Wer in Bitcoin investiert, braucht Mut zum Risiko

Investoren setzen auf Bitcoin, weil sie Zweifel an der auf spottbilligen Geld basierenden Währungspolitik der Nationalbanken haben. Foto: Thomas Trutschel/Getty Images

Investoren setzen auf Bitcoin, weil sie Zweifel an der auf spottbilligem Geld basierenden Währungspolitik der Nationalbanken haben. Foto: Thomas Trutschel/Getty Images

Die virtuelle Währung Bitcoin ist zum Jahresstart auf mehr als 1100 Dollar gestiegen. Da müsste man doch aufspringen und spekulieren. Glauben Sie, Bitcoin kostet bald 1500 Dollar oder mehr? P. O.

Ehrlicherweise muss ich antworten: Ich weiss es nicht. Die Analyse der Entwicklung der Bitcoin-Notierungen bietet aber einige Argumente für einen weiteren Anstieg. Dafür spricht meines Erachtens die gestiegene Akzeptanz der Kryptowährung. Je mehr sie eine Alternative wird zu dem von den Notenbanken herausgegebenen und kontrollierten Geld, desto mehr könnte auch die Nachfrage nach Bitcoin zunehmen und damit der Preis steigen.

Gerade weil die Zentralbanken keinen direkten Einfluss auf Bitcoin haben, wird es von einigen Investoren geschätzt, welche Zweifel an der auf spotbilligem Geld basierenden Währungspolitik haben, wie sie die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank oder die Bank of Japan seit Jahren praktizieren. Ein grosses Interesse für die virtuelle Währung gibt es offenbar auch in China. Hier könnte eine Motivation darin bestehen, dass man mit Bitcoin die schärfer werdenden Kapitalverkehrskontrollen der Regierung umgehen kann.

Dass die Notenbanken auch in Europa Bitcoin ernst nehmen, zeigt ausserdem die Tatsache, dass die EU Kryptowährungen wie Bitcoin unter die Geldwäschereibestimmungen stellen will. Damit würde auch für Bitcoin-Geschäfte die Regulierung zunehmen, wobei noch unklar ist, wie die regulatorische Überwachung genau umgesetzt wird.

Bevor Sie waghalsig mit Bitcoin spekulieren, sollten Sie sich vor Augen halten, dass die Alternativwährung in den letzten zwölf Monaten bereits stark gestiegen ist und über hundert Prozent zugelegt hat. Bei Wertpapieren ist das in der Regel eher ein Alarmzeichen. Nicht selten kommt es nach einem steilen Anstieg zu einer Korrektur – es sei denn, ein weiter steigender Preis sei aus fundamentalen Gründen gerechtfertigt.

Ob das bei Bitcoin der Fall ist, kann ich zu wenig beurteilen. Jedenfalls halte ich einen sehr schnellen Anstieg auf über 1500 Dollar nicht für realistisch und würde persönlich nicht mit Bitcoin spekulieren. Denn ebenso wie der Bitcoin-Kurs im letzten Jahr gestiegen ist, kann er aufgrund einer möglichen Vertrauenskrise, wie wir das bereits in der Vergangenheit erlebt haben, innert kurzer Zeit wieder crashen. Die Risiken stufe ich deshalb als hoch ein.

Warum die Hypothekenamortisation im Alter oft mehr bringt

Mein Mann, 70, und ich, 63, haben eine Festhypothek mit 200’000 Franken, welche im Frühling abläuft. Nun haben wir von zwei Banken Offerten für Hypotheken mit fünf Jahren zu 1,02 oder 1,05 Prozent Zins oder sieben Jahren zu 1,28 oder 1,2 Prozent Zins. Was raten Sie uns? Mein Mann muss sein Freizügigkeitskonto mit gesamthaft rund 150’000 Franken auflösen. Die Bank schlägt uns nun vor, einen Teil anzulegen. L. A.

Die Ihnen offerierten Konditionen sind gut, zumal die Zinsen in letzter Zeit etwas angezogen haben. Dennoch empfehle ich Ihnen, auf jeden Fall zwei bis drei zusätzliche Konkurrenzofferten einzuholen. Das ist zwar mühsam, doch immerhin geht es für Sie um viel Geld, welches Sie in den nächsten sieben bis zehn Jahren an Zins zahlen.

Wenn Sie pro Jahr etwas einsparen können, fliesst dieses direkt in Ihr persönliches Budget. In diesem Fall würde ich eine zehnjährige Hypothek vorziehen. Dann haben Sie Planungssicherheit. Unabhängig von diesen Offerten empfehle ich Ihnen, sich auch Gedanken über eine Amortisation der Hypothek zu machen.

Da Ihr Mann das Freizügigkeitskonto ohnehin auflösen muss, wäre es unter Umständen sinnvoller, wenn Sie die Hypothek (teil-)amortisieren, zumal Sie mir schreiben, dass Sie auf dieses Geld nicht angewiesen sind. Durch die Amortisation der Hypothek würden Sie einerseits Zinskosten sparen, anderseits Ihre Sicherheit im Alter erhöhen.

Kritisch wäre ich punkto Anlage des Geldes: Natürlich können Sie mehr Rendite erzielen, wenn Sie das zur Auszahlung gelangende Freizügigkeitsgeld investieren, als wenn Sie es einfach auf ein Sparkonto legen. Bei einer Investition gehen Sie aber das Risiko ein, dass Sie Buchverluste erleiden. Selbst wenn Sie eine recht konservative Strategie wählen, haben Sie in der Regel keine volle Kapitalgarantie.

Da Sie auf der anderen Seite noch eine Hypothek haben, finde ich das nicht unproblematisch. Allerdings muss ich Sie auch darauf hinweisen, dass Sie mit steigendem Alter mit grosser Wahrscheinlichkeit keine neue Hypothek mehr erhalten, wenn Sie die bestehende Hypothek amortisiert haben. Kommt hinzu, dass Banken selbst bei bestehenden Hypothekarverträgen mit Rentnern kritischer werden. Ich höre immer wieder von Rentnerinnen und Rentnern, welche von der Bank gezwungen werden, ihre Hypothek zumindest teilweise zu amortisieren, obwohl sie die tiefen Zinsen problemlos zahlen könnten.

Die Banken rechnen mit weit höheren Zinsen und ziehen dann die Tragbarkeit der Hypothek von Rentnern in Zweifel. Sie müssen prüfen, ob Sie ansonsten noch genügend Reserven haben. Wenn das der Fall ist und Sie zusätzlich zum Freizügigkeitsgeld noch Erspartes haben, würde ich persönlich wohl eher die Hypothek (teil-)amortisieren. Denn die so gesparten Zinsen haben Sie auf sicher. Die Erträge auf einem investierten Kapital sind hingegen alles andere als garantiert.

Maximal 100’000 Franken in Cash sind bei Banken geschützt

Ich möchte Sie gerne anfragen, ob die Einlagen bei der Ersparniskasse Affoltern i. E. bis 100’00 Franken geschützt sind. Die Angaben im Internet erscheinen mir unklar. R. D.

Die Ersparniskasse Affoltern im Emmental ist eine kleine, typische Schweizer Regionalbank. Sie fokussiert sich auf das Retailgeschäft, also auf das Geschäft mit Kleinkunden wie Private und KMU. Sie wurde bereits 1873 gegründet und ist heute der RBA-Holding angeschlossen, aber rechtlich weiter selbstständig. Die RBA-Holding ist eine Gemeinschaftsorganisation von 36 in der Schweiz aktiven Regionalbanken.

Ziel der RBA-Gruppe ist es, die Sicherheit der angeschlossenen Banken zu steigern und die Kosten zu senken, indem Synergieeffekte in nachgelagerten Prozessen und in der Infrastruktur genutzt werden. Punkto Sicherheit gilt bei der Ersparniskasse Affoltern i. E. das Gleiche wie bei allen anderen in der Schweiz tätigen Banken: Einlagen bis maximal 100’000 Franken sind pro Kunde – aber nicht etwa pro Konto – konkursprivilegiert.

Bei einem Bankenzusammenbruch können Sie dank dem Konkursprivileg davon ausgehen, dass Sie die 100’000 Franken wieder zurückerhalten. Generell würde ich aber nicht mehr liquide Mittel als maximal 100’000 Franken bei einer einzelnen Bank parkieren.

Falls Sie höhere Cashbestände halten möchten, würde ich den Betrag über 100’000 Franken auf mehrere Banken verteilen. So erhöhen Sie Ihre Sicherheit deutlich. Noch sinnvoller ist es allerdings, wenn Sie gar nicht so viel liquide Mittel halten, sondern den Sparbatzen zumindest teilweise in Wertschriften investieren. Denn damit erreichen Sie in der Regel eine bessere Rendite, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Konto liegen lassen, wo Sie kaum mehr Zins bekommen. Ausserdem sind Wertschriften selbst im Konkursfall der Bank geschützt: Ihre Wertschriften bleiben auch bei einem Bankenzusammenbruch immer in Ihrem Besitz.

1 Kommentar zu «Wer in Bitcoin investiert, braucht Mut zum Risiko»

  • Martin Siegrist sagt:

    Maximal Fr.100’000. geschuetzt? Diesne Spruch habe ich auch schn mal gelesen. Frage mich aber wie das sein kann. Denn wenn eine Bank pleite geht, woher nimmt dann der Staat das Geld um das geschuetzte Geld auszuzahlen? Von einer anderen Bank die dadurch auch pleite geht? oder einer Bannk die nur Giro Geld hat? Ich wuerde dieser „Garantie“ niemals trauen. Lest doch mal Norbert Haerig, Di e Abschaffung des Bareldes und die Forlgen. Quadriga.

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