Hypo-Chance für Rentner

Ungetrübte Freude: Banken weigern sich nicht generell, Hypotheken von Kunden im Pensionsalter zu erneuern. Sie machen aber eine Tragbarkeitsrechnung. Foto: Getty

Ungetrübte Freude: Banken weigern sich nicht generell, Hypotheken von Kunden im Pensionsalter zu erneuern. Sie machen aber eine Tragbarkeitsrechnung. Foto: Getty

Meine Hypothek bei der UBS läuft Ende 2018 aus. Ich bin Rentnerin und habe gehört, dass sich Banken zum Teil weigern, Hypotheken im Alter zu erneuern. Was empfehlen Sie mir? S. G.

Ich kann Sie beruhigen. Es ist nicht so, dass sich Banken generell weigern, Hypotheken von Kunden im Pensionsalter zu erneuern. Das wäre ja auch nicht klug, denn viele Leute im AHV-Alter besitzen wie Sie ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Und die Banken haben ein grosses Interesse, das bei ihnen parkierte Geld sicher und zu guten Konditionen zu investieren. Aber Sie haben recht, dass viele Institute heute viel genauer schauen, mit wem sie eine Hypothek noch erneuern.

Konkret machen die Banken eine neue Tragbarkeitsrechnung für eine Hypothek, sobald man ins AHV-Alter kommt. Das ist nachvollziehbar: Wenn das bisherige Erwerbseinkommen wegfällt, ist man auf die AHV, die Pensionskassenrente und allfällige Zusatzeinnahmen angewiesen. All diese Einkünfte zusammen sind in der Regel aber tiefer als das frühere Einkommen. Entsprechend verschlechtert sich die Tragbarkeit einer Liegenschaft. Zum Teil sind Rentner heute, wo die Zinsen rekordtief sind, zwar noch in der Lage, sie zu tragen. Sollten die Zinsen aber später einmal doch stark ansteigen, würde es für einige schwierig. Darum verwenden die Banken bei ihren Tragbarkeitsberechnungen für AHV-Bezüger schon heute deutlich höhere Zinsen.

In Ihrem Fall habe ich keine Bedenken. Anhand der Zahlen, die Sie mir genannt haben, ist die Hypothekarbelastung Ihrer Liegenschaft vergleichsweise gering. Mit Ihrem Einkommen sind Sie auch künftig in der Lage, die Zinsbelastung zu decken. Selbst bei einer strengeren Tragbarkeitsberechnung sollte das für Sie gut machbar sein. Darum würde es mich wundern, wenn Ihre Bank die 2018 auslaufende Hypothek nicht erneuern würde. Damit Sie gut schlafen können, rate ich Ihnen, sich diesbezüglich bei Ihrer Bank zu erkundigen. Zusätzlich empfehle ich Ihnen, auch von anderen Banken und Versicherungen Offerten für eine Hypothek einzuholen. Dann haben Sie mehrere Optionen, können die Konditionen vergleichen und dann entscheiden. Doch dafür haben Sie noch einige Zeit.

Sie haben das Glück, dass Sie auch im AHV-Alter ein gutes Einkommen haben. Wer das nicht hat, sollte hingegen die Hypothek im Rentenalter möglichst amortisieren. Erstens spart man durch die Amortisation Zinsen und zweitens geht man dann nicht das Risiko ein, dass die Hypothek wegen schlechterer Tragbarkeit nicht mehr erneuert wird. Obwohl Sie finanziell gut gestellt sind, würde ich Ihnen ebenfalls raten – falls Sie die finanziellen Mittel dafür haben –, Ihre Hypothek im Hinblick auf das Vertragsende im Jahr 2018 wenigstens teilweise zu amortisieren. Damit erhöhen Sie Ihre Sicherheit.

 

Sicherheit oder möglichst tiefe Zinsen

Wir haben unser Einfamilienhaus mit zwei ersten Hypotheken belastet. Eine Tranche läuft noch lange, die zweite wird Ende Jahr fällig. Unsere Bank bietet uns eine Libor-Hypothek für 0,9 Prozent an. Sollen wir per 1. Januar 2017 auf eine Libor-Hypothek umsteigen oder eine langfristige Festhypothek abschliessen? N. L.

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, sondern hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Wenn Sie Ihre finanzielle Belastung aus der Hypothek klar budgetieren und keine Überraschungen bei den Zinsen erleben möchten, fahren Sie mit einer lang laufenden Festhypothek derzeit gut. Selbst zehnjährige Festhypotheken sind aktuell zu extrem günstigen Konditionen erhältlich. Noch weniger bezahlen Sie aber mit einer Libor-Hypothek. Hier bezahlen Sie faktisch nur die Marge der Bank, da der Liborsatz, an welchen die Hypothek gekoppelt ist, sogar negativ ist. Einige Institute vergeben aktuell auch Libor-Hypotheken für weniger als die 0,9 Prozent, welche Ihnen Ihre Hausbank bietet.

Ich empfehle Ihnen daher, nicht nur das Angebot Ihrer Hausbank zu prüfen, sondern zusätzlich eine Offerte von zwei weiteren Banken und einer Versicherung einzuholen. Damit haben Sie die Chance, über die Jahre beträchtlich Zinskosten zu sparen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Ihnen Ihre Hausbank noch tiefere Konditionen vorschlägt, sobald Sie merkt, dass Sie Gegenofferten einholen, zumal die Bank auch Ihr Vermögen verwaltet.

Bei der Libor-Hypothek tragen Sie das volle Zinsrisiko. Falls die Zinsen später einmal doch steigen, schlägt dies direkt auf Ihre Finanzierungskosten durch. Allerdings rechne ich damit, dass die Zinsen in Europa und damit auch hier in der Schweiz noch längere Zeit sehr tief bleiben. Eine Garantie haben Sie aber nicht. Sie müssen daher abwägen, ob Ihnen klar abschätzbare Verhältnisse und Sicherheit wichtiger sind oder aber möglichst günstige Zinskonditionen. Bei vielen Banken können Sie die Libor-Hypothek auch später noch in eine Festhypothek umwandeln. Doch dann wahrscheinlich nicht mehr zu gleich tiefen Zinsen.

Wenn Sie sich für die Sicherheit einer Festhypothek entscheiden, sollten Sie bedenken, dass Sie damit während langer Zeit gebunden sind. Falls Sie das Haus entgegen ihrer heutigen Planung während der Laufzeit der Festhypothek einmal verkaufen möchten, könnte sich die Festhypothek unter Umständen als Nachteil erweisen, da eine frühzeitige Ablösung in der Regel nur mit der Zahlung einer teuren Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank möglich ist.

 

Das Vertrauen verspielt

Ich habe noch zwei 3.-Säule-Konten bei der Migrosbank und der BSI. In diesem Jahr muss ich eins von beiden beziehen und nächstes Jahr das nächste. Da ich bei BSI über 100’000 Franken habe und bei der Migrosbank weniger, stellt sich für mich die Frage, welches ich zuerst beziehen soll. Kann ich BSI noch ein Jahr vertrauen? N. D.

Der BSI selbst würde ich nach den skandalösen Vorgängen in der Vergangenheit nicht mehr vertrauen. Laut Einschätzungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) hat das Tessiner Institut «mit Geschäftsbeziehungen und Transaktionen im Umfeld der Korruptionsaffäre des malaysischen Staatsfonds 1MDB schwer gegen die Geldwäschereibestimmungen und das Gewährserfordernis verstossen». Im Fall des malaysischen Staatsfonds hatte die Bank laut Finma offenbar über mehrere Jahre zahlreiche grosse Transaktionen mit undurchsichtigen Zwecken ausgeführt und trotz offensichtlichen Verdachtsmomenten die Hintergründe nicht abgeklärt.

Angesichts der schweren Verfehlungen hat die Finma nicht nur einen Gewinn eingezogen und Verfahren gegen Bankmitarbeiter eröffnet, sondern auch die Übernahme der BSI durch die EFG International nur unter der Bedingung genehmigt, dass die BSI völlig integriert und in der Folge aufgelöst wird. Das war eine ungewöhnlich harte Massnahme. Der Übernahme- und Integrationsprozess ist nun bereits im Gange. Für Sie als Kundin ergeben sich daraus keine direkten Nachteile. Dank der Übernahme durch die EFG kann die Sicherheit des Geldes auch künftig gewährt werden. Das Vertrauen in die BSI ist aber schwer angeschlagen. Entsprechend hat die Bank im ersten Halbjahr 2016 erhebliche Vermögensabflüsse verzeichnen müssen.

Da Sie ohnehin eines ihrer beiden 3.-Säule-Konten auflösen müssen, würde ich angesichts der Vorgänge bei der Tessiner Bank das Geld auf jenem bei der BSI zuerst beziehen. Dank der von der Finma genehmigten Übernahme der BSI durch die EFG ist Ihr 3.-Säule-Geld zwar nicht in Gefahr. Es ist aber so, dass gemäss Gesetz lediglich 100’000 Franken pro Kunde konkursrechtlich privilegiert wären, wenn entgegen den heutigen Informationen und Erwartungen die BSI zusammenbrechen würde. Der Betrag über den 100’000 Franken wäre somit nicht mehr geschützt. Vor diesem Hintergrund würde ich auf Nummer sicher gehen und das 3.-Säule-Konto bei der BSI zuerst beziehen und jenes bei der Migrosbank noch ein weiteres Jahr behalten. Ihr Vertrauen hat die Tessiner Bank ohnehin nicht mehr verdient.

3 Kommentare zu «Hypo-Chance für Rentner»

  • Wolfgang sagt:

    Wie kann man im AHV-Alter seine Hypothek amortisieren, wenn man zu wenig
    Hohes Einkommen hat und die Gefahr besteht, dass die Bank die Hypothek nicht verlängert.
    Das ganze sollte wenn schon vor dem AHV-Alter passieren.

  • Hans-Guenter Titze sagt:

    Es stellt sich wohl eher die Frage, warum die Politik sich dieses Thema nicht annimmt bzw. annehmen will? Eine Bank ist dafuer da, dass sie Kredite zu vergeben hat. Ansonsten wird von der Allgemeinheit keine Bank benoetigt. Wenn ich heute, komplett aus der Welt liegende Zinssaetze zugrunde lege, dann hat dies fuer mich nichts mehr damit zu tun. Die Finma, die diesen Schwachsinn vorschreibt, muss sich nicht wundern, das es in Zukunft eine drastischen Zuwachs von Schattenkrediten geben wird. Und die Banken warden sich nicht wundern muessen, das Ihnen dutzende von Milliarden an Vermoegen und hypotheken verloren gehen. Die Gefahr, vorallem fuer die sogenannten staatsgarantierten Kantonalbanken,werden sich massiv erhoehen. Dumm fuer die Fuerze der Politiker bzw, Steuererhoehung voraus

  • Dominique Ackermann sagt:

    Damit die Tragbarkeit nach der Pensionierung gewährleistet ist, lohnt sich eine frühzeitige Planung der Finanzierung (neue oder bestehende Hypotheken). In der Regel sollte ab Alter 50 die Finanzierung in Bezug auf die Tragbarkeit überprüft und wenn notwendig angepasst werden. Selbstverständlich basiert eine heutige Tragbarkeitsberechnung ab Pensionierung auf mehr oder weniger genauen Annahmen (Basis sind die heutige AHV-Rentenregelung und die Pensionskassenrente gemäss aktuellem PK-Ausweis). Trotzdem ist ersichtlich ob auch eine 1. Hypothek mit dem Gesamt-Renteneinkommen tragbar ist oder nicht. Wenn nicht, müssen bis zur Pensionierung entsprechende Amortisationen geleistet werden. Dank des Erwerbseinkommen sind diese Amortisationen oft tragbar. Jetzt planen = zukünftig keine Probleme!

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