Kindsmisshandlung im Namen der Religion

Hugo Stamm am Samstag, den 25. Juli 2015


Urteil im Misshandlungsprozess (Fernsehbeitrag vom 4. August 2014). Video: Bayerischer Rundfunk/Youtube

Was wiegt schwerer: Das Wohl von Kindern oder die Religionsfreiheit? Die Antwort sollte klar sein, müsste man meinen. Ein Fall in Deutschland zeigt aber einmal mehr, dass die Glaubensfreiheit eine der letzten heiligen Kühe ist.

Eine Esoterikerin zieht mit ihrem zwölfjährigen Sohn zu ihrem Lebenspartner, der als «Guru von Lonnerstadt» bekannt ist und in Erlangen-Höchstadt, Mittelfranken, lebt. Der Knabe leidet unter der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, bei der Schleim die Lunge verstopft. Er bräuchte dringend medizinische Betreuung und Medikamente. Der Guru verspricht dem Knaben Heilung durch Diät und Meditation. Oft muss er morgens um vier Uhr aufstehen und meditieren. Doch er magert um fast die Hälfte ab, die Lunge wird geschädigt.

Nach drei Jahren flüchtet der Knabe zu seinem leiblichen Vater. Dank medizinischer Betreuung erholt er sich allmählich. Später klagt er seine Mutter und den Guru, der sich als «Lehrer der zeitlosen Weisheit» bezeichnet, an.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth kam zum Schluss, dass der Jugendliche ohne ärztliche Hilfe bald gestorben wäre. Es verurteilte die beiden wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu je drei Jahren Gefängnis. Sie rekurrierten dagegen.

Die fünf Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe wollten ihr Urteil in diesen Tagen verkünden, verschoben den Entscheid aber. Der Grund: Sie sind sich noch nicht einig, ob sie das Wohl des Kindes oder die Religionsfreiheit höher einstufen sollen.

Der Vorgang ist symptomatisch. In letzter Zeit gab es mehrere Ereignisse, bei denen die Religionsfreiheit überstrapaziert wurde. So auch bei den Prozessen um die christliche Sekte der zwölf Stämme in Deutschland. Obwohl die Gläubigen regelmässig Kleinkinder mit Stöcken züchtigten, wie es im Alten Testament empfohlen wird, wurde mit der Glaubensfreiheit argumentiert. Diese spielte auch bei den Scientologen in Basel eine Rolle: Weil die Sekte kürzlich im Sinne des Arbeitsgesetzes als Religionsgemeinschaft eingestuft wurde, erhielt sie die Bewilligung, am Sonntag ihr Zentrum zu öffnen und Kurse zu erteilen.

Heute sind es vor allem problematische Minderheitsgruppen, die die Religionsfreiheit für sich beanspruchen und Privilegien erzwingen. Sie machen den Gesetzgeber zum Gehilfen ihrer fragwürdigen Absichten, Leute zu täuschen und in ihre Abhängigkeit zu ziehen. Dabei kehren sie den ursprünglichen Sinn der Glaubensfreiheit um: Diese wurde einst in der Verfassung verankert, um den einzelnen Bürger vor dem Staat und den Religionsgemeinschaften zu schützen. Dieser sollte die Freiheit bekommen, Glaube und Religion frei wählen zu können.

Solche Repression kommt in unserer säkularisierten Gesellschaft kaum mehr vor. Deshalb ist es unverständlich, dass wir heute noch diskutieren müssen, ob das Kindeswohl höher einzustufen sei als die Religionsfreiheit.


Dokumentation von Phoenix TV über die Sekte des «Gurus von Lonnerstadt» (Doku Deutsch/Youtube)

Kehrseite der euphorischen religiösen Gefühle

Hugo Stamm am Samstag, den 18. Juli 2015
Foto: Awakening Europe

Signal Gottes und Ausdruck seiner Nähe: Emotionen an einem freikirchlichen Kongress in Nürnberg. Foto: Awakening Europe

Menschen sehnen sich seit je nach starken Gefühlen, viele machen förmlich Jagd nach ihnen. Was im ersten Moment negativ klingen mag, macht aus psychologischer Sicht durchaus Sinn. Grosse Emotionen lassen uns lebendig fühlen und spenden Lebensenergie.

Unsere Vorahnen hatten ähnliche Bedürfnisse, ihre besonderen Emotionen beschränkten sich aber meist auf Liebe und Sexualität. Heute bietet uns die Erlebnisindustrie eine grosse Vielfalt von Angeboten, die eine Adrenalindusche auslösen.

Die wohl stärksten Gefühle können religiöse Rituale bewirken. Euphorie und Ekstase sind in radikalen Gemeinschaften keine Seltenheit, ausgelöst von Hoffnung, Sehnsucht und massensuggestiven Elementen. Gottesdienste in den Landeskirchen lösen hingegen keine euphorischen Gefühle aus. Die Rituale sind bedächtig und frei von Überraschungen. Es überrascht deshalb nicht, dass vorwiegend ältere Menschen in der Kirche anzutreffen sind.

Anders in vielen Sekten und radikalen Glaubensgemeinschaften, die virtuos auf der Klaviatur der starken Emotionen spielen. Bei Gottesdiensten in charismatischen Freikirchen entladen sich regelmässig emotionale Gewitter. Die intensiven Gefühle interpretieren sie gern als Signal Gottes und Ausdruck seiner Nähe. Was psychologisch und hirnphysiologisch erklärbar ist, werten sie als religiöses Phänomen.

Gläubige, die von ihren Emotionen mitgerissen werden, zahlen aber oft einen hohen Preis. Um religiöse Gefühle ungestört ekstatisch ausleben zu können, muss man den Kopf an der Garderobe der Kirche, des Tempels oder des Meditationszentrums abgeben. Vernunft und Verstand wären Spielverderber. Wer die Rituale mit einem kritischen Geist verfolgt, verfällt nicht in eine Euphorie, weil er Widersprüche wahrnimmt, wie sie in solchen Gemeinschaften immer wieder auftreten. Es braucht oft eine emotionale Regression, um sich bedingungslos der suggestiven Atmosphäre hinzugeben.

Ein Beispiel dafür ist der Kongress Awakening Europe (Europa wacht auf) vom vergangenen Wochenende in Nürnberg, an dem 25’000 freikirchlich-charismatische Christen teilnahmen. Die Berichte dazu sind geprägt von überwältigenden Emotionen. Noch nie habe es einen so grossen Hunger nach dem Evangelium gegeben, sagten die Veranstalter. Tausende von Menschen hätten ihr Leben Jesus gegeben. Die Vision, dass sich das Evangelium wie ein Feuer von Nürnberg über ganz Europa ausbreite, scheine sich zu erfüllen. Der Kongress wird als der Start für eine neue Jesusbewegung in Europa gepriesen. Das brennende Herz für Jesus dürfe nicht wieder erkalten, forderte eine Referentin. Die Christen in Europa sollen sich wach küssen lassen von Gott.

Würde ein Pfarrer einer Landeskirche solche Sätze und Bilder in seine Predigt einbauen, würden die Gläubigen den Kopf schütteln. In radikalen Glaubensgemeinschaften sind sie hingegen Teil des Systems.

Staatliche Privilegien für Scientology

Hugo Stamm am Samstag, den 11. Juli 2015
Die Kapelle, fotografiert in der neuen Scientology Kirche in Basel am Sonntag, 26. April 2015. Es handelt sich um die erste sogenannte Ideale Organisation (Ideale Org) in der Schweiz. (KEYSTONE/Georgios Kefalas) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Stieg in Basel von der Sekte zur Religionsgemeinschaft auf: Scientology. Bild: Keystone

Die Basler Regierung und Scientology gegen die Bevölkerung: Auf diesen Nenner lässt sich eine Auseinandersetzung zusammenfassen, die seit Monaten die Gemüter in Basel erhitzt. Der Konflikt begann mit der Eröffnung eines Super-Zentrums der Sekte im Iselin-Quartier. Alle Proteste der Anwohner verpufften, Scientology konnte sich mit einer pompösen Feier im Wohnquartier einnisten.

Die Scientologen versuchten die Anwohner mit dem Versprechen zu beruhigen, im Quartier nicht zu missionieren. Doch der Erfolgszwang liess sie ihr Versprechen bald vergessen. Die rund 130 Mitarbeiter im 4600 Quadratmeter grossen Zentrum brauchten «rohes Fleisch», wie es im Scientology-Jargon heisst. Sprich: neue Opfer, denen teure Kurse verkauft werden können. Und schon bald füllten sich die Briefkästen der Anwohner mit Werbebotschaften der Sekte.

Für noch mehr Empörung sorgte bald darauf die Basler Regierung. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) stufte Scientology offiziell als Religionsgemeinschaft im Sinne des Arbeitsgesetzes ein. Rückendeckung bekam das AWA vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Bern. Auf Scientologen sei das Arbeitsgesetz nicht anwendbar, da sie Tätigkeiten gegenüber der Gemeinschaft leisten würden, hiess es.

Dies ist für die Gemeinschaft mit dem schlechten Ruf ein Ritterschlag, der obendrauf kommerzielle Vorteile bringt: Scientology stieg von der Sekte zur Religionsgemeinschaft auf und darf nun auch am Sonntag Jagd auf «rohes Fleisch» machen, Bücher verkaufen und Kurse erteilen. (Eine Kursstunde kann schon mal ein paar Hundert Franken kosten.)

Der zuständige Regierungspräsident Guy Morin zog damit den Zorn der Anwohner und vieler Basler auf sich. Scientology könne der Religionsstatus aus religionswissenschaftlicher und alltagssprachlicher Sicht nicht abgesprochen werden, erklärte er. Er stützte sich dabei auf eine Empfehlung der Forschungsstelle für Recht und Religion der Universität Basel. Es sei nicht an der Regierung, über Glaubensinhalte zu urteilen und zu entscheiden, welche Gemeinschaft eine Sekte sei.

Tatsächlich? Steht die Regierung nicht in der Verantwortung, wenn eine Gemeinschaft mit totalitären Zügen die Bewohner mit allen Tricks missioniert, ihre Mitglieder indoktriniert und antidemokratische Thesen vertritt?

Scientology nennt sich aus taktischen Gründen Kirche. Gründer Hubbard sagte auch offenherzig, als Kirche müsse man keine Steuern zahlen. Ausserdem proklamierte er, sein Kursunternehmen befasse sich nicht mit Gott. Schliesslich wollte er nicht Christen, Muslime, Hindus usw. als Kunden verlieren.

Der Basler Entscheid ist eine Einladung an alle Organisationen mit fragwürdigen Absichten: Zieht ans Rheinknie, nennt euch Kirche, deklariert den Stammtisch zum Gottesdienst, und ihr könnt am Sonntag mit dem Segen des Arbeitsamtes auf Kundenfang gehen.

Sex als heiliger Akt

Hugo Stamm am Samstag, den 4. Juli 2015
Szene aus dem Film Paradies: Glaube. (Screenshot/Youtube)

Für fromme Christen ist Sex heilig: Szene aus dem Film Paradies: Glaube. (Screenshot/Youtube)

«Ständig sind es die Christen, die irgendein Problem mit dem Sex haben.» Dieser Satz steht in einem Artikel von «Idea Spektrum», einer freikirchlich orientierten Zeitschrift. Die Aussage ist aber nicht eine Mahnung an die Gläubigen, vielmehr fasst der Autor die Aussensicht auf die frommen Christen zum Thema Sex zusammen. Die wirkliche Haltung der Zeitschrift gibt der Titel wider: «Warum Sex heilig ist.»

Fromme Christen erklären also Sexualität für heilig. Da die Bibel erstaunlich wenig zu diesem «heiligen Thema» schreibt, hält sich der Autor an den Apostel Paulus, der den menschlichen Körper als Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet. Daraus leitet der Autor ab: «Man kann nicht den Heiligen Geist im Tempel seines Leibes haben und mit dem gleichen Leib mit einer Prostituierten schlafen.» Sex gehöre in den Bereich, «der die Sphäre des Göttlichen berührt». Es gebe keine vollkommenere Hingabe als das ausschliessliche «Ja und für immer» für seinen Partner. «Für dieses totale Ja gibt es das Wort ‹Ehe›».

Wer mit einem solch überhöhten Anspruch Jugendliche religiös erzieht, baut das Scheitern gleich mit ein. Die Sexualität wird zu einem zentralen religiösen Aspekt erhoben und moralisch aufgeladen. Viele fromme Christen beurteilen die Welt ausschliesslich aus ihrer religiösen Warte. Damit stürzen sie ihre Kinder in einen seelischen Zwiespalt, der fatale Folgen für ihre seelische Entwicklung haben kann. Denn die meisten erleben in der Pubertät wohl das grandiose Scheitern vor Gott. Sie werden aus ihrer subjektiven Sicht zwangsläufig sündig, denn der Keuschheitsanspruch überfordert die meisten Menschen. Damit bereiten die strengen Christen das Terrain vor, das die Jugendlichen zu Sündern macht. Schuldgefühle sind noch die geringsten Folgen. Die Angst, am jüngsten Tag von Gott deswegen in die Hölle gestossen zu werden, kann traumatische Konsequenzen haben.

Ein behutsamer und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Sexualität ist zweifellos erstrebenswert und sinnvoll. Wird sie aber religiös aufgeladen, wird sie zur Belastung. Die Triebe müssen radikal unterdrückt werden, schliesslich ist auch die Onanie in diesem religiösen Milieu eine Sünde. Somit wird die Sexualität zum beherrschenden Thema, das eine gesunde und unverkrampfte Haltung zu sexuellen Fragen erschwert. Es besteht auch die Gefahr einer Fixierung und schliesslich eines Zwangsverhaltens. Eigentlich sollten dies fromme Christen selbst am besten wissen. Trotz des hohen moralischen Anspruchs kommen in Freikirchen sexuelle Übergriffe wie in der katholischen Kirche wohl überdurchschnittlich häufig vor, wie die Erfahrungen zeigen. Die Gründe dafür lassen sich nicht in der Bibel nachlesen, sondern in Psychologiebüchern: Wer seine Triebe unterdrückt, macht die Sexualität zu seinem Feind. Dabei ist sie eine existenzielle Lebensenergie, die das Überleben der Menschheit sichert.

Man kann nicht 2000 Jahre alte Dogmen predigen und die modernen Erkenntnisse der Psychologie und Sexualkunde ausser Acht lassen. Wer die Natur des Menschen missachtet, wird von ihr bestraft. Denn sie ist in der Regel stärker als alle religiösen Gebote.

Freikirchen schrumpfen auch in den USA

Hugo Stamm am Samstag, den 27. Juni 2015
Men put up a cross during a stop in a Good Friday Stations of the Cross pilgrimage in Ranchos de Taos, New Mexico March 29, 2013. Several hundred followers of the Catholic Church walked a pilgrimage celebrating the Stations of the Cross from the San Francisco de Asis Catholic Church, through Ranchos de Taos and the remote village Talpa, New Mexico. Holy Week is celebrated in many Christian traditions during the week before Easter. REUTERS/Brian Snyder (UNITED STATES - Tags: RELIGION) - RTXY2II

Die Anziehungskraft des katholischen Glaubens lässt nach: Pilger in New Mexiko. Foto: Reuters

Die USA sind eine tiefreligiöse, christlich geprägte Nation. Nirgends sonst leben so viele Christen. Und wohl in keinem andern Land wird die Religionsfreiheit so sehr beachtet und geschützt. Dies ist mit ein Grund, weshalb selbst die Sekte Scientology jahrzehntelang als seriöse Glaubensgemeinschaft betrachtet wurde.

Die Dichte an Freikirchen ist eines der besonderen Merkmale der USA. Im Wahlkampf kommt kein Präsidentschaftskandidat darum herum, um die Gunst der frommen Christen zu buhlen. Doch nun erreicht der Zeitgeist auch Amerika: Die christlichen Kirchen verlieren zunehmend Mitglieder, die Zahl der Nichtgläubigen wächst rasch. In den USA verstärkt sich der Trend, der in Europa schon länger zu beobachten ist: Glauben und Religion verlieren an Bedeutung, die Tendenz zur Säkularisierung nimmt zu.

Dies bestätigt eine Studie des amerikanischen Pew Research Centers, das 35’000 Amerikaner befragt hat. Bekannten sich 2007 noch 78,4 Prozent zum christlichen Glauben, sind es heute nur noch 70,6 Prozent. Dies ist zwar immer noch ein hoher Wert, doch der Einbruch ist dramatisch. Vor allem auch, weil die meisten Abtrünnigen religiös erzogen wurden und sich als Erwachsene in einem bewussten Prozess vom Glauben abwandten, also agnostisch oder atheistisch wurden. (In Europa werden viele Kinder nicht mehr religiös erzogen, weshalb die Zahl der Ungläubigen besonders rasch wächst.)

Die christliche Tradition und die besondere Stellung der Religionen in den USA sind historisch bedingt. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Schweiz. Die Mennoniten, Täufer oder Wiedertäufer, wurden im 16. Jahrhundert in Europa und speziell auch in der Schweiz verfolgt. Viele wurden ertränkt, geköpft oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Andere flüchteten ins Ausland oder ins entlegene Emmental, das heute noch eine Hochburg von Freikirchen ist. Ein Teil der Verfolgten pflegte den Glauben im Versteckten.

Ein Scharfmacher gegen die Mennoniten war auch der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli. Er verlangte vom Rat der Stadt Zürich, die Wiedertäufer seien mittels kaiserlicher Rechte auszurotten. Es wurden Kopfgelder ausgesetzt, und Hunderte Schweizer Täufer starben den Märtyrertod.

Europa war für Mennoniten, Amische und Hutterer verbrannte Erde. Ab 1720 flüchteten viele nach Amerika, vorwiegend nach Pennsylvania. Um vor weiterer Verfolgung geschützt zu sein, massen sie der Religionsfreiheit hohe Bedeutung zu.

Der freikirchliche Geist ist heute noch stark in der amerikanischen Gesellschaft verankert. Die konservative Grundhaltung, die prüde Einstellung in sexuellen Fragen, Waffenfetisch und die Ablehnung der Evolutionstheorie sind nur ein paar Beispiele.

Die Säkularisierung ist aber nicht aufzuhalten. Das fromme und konservative Gedankengut bleibt hingegen tief im Bewusstsein der breiten Bevölkerung verankert und prägt die Mentalität, weshalb die Modernisierung der Gesellschaft nur schleppend vorankommt.

Staatlich geförderter Aberglaube

Hugo Stamm am Samstag, den 20. Juni 2015
In Holland wird die Wahrsagerei künftig gefördert. Symbolbild: Keystone

In Holland wird die Wahrsagerei künftig gefördert. Symbolbild: Keystone

Das Geschäft mit Esoterik und Aberglauben blüht prächtig. Der neue Wirtschaftszweig generiert Hunderte Millionen Franken. Da dieses Geschäftsmodell meist nur wenige Investitionen erfordert, drängen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer mehr Leute in dieses Arbeitsfeld. Mit Räucherstäbchen und einem Set Tarotkarten ist man dabei. Wer mit viel Selbstvertrauen gesegnet ist, muss auch keine aufwendige Ausbildung absolvieren. Ein bisschen Lektüre reicht, und schon hat man das esoterische Vokabular drauf. Besonders erfolgreich dürfte der Typ Autoverkäufer oder Hausierer sein. Wer intuitiv die Sehnsüchte und Ängste der Klienten erkennt und sich auf sein geschliffenes Mundwerk verlassen kann, punktet schnell.

Spirituelle Berater wehren sich gegen solche Pauschalkritik. Als Wahrsager, Kartenleger oder persönlicher Berater brauche es spezielle Eignungen und Neigungen, erklären sie. Wer den Lebenslauf dieser Personen liest, stösst denn auch stets auf ein Stereotyp: Er oder sie habe schon als Kind bei sich übersinnliche Fähigkeiten entdeckt. Zum Beispiel die Aura der Mitmenschen gesehen, Engel wahrgenommen oder kosmische Stimmen gehört. Heute seien sie deshalb fähig, in die Zukunft zu schauen oder Jenseitskontakte herzustellen, also mit Verstorbenen zu kommunizieren.

Es lässt sich natürlich nicht prüfen, wie gross die übersinnlichen Fähigkeiten der Wahrsager tatsächlich sind. Man darf auch die Grundsatzfrage stellen, ob es die übersinnliche Wahrnehmung überhaupt gibt, die Menschen angeblich befähigt, in die Zukunft zu schauen.

Keine Zweifel daran hat das holländische Arbeitsamt. Es zahlt Arbeitslosen die Ausbildung zum «spirituellen Berater». Wir lernen: Es braucht offensichtlich keine spirituellen oder paranormalen Fähigkeiten dazu. «Hellseher ist kein verbotener Beruf», sagte der zuständige Beamte. Ein spiritueller Anbieter schult nun die Arbeitslosen für 1000 Euro in einer Schnellbleiche um. Die Disziplin nennt das Unternehmen «Allgemeines paranormales Training». Dabei lernen die Arbeitslosen unter anderem, Karten zu legen und das Schicksal ihrer Klienten in einer Kristallkugel zu erkennen.

Man könnte es auch Ausbildung zu Scharlatanen nennen. Wer ohne Eignungstest und psychologische Ausbildung suizidgefährdete, schwer kranke und verzweifelte Menschen berät und als «Diagnoseinstrumente» Karten und Kristallkugeln verwendet, spielt Schicksal. Fahrlässige Ratschläge können tödlich sein. Mitverantwortlich ist dann das Arbeitsamt. Der Staat ist es ohnehin. Er erhebt die Wahrsagerei zum seriösen Beruf und fördert ihre Reputation. Das ist staatlich geförderter Aberglaube.

Beliebter als die Katholiken

Hugo Stamm am Samstag, den 13. Juni 2015
Worshippers sing a song during service at the Evangelical Reformed church in Thalwil in the canton of Zurich, Switzerland, pictured on October 18, 2009. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella) Gottesdienstbesucher singen am 18. Oktober 2009 in der evangelisch-reformierten Kirche in Thalwil im Kanton Zuerich ein Lied. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Gottesdienstbesucher in der evangelisch-reformierten Kirche Thalwil. Foto: Alessandro Della Bella, Keystone

Noch ist für die Landeskirchen nicht alles verloren. Zu diesem Schluss kommt eine breit angelegte Studie von Urs Winter. Der Psychologe und Theologe, der als Projektleiter am Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen tätig ist, warnt aber: Wenn die Vertreter der katholischen und reformierten Kirchen den Abwärtstrend weiterhin als unlösbares gesellschaftliches Phänomen hinnehmen würden, sei der Niedergang kaum mehr aufzuhalten. Deshalb müssten sie besser auf ihre Reputation und die Bedürfnisse der Bevölkerung achten.

Winter hat drei Gruppen befragt: 90 Theologiestudenten, rund 950 Politiker aus mehreren Kantonsparlamenten und 360 Studenten der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Die Befragten sind sich weitgehend einig, dass die Kirchen eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen. Viele gaben aber an, die Kirchen seien vor allem für andere wichtig.

Welche Kirche geniesst laut Studie den besseren Ruf? Die protestantische schlägt die katholische um Längen. Als Grund für das eindeutige Ranking nannten die Befragten die Skandale und negativen Schlagzeilen, die die katholische Kirche in den letzten Jahren lieferte. Genannt wurden die pädophilen Übergriffe der Geistlichen, die überkommene Sexualmoral, die fehlende Gleichstellung von Mann und Frau, der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt und das Zölibat, die dem Ruf der katholischen Kirche geschadet hätten. Doch nicht genug: Die Befragten taxierten sie als rückständig, autoritär und verstaubt.

Die Reputation der reformierten Kirche schätzen die Befragten dagegen wesentlich höher ein. Erstaunlich ist deshalb, dass sie trotzdem unter einem ähnlich hohen Mitgliederschwund leidet wie die katholische Kirche.

Die Gründe liegen auf der Hand: Gerade weil die reformierte Kirche so tolerant ist und den Gläubigen einen vergleichsweise grossen geistigen Freiraum lässt, ist die Bindung weniger gross und die Schwelle zum Austritt niedriger. Es fehlt ihr das Profil, und sie wird in den Medien selten thematisiert.

Überraschend ist das Rezept, das Winter den Kirchen vorschlägt, um den Mitgliederschwund zu bremsen. Der Theologe empfiehlt ihnen Marketingstrategien, wie sie in Wirtschaftsseminaren gelehrt werden. Sie sollen ihr Angebot wie ein Konsumprodukt feilbieten, denn die Konkurrenz sei auf dem offenen Religionsmarkt gross. Damit begeht Winter schon fast einen Tabubruch, denn viele Theologen und Geistliche wollen ihren Glauben nicht zu Markte tragen. Dafür ist er ihnen zu heilig.

Für Winter ist das Personal an der Front primär für die Vermarktung entscheidend. Pfarrer, die motiviert und kompetent seien, prägten das Bild der Kirche. Glaubwürdige Vertreter seien das beste Mittel gegen Kirchenaustritte.

Ein solches Marketing ist aber für die konservativen katholischen Geistlichen des Teufels. Sie pfeifen darauf, Volkskirche zu sein. Für die Bischöfe Haas und Huonder beispielsweise ist die Umsetzung der reinen Lehre wichtiger als die Seelsorge oder die Verhinderung der Austritte. Das gilt auch für viele Würdenträger in der Kurie, die sich lieber auf die strenggläubige Klientel ausrichten. Die Erkenntnisse von Urs Winter werden in der reformierten Kirche Widerhall finden, aber kaum in der katholischen Kirche. Ob aber Marketingrezepte reichen, um Strukturprobleme und das Desinteresse breiter Bevölkerungskreise an religiösen Fragen zu lösen, ist zu bezweifeln.

Konsumwelt als Ersatzreligion

Hugo Stamm am Samstag, den 6. Juni 2015
Wie ein Gottesdienst: Brasilianische Fussballfans im Maracanã in Rio. Foto: Leo Correa (AP)

Wie ein Gottesdienst: Brasilianische Fussballfans im Maracanã in Rio. Foto: Leo Correa (AP)

Religiöse oder spirituelle Bedürfnisse sind tief in unserem Bewusstsein verankert. Sie gehören zu den ursprünglichen Archetypen oder Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Carl Gustav Jung, der Esoteriker unter den Psychologen, führte den Begriff in der Psychologie ein und sprach vom kollektiven Unbewussten.

Es ist tatsächlich auffallend, dass praktisch alle Völker, Stämme und Kulturen ähnliche religiöse Archetypen entwickelten, obwohl sie früher keine Verbindung untereinander hatten, sich also geistig nicht inspirieren konnten. Das Bedürfnis nach etwas Höherem, Mächtigem, Unvergänglichem ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte.

Aus psychologischer Sicht führten vermutlich das Bewusstsein von der Endlichkeit allen Lebens und die Angst vor Krankheiten, Unfall und Tod zu den religiösen Archetypen. Gläubige neigen hingegen dazu, die Ursache des Religiösen in der göttlichen Kraft zu suchen, die die Natur belebt und unser Bewusstsein prägt.

Vielleicht erleben wir im aktuellen Jahrhundert den Beginn eines beispiellosen Paradigmenwechsels, denn die religiösen Grundbedürfnisse bröckeln zumindest in der westlichen Welt erstaunlich schnell. Spirituelle Fragen haben bei den jungen Generationen keinen grossen Stellenwert mehr. Auch die Statistiken der Kirchenaustritte verdeutlichen den Wandel und den Zerfall des Archetypus.

Die Bedürfnisse nach Ritualen werden indes nicht verschwinden. Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, dass eine Verschiebung hin zu weltlichen Bräuchen stattfindet. Ausserdem löst das Materielle das Spirituelle ab. Der Wohlstand wendet die Aufmerksamkeit vom Jenseits aufs Diesseits. In der Postmoderne brauchen die Menschen Gott nicht mehr zwingend, um die Hoffnung auf Verwirklichung nähren zu können. Gier und Abzockerei sind die neuen Archetypen, der Konsum ist zur Ersatzreligion geworden.

Dies zeigt sich bei der wachsenden Ritualisierung der säkularen Welt. Der Fussball zeigt es eindrücklich. Die Fanclubs bitten jedes Wochenende zum Hochamt. Vom Outfit über den Bierkonsum bis zum Fangesang und dem Animateur im Stadium sind alle Elemente enthalten, die auch einen Gottesdienst ausmachen. Kein Zufall also, dass «Fussballgott» zum stehenden Begriff geworden ist.

Oder das Shoppen. Die Geschäfte bauen eine Erlebniswelt auf, in der Einkaufen zum Ereignis und Ritual wird. Ersatzreligiösen Charakter hat auch das Essen und Kochen angenommen. Kochsendungen gibt es inzwischen auf allen Kanälen, Koch-Castings treiben das Ritual auf die Spitze. Es scheint, dass der Konsum und andere weltliche Rituale die grössten Feinde der Götter sind.

Religionen brauchen die Hölle

Hugo Stamm am Samstag, den 30. Mai 2015
Hugo Stamm

Ausschnitt aus dem Bild «Das Jüngste Gericht» von Hans Memling (ca. 1471). Foto: Wikipedia.org

Ein reformierter Pfarrer sagte mir kürzlich, er habe in seinen Predigten noch nie die Hölle oder den Satan thematisiert. Er wolle die Gläubigen ermutigen und deshalb die frohen Botschaften der Evangelien vermitteln, nicht die Drohbotschaften.

Diese Haltung zu einem religiösen Grundthema ist lobenswert. Das Leben ist oft genug ein Jammertal, da braucht es die Moralkeule der ewigen Verdammnis in der Hölle nicht zwingend. Es darf aber nicht vergessen werden, dass viele Generationen mit dieser Drohung geängstigt und gefügig gemacht wurden.

Die Vorstellung von den endlosen Höllenqualen sind aber immer noch weit verbreitet. Gibt man beispielsweise bei Google den Begriff «Hölle» ein, erscheint an dritter Stelle die Website www.himmel-oder-hoelle.ch. Dort wird den Lesern wahrlich die Hölle heissgemacht. So heisst es beispielsweise: «Das unausweichliche Schicksal jedes Sünders ist der ewige Tod, die ewige Verbannung in die Hölle.» Gott wolle niemanden im Himmel, der «schmutzige, stinkende Sünden» begangen habe. «Oder möchtest du eine Ewigkeit lang ein stinkendes, schmutziges Schwein in deiner Wohnung haben?»

Der Glaube an das ewige Leiden in der Hölle ist vor allem in den Freikirchen verbreitet. Aber auch die katholische Kirche hält daran fest. Der vormalige Papst Joseph Ratzinger verkündete in einer Lehraussage: «Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies haben will und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht, existiert und ewig ist für jene, die ihre Augen vor seiner Liebe verschliessen.»

Liberale Geistliche können natürlich die Bibelstellen auch nicht ausradieren, in denen von Satan und der Hölle die Rede ist. Sie interpretieren die Passagen indes humaner. Für sie ist die Hölle das Totenreich, wo die Sünder ihre letzte Ruhestätte finden, während die Erretteten das ewige Leben erlangen. Allerdings finden sich Bibelstellen, in denen die ewige Verdammnis ziemlich eindeutig formuliert ist. Zum Beispiel in der Johannes-Offenbarung (20,10). Vom feurigen Pfuhl ist die Rede, der «von Ewigkeit zu Ewigkeit» brenne.

Fortschrittliche Theologen tun sich allgemein schwer mit der Hölle, denn sie passt schlecht zum Bild vom liebenden Gott, der seinen Sohn für uns geopfert hat. Der Widerspruch lässt sich aber nicht auflösen, wenn man die apokalyptischen Szenarien aus der Johannes-Offenbarung als weitere Horrorbilder hinzunimmt. Dort erleiden die Sünder ebenfalls Höllenqualen.

Überhaupt ist die christliche Lehre ohne Satan und Hölle nicht denkbar. Es braucht den Teufel als Gegenspieler von Gott, es braucht die Strafandrohung als Anreiz für ein tugendhaftes Leben. Ohne diese Dualität würde die christliche Heilslehre in sich zusammenfallen. Ohne Hölle wäre der Himmel die Norm, und es brauchte keine Religion, die den Weg ins Paradies weist.

Ein kultureller Hinweis: Das Theaterstück «Die grüne Katze» von Elise Wilk, das das Junge Schauspielhaus Zürich einstudiert hat, handelt von der unbegrenzten Einbildungskraft des Menschen, die zur sektenhaften Verblendung führen kann. Der Schlüsselsatz: «Wenn du dir etwas lang genug vorstellst, beginnt es zu existieren.» In diesem Stück eben die grüne Katze. Sehr empfehlenswert. Premiere ist am 5. Juni um 19 Uhr im Schiffbau/Matchbox, Zürich. Weitere Daten: 6., 8., 9. und 10. Juni.

Eidgenössisch diplomierte Esoteriker

Hugo Stamm am Samstag, den 23. Mai 2015
Hugo Stamm

Akupunkturbehandlung mit erwärmten Nadeln und Heilkräutern. Foto: Keystone

Meilenstein für die Naturheilpraktiker: Homöopathen und Ayurveda-Therapeuten können in Zukunft ein eidgenössisches Berufsdiplom erlangen. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat am 28. April 2015 die Höhere Fachprüfung für Naturheilpraktiker genehmigt. Somit dürfen Globuli neu mit dem Segen der staatlichen Behörden verabreicht werden. Das ist ein Durchbruch für die Alternativmedizin. Ihre Vertreter können nun nicht nur mit den Krankenkassen abrechnen, sie werden auch noch mit einem eidgenössischen Diplom geschmückt.

Die «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM», die die Anerkennung anstrebte, jubiliert: «Diese Berufsreglementierung ist ein wichtiger Meilenstein im schweizerischen Gesundheitssystem. Europaweit hat ein anerkannter Abschluss Pilotcharakter und bewirkt eine Verankerung der Alternativmedizin in der Gesellschaft

Die eidgenössische Fachprüfung kann in den Disziplinen Ayurveda, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin und Traditionelle Europäische Medizin abgeschlossen werden. Eine Methodenkritik gibt es nicht, weil die Prüfungsexperten zwangsläufig Vertreter der Alternativmedizin sind. Denn unabhängige Mediziner kennen sich in den Komplementärmethoden nicht aus und können die Arbeiten der Kandidaten nicht bewerten.

Damit sind die umstrittenen Alternativmethoden mitten in der Gesellschaft angekommen und nisten sich im Zentrum der Medizinalberufe ein. Das ist ein Ritterschlag und macht Homöopathie und andere Komplementärmethoden salonfähig. Wer vom Staatssekretariat für Bildung geadelt wird, gewinnt an Sozialprestige.

Leichtgläubige Patienten neigen nun zur Annahme, dass eidgenössisch diplomierte Heilpraktiker seriöse Fachleute sein müssen, die wirkungsvolle Heilmethoden anwenden. Nur: Bis heute konnte nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden, ob und wie alternative Heilmethoden wirken. Ein Beispiel: Wie soll ein stark verdünntes homöopathisches Mittel eine Heilung erzeugen, wenn darin kein einziges Molekül der verwendeten Inhaltsstoffe enthalten ist? Und: Wie soll eine homöopathische Tinktur heilen, deren Wirksubstanz aus zermalmten Kakerlaken und Hundekot besteht? Wir können davon ausgehen, dass die zuständigen Beamten des Staatssekretariats den Entscheid ziemlich ahnungslos gefällt haben, weil sie keine vertieften Kenntnisse von den verschiedenen Alternativmethoden besitzen.

Manche Naturheilpraktiker werden das eidgenössische Diplom als Feigenblatt benutzen. Die meisten sind über die Esoterik zu den Alternativmethoden gestossen und werden weiterhin ihren Patienten problematische esoterische Ideen und Methoden vermitteln, die aus jeder Praxis verbannt werden sollten, in denen ein eidgenössisches Diplom hängt.

 

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