Wegen Chinas fauler Kredite droht ein Super-Crash

Hausgemachte Probleme: Die chinesische Regierung stützt marode Firmen statt sie zu reformieren oder gar zu schliessen. Foto: VCG/Getty Images

Hausgemachte Probleme: Die chinesische Regierung stützt marode Firmen, statt sie zu reformieren oder gar zu schliessen. Foto: VCG/Getty Images

Vor einem Jahr gingen die Börsen wegen China in die Knie, und alle waren verunsichert. Hat China seine Probleme gelöst, oder droht bald wieder ein China-Crash? P. G.

Tatsächlich vergessen die Anleger schnell: Während die Wachstumsabschwächung in China genau vor einem Jahr das Geschehen an den Finanzmärkten dominierte und für einen Ausverkauf bei den Aktien sorgte, steht das Reich der Mitte in den Anlagekommentaren derzeit kaum mehr im Mittelpunkt. Ähnlich war es nach der Griechenland- und der Euro-Finanzkrise. Plötzlich ist es ruhig um diese Krisenherde geworden, obwohl die eigentlichen Probleme, welche die Verunsicherung ausgelöst hatten, nicht wirklich gelöst wurden.

So ist es auch im Falle von China: Die chinesische Wirtschaft hat sich aufgefangen – oder zumindest wurde seitens der chinesischen Regierung das Wachstum stabilisiert. Anders als Russland oder Brasilien war China allerdings keineswegs in eine Rezession gefallen. Vielmehr hat sich das hohe Wachstum verlangsamt. Weit mehr Sorgen als das chinesische Wachstum machen mir die faulen Kredite in China und das Kreditwachstum. Damit die Wirtschaft in Fahrt bleibt, stützt die Regierung seit Jahren eine Reihe von erfolglosen Konzernen etwa in der Stahlindustrie, im Bereich Kohleförderung oder im Schiffbau.

Viele Grossunternehmen müssten längst massiv restrukturiert oder sogar geschlossen werden. Doch ein damit verbundener Arbeitsplatzabbau ist nicht im Interesse der Politik. Darum werden marode oder sogar faktisch konkursreife Firmen künstlich am Leben erhalten und über staatliche Banken mit Geld versorgt. Gleichzeitig ist das Kreditwachstum in den letzten Jahren weit stärker gewachsen als das Bruttoinlandprodukt. Hier öffnet sich eine gefährliche Schere. Denn irgendwann müssen diese Altlasten bereinigt werden.

Dann droht ein deutlich stärkerer Rückschlag der chinesischen Wirtschaft als noch im letzten Jahr. Vorderhand wird der Staat eine Konkurswelle in China verhindern. Ewig wird das nicht funktionieren. Ebenso wie in Europa, wo die Probleme nur mit viel billigem Geld zugedeckt wurden, folgt dann auch in China die Stunde der Wahrheit. Dann dürften wir einen Crash der Superlative erleben, der die Finanzmärkte weltweit schwer belasten wird.

12 Kommentare zu «Wegen Chinas fauler Kredite droht ein Super-Crash»

  • s.frei sagt:

    fake news ? jeder Weiss dass, die US hier ihren grössten schuldner hat…welcher jetzt plötzlich kein geld mehr haben soll. schnell entschuldung durch schlechtschreiben ? überprüfenswert…

  • Heinz Köhli sagt:

    Es ist in der Tat erschreckend, wie sich die Bankbilanzen der grössten chinesischen Institute in den letzten Jahren ausgeweitet haben. Die Autokraten versuchen mit diesem Irrsinn in erster Linie auch sich selber zu schützen, werden die harte Landung aber letztendlich nicht verhindern können.

  • Martin Thalmann sagt:

    Was macht den die EU mit dem „quantitative easing“ anderes? Europa hockt selber auf unbezahlbaren Krediten, die sobald das Zinsniveau steigt hunderte Banken in südlichen Ländern zahlungsunfähig macht. Der Supercrash wird kommen, das ist sicher – der Zeitpunkt steht einfach noch offen.

  • Peter Colberg sagt:

    Ganz pragmatisch zu diesem Thema war, und bleibt der ehemalige Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises (1912): „„Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll. Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur vorübergehende Scheinbesserung erzielen, die dann zu umso schwererer Katastrophe führen muss. Denn der Schaden, der durch Anwendung solcher Mittel dem Volkswohlstand zugefügt wird, ist umso größer, je länger es gelungen ist, die Scheinblüte durch Schaffung zusätzlicher Kredite vorzutäuschen.“ Da kommt etwas unvermeidbares auf uns zu.

    • Josef Marti sagt:

      Es dürfte wohl klar sein dass das Establishment weltweit die Sache soweit wie möglich hinauszögert um sich mit den privatisierten Gewinnen und Renten noch rechtzeitig vor Amtsablauf aus dem Staube zu machen bevor die grosse Schulden- und Verlustsozialisierung auf die Allgemeinheit durchschlägt. Mit Sicherheit wird niemand der Entscheidungsträger auf der persönlichen Ebene zur Verantwortung gezogen werden nachdem diese ihren wohlverdienten Ruhestand angetreten haben werden.
      Jeder der wählen und abstimmen geht sollte sich das stets vor Augen halten.

  • Franz Müller sagt:

    China hat seine Schulden schon länger nicht mehr im Griff. Mit den Mega-Giga-Reserven der Chin. Banken ist die grosse Frage wirklich, wie lange es geht, bis die Blase platzt. Das Beben rund um den Globus ist dann sicher enorm, da kommt niemand ungeschoren davon. Nicht vergessen: China ist der grösste Gläubiger der USA, da steht über eine Billion $ Schulden von Uncle Sam in den Büchern, die eines Tages fällig sind. Bis heute zahlen die USA nur brav die Zinsen, die Rückzahlungen erfolgen in eher kleinen Raten. Der Yuan ist krass unterbewertet, damit China so viel exportieren kann .Die Chin. Regierung hat echt Schiss vor Revolten, wenn Mio Arbeiter knall auf Fall die Stelle verlieren. Deshalb lieber marode Firmen mit gepumptem Geld versorgen. Das kommt nicht gut.

  • j.p sagt:

    Der „Knall“ wird um so heftiger, je grösser der „Ballon“ . . .

  • Frank Zuffnik sagt:

    Genau. Die finanzieren aus der Staatskasse die ganzen 1 Euro Jober und Aufstocker, damit sie dank solcher Subventionen Exportweltmeister werden. Ah nee, das ist ja Deutschland. Aber warum liest man darueber eigentlich nie etwas? Ist das Besispiel zu nahe?

  • Yves Schneider sagt:

    Nun ich nehme stark an, dass der Finanzmarkt in den nächsten 2 – 4 Jahren zusammen brechen wird. Auf der einen Seite gigantische Staatsschulden weltweit und auf der anderen Seite wird in einem noch nie dagewesenen Tempo die Digitalisierung eingeführt. In Europa rechnet die Autoindustrie mit einem Arbeitsplatzabbau gegen 50%. Banken, Versicherungen und Verwaltungen werden in Massen Arbeitsplätze abbauen und die Arbeit mittels Computer erledigen. Autos die selbständig fahren ersetzen Taxi, ja sogar Bus und Bahnführer.
    Es wird spannend und wenn wir bereit sind für absolute neue Ideen, neue politische Modelle wie das bedingungslose Grundeinkommen, weg von Zeit gegen Geld tauschen, haben wir eine grosse Chance. Es wird spannend.

  • Sacha Maier sagt:

    Ich finde – als im analytischen Denken geschulter Elektroingenieur – es immer interessant, dass Ökonomen die westlichen Konsum-Volkswirtschaften und die innovativ-güterproduzierenden asiatischen Wirtschaftsysteme über einen Kamm scheren; um dann zu völlig falschen Schlüssen und Prognosen zu gelangen. In den westlichen, postindustriellen Konsumwirtschaften geht fast jeder Euro, Franken oder Pfund ziemlich direkt an die multinationalen steueroptimierten Handelskonzerne. Das Geld zirkuliert nicht mehr. Solche Systeme saugen ganze Völker aus – wie im alten Rom. Bei den Produzenten ist die Wertschöpfung positiv und Geld zirkuliert (der Handybauer braucht Schrauben, der Schraubenhersteller Metall und Maschinen, usw.) Daher sind solche Volkswirtschaften viel fehlertoleranter als die westlichen.

  • Ernsto Sciavo sagt:

    In der EU werden marode Staaten künstlich am Leben erhalten. Wo ist der Unterschied?

Kommentar

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