Es geht um die Sozialdemokratie, stupid!

History Reloaded

Rechtzeitig vom sinkenden Schiff abgesprungen: Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron mit dem bisherigen Amtsinhaber, dem Sozialdemokraten François Hollande. Foto: Eric Feferberg (AP)

Beginnen wir mit einer Liste: Donald Trump, Mark Rutte, Alexander Van der Bellen, Emmanuel Macron. Das sind die Wahlsieger dieser Wochen, dieser Monate. Aus Aktualitätsgründen liesse sich auch ein regionaler Kandidat nennen: Daniel Günther, CDU, letzten Sonntag zum Ministerpräsidenten des Bundeslandes Schleswig-Holstein gewählt. Oder wir könnten vorwärtsschauen, der Name dann: Theresa May. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die konservative Premierministerin am 8. Juni nicht die Konkurrenz von der Labour Party versenkt.

Was verbindet nun all diese Namen? Erstens: Es ist keine Populistenliste. Zweitens: keine Sozialdemokraten.

Anführer der Nutzlosigkeit

Möglich also, dass wir in letzter Zeit allzu eifrig über einen Scheinriesen debattiert haben: «Populismus». Und dass wir dabei ein wichtiges Detail übersahen: nämlich dass sich der fundamentale Wandel in den westlichen Staaten eher um die Sozialdemokratie dreht. Dazu bemerkte jetzt Pierpaolo Barbieri, ein argentinischer Harvard-Historiker, im Fachblatt «Foreign Affairs»: «Das, was heute in den entwickelten Ländern am ehesten einen politischen Trend darstellt, ist nicht der Aufstieg des Populismus, sondern die Implosion von Mitte-links» – «the implosion of the center left».

Niall Ferguson, der bekannte Historiker, doppelte vor wenigen Tagen nach: Auch für ihn ist diese Implosion die bestimmende Politgeschichte seit der Finanzkrise von 2008. Es genüge nicht, einfach Männer wie François Hollande in Frankreich oder Jeremy Corbyn in England für schlechte Wahlresultate verantwortlich zu machen: «Vielleicht befinden sich die Parteien selbst im Zerfall», so Fergusons knallhartes Urteil, «und ihre nutzlosen Anführer repräsentieren bloss ihre allgemeinere Nutzlosigkeit.»

Wenn diese These stimmt, dann träfe die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wenig Schuld, falls sie am morgigen Sonntag in Nordrhein-Westfalen enttäuschen sollte. Oder dann kann der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gar nicht der Retter sein, als der er vorübergehend dargestellt wurde.

Die erwähnten Szenarien lassen sich jedenfalls leicht anreichern mit weiteren Namen und Kürzeln: Die Pasok in Griechenland – Schatten eines Schattens. Die PSOE in Spanien – fasste bei den letzten Wahlen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Partij van de Arbeid in den Niederlanden – brach im März auf sage und schreibe 5,7 Wählerprozente ein. Doch alles redete von Geert Wilders.

Zu Tode gesiegt

Natürlich, die «Krise der Sozialdemokratie» geistert schon so lange durch die Politwelt, dass man gar nicht mehr recht daran glauben mag. Doch was wäre, wenn doch? Was, wenn hier etwas wirkt, das Historiker einen säkularen Trend nennen – eine politische Moränenverschiebung, die über Jahrzehnte und Jahrhundertgrenzen anhält? Dann hätten Erfolgsfiguren wie Tony Blair und Gerhard Schröder in den späten Neunzigern bloss übertüncht, dass die Kurve am Ende doch nach unten zeigt. Chris Hanretty, ein englischer Politologe, hat errechnet, dass die Sozialdemokratie in den Industriestaaten seit 1970 notorisch an Gunst verliert; und dass die Abwärtskurve um 2015 dramatisch steiler abzufallen begann.

Erklärungen dafür gibt es ja ebenfalls seit Jahren: Die gute, alte Working Class verschwindet. Die Sozialdemokratie hat den Draht zum Arbeitnehmermilieu verloren. Die Sozialstaaten sind heute so gut, dass es keine Sozialstaatsparteien mehr braucht. Die anderen Grossparteien geben sich allesamt ein bisschen rosarot, ob CDU oder Tories oder auch die CVP.

Kurz: Die Sozialdemokratie habe sich zu Tode gesiegt. Genau dies bemerkte Ralf Dahrendorf bereits vor über einem Vierteljahrhundert. Der deutsche Soziologe rief schon anno 1983 «das Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts» aus. Eine Haupterklärung für seine damals steile These war, eben, dass die Ziele im modernen Sozialstaat erreicht seien. Eher vergessen ging Dahrendorfs zweites Argument – und das wirkt heute speziell interessant: Der Soziologe prophezeite, dass die bürokratische Kehrseite des Wohlfahrtsstaates der Sozialdemokratie das Genick brechen werde.

Bürokratische Kehrseite? Dieser «Albtraum», so der Gesellschaftswissenschaftler, erscheine «in vielerlei Gestalt», etwa im Neokorporatismus: «Es handelt sich um ein Regieren durch Arrangement, um nicht zu sagen Kartell, und damit um die Abkehr sowohl von der Suche nach Führungsimpulsen als auch von der nach einem demokratischen Nachschub.»

Superbürokraten statt Anführer

Und zum Wohlfahrtsstaat gehöre immer noch eine weitere Bürokratie-Ebene: «Damit ist der umständliche Transfer von Ressourcen nicht nur von A zu B, sondern auch von A zu A gemeint, wobei unterwegs Formulare ausgefüllt werden und sowohl A als auch B vor allerlei Schaltern warten müssen. Hohe Steuern sind eines der Instrumente der Bürokratie; sie sind in der Tat ihr Lebenselixier. Ohne Steuern keine Verwaltung. In der einen oder anderen Weise enden alle sozialdemokratischen Wege beim Staat, wobei es genauer wäre zu sagen, bei schwachen Regierungen und starken Verwaltungen. Noch die Heroen der sozialdemokratischen Welt sind eher Superbürokraten als innovative Führer.»

Ein etwas umständliches Zitat, zugegeben. Doch wirkt es nicht sehr modern? Es spiesst das auf, was Links- wie Rechtspopulisten heute den Regierenden vorwerfen (minus Migrationsthematik): Regieren durch Arrangement. Kartellverhalten. Schwache Regierungen, starke Verwaltungen. Abwendung vom demokratischen Boden. Superbürokratie.

Hier findet sich der Kern von dem, was den Ärger anheizt über «Brüssel» oder «Washington» (oder die «Classe politique» in Bern). Dahrendorfs «Albtraum» vereinigt auch Aussenseiter wie Donald Trump und Emmanuel Macron, zumindest rhetorisch.

Dass am Ende, an den Wahlurnen, speziell die Sozialdemokratie geprügelt wird, mag dabei nicht ganz fair sein. Aber wenn die These von der allgemeinen Sozialdemokratisierung stimmt, wäre es halbwegs logisch.

41 Kommentare zu «Es geht um die Sozialdemokratie, stupid!»

  • Peter Beutler sagt:

    Implosion von Mitte-links? Absurd. Das stimmt so natürlich nicht. Macron ist eindeutig ein Mitte-links-Politiker. Die Liste von En Marche für die Parlamentswahlen könnte das nicht deutlicher zeigen. Die Entourage von Macron besteht weitgehend aus den gleichen Köpfen wie man sie in der Parlamentsmehrheit des PS, des partie socialiste, kennt. Der rechte Flügel des PS heisst jetzt einfach En Marche. Neu ist allerdings die phänomenale Erstarkung des Lagers links davon. La Gauche, die ehemaligen Kommunisten von Mélanchon kam im 1. Durchgang der Präsidentenwahl auf rund 20%. Diese Bewegung kam seit 1990 nie über 5%. Hätte sich Hamon vom linken Flügel des PS zurückgezogen, wäre Mélanchon in die Stichwahl gekommen. Fazit der französischen Präsidentenwahl: eine deutliche Niederlage der Rechten.

  • Werner Hunger sagt:

    Wenn ich mir Zürich und die anderen grösseren Städte der Schweiz anschaue, geht es den Sozialdemokraten momentan ganz fabelhaft, wie den fetten Maden im Speck! Ämter und Staatsaufträge werden absolut schamlos den Mitgliedern des eigenen Netzwerks zugeschanzt. Die Frage ist natürlich: Was werden diese Kleptokraten tun, wenn der Speck weggefressen ist?
    Die „Sozialdemokraten“ müssten sich heutzutage zudem in „Nepoglobokraten“ umbenennen, denn von links bis fast ganz rechts wird versucht, unsere Demokratie durch die Globokratie (EU, UNO, WTO, …) auszuhebeln. „Nepo“, weil gleichzeitig eine Vetternwirtschaft durch die herrschende, privilegierte politische Klasse aufgebaut wird, zu Lasten des Volks.

  • Roland K. Moser sagt:

    Kann man Sozial-Demokraten wählen, wenn keine zur Verfügung stehen?
    SPD beudetet Sozialistische Partei Deutschlands
    SP bedeutet Sozialistische Partei
    In Frankreich heisst die Partei Partie Socialiste
    Es gibt keine Sozial-Demokratische Partei.

  • Andreas Weibel sagt:

    Interessant ist, dass in der Schweiz der Trend genau in die andere Richtung geht. Wahlen in Solothurn oder Aargau, USR II oder Durchsetzungsinitiative: Überall gewinnt die SP. Ein Teil der Erklärung könnte sein, dass die SP wieder sehr bewusst den Kontakt zu den Leuten auf der Strasse sucht, anstatt Politik nur als Verwaltungsaufgabe zu sehen.

  • Max Bader sagt:

    Das Hauptproblem der Sozialdemokraten ist, dass ihr Wunsch nach gesellschaftlicher Öffnung mit dem Schutz der Arbeitnehmer kollidiert. Und die wenigsten sozialdemokratischen Parteien wissen, wohin die Reise gehen soll. Leute wie Corbyn, Mélenchon oder neu die SPÖ wollen eine gewisse Abschottung in Kauf nehmen für einen besseren Arbeitnehmerschutz. Umgekehrt wollen die Sozialdemokraten in Holland oder auch Leute wie Macron oder Schulz eher eine liberalere Lösung mit einer offenen Gesellschaft, nehmen dafür den Abbau von Arbeitnehmerrechten in Kauf.
    Dieser Zielkonflikt spaltet die Sozialdemokraten. Je nachdem können nun deren Wähler auch zu rechtskonservativen oder wirtschaftsliberalen Parteien wechseln.

  • Konradin Schneider sagt:

    Der Beitrag fusst auf falscher Logik und blendet nicht nur die Auflösung der Arbeiterbewegung, der SP-Klientel, sondern auch den gesellschaftlichen Wandel seit den 70er Jahren aus. Die SP vertritt schon lange nur noch ihre eigenen Klüngelinteressen. Pöhner liegt nur darin richtig, dass man die alte Tante SP bei ihrer Urne auf dem Friedhof der Geschichte ehren soll. Längst hat sie sich mit den Globalisierern gemein gemacht, was ihr die Stimmen an der Wahlurne kostet.

  • Heine Dietiker sagt:

    Die Globalisierung hat bewirkt, dass sozialdemokratische Politik ausgehebelt wird. Jeder Staat, der soziale Wohltaten beschliesst, wird mit einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bestraft. Macron hat das erkannt und will auf europäischer Ebene Standards schaffen, die nicht unterschritten werden dürfen. Im Sozial- Steuer- und Umweltbereich. Damit wird eine Politik wieder möglich, welche die Konzentration von Einkommen und Vermögen bei Wenigen beendet. Und das ist ja schliesslich das Ziel sozialdemokratischer Politik.

    • Rolf Zach sagt:

      Beweisen Sie einmal, ob jeder Sozialstaat sofort zur Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führt? Lohnstückkosten ist Ihnen wohl völlig unbekannt!
      Also sind die Sozialstaaten Schweden und Dänemark zum Untergang verurteilt und die Türkei, die absolut kein Sozialstaat ist und die Löhne äußerst mies sind, müssen ein Paradies an Wirtschaftsleistung sein, ebenso Ägypten

  • loulou55 sagt:

    „…ein englischer Politologe, hat errechnet, dass die Sozialdemokratie in den Industriestaaten seit 1970 notorisch an Gunst verliert…“
    Welche Industriestaaten denn…? China ist ja wohl kaum gemeint, obwohl die europäische & US Industrie mehrheitlich dorthin „umgezogen“ ist.

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Die entfesselte Gier der Menschen nach dem massiven Bedeutungsverlust der christlichen Religion ist schuld am Niedergang der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie bietet soziale Gerechtigkeit und ein würdevolles Leben in wirtschaftlich akzeptablen Verhältnissen. Die Vertreter des Neoliberalismus offerieren dem geistig-seelisch frustrierten Arbeitersklaven ein Leben in Saus und Braus, wenn er sich nur genügend den Arsch aufreisst am Arbeitsplatz und sich genügend selbst ausbeutet im Dienste der Besitzer der Produktionsmittel. Blochers Geschwätz von der „Eigenverantwortung“ ist hier das geiselknallende Stichwort. Der sinnentleerte Mensch flüchtet also in den Konsum, ganz im Sinne der Besitzer der Produktionsmittel, welche diese Flucht mit verlogener Werbung nach Leibeskräften pushen.

    • Stefan Kesselring sagt:

      @Hanspeter Niederer: August Bebel (unkundige bitte googeln) hätte es zu seiner Zeit nicht präziser formulieren können, als Sie es heute hier tun. Glückwunsch zu Ihrer beinharten und kristallklaren Analyse, werter Herr Niederer!

  • Rolf Hefti sagt:

    SP Mauscheleien mit FDP und CVP werden auf Dauer auch nicht besonderlich gut wirken !

  • Christoph sagt:

    Die Prinzipien der Evolution gelten überall. Ich denke eher, dass das System der politischen Parteien an sich an ihrem Ende angelangt ist.
    Gerne wird überall das vernetzte Denken gefordert, aber dort, wo es am wichtigsten wäre, ist es weithin nicht auszumachen. Grabenkämpfe wie einst im 1. Weltkrieg bringen uns seit Jahrzehnten Stillstand und eine Verzweiflung die sich in markigen Schlagzeilen Luft macht. Derweil wird der Geldbeutel des Bürgers immer leerer, die Leistung des Staates immer schwächer.
    Die Demokratie ist krank.

    • Rolf Zach sagt:

      Ja, die Demokratie ist krank, deshalb hat die deutsche Elite in der Weimarer Zeit zurück zu den guten alten Zeiten geschwärmt mit einem ernsthafteren und mehr drohenden Kaiser Willy, dafür kriegten sie Hitler und 1/3 aller Deutschen wurden vertrieben und das Land um 35 % verkleinert. Der Adel wollte seine Landarbeiter als Knechte ohne Rechte, die Industriellen ihre Fabriken als Gutshöfe aus dem Mittelalter mit gehorsamen Arbeiter. Am schlimmsten waren die Berufsmilitär (Rundstedt, Rommel, Stauffenberg), die wollten alle Krieg, aber diesmal ohne lästige sozialdemokratische Meckerer wie im Ersten Weltkrieg.
      Politische Parteien sind da, die Leute auszusuchen, die an einer politischen Karriere interessiert sind oder wollen Sie die Leute auswählen. Dort merkt man, ob jemand etwas kann.

  • Paul Kaegi sagt:

    Wunderbarer Artikel, der hoffentlich auch von den Kollegen der Mainstream-Presse gelesen wird und vielleicht einen kleinen Anstoss gibt, auch den eigenen Sozialismus zu überwinden oder mindestens zu hinterfragen.

  • Daniel Moser sagt:

    Es ist schon etwas bemühend, den alten Dahrendorf aus den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts zu zitieren, um einen angeblichen Niedergang der Sozialdemokratie belegen zu wollen. Ebenso bemühend ist es, auf den Wandel in der Mitgliedschaft der sozialdemokratischen Parteien aufmerksam zu machen. Dass sich alle Parteien im Laufe der Zeit wandeln, ist ein bekanntes Phänomen. In der Schweiz ist die FDP schon längst nicht mehr die Volkspartei von 1900, sowenig die SVP noch die Bauernpartei von 1919 ist. Und schliesslich war die Ablehnung der Unternehmensteuerreform III auch nicht gerade ein Zeichen für den herbeigewünschten Tod der Sozialdemokratie.

  • sepp z. sagt:

    Bezeichnend, dass die Sozialdemokraten (der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs) in Frankreich einen Neoliberalen zur Wahl empfohlenhaben. Angeblich, weil das die beste der möglichen Lösungen sei.

  • Werner Staub sagt:

    Bester Journalismus!
    Weltklasseartikel
    Ich verneige mich

  • Pawel Silberring sagt:

    Wenn ich auf die Webseite der Weltwoche schaue, sehe ich, dass der Autor die Leitung Wirtschaft innehat. Das heist zwar nicht, dass man sich mit seinen Texten nicht auseinandersetzen soll, aber soviel Offenlegung der Interessenbindungen muss schon sein.
    Ob die Sozialdemokratie in einem Niedergang ist? Nun, wenn er Trump als Beispiel dafür anführt, muss ich darauf hinweisen, dass es erstens in den USA keine Sozialdemokratie gibt und zweitens: Wenn das die Alternative wäre, dann stünde ein Riesenaufstieg der Sozialdemokratie bevor. Mir scheint vielmehr, dass die Sozialdemokratie als wichtige Bremse gegen die weitere Umverteilung nach oben in letzter Zeit recht erfolgreich war, mit der USR III als bekanntestes, aber lange nicht einziges Beispiel. Das passt einigen Leuten halt nicht.

    • Ralph Pöhner sagt:

      Die Transparenz stellen wir gern her: Ich bin seit fast zehn Jahren nicht mehr bei der «Weltwoche». Wo ich schon am Antworten bin: Im Beitrag ist ja auch von «Mitte-Links» die Rede, und mit Bezug auf die USA wäre dies der entscheidende Begriff, Sozialdemokratie ist ja v.a. europäisch. Das hätte man noch verfeinern können. Aber der Text wurde ja auch so schon recht lang. Und ob «Mitte-Links» oder «Sozialdemokratie»: Am Kern der Aussagen ändert sich dadurch nichts.

      • Pawel Silberring sagt:

        Wenn Sie ihren „Sozialdemokratie“-Begriff auf Mitte-Links (inkl. amerikanische Demokraten) ausdehnen, passt aber Macron nicht rein und der Grüne Van Bellen erst recht nicht.

      • Ralph Pöhner sagt:

        Durchaus. Macron führte einen explizit wirtschaftsliberalen und antibürokratischen Wahlkampf. Van der Bellen passt in der Tat nicht ganz – aber es sind natürlich immer auch länderspezifische Aspekte, die mitbestimmen. Zum Bürokratismus-Alptraum-Aspekt von Dahrendorf passen trotzdem beide. Denn es gab immer eine staatskritische und eine staatsgläubige Linke; Opposition und Establishment. Und hier geht es den erwähnten Autoren von Ferguson bis Dahrendorf um die etablierte, staatsnahe Sozialdemokratie/Mitte-Links/Democrats. Van der Bellen wie Macron gehören nicht dazu. Sie traten beide als Aussenseiter an. Ich würde mal behaupten: Sie siegten nicht, weil sie zuvor einst in der PS bzw. SPÖ waren – sie siegten, weil sie aus PS bzw. SPÖ ausgestiegen waren.

  • Herber Vontobel sagt:

    Die Sozialismus ist aus der Politik genau so wenig verschwunden wie die Ökologie.
    Diese Politik wird nur zunehmend von ehemals bürgerlichen Parteien und der Verwaltung ad nauseam umgesetzt.
    Da rechts von den C Parteien (wo eigentlich noch viel „Mitte“ wäre) alles als faschistisch verteufelt wird, zeigen viele Wähler nicht mit dem Favorisieren von eher rechten Parteien, sondern mit der Abwahl von Linksgrün ihren Unmut über die im Artikel genannten Probleme.
    Das ändert nur leider nichts an den Tatsachen, sondern stärkt nur mehr und mehr eine Art linksliberalen ideologischen Einheitsbrei, welche viele zwar ebenso ablehnen, obwohl sie sich selber darin gefangen halten.

  • Hilda Meiwes sagt:

    „Aber wenn die These von der allgemeinen Sozialdemokratisierung stimmt, wäre es halbwegs logisch.“ ist ein sehr, sehr schwacher Schluss. Wenn das Fazit nur „halbwegs logisch ist“, sollte man das ganze Essay nochmals gründlich überarbeiten.
    Inhaltlich sieht es leider nicht besser aus, im wesentlichen wird hier einfach die Behauptung, dass Sozialdemokraten zu bürokratisch seien hübsch verpackt und mit ein paar Autoritätsargumenten gespickt („ein argentinischer Harvard-Historiker“, „Niall Ferguson, der bekannte Historiker“, ).
    Nicht erklärt wird, wieso die Behauptung nicht für die Mehrheit der Politiker und Beamten gelten soll, die eben nicht Sozialdemokraten sind.
    Dass die Sozialdemokratie gelitten hat ist Fakt, aber Pöhners Ansatz reicht als Erklärung dafür schlicht nicht aus.

  • Johann Betz sagt:

    In Deutschland sorgte der „Rheinische Kapitalismus“, verknüpft mit der „Sozialen Marktwirtschaft“ dafür, dass die Arbeiterklasse, sofern es sie nach dem 2. Weltkrieg noch gab, nicht von der Wirtschaftsentwicklung ausgeschlossen wurde. Zunehmender Wohlstand und sozialer Aufstieg durch Bildung und Leistung waren auch unter CDU-Kanzlerschaft möglich. Insofern hat sich die traditionelle Sozialdemokratie überlebt, wenn es ihr nicht gelingt, für neue politische Problemfelder (z. B. die Migration) passende Antworten zu finden.

  • Christian Bolliger sagt:

    Besten Dank zu den wichtigen Hinweisen auf Lord Dahrendorf. Eine wichtige Ergänzung ist, dass Dahrendorf ein bedingungsloses Grundeinkommen forderte, das alle staatlichen Sozialversicherungen und Sozialhilfen ersetzen soll. So soll der Buerokratie im Sozalstaat begegnet werden und die endlosen Diskussionen, wem in welchem Fall wieviel Unterstützung zusteht begrenzen. (Der moderne sozial Konflikt).

  • Paul Kaegi sagt:

    Wunderbarer Artikel, den es sich auch für so manchen Journalisten lohnen würde zu lesen und sich somit selbst überwinden würde. Allein Populismus wundzuschreiben wird die Welt weder verändern, noch den Sozialismus schönreden.

  • Stefan W. sagt:

    Das Erstaunliche am Niedergang der Sozialdemokratie ist eigentlich, wie unverdient er ist: Die einzigen, die sich wirklich um die Lage nicht nur der Arbeiter, sondern auch des Mittelstandes scherten, waren seit je die Mitte-Links-Parteien. Aber irgendwie gelang es dem neoliberalen Block, die „Linken“ für alles Übel verantwortlich zu machen. Und zwar, und das ist besonders verblüffend, auch dann, wenn diese gar keine Mehrheiten haben und ihre Anliegen darum kaum je durchsetzen können. Etwa in der Schweiz: Wann immer die bürgerlich dominierte Parlamentsmehrheit oder der bürgerlich dominierte Bundesrat etwas verbocken, ist stets sofort eines klar: Die Linken sind schuld.

    • Oskar Brunner sagt:

      „Aber irgendwie gelang es dem neoliberalen Block, die „Linken“ für alles Übel verantwortlich zu machen. „
      Die Linken sind die Ursache allen Übels, werter W.
      Naivität gepaart mit Welterrettung führt zu nichts.

      • Hanspeter Niederer sagt:

        Das ist aber ein ganz interessanter Gedanke: die „naiven Linken“ wollen die Welt retten, die sie selbst an den Abgrund gebracht haben, da sie ja laut Oskar Brunner die Ursache allen Übels sind? Oder haben eventuell andere nicht so sozialdemokratische politische und wirtschaftliche Kräfte das globale Ökosystem in den sich im Gang befindenden irreversiblen Kollaps geführt?

    • Willi sagt:

      Die ‚Opferrolle‘ ist nicht zielführend und von ‚Niedergang‘ der SP kann in CH nicht gesprochen werden (jüngste RR-Wahlen, Wählerstimmenzwachs sogar im VS, grosse Städte, 2 Persönlichkeiten im BR, …).
      Der Machtkampf innerhalb der SP um die Vorherrschaft und Alleinstellungsmerkmale zerschlägt aber viel Geschirr und Glaubwürdigkeit und schwächt den Einfluss dieser Partei. Bei Persönlichkeitswahlen (BR, SR, RR) haben nur linksliberale Kandidatinnen eine Chance. Diese Prägen die Politik der SP und geniessen auch Respekt im bürgerlichen Lager, zu Recht und verdient. Die linksliberale Politik ist die grosse Chance für die SP in CH, wieder zu wachsen.

    • Manfred Zwygart sagt:

      @Sefan W…Ich kann ihren Beitrag nicht nachvollziehen. Gerade im sozialistischen Frankreich sieht man doch, zu was extremer Sozialismus führt. Zu Arbeitslosigkeit und Armut. Das merken die Arbeiter.

      • Rolf Zach sagt:

        Es ist ja interessant, wie hier Madame eingeschätzt wird. Die Populisten bei Front National sind alles andere als gegen den Sozialstaat. Im Gegenteil Madame wollte in mit der Pension ab 60 Jahren noch ausbauen. Was Madame nicht wollte, dass die echten Franzosen nur berechtigt sind, die Früchte des Sozialstaates zu genießen. Aber da die nach Frankreich als Arbeitskräfte geholten Araber und auch die wo illegal eingereist sind, eben in Frankreich Kinderchen machen, sind diese halt von Geburt aus Franzosen, Prinzip aller französischen Verfassungen seit der Revolution. Schwierig, diese Leute vom Sozialstaat auszuschließen.
        Madame hat verloren wegen ihrer Gegnerschaft zum Euro und die Franzosen erinnern sich ungern an die Zeit vor 50 Jahren, wo der Franc eine Schwund-Währung war.

    • loulou55 sagt:

      Sie bringen es exakt auf den Punkt.
      Es ist also im ureigensten Interesse, vor allem der rechts-aussen Partei, dass ein paar der bösen Linken erhalten bleiben, sonst würde es echt unangenehm werden, mit der jeweiligen Schuldfrage.
      Wobei in der „rechten Ecke“ fängt „links“ bekanntlich schon am rechten Flügel der FDP an.

      • Stefan Kesselring sagt:

        @Manfred Zwygart: „Gerade im sozialistischen Frankreich sieht man doch, zu was extremer Sozialismus führt“? Echt jetzt? Sie bezeichnen den braven Sozialdemokraten François Hollande echt als „extremen Sozialisten“? Mein Gott, wo verantworten SIE sich eigentlich politisch??? Apropos: Sie haben schon davon gehört, dass wir Franzosen die Faschisten bei den Präsidentschaftswahlen, klar in die Wüste geschickt haben? Die Grundphilosophie unseres neuen Präsidenten ist im Grunde nichts anderes als eine moderne Sozialdemokratie! En Marche, la France!

  • groeg sagt:

    Die Sozialdemokraten hocken nun längst an den Hebeln der Macht.Wenn man SPD und ihre offsprings wie Grüne, Linke dazuzählt, bilden sie immer noch Mehrheiten.Dies vor allem in der Schweiz, dem einzigen Land wo der Sozialismus verwirklicht ist, die den europäischen Entwicklungen jeweils 10 Jahre hintennach hinkt.Hört man einem Levrat zu, der ganz sicher wie ein Bourgeois lebt, könnte man sich in die Anfänge des Klassenkampfs zurückversetzt wähnen.Die obige Analyse ist ganz richtig. Auch Sozis, die 200’000 oder zu zweit als Topfunktionäre 500’000 pro Jahr verdienen spüren jetzt neidvoll die Macht der roten Progression.

    • Rolf Zach sagt:

      Es ist ja sehr lustig was Sie da schreiben, weil Ihre Weisheiten sehr leicht im Gegenteil zu beweisen sind.
      Schauen Sie nur einmal die Zusammensetzung der Parteien in unserem National- und in unserem Ständerat nach. Von Mehrheiten, wovon sie quaken, keine Spur. Ich sollte Ihnen eigentlich nicht antworten, es ist einfach nur eine hanebüchener Unsinn. Eine wirkliche Missgeburt der politischen Bildung in der Schule.
      Ich kann durchaus verstehen, wenn Sie die Sozis nicht mögen, wegen Steuern, zu teure Bürokraten etc. Aber dann können Sie höchstens sagen, dass die SVP eine krypto-sozialistische Partei ist. Mit dieser Aussage wäre ich nicht einverstanden, aber ich würde sie als gedanklichen Beitrag akzeptieren.
      Aber mit Zahlen hantieren, die Unsinn sind, führt zu nichts!

  • Robert Hugelshofer sagt:

    Ich bin dankbar, dass endlich wieder einmal einem der ganz grossen Denker, Lord Dahrendorf., Tribut gezollt wird. Merci

  • Rudolf Frauchiger sagt:

    Herrlich….
    und schrieb man das nach all dem Absaufanfällen der Sozn und den Schrumpfungs-Prozessen auf Bonsai-Niveau, in NL S F I A GB und dem voraussehbaren Schulz-Defekt als Rohrkrepierer in Grossdeutschland….vielen die Beiträge der Zensur zum Opfer…
    Scheint in den MSM- Redaktörli-Zensur-Stuben herrscht noch immer DDR 1.0

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