Bossard profitiert vom Tesla-Effekt

Warenlager der Firma Bossard in Zug: Tesla ist zum Hauptkunden avanciert. Foto: PD

Wenn ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens an der Bilanzpräsentation eines Unternehmens auftaucht, muss dieses ziemlich sexy sein. Genau das war heuer bei Bossard zu beobachten. Tesla ist das magische Wort, das als Lockstoff wirkt. Der US-Elektromobilhersteller ist zum Hauptkunden des Zuger Unternehmens avanciert. Das Auftragsvolumen hat kräftig angezogen. Vergangene Woche sorgte Bossard erneut für Aufsehen an der Börse: Mehr als 30 Prozent soll der Semester­gewinn steigen. Tesla spielt sicher ­hinein, aber nicht nur. Offenbar steigt der Umsatz allenthalten, selbst das Geschäft mit John ­Deere läuft nach jahrelanger Baisse im Markt für Landmaschinen endlich wieder besser. Mir gefällt Bossard schon seit langem. Der Leistungsausweis des Managements ist beeindruckend. Seit Jahren verharrt die operative Marge über 10 Prozent. Die Konkurrenten schaffen im Durchschnitt nicht viel mehr als die Hälfte. Auch das Umsatzwachstum stimmt. Die Bewertung ist hoch, doch die Aktien werden geduldigen Anlegern weiterhin Freude bereiten. Dosiert kaufen

Premiumimplantate

Zum Zahnarzt geht kaum jemand gern. Das gilt auch für Anleger und Analysten. Viele von ihnen haben aber den Zahnimplantatehersteller Straumann aus Basel zum Liebling erkoren. Um 38 Prozent haben dessen Aktien 2017 bereits ­zugelegt. Die Investoren überzeugt besonders die Strategie. Zu 90 Prozent kommt der Umsatz aus dem Geschäft mit Premiumimplan­taten. Dort nutzt das Unternehmen geschickt die Schwäche von Konkurrenten aus und kann seinen Marktanteil laufend steigern. Allein 2016 wuchs der Umsatz so stark wie seit acht Jahren nicht mehr. Zudem erhöhte das Management den Ausblick für 2017. Um sich für die Zukunft zu rüsten, sorgt Straumann ebenfalls vor, indem es seine Produktpalette erweitert – etwa mit Biomaterialien oder CAD/CAM-Lösungen für Labore. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die Gesellschaft einen Anteil von 35 Prozent am 3-D-Druckerhersteller Rapid Shape übernimmt. Ein geschickter Schachzug: Diese Technologie dürfte in Dentallaboren und Zahnarztpraxen Einzug halten, Straumann wird davon profitieren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 38 sind die Valoren im Branchenvergleich aber ­teuer. Abwarten

Weitere Zukäufe

Sulzer ist bekannt für Pumpen, Chemieanlagen und Wartungsdienstleistungen für Turbinen. Dieses Geschäft ist zyklisch, das heisst, es schwankt mit dem Konjunkturgang. Weil es in der Öl- und Gasbranche derzeit schlecht läuft, sinken Umsatz und Marge, und dies schon seit längerem. Der Aktienkurs notiert denn auch 35 Prozent unter dem Stand von 2013. Doch Sulzer versucht, die Schwankungsanfälligkeit zu lindern. Seit gut einem Jahr läuft der Aufbau der neuen Division Applicator Systems. Sie geht aus dem internen Geschäft Mixpac, der Herstellung von ­Leim-, Dicht- und Füllungspistolen für industrielle oder dentale Anwendungen, hervor. Letztes Jahr wurde die deutsche Geka dazugekauft. Sie stellt Schminkutensilien her, teilweise mit denselben Maschinen­typen wie Mixpac. Und vor wenigen Wochen kam die neuseeländische Simcro dazu, die Verabreichungssysteme für die Tiermedizin fabriziert. Weitere Zukäufe sind geplant, denn bis in drei Jahren soll das Geschäft rund ein Viertel zum Gruppenumsatz beitragen. Dieses Geschäft wächst stetig und ist nicht zyklisch. Zudem beträgt die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern, Amortisationen und Abschreibungen 23 Prozent, weit mehr als in der Gruppe. Die neue Division macht Sulzer stabiler und rentabler. An der Börse haben das noch nicht alle gemerkt. Kaufen

Beachtlicher Leistungsausweis

Seit Freitag ist die Schweizer Börse um eine Aktie reicher. Die Biotechgesellschaft Idorsia hat ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt. Den Emissionspreis von 10 Franken haben die Papiere im Tagesverlauf hinter sich gelassen und zeitweise einen Kurs von 14 Franken erreicht. Damit nehmen die Valoren einiges vorweg. Das Interesse an der Gesellschaft, die erst im März gegründet wurde, ist schnell erklärt: Jean-Paul Clozel. Der Actelion-Mitgründer leitet die Geschicke beim abgespaltenen Forschungs- und Entwicklungsteil von Actelion. Letztere wurde vom US-Konzern Johnson & Johnson übernommen. Clozel bringt einen beachtlichen Leistungsausweis mit, Actelion gilt als Musterschüler in der Schweizer Biotech-Szene. Investoren sollten sich aber gut überlegen, ob sie ­einsteigen. Die Risiken sind vergleichsweise hoch, denn das am weitesten entwickelte Arzneimittel wird frühestens in drei Jahren auf dem Markt sein. Immerhin ist die Finanzierung gesichert, dank Johnson & Johnson verfügt die Gesellschaft über 1 Milliarde Franken Bargeld. Wenn Idorsia eine zweite Actelion wird, lohnt sich das für Investoren. Aber nur für sehr risiko­fähige Anleger gilt: Kaufen

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