun ihn darum nicht so gerne leiden.
    Denn wer selber gute Sachen macht,
    Gibt nicht auf diesen Köppel acht.

    Nun war dieser Demokratielehrer,
    Vom starken Tobak ein Verehrer.
    Was er einem möchte nervig sagen,
    Empfindet man hier als große Plagen.

    Deutsche und ihr TV – unverdrossen,
    Ächzen, lachen über auf seine Possen.
    Ob vermittelt über seine große Klappe,
    Denn der hat wirklich ne riesig Flappe.

    Beim TV am Sonntags immer wieder,
    Erscheint dieser Köppel brav und bieder.
    In der Runde mit dumpfsten Gefühlen,
    Man möchte alles in den Lokus spülen.

    Aber Deutschland fragt in seiner Masse,
    Ist etwa dieser Kerl doch einfach Klasse.
    Nein! Und geschwind – stopf, stopf, stopf ,
    haut man einen Knebel in dessen Kropf.

    Damit es ruhig wird im eigenen Hause,
    Zu nervig wird’s mit so einem Banause.
    Lenkt er empört dann seine Schritte,
    Zurück in seine eidgenössische Hütte.

    Wer sollen nun die Deutschen lehren,
    Die weltbeste Demokratie zu verehren.
    Doch nicht dieser patriotische Köppel,
    Der weibelt wie der Glocke ihr Klöppel.

  10. olive sagt:

    @Ach Allienus

    Sind Sie etwa neidisch auf Köppel?

    Sie sagen, Sie seien auch für Meinungsfreieit, um eine andere Meinung dann alsbald als dumm zu geisseln.

    Leseempfehlung

    “Achtung Gutmenschen”

    Dietmar Bittrich

  11. Edi Brugger sagt:

    @Alienus

    Ihre Fakten sind überzeugend. Vielleicht haben sie ja recht. Ich werde künftig die Weltwoche noch etwas kritischer lesen und, wenn nötig meine Meinung ändern.

  12. Edi Brugger sagt:

    Nachtrag . Ihr Gedicht ist herrlich erfrischend, Wie sie ihren abwesendenGegner wie man so schön sagt, zur Sau machen. Ich habe mich krank gelacht.

  13. olive sagt:

    Ach Alienus

    Das wird Sie nicht freuen:

    Ob Köppel mit Koppen verwandt ist, weiss ich nicht, ich kenne es nur bei Pferden

    abeer es gibt noch freundlichere Erklärungen als die Ihren:

    “Köppel ist der Name mehrer geografischer Objekte in Deutschland”

    oder

    “. Köppel
    = Koseform zum Rufnamen Jacob (siehe auch dort) + -l-Suffix oder Wohnstättenname zu mittelhochdeutsch kup(p)el, kop(p)el (‘Revier, an dem mehrere gleiches Recht haben, besonders für Weide’)
    = Kðppel (1382)”

    Eine komplexe Sache, dieser Köppel

  14. andersen sagt:

    Alienus

    Vielleicht laden Sie Herr Köppel ein, gemeinsam eine Woche auf ein Alphütte zu verbringen, ein paar Kühe Melken und der Alpenbutter auf ein selbstgemachtes Zopf geniessen, dann werde Sie entdecken, dass der Köppel sehr wohl das asiatisches ständig in ein andere Richtung stossen bevorzugt.

    Da hilft auch keinen Alpenkräuter-Haupt- Schmücken oder eine runde Jassen gar nix.

  15. Alienus sagt:

    @olive

    Allmächtigster und alle möglichen und unmöglichen Götter im, auf, am, hinter und unter dem Himmel, diese Frage: …. neidisch auf Köppel…. Und für dumm geisel ……? Hi, hi, Hilfe!

    Nochmals: Sie werden nicht finden, dass ich geschrieben habe der Köppel sei dumm! Er ist gefährlich, dreist und nach seinen Darlegungen unsäglich der weltbeste Demokrat. Ein selbstgebackenes weltbestes Demokratiebeispiel. Das nervt. Kein gutes Aushängeschild der Schweiz.

    Sie schreiben ja auch gegen meine Meinung. Aber deshalb würde man doch Ihnen nicht eine Hintertreibung der Meinungsfreiheit unterstellen.

    Ach olive: Das wird Sie aber hoffentlich nicht umhauen, denn mich haut’s nicht um, Ihre Erkenntnisse. Die Auslegung Ihrer „Funde“ ist natürlich richtig, auch! Aber die Auswahl und Zuordnung der Bedeutung meiner Schreibe möchte ich mir doch selber festlegen. So aus dem Bauch und sowieso. Da möchte man Ihnen zustimmen: Eine komplexe, sehr komplexe Sache diese Sache mit dem Köppel.

    PS: Die Bezeichnung „Gutmenschen“ verwende ich nicht, da dies ein sehr verächtlicher und äußerst negativer Begriff der dt. NS-Schergen gegen ihre Gegner war. Ein Begriff welcher allzu gerne von Blogern der WW verwendet wird. Da bleibt die Frage offen: Warum?

  16. Alienus sagt:

    @Edi Brugger

    Möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass der Köppel für mich kein Gegner ist. Er ist für mich sicherlich eher ein ganz armer Tropf. Wie er so seine Demokratiehinweise ungehört in die Runde wirft.

    Zur Sau machen tu ich ihn auch nicht, nur nicht ernst nehmen. Das ist die größere Problematik für Herolde und Trommler der alleinigen Demokratie. Außerhalb der Schweiz nimmt ihn doch kaum eine Sau ernst.

    Na ja, immer wieder meine alte Sage: Köppel ist der Pudel seiner Herrn Christoph. Werde jetzt mit Köppel enden damit nicht zum Dauerhickser wird.

  17. Alienus sagt:

    @anderson

    Keine schlechte Idee. Mit Herrn Köppel eine Woche gemeinsam im Abgelegenen.

    Der würde als ein roher unansehnlicher Diamant kommen und nach dem passgerechten Abschlagen, dem richtigen Druck und der angepassten Schleiftechnik als EU-Fan, als reichsdeutscher und normaler demokratischer Brillant von dannen schleichen.

    Und umgetauft auf Jacob. Halleluja.

  18. olive sagt:

    @Edi

    hast du eigentlich
    “Der neue Tugendterror ” gelesen?

  19. andersen sagt:

    @Alienus

    Ja, der Köppel und der Mörgeli interessiert kein Mensch in Europa.

    Wer als Trampeltier und frisierten Pudel unterwegs sind, kann kein Erfolg erzielen, mir gefällt eher der Feingefühl und die Geste von Herrn Bundespräsident Burkhalter.

  20. Edi Brugger sagt:

    @Olive
    Der Titel sagt mir nichts.

  21. olive sagt:

    @Alienus

    bewundernswert, welche Mühe Sie sich machen mit diesem “armen Tropf”, sogar ein lustiges Gedicht haben Sie über ihn geschrieben..

    Ihre Realität.

  22. Alienus sagt:

    @olive

    Das ist keine Mühe, das sind kleine schnelle Fingerübungen.

    Das mit der Realität sehen Sie hoffentlich nicht falsch, denn bei der vorhandenen kann man diese oft nicht ertragen. Da macht man sich lieber eine eigene bessere.

  23. olive sagt:

    @Edi

    ich dachte, du hättest mal Interesse am neuen Sarrazin geäussert.

  24. olive sagt:

    @Edi

    ich dachte, du hättest mal Interesse am neuen Sarrazin geäussert.
    Ich fragte doch noch, ob du einen E-Reader hättest.

  25. olive sagt:

    @Alienus

    mit “Ihre Realität” meine ich, Ihre Wahrnehmung, Ihre Meinung, das kann, so glaube ich, nicht falsch sein.

    Die Realität ist manchmal schwierig und unschön, ja.

  26. Edi Brugger sagt:

    @Olive

    Ich wage es kaum einzugestehen, aber ich habe keinen.

  27. olive sagt:

    @Edi

    und das Buch hast du dir nicht gekauft?

  28. Edi Brugger sagt:

    @Olive

    Ich habe kein Buch von Sarrazin. Habe ich etwas verpasst?
    Z.Zt. lese ich
    “Jenseits von Gut und Böse” von Michael Schmidt-Salomon und
    “Denn sie wissen nicht, was sie glauben” (oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann) von Franz Buggle

  29. olive sagt:

    @Edi Brugger

    “Jenseits von Gut und Böse” habe ich in den letzten Ferien gelesen

    Das von Franz Buggle kenne ich nicht.

    In den jetzigen Ferien eben den “Tugendterror”.
    Es lohnt sich zu lesen, lehrreich . Er verortet den Urgrund des Tugendterrors in der Religion, allen voran im Christentum, geschichtlich beschlagen und präzise.

    Bin nicht mit allem einverstanden, aber wie gesagt, lesenswert.

    Im zweiten Kapitel geht er auf die Reaktionen auf sein erstes Buch ein von Journalisten und Politikern, und ich bin echt erschüttert.
    Vor diesen Menschen muss man sich fürchten, nicht vor dem Buch.