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Bischof Haas erregt wieder die Gemüter

Hugo Stamm am Freitag den 12. August 2011

Der Glaube mancher Geistlicher treibt gelegentlich seltsame Blüten und wirft kein besonders günstiges Licht auf die Vertreter Gottes. Hauptdarsteller dieser Geschichte ist Erzbischof Wolfgang Haas. Die Gläubigen der Diözese Chur haben ihn in den 1990er Jahren vergrault. Die Liechtensteiner, offenbar noch konservativer als wir Schweizer, gaben ihm 1997 Asyl. Seine guten Beziehungen zum Fürstenhaus dienten als Schmiermittel.

Das ging lang recht gut. Doch nun bringt Haas auch die liechtensteinische Seele zum Kochen. Pièce de restistance ist die Burg Gutenberg, die über einem Felsen von Balzers thront und zu den Wahrzeichen von Liechtentein gehört. Diese Burg beherbergt eine Kapelle. Ein idealer Ort zum Heiraten. In den letzten fünf Jahren wurde die Burg renoviert. Nun sollen Hochzeiten helfen, die teure Rennovation zu finanzieren. Doch jetzt stellt sich Haas quer. Er weigert sich nämlich, die Kapelle zu segnen und ihr das Gütesiegel der katholischen Kirche aufzudrücken.

Die Begründung lässt viele Liechtensteiner den Kopf schütteln. Unter ihnen sind auch viele, die bisher treu hinter ihrem erzkonservativen Hirten gestanden haben. Haas befürchtet, dass die grandiose Aussicht die Hochzeitsgäste vom eigentlichen Akt, der kirchlichen Trauung, ablenken könnte. Schliesslich gehe es nicht um ein Happening, sondern um eine Glaubenszeremonie, liess Haas verlauten.

Ähnlich argumentierte Haas, als er sich weigerte, am 15. August eine Feldmesse abzuhalten. Dann feiert Liechtenstein seinen Staatstag. Der Erzbischof meinte, die Vermengung eines gesellschaftlichen oder politischen Ereignisses mit einem Gottesdienst sei nicht statthaft.

Wahrscheinlich steckt ein anderer Grund hinter Haas' Weigerung. Der Erzbischof schmollt ganz einfach. Er ist frustriert, weil Regierung und Fürstenhaus hinter dem Partnerschaftsgesetz gestanden haben und nun gar die Trennung von Kirche und Staat anstreben. Haas fürchtet um seinen Einfluss und seine Machtposition.

Apropos Segnung der Kapelle: Bisher haben sich katholische Geistliche selten geweigert, wenn es darum ging, alle möglichen Gebäude oder Gegenstände zu segnen. Unter ihnen finden sich Schützenhäuschen und Panzer. Was ums Himmels Willen soll denn gesegnet werden wenn nicht ein Kapelle?

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572 Kommentare zu „Bischof Haas erregt wieder die Gemüter“

  1. Pasionaria sagt:

    Hypatia
    Cc b
    A I
    Danke für Deine Erklärungen, wozu Du Dir viel (Frei-) Zeit und Mühe genommen hast. Nun ist es verständlich, was Du meinst.
    Dazu kann ich nur bemerken, nicht nur unsere Zeit > Freizeit > Freiheit ist ein Leben lang geliehen, nein unser ganzes Leben überhaupt.
    Um nicht weiter dieses grenzenlose Thema der geliehenen Freiheit > des geliehenen Lebens zu zerreden, beziehe ich mich lieber auf dieses anschauliche Gedicht von Hermann Hesse > auch für unseren geschätzten Gedichtelieferanten AI:

    Stufen
    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend.
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginn,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

    Wir sollen heiter Raum und Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räume jung entgegensenden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

  2. Esotheorien sagt:

    Moria,
    Stufen…
    lugte gestern kurz in den Gl…otz-Kasten… die übliche Talkshow, die üblichen Gesichter…(stand gerade in einem Artikel, die Herrschaften bräuchten die Studios überhaupt nicht mehr zu verlassen, sondern nur noch wechseln…) Mareike A…..sprach von ihren Stufen. Wenn andere Grundschüler sind, hat sie das Abitur. Erst starb A, dann B, dann C, dann D…dann hat E Brustkrebs bekommen, dann wurde das Haus ausgeraubt, dann starben XYZ…

    WOW! Da muß die halbe Erdkugel aussterben, damit dise Dame ihre Stufen besteigen kann!

  3. Pasionaria sagt:

    Eso……
    Nun, diese Dame hat aber trotzdem das Handicap, dass die andere ‘halbe Erdkugel’ sie dann beim Stufensteigen hindern wird. Vielleicht verlegt sie sich dann kurzfristig auf Rolltreppen….!!

  4. Hypatia sagt:

    Pasionaria 27.08.2011 um 11:03

    plenty of work
    and the day is done
    but girls they just wonna have fun
    that’s the real world
    it’s not fair. ;-)

  5. Pasionaria sagt:

    Hypatia

    FREIHEIT
    (M. M.-Westernhagen)
    Die Verträge sind gemacht
    Und es wurde viel gelacht
    Und was Süßes zum Dessert
    Freiheit
    Die Kapelle rumtata
    Und der Papst war auch schon da
    Und mein Nachbar vorneweg
    Freiheit
    ist die einzige, die fehlt
    Der Mensch ist leider nicht naiv
    Der Mensch ist leider primitiv
    Freiheit
    wurde wieder abbestellt
    Alle die von Freiheit träumen
    sollen’s Feiern nicht versäumen
    sollen tanzen auch auf Gräbern
    Freiheit
    ist das einzige was zählt
    Freiheit Freiheit

  6. Hypatia sagt:

    Pasionaria 27.08.2011 um 11:03

    “Dazu kann ich nur bemerken, nicht nur unsere Zeit > Freizeit > Freiheit ist ein Leben lang geliehen, nein unser ganzes Leben überhaupt.”

    Dieser Schritt, von der Freizeit zum “Leben lang” macht all das, was ich zu erklären suchte, fragwürdig. Denn wenn es so sein soll, dass unser ganzes Leben geliehen ist, so ist zu fragen, wem oder was es sich verdankt, nicht aber kann es noch eine Frage geben, wem oder was sich die geliehene bzw verdiente (!) Freiheit verdankt. Sie verdankt sich der Arbeit bzw der Arbeitszeit, die wir aufwenden, um uns die Freizeit (Feierabend, Wochenende, Ferien) leisten zu können, in der wir verschiedenen mehr oder weniger frei gewählten Tätigkeiten nachgehen können. Es muss also eine Arbeitsleistung während der Arbeitszeit erbracht werden, die uns eine freie Zeit ermöglicht, in der wir nicht arbeiten müssen sondern dem nachgehen können, was wir tun möchten. Diese Freiheit kann nun wiederum eine verdiente, gekaufte sein oder eine geliehene, dh wir haben sie uns vorher durch Arbeit verdient oder wir geniessen sie im voraus und erarbeiten sie erst danach.

    Die Frage ist, ob dieses rein ökonomische Verhältnis zwischen Arbeits- und Freizeit übertragen werden kann auf unsere Lebenszeit. Die Frage ist, ob wir uns diese Lebenszeit im voraus verdienen können, sodass sie mit Fug und Recht eine verdiente Lebenszeit ist, oder ob wir sie erst im Nachhinein verdienen, sodass unsere Lebenszeit als eine geliehene Lebenszeit im Nachhinein durch unsere Arbeit abbezahlen müssen.
    Das setzt voraus, dass es ein Sein im weitesten Sinne geben muss, indem wir uns die Lebenszeit “verdienen” können, sei es eine schon verdiente oder eine erst geliehene.
    In gewisser Weise gibt es durchaus ein solches Sein, nämlich, indem nicht wir uns unsere Lebenszeit verdient haben können sondern indem andere für uns unsere Lebenszeit verdient haben. Es kann durchaus sein, dass Eltern soviel verdient haben an freier Lebenszeit, dass ihr Nachkomme keine Arbeit mehr zu leisten hat, um sich seine Freizeit leisten zu können und der Nachkomme also nicht mehr zu arbeiten braucht. Solche Fälle gibt es durchaus, ja es gibt sogar Fälle, in denen eine ferne Ahnenschaft eine freie Lebenszeit über mehrere Generationen hinaus erarbeitet hat, sodass ihre Nachkommenschaft nicht mehr zu arbeiten braucht. Nehmen wir die diversen Königsfamilien, die ihr Einkommen immer noch dadurch erhält, dass ihnen die vormals stattgefundene Arbeit ihrer Ahnen, wobei man neben der politischen Arbeit auch die kriegerisch stattgefundenen Eroberungen zählen muss, immer noch das Recht zubilligt, von der erbrachten Leistung jener zu “geniessen”. Der Einfachheit halber unterteile ich die beiden Gruppen in Geldadel und Blutadel.
    Umgekehrt kann es aber auch geschehen, dass die Nachkommenschaft für die freie Lebenszeit zb der Eltern “bezahlt”. Dann offenbar, wenn die Eltern ein Grossteil ihres Lebens mit Schulden finanziert haben oder aber, wenn Eltern die Gesundheitssorge in so hohem Masse benötigen, dass ihre Nachkommen dafür aufkommen müssen, wobei die Verdienste dieser Nachkommen durchaus so hoch sein müssen, dass sie sich diese soziale Abgabe ohne jegliche Einbussen ihres Lebensstandards leisten können. Bei letzterem Fall ist naturgemäss zu erwähnen, dass eine gesundheitlich stark beeinträchtigte Lebenszeit nur noch in sehr geringem Masse als “arbeitsfreie Zeit” durchgehen kann.

    Das wären die Möglichkeiten, in denen man sagen kann, dass andere für uns unsere Lebenszeit verdienen oder dass wir durch andere unsere Lebenszeit ausgeleiht bekommen. -

    Viele meinen ja, dass wir heutzutage auf Kosten unserer Nachkommen leben, dh dass unsere Nachkommen einmal dafür aufkommen müssen, was wir uns geleistet haben und noch leisten wollen. Und es sind nicht wenige, die behaupten, dass es nicht nur die folgende Generation ist sondern dass es die Nachkommen unserer Nachkommen sein werden, die dereinst für unsere ökonomischen Freiheiten aufzukommen haben werden.

    Doch wenn ich dich recht verstehe, so hattest du diese Fälle nicht im Blick, als Du davon sprachst, dass nicht nur unsere Freizeit eine geliehene ist sondern unsere gesamte Lebenszeit. Das Gedicht von Hesse bestätigt gewissermassen diesen anderen Blick auf unsere Lebenszeit. Dort heisst es gegen Ende:

    “…Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räume jung entgegensenden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…”

    Dieser unser “niemals endende Ruf des Lebens” wird uns zurufen wollen: “Dein Leben ist nur eine Leihgabe, für die Du bezahlen wirst, zwar nicht in diesem Leben, aber doch im Leben danach. Je schwerer Du gearbeitet hast und je nützlicher Du Dich für andere eingesetzt hast und je weniger Du von deiner Freiheit genossen haben wirst, desto geringer wird die Wiedergutmachung und Dein Leiden sein im Leben danach.”, aber : ” Je weniger Du gearbeitet hast und je mehr Du andere ausgenützt hast und je mehr Du von deiner Freiheit genossen haben wirst, desto grösser wird die Wiedergutmachung und Dein Leiden sein im Leben danach.”

    Es ist deutlich, dass nur demjenigen, der die Stufen des Lebens auf diese Hess’sche Weise durchlaufen hat, an jenen Punkt gelangen wird, wo die Todesstunde „Uns neuen“ Religiösen „jung“ gebliebne „Räume entgegensenden“ wird. Doch diese Neuerungsbewegung ist alt genug, dass sie der Junge und das Kind Hermann Hesse in seiner Familie erfahren hat. In diesem Sinne erscheint in Hesses‘ “Stufen” wieder seine alte “Welt, in der er seine ersten Lebensjahre verbrachte, sie (Anm.v.mir) war … vom Geiste des schwäbischen Pietismus geprägt.” Und wikipedia fährt weiter unten fort: “Die heutigen pietistische Gruppen werden oft zu den Evangelikalen gerechnet, da die Pietisten die Gemeinsamkeiten von Evangelikalen weitgehend teilen.” (!)

    Es wundert mich schon, dass Du mich auf diese protestantisch-pietistische Lebensform hinweist, die Hermann Hesse ja gewisser Weise übernommen und transformiert hat. Der darin anklingende Arbeitsethos, sowie der unweigerlich mitschwingende Ton des Religiösen mitsamt seinem Begleiter, dem Taktstock dogmatisierender Moral erscheinen Deiner sonstigen Haltung fremd und sehr weit weg. Könntest du mir das vielleicht erklären, wie es dazu kommt, dass Du nun mit Hesse an eine „göttliche Gabe“ an das menschliche Leben glaubst, dessen Leben von Anfang an unter einem „guten“ Stern steht oder wie es im Gedicht gedacht wird:

    „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“?

  7. Pasionaria sagt:

    Hypatia
    Du schreibst verdankenswerterweise ausführlich über die ‘geliehene’ resp. ‘verdiente’ Freizeit > Freiheit, mit dem Schwergewicht auf die ökonomische Seite. Leider fehlt mir die Zeit eingehend darauf einzugehen.
    Trotzdem kurz, wenn ich von ‘geliehenem’ Leben spreche, denke ich vorrangig nicht an den wirtschaftlichen Aspekt. Eigentlich meine ich damit unsere ‘geliehene’ Identität. Unser Wirken in diesem einen Leben hängt doch ursprünglich total von unserem Umfeld ab, wohin wir geboren werden, wer uns sprechen, gehen, denken lehrt…… Unser späteres Wirken, unsere Leistungen hängen von sovielen anderen Menschen resp. der Gesellschaft ab, wie Eltern, Lehrern, Ausbildnern etc. Dabei erkennen wir auch, wie weltweit und lebenslänglich ungerecht ‘entleiht’ wird.
    Es ist unmöglich, sich selbst zu erziehen und zu bilden. Dieses Annehmen bürdet uns dann wiederum eine Pflicht des Weitergebens auf, gegenüber jenen, denen dies versagt bleibt.
    Bereits diese Ueberlegungen bestätigen mir, dass wir von geliehenem/geborgten Leben sprechen müssen.

    Dein Erstaunen, dass mich das Hesse Gedicht ‘Stufen’ beeindruckt, kann ich nach Deiner geschilderten Beurteilung, dem entsprechenden Gesichtspunkt aus, grundsätzlich verstehen. Meine Interpretation jedoch ist völlig verschieden davon und eigentlich bezeichnend für meine Vorliebe für Gedichte. Niemals aufgrund der Ideologie des Autoren schätze oder lehne ich ein Gedicht ab; sondern aufgrund seiner Wirkung auf mich. Die persönliche Weltanschauung seines Verfassers interessiert mich in diesem Zusammenhang nich wirklich. Entweder spricht mich die Lyrik, Poesie an oder nicht. Dasselbe passiert bei mir mit der Musik, zum Beispiel gibt es Stücke von Richard Wagner, die mir zusagen, andere gar nicht – aber ich blende dabei auch die Person Wagner völlig aus.
    Die ‘Stufen’ beeindrucken mich, als was ich sie verstehe, und nicht als was ev. Hesse damit aussagen wollte.
    Für mich sind sie bildlich kunstvoll, ungezwungen formulierte Metaphern, worin ich keinerlei Dogmatik empfinde, geschweige denn wahrnahm, dass Hesse sich auf ‘eine „göttliche Gabe“ an das menschliche Leben’ bezog. Dieses Gedicht passte für mich einfach, ohne weitere Interpretation, zu unserer Diskussion – mit dem Wink, wie vergänglich das Leben, die Gegenwart, selbst die Zukunft ist. Mit den Hinweisen > ‘Weltgeist’ als Lebenssinn, oder > ‘Aufbruch und Reise’ als Bereitschaft zu Veränderungen, sowie > ‘Lebens Ruf’ zum Handeln im Hier und Jetzt!
    Der Zauber ist für mich in allem Grossen, Feinen, Fantastischen, Unbeschreiblichen, Unfassbaren vorhanden……, ohne ‘göttliche’ Spekulation at all!
    Ich hoffe, Du verstehst nun, warum ich es Dir ‘anbot’?

  8. Hypatia sagt:

    Pasionaria 28.08.2011 um 12:28

    Weiter oben habe ich mich einmal gegenüber Alexander in der Weise geäussert, dass wir alle am Anfang unseres Lebens in einer Geborgenheit aufwachsen, der wir ganz und gar unser Leben verdanken. Als Babys und später als Kinder leben wir ein Leben, das von dieser Geborgenheit geborgt ist, dass wir unser frühes Leben ganz und gar denen zu verdanken haben, die uns diese Geborgenheit gegeben haben und mit denen wir aufgewachsen sind. In diesem Sinne haben wir als Kleinkinder noch keine eigene Existenz sondern sind völlig abhängig von der Existenz anderer. Mit ihrer Geborgenheit, an der sie uns haben teilnehmen lassen, haben sie für unsere Existenz gebürgt. Wir aber, die wir aufgewachsen sind, haben irgendwann gemerkt, wie sehr unsere heranwachsende Existenz geborgt oder geliehen war, dass wir ihnen unsere Existenz verdanken. Je mehr ein junger Mensch seine eigene Existenz aufzubauen sucht, desto mehr wird er merken, wie sehr er doch von den anderen abhängig war und ist. Diese Loslösung aus der Geborgenheit in das eigene kann sehr schmerzhaft sein und doch wird sie nötig sein damit der junge Mensch erwachsen werde.

    Nur ist die Frage, von wem wir diese Leihgabe der Existenz empfangen. Vom Leben selbst? Von jenen, in dessen Geborgenheit wir aufwachsen können, müssen, sollen? Wem verdanken wir unser Dasein? – Verdanken wir es den vielen, die uns geholfen haben, erwachsen zu werden, verdanken wir es nur unseren Eltern oder Stiefeltern? Und sind wir wirklich unabhängig von anderen, wenn wir der Geborgenheit entwachsen sind und die Welt, in der wir sind, auf eigene Faust zu bergen suchen? – Vermutlich war Gott nie etwas anderes als die anderen, mit denen man zusammen ist und zusammengehört. Denn findet und birgt der Mensch sich selbst nicht gerade dort, wo er sich geborgen hat, wo ihn seine Geborgenheit aufnimmt? Der Mensch ist stets Mitmensch und ohne die anderen nicht zu denken, seine Autonomie bleibt nur eine Scheinbare. Gott, sofern dieses Wort noch sinnvoll gebraucht werden soll, kann nichts anderes sein als diese personifizierte Geborgenheit der Menschen unter sich… aber ich bin abgeschweift.

    Du fragst nun nach der Identität und nach dem identitätsstiftenden Leben selbst. Wir wären nicht die, die wir sind, wären wir unter anderen Umständen und mit anderen Menschen, in einer anderen Sprache und einer anderen Welt aufgewachsen. All das gehört zu uns und macht uns zu einem unverwechselbaren Individuum.So gesehen “schulden” wir unser Leben und unsere Identität eben jenen Menschen und eben jenem Umfeld, mit denen wir und in dem wir aufgewachsen sind UND erwachsen sind.

    Fortsetzung folgt….

  9. Pasionaria sagt:

    Hypatia
    So erfreulich, wie Du meine Gedanken erfasst und aufgenommen hast. Deine Dir ach so eigene philosophische, eindrückliche und umfassende Ausdrucksweise durfte ich wieder einmal geniessen, danke dafür.
    Deine Fragen in Zusammenhang mit der ‘Leihgabe der Existenz’ könnten die meinen sein, die ich nicht einmal ansatzweise zu beantworten vermag.
    Ist Identität nicht auch eine Reise zwischen dem spürbaren, physischen und dem mystischen, erweiterungsfähigen Ich? Das mit der Geburt aufblüht und sich schlussendlich wieder zusammen faltet. Auf der Reise sind wir durchlässig, wir sind vorallem Empfangende……
    Bin auf Deine Fortsetzung gespannt.
    Gute Nacht.

  10. Hypatia sagt:

    Pasionaria 28.08.2011 um 12:28

    Weiter oben habe ich mich einmal gegenüber Alexander in der Weise geäussert, dass wir alle mit der Geburt unseres Lebens in eine Geborgenheit hineinwachsen, welcher wir unser Dasein verdanken. In diesem anfänglichen Dasein verfügen wir noch nicht über Sprache, es gibt darin noch kein Bewusstsein eines Ichs, welches um sein Dasein weiss. Dass wir sind und wer wir sind verdanken wir vollständig jenen Personen, die sich um uns kümmern und für uns da sind. Bei den meisten werden das die Eltern gewesen sein, vor allem am Anfang die Mutter, später auch der Vater, aber auch die Geschwister und die nächsten Verwandten sowie Freunde und nächsten Bekannten unserer Eltern waren es, die sich um uns gesorgt haben. Ganz allgemein und unpersönlich formuliert sind es die Bezugspersonen, also diejenigen, worauf sich das Kind bezieht, verlangt es nach Nahrung oder will es ein anderes Bedürfnis stillen, die ganz wesentlich dafür Sorge tragen, dass das Kleinkind in einer behüteten Umgebung voller Liebe und Zuneigung seine ersten Tage, Monate und Jahre erlebt.

    Ganz ähnlich schreibst Du: „Unser Wirken in diesem einen Leben hängt doch ursprünglich total von unserem Umfeld ab, wohin wir geboren werden, wer uns sprechen, gehen, denken lehrt…… Unser späteres Wirken, unsere Leistungen hängen von sovielen anderen Menschen resp. der Gesellschaft ab, wie Eltern, Lehrern, Ausbildnern etc.“

    „Bereits diese Ueberlegungen bestätigen mir, dass wir von geliehenem/geborgten Leben sprechen müssen.“
    Dieser Wink von Dir, der mich an das erinnern soll, was ich gegenüber Alexander geschrieben habe, habe ich sofort beim ersten Lesen Deines Beitrages verstanden. Es wird ja kaum noch gebraucht, dieses Verb „borgen“, jedenfalls erscheint mir das so zu sein.

    In dem Beitrag, den ich an Alexander schrieb, stellte ich einen Zusammenhang her zwischen „Geborgenheit“ und „borgen“ derart, dass in jener Geborgenheit, in der das Kind aufwächst, es noch nicht über eine selbstständige Existenz verfügt sondern sich gleichsam die Existenz der Ältern als diejenigen, die sich um es sorgen, borgt, um sich zu entwickeln, um zu lernen, um seine Bedürfnisse zu stillen. Die Eltern oder anderweitigen Bezugspersonen bilden gleichsam eine Burg, in der das Kind zunächst geborgen ist, um schliesslich aus dieser Geborgenheit herauszutreten und sein ganz eigenes Dasein zu bergen. Dieses Heraustreten bedeutet Existieren. Damit es dieses Bergen aus der Geborgenheit der (Einfachheit halber) Eltern vermag, borgen die Eltern ihrem Kind das Dasein und Existieren, damit es das sein kann, was es zu werden verspricht. Dieses Versprechen bürgt quasi für das, was die Eltern ihm borgen. Das Versprechen bürgt für die geborgte Existenz.
    Das Kind weiss natürlich von alledem nichts, sowenig, wie die Eltern nichts zu wissen brauchen über dieses existenziale Geschehnis zwischen Kind und Mutter, zwischen Kind und Eltern. Sie brauchen auch davon nichts zu wissen, obwohl es ihnen geschieht.

    Natürlich braucht es für dieses Geschehen und Ereignen zwischen Kind und Eltern keine Analytik, – so gesehen ist eine derartige, hochgegriffen gesagt, phänomenologische Analyse existenzialer Grundbedingungen des Daseins völlig überflüssig. Was mich daran interessiert und fasziniert ist die ungewohnte Sichtweise, in der sich das Menschsein und –werden zeigt. So finden Worte, die ethymologisch schon nahe beieinanderstehen, auch bei der Beschreibung des Geschehens Mensch wie von selbst zueinander. So etwa stehen die Verben ‚bergen‘, ‚borgen‘ , ‚bürgen‘ ethymologisch nahe beieinander und gleichsam „wie von selbst“ stellt sich ein Zusammenhang her, der aus der Geborgenheit, in der das Kind aufwächst oder normalerweise aufwachsen sollte, entspringt.

    Natürlich braucht es nicht viel, um meine spekulativen Sprachversuchungen ins Lächerliche und Nichtssagende zu ziehen, denn sie sind so zerbrechlich und gebrechlich wie es ja auch poetische Versuchungen sind. Sie sind dem Schöpferischen viel näher als dem Wissenschaftlichen und schöpfen aus persönlicher Erfahrung und Erinnerung. Das Gedicht von Hesse erinnert und mahnt den Leser, dass es doch gerade die bergenden und aufbrechenden Momente des Lebens sind, wo man gerade nicht dem Gewohnten und Gewöhnlichen verfällt und „erschlafft“ sondern zu neuen Ufern aufbricht, wo „der Weltgeist“ nicht fesseln und „engen“ sondern weiten will. Das ganze Gedicht spricht von nichts anderem als von jenem Heraustreten, das die Existenz auszeichnet. Sinngemäss endet das Gedicht mit dem Satz: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“, und man denkt: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und existiere!“, oder „des ‘Lebens Ruf’ zum Handeln im Hier und Jetzt!“ heisst, dass der Ruf des Lebens zu nichts anderem aufruft als zur Existenz, als zu Existieren, als da zu sein.

  11. Pasionaria sagt:

    Hypatia
    Danke für Dein Begleiten auf einem kleinen Wegabschnitt auf der philosophischen Blogreise……wohin? Hoffentlich niemals in die Sackgasse, Umwege und Irrwege wären lange nicht so schlimm.
    Es freut mich, dass Du ‘meine’ geliehenen ‘Stufen’ beschritten hast und nicht darüber gestolpert bist – sind sie doch ganz verschieden begehbar.

  12. Specifically where there is marital life while not adoration, you will find adoration while not marital life.
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  13. An actual cousin very likely are not a person, but a person will be a good solid cousin.
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