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Das magische Kreuz von Ground Zero

Hugo Stamm am Donnerstag den 15. September 2011
Die Stahlträger in Kreuzform werden am 11. September 2004 am Ground Zero präsentiert.

Zufall oder ein göttliches Zeichen? – Die Stahlträger aus den Trümmern am Ground Zero, September 2004.

Beim Aufräumen der Überreste des World Trade Center in New York entdeckte ein Arbeiter zwei Tage nach dem Terroranschlag ein Kreuz aus Stahlträgern, das aus den Trümmern ragte. Die Skulptur berührte die Arbeiter. Sie interpretierten das christliche Symbol als Zeichen Gottes und als Ausdruck der Hoffnung: Der Herr hat uns nach der unfassbaren Katastrophe nicht verlassen.

Das Kreuz fand auf Ground Zero, dem Gelände des Grauens, einen Ehrenplatz und diente als Mahnmal. Ende Juli 2011 musste es einem neuen Gebäude weichen und wurde im Keller des Neubaus gelagert - als zentrales Exponat des soeben erbauten Gedenkmuseum. Ende dieses Monats wird das Kreuz pünktlich zum Jahrestag dort ausgestellt. Millionen werden es fortan als kleines Wunder und höheres Zeichen bestaunen.

Der Glaube kennt keinen Zufall

Die drei eingestürzten Türme enthielten Tausende Tonnen Stahlträger. Viele dieser Elemente waren im rechten Winkel montiert, bildeten also eine Art Kreuz. Es überrascht deshalb nicht sonderlich, dass die Arbeiter auf ein Trümmerteil stiessen, das sie an das christliche Symbol erinnerte.

Wer hatte bei diesem Ereignis die Hand im Spiel? Der Zufall oder Gott? Im tief religiösen Amerika, wo sich Präsidentschaftskandidaten mit Stolz als christliche Fundamentalisten präsentieren und die Evolutionslehre als «nur eine Theorie» oder gleich als Irrlehre verdammen, sehen viele Amerikaner im Kreuz von Ground Zero ein Zeichen Gottes. Stellen wir also nüchterne Fragen. Was hat das Kreuz mit Gott zu tun? Was will er damit sagen, falls er wirklich dieses Zeichen gesetzt hat? Welchen Zweck verfolgt er damit?

Viele Gläubige weichen solchen Fragen aus. Sie betrachten ein Phänomen und halten die erste Assoziation für plausibel. Glauben heisst denn auch, für wahr halten. Am liebsten glauben sie, was Trost spendet, ihre Sehnsucht nährt und ihre Ängste betäubt. Deshalb sehen sie gern auch in weltlichen Dingen eine höhere oder spirituelle Bedeutung.

Der Glaube bedient die emotionale Seite in uns. Diese lässt sich nicht gern von Verstand und Vernunft bremsen. Deshalb lieben wir in religiösen Belangen Erleuchtungen und vermeiden nach Möglichkeit Fragen. Der Glaube an einen gütigen Gott nährt die Hoffnung, dass es einen versteckten Sinn gibt. Dass sich im Meer der irdischen Ungerechtigkeiten eine Insel der Freundlichkeit und der Güte finden lässt. Schon die Urchristen haben erkannt, dass der Verstand der Feind des Glaubens ist. Mit entwaffnender Offenheit schrieben sie in die Bibel: «Selig sind die Armen im Geiste.»

Terror als Strafe Gottes?

Wären die Arbeiter auf Ground Zero nicht der Gefühlsduselei verfallen, hätten sie Fragen gestellt. Wäre es von Gott nicht ein sinnvoller Akt der Barmherzigkeit gewesen, die 3000 Eingeschlossenen im Word Trade Center zu retten, statt die göttliche Allmacht in ein versengtes Stahlkreuz zu investieren?

Diese Frage berührt das religiöse Grundproblem der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes. Konkret: Wie kann der allmächtige Gott, der nach christlicher Lehre in das Leben der Menschen wirkt, das grenzenlose Leid zulassen? Wie hält er es aus, unschuldige Menschen, die er angeblich nach seinem Ebenbild geschaffen hat, in der Flammenhölle der brennenden Türme sterben zu lassen? Wie kann man an einen Gott als gütigen Vater glauben, der das endlose Leiden auf der Erde duldet? Galileo Galilei erkannte das Dilemma schon vor fast 500 Jahren: «Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen.»

Weil sich die Fragen nach der Barmherzigkeit Gottes dem Verstand erziehen, klammern wir uns gern an Zeichen und Wunder. Auch Theologen und gläubige Philosophen stehen machtlos vor dem Dilemma, dass die Lebenserfahrung mit dem Bild kollidiert, das der christliche Glaube und die Bibel zeichnen.

Wer an Zeichen Gottes glaubt, braucht eine selektive Wahrnehmung. Er muss, selbst bei offenkundig Sinnlosem, alles verdrängen, was das Bild von Gott als gütigem und gerechtem Schöpfer trübt. Das Beispiel vom Kreuz auf Ground Zero zeigt: Die Konsequenz des Glaubens ist der Aberglaube.


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984 Kommentare zu „Das magische Kreuz von Ground Zero“

  1. Pasionaria sagt:

    rg
    Das hat man dann halt……durchaus logisch, wenn die politische Rechte an der verheerenden Krise iSchuld ist.
    Hat ev. die Linke mir ihren Rezepten von Umverteilung und Solidarität doch recht?
    Bitte das Fragezeichen beachten. Jedenfalls schlimmer kann’s nicht werden.

  2. hölzern sagt:

    http://wsws.org/de/2011/sep2011/ben2-s28.shtml

    PS
    wie “schön” das Recht doch mal wieder hingebogen wurde und die Gerechtigkeit auf Erden :- ) vernachlässigt…Siehe BVG-Urteil Haspa- Lehman

  3. rg sagt:

    @ Pasionaria 28.09.2011 um 00:20

    “Hat ev. die Linke mir ihren Rezepten von Umverteilung und Solidarität doch recht?”

    Ja Sie haben sicher recht. Hier ein Beispiel wenn Linke Geld umverteilen.

    Nothing is too expensive when you are spending someone else’s money.

    http://www.thefiscaltimes.com/Articles/2011/09/22/WP-Solyndra-went-on-a-spending-spree-after-getting-loan.aspx#page1

    rg

  4. Pasionaria sagt:

    r g
    hm…….. wie doch gewisse Industriesparten ‘lernfähig’ sind und sich von noch grösseren Institutionen > Banken inspirieren lassen!

    Aber Spass beiseite, wir wissen doch, dass die Linke wie die Rechte KEINE Rezepte hat, da beide aus …….Menschen zusammengesetzt sind….!

  5. rg sagt:

    @Pasionaria 29.09.2011 um 10:48

    Ich dachte die “noch grösseren Institutionen” sind die Regierungen von denen man sich inspirieren lässt. Vorallem beim Geldausgeben. Geld von ANDERN.

    “Aber Spass beiseite, wir wissen doch, dass die Linke wie die Rechte KEINE Rezepte hat, da beide aus …….Menschen zusammengesetzt sind….!”

    Ich wusste das schon lange, aber ich bin glücklich, Sie wissen das jetzt auch.

    rg

  6. Rosenstengel sagt:

    Ich hatte bis jetzt keine Zeit, das ganze hier zu lesen. Das habe ich nun nachgeholt.

    Ooooh, der rg lamentiert, dass ich ihn GROSS geschrieben habe. Na ja, wo er Recht hat, da soll er auch Recht behalten. DEN Namen sollte man besser immer KLEIN SCHREIBEN, denn mehr hat er auch nicht zu bieten.

    Na, Sie Kanaille, wie läuft^s denn so? Wen schulen Sie denn jetzt so aktuell? Sind das immer noch alles Leute, die so werden sollen wie Sie? Bilden Sie immer noch Leute zu STEINZEIT-KAPITALISTEN aus???

    Wissen Sie, ob Sie mich nun als UNNETT oder UNINTELLIGENT empfinden, ist mit KOMPLETT wurscht. Denn ich weiss, was für ein Typ SIE sind. Figuren wie Sie, sind mir schon öfter begegnet. Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass solche Leute anschliessend, nachdem ich die entsprechenden „KORREKTURMASSNAHMEN“ gegen sie eingeleitet.habe, nicht mehr das waren, was sie glaubten gewesen zu sein. Schade, dass Sie mir nicht mal vor die Flinte gelaufen sind, RG. Bei Ihnen hätte ich mir mit meinen Korrekturmassnahmen ganz besonders grosse Mühe gegeben, da können Sie sicher sein.

    Und wenn ich der Mahina einen armseligen Intellekt attestiere, dann hat das schon seine Berechtigung. Das ist eine HOFFNUNGLOSE BLUFFERIN, die sich mit ihren „Wissen“ nicht so weit aus dem Fenster lehnen sollte. Sie sollte besser bei einer Materie bleiben, die der Banalität ihres Intellekts entspricht. Wenn sie das allerdings nicht tut, dann könnte sie Ärger mit mir bekommen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass ich Lust und Laune dazu habe. Und dabei ist es mir auch völlig schnuppe, ob sie mich liest oder nicht.

    Ausserdem ist es mir auch Scheissegal, dass aufgrund meiner Schreibe eine Moria gegen die Wände ihrer WELLBLECHHÜTTE in Südamerika trommelt.

    Allerdings ist mir nicht egal, dass mich ein Edi Brugger als „Würstchen“ bezeichnet. Solche Leute sollte man schon ernst nehmen. Denn der Edi hat den Intellekt eines REGENWURMS, und die Meinung solcher Menschen haben in unserer heutigen Gesellschaft noch immer ein grosses Gewicht.

    Also, Leute, das war’ s wieder mal vom Rosenstengel. Und je nach Lage der Dinge liest man sich wieder. Freut Euch drauf.

  7. also sagt:

    Rosenstengel braucht wieder Dion-Senf.

    “Sie” ist wieder auf Einzug.

    Wie gesagt, in der Zürcher-Scene ist es toten Hosen.

    Jöh, kein koki mehr.

    Siehe YouTube 10 kleine Jägerlein.

    Oder der Film Kackwurst.

  8. also sagt:

    Mensch ärgere Dich nicht……………………………………………………..das wäre zu Masochistisch.

    Br……………………………………………………………………………………………………………………………!

  9. also sagt:

    Die Scientologen laufen Stundenlang vom Wand zur Wand, noch dazu Aschenbecher anschreien, andere beten Stundenlang der Rosenkranz, andere wie Uriella probezeit der Weltuntergang,andere laufen über glühene Steine, andere sitzen Stundenlang in Lotusstellung,andere kümmert sich nur um sein Wurst,andere beten 5 mal im Tag, andere ruft Stundenlang Mike Shiva an und fragt nach der Schicksalsjahr von sein Katz……und so weiter.

    Man gönnt sich ja sonst nicht was……………………………………..,oder?

    Ich schon, ich fahre wieder in den Ferien.

    Alles andere geht mich am A…………………….vorbei.

    Reisende kann man nicht aufhalten, viel Spass!

  10. also sagt:

    Alles andere ist vergeudene Zeit.

    ES GIBT NICHTS ANDERES ZU TUN.

  11. @ Rosenstengel sagt:

    Warum sit Dehr gäng so aggressiv? Choit Ehr net normau diskutiere, wie die angere hie drin?

  12. Pasionaria sagt:

    Rosenstengel
    “…………dass aufgrund meiner Schreibe eine ……. gegen die Wände ihrer WELLBLECHHÜTTE in Südamerika trommelt.”
    Durch die Wellblechhütte kommt mir direkt die Blechtrommel in den Sinn, eine sinnvolle Lektüre für Sie (sei es zum ersten oder weiteren Male). Tun Sie sich das unbedingt an, es gibt darin auch einen Protagonisten, der Ihnen sehr nahe stehen wird…….
    Vielleicht schafft es am ehesten Günter Grass, Ihren krass-agressiven Geist etwas aufzulockern.

  13. Zweifler sagt:

    @Rostenstengel

    Sie müssen ja gröbere Probleme haben ……………

  14. geht doch sagt:

    Narzissmus ist ein Persönlichkeitstörung, das kann behandlet werden.

    Rosenstengel ist Peanut.

  15. sicher nicht sagt:

    @ geht doch

    Rosenstengel ist mit Sicherheit nicht Peanut. Falls doch, was man so gut wie ausschliessen kann, litte Rosenstengel/Peanut an einer massiven schizoiden Störung oder, 2. Möglichkeit, Peanut schüfe eine Kunstfigur genannt “Rosenstengel” wo er alles schreiben und in seine Figur hineinprojezieren kann, was er sich selber verbittet. Er könnte sich rechtsextrem austoben, Blogger unter der Gürtellinie beleidigen und “einer gegen alle” spielen. Dazu müsste er aber seinen Schreibstil ziemlich verfälschen was möglich wäre, aber nicht ganz einfach. Nö, ich denke wirklich nicht, dass Rosi Peanut ist, ein bisschen Narzissmus ist aber das Markenzeichen gar so vieler hier.

  16. geht doch sagt:

    Ja,zwischen Adam und Eva wird es immer äusserlich ein Unterschied geben.In der Mensch exstiert die Weibliche und die Männliche Seite. Zuviel Narzissmus tut ein Frau weh, aber das hat der Peanut erkannt, sonst hat Er nicht die Rosi verstanden.

    Das war höchste Eisenbahn und das Zug hält nicht überalt.

    Sonst gab es nur Cashew-Nüsse im Zukunft.Blogger sind nicht der Blogger.

    Rosi und Peanut.:-)

    youtube: The Rose von und you raise me up von Westlife, aber nur mit Kerzenschein.Alles Klar.

  17. geht doch sagt:

    Eben zur jeder Tanz gehört immer zwei.

  18. geht doch sagt:

    und zwei Nüsse

  19. geht doch sagt:

    viel Spass

  20. Nussknacker sagt:

    nicht alle Frauen lieben Nussknacker
    Umbelina Barros
    :-)
    auf dem Fischmakrt in Portugel offenbar nicht

  21. Anna sagt:

    Erkennt ihr nicht den Unterschied zwischen etwas tun und etwas zulassen? Hat Gott diese Katastrophe verursacht oder nur zugelassen? Wenn er daran schuld sei, dass 3000 Menschen tot sind, obwohl er das nur zugelassen hat, sind wir dann nicht alle daran schuld, dass andere Menschen vor Hunger, Drogen und Kriminalität sterben?
    Und nochmal zu den Wurzeln der christlichen Religionen: wird diese Welt denn von Gott regiert? Warum beten wir in Vaterunser “dein Königreich komme” – wohl deswegen weil das Königreich noch nicht gekommen ist.

  22. Pasionaria sagt:

    Ist dieser Blog langsam ganz verrückt – Anna v. 00.15h scheint mir nicht unsere Problem-Anna zu sein!

    Peanut
    Eigentlich war ich heute blogmässig (daneben sowieso……….) hervorragend drauf.
    Aber wenn Sie betonen, wie eine Juristin/Linguistin hermeneutische Kompetenz aufweist, und Sie selbst – als magistrado – nicht erkennen, wie diese Person als einzige hier nichts als aufwieglerische wirkt, dann muss ich nicht nur an Ihrer Menschenkenntnis, sondern auch an Ihrer objektiven Wahrnehmung zweifeln.
    Wer sich unter @Allegra dermassen hinterhältig verhält, ist Ihrer Verteidigung unwürdig. Ueberlegen Sie sich dies bitte einmal, und es ist nicht zum ersten Mal.

  23. Walter Frei sagt:

    also bibelfest ist der herr stamm ja weiss gott nicht
    selig sind die armen im geist ist ein ausspruch von jesus aber doch nicht von den urchristen…….
    ich würde in diesem fall empfehlen die bibel mal zu lesen anstatt einfach nur falsch zu zitieren

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  33. Angela Nussbaumer sagt:

    Die Arbeiter auf Ground Zero seien der Gefühlsduselei verfallen, Herr Stamm…
    Man kann Gott sehen wo und wie man will. Man kann die Ratio als ultima ratio ansehen und alles Spirituelle als Aberglaube definieren. Ich persönlich meine, was einem Menschen hilft, sein Leben und dessen Herausforderungen zu bewältigen, ohne einem Mitmenschen zu schaden, hat alleweil seine Daseinsberechtigung.
    Es ist nicht jedem gegeben, eines Herrn Stamms Selbstsicherheit und Geborgenheit in sich selbst zu finden. Gut ist, was dem Leben dient, und schlecht ist, was dem Leben zuwider läuft. Also lassen Sie doch einfach jenen den Aberglauben, der ihnen hilft, und freuen Sie sich ob Ihres Losgelöstseins davon.

  34. Frau Nussbaumer, Sie schrieben „man kann Gott sehen wo und wie man will“. Wenn wir davon ausgehen, dass Ihr Gott der christliche Gott ist, dann ist sogar seine Kirche anderer Meinung, etwa der Evangelist Johannes. Er schrieb im Kapitel 5, niemand habe je dessen Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen. Man kann Gott also nicht sehen, wo und wie man will, oder, genauer, man (etwa Sie) kann nur WOLLEN, ihn zu sehen; aber man sieht ihn dann nicht. Allerdings ist selbst seine Kirche unsicher, wie sie sich dazu verhalten soll, denn einer ihrer Väter, der Evangelist Markus, wollte Gottes Stimme gehört haben, die den gerade getauften und aus dem Wasser des Jordans steigenden Galiläer, Kind der Maria, als SEINEN Sohn bezeichnete.
    Hier muss die Vernunft kapitulieren. Für sie kann nicht gleichzeitig wahr sein, dass man etwas sieht, aber nicht sehen kann. Dem (Aber-)Glauben dagegen bereitet dies nicht die geringste Mühe. Für ihn gibt es keine Widersprüche. Er glaubt alles, selbst das Unmögliche. Und wenn er in der Lage sein sollte, auf solche Ungereimtheiten zu stossen, dann tut er sie als unwichtig ab oder gibt vor, es handle sich um ein göttliches Geheimnis, dem er nicht gewachsen sei. Das hat noch nichts mit Dummheit, sondern vielmehr mit Berechnung zu tun. Ein (echter) Christ oder eine (echte) Christin wird sich denken: Ich kann das alles glauben und für wahr halten, die (angeblichen) Wunder, die jener Mann aus Nazareth vollbracht hat, die Heilung der Kranken, die Wiedererweckung des Lazarus und so weiter und so fort. Selbst sein Zorn über den Feigenstrauch, der gerade noch keine Früchte trug, weil es noch früh im Jahre war, vielleicht anfangs April, und der nicht zu einem (halb-)göttlichen Wesen passt, geht durch, denn dieser (echte) Christ und jene (echte) Christin sind nur an Einem interessiert, nämlich am eigenen ewigen Leben, und sie denken, dass sie all das glauben und für wahr halten können, denn neben diesem „nicht Verlorensein“ (ebenfalls Johannes) ist alles andere bloss ein Klacks.
    Glauben heisst, die eigenen Vorstellungen (Einbildungen, Wünsche) für wahr und wirklich zu halten – und den Verstand völlig auszuschalten. Damit wird jede Diskussion mit (echten) Christinnen und (echten) Christen fruchtlos, ausser, man halte dieselben Vorstellungen für wahr und wirklich. Sie sind sogar in der Lage, immer wieder neue Beweise zu liefern. Wenn ich etwa einwende, jener Jesus könne unmöglich ein Teil der Allmacht sein, weil er sich getäuscht und etwa versprochen habe, wiederzukommen, bevor seine Zuhörerschaft gestorben sei, dann wendet einer dieser Cleveren ein, damit sei der ZWEITE TOD gemeint, Jesus werde also wiederkommen, ehe seine damalige Zuhörerschaft zum zweiten Male gestorben sei. An diesem Punkte beende ich die Diskussion und lasse einen zufrieden und überlegen wirkenden Christen zurück.
    Womöglich wollten Sie, Frau Nussbauer, aber schreiben, man könne Gottes TUN, EINGREIFEN und so weiter sehen, wo und wie man wolle. Damit hätten sie recht, denn wenn ER das allmächtige schöpferische Wesen (ohne irdische Geschlechtsmerkmale) ist, dann findet man überall die Spuren seiner Hände, und es hat es dann nicht nötig, hin und wieder und wie verschämt zu versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, etwa damit, dass es aus ein paar Stahltrümmern, analog Bernhard Luginbühl oder Jean Tingely, eine Art Skulptur aufrichtet, um zu zeigen, dass weiterhin mit ihm zu rechnen sei. Die Suche nach solchen Gottesbeweisen ist Aberglaube, und zwar deshalb, weil eine Allmacht nicht beweisen muss, dass es sie gibt und sie auch nicht verschwindet, falls sie gerade keine solchen Tricks veranstaltet.
    Sie, Frau Nussbaumer, fordern, dass man jedem seinen (Aber-)Glauben lassen müsse.
    Da haben Sie wiederum recht. Aber man muss auch fordern, dass er damit nicht an die Öffentlichkeit tritt, nicht versucht, damit Einfluss zu nehmen, und, was am wichtigsten ist, auch darauf verzichtet, seine Nachkommenschaft mit seinen sonderbaren und nur ihm dienenden Hirngespinsten zu behelligen.

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