Verzichten Sie auf Privatkredite!

Horrende Kosten: Bis 10 Prozent Zins müssen für einen Privatkredit gezahlt werden. Foto: Getty Images

Horrende Kosten: Bis 10 Prozent Zins müssen für einen Privatkredit gezahlt werden. Foto: Getty Images

Nach der Scheidung von meinem Mann muss ich mit wenig Geld auskommen. Weil ich nicht alles zahlen kann, wollte ich zur Überbrückung einen Privatkredit aufnehmen. Ich habe mehrere Banken angefragt. Überall erhielt ich eine Absage. Woran kann das liegen? B. K.

Offenbar zweifeln die von Ihnen angefragten Banken daran, dass Sie den gewünschten Kredit und die damit verbundenen Zinsen tragen können. Da ich Ihre finanzielle Situation nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob diese Zweifel gerechtfertigt sind. Erstaunlich ist die Tatsache, dass Sie gleich von mehreren Banken eine Absage erhielten, zumal der Konkurrenzkampf unter den Privatkreditinstituten sehr intensiv läuft und die Finanzfirmen an solchen Kreditverträgen sehr viel verdienen.

Ich befürchte daher, dass Sie einen negativen Eintrag im Register der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) haben. Hier werden Bonitätsinformationen und insbesondere Negativentscheide bei Kreditanträgen während zweier Jahre gespeichert. Möglicherweise haben Sie früher schon einmal einen Kredit beantragt, der allenfalls abgelehnt wurde. Oder Sie hatten einen Kredit und einmal die fälligen Zinsen nicht rechtzeitig bezahlt. Auch dies wird in das Register aufgenommen. Möglicherweise haben Sie auch einen Eintrag im Betreibungsregister. Diese Faktoren zusammen dürften dazu geführt haben, dass Ihr Kreditbegehren gleich von mehreren Instituten negativ beurteilt wurde und Ihre Bonität angezweifelt wird.

Bei der Abklärung von Kreditanträgen nutzen alle Banken die gleichen Quellen, was erklärt, dass Sie trotz Konkurrenzkampf nicht von einer Bank einen Vorschlag bekamen. Vielleicht hat für Sie dieser negative Kreditentscheid einen Vorteil: Ich empfehle Ihnen, auf Kredite zu verzichten. Da Sie mir schreiben, dass es für Sie ohnehin schon finanziell eng ist, sollten Sie nicht noch zusätzliche Verpflichtungen mit hohen Zinsen eingehen. Solche Kredite sind teuer: Trotz Negativzinsen der Nationalbank verlangen Banken für ein Darlehen von 20’000 Franken locker 9,9 Prozent Zins.

Früher war es noch höher. Doch seit dem 1. Juli 2016 ist der Höchstzinssatz für Konsumkredite auf 10 Prozent beschränkt und jener bei Kreditkartenüberzügen auf 12 Prozent. Wenn Sie bedenken, dass Sie auf dem Sparkonto praktisch nichts mehr bekommen, sind diese Zinsen dennoch horrend. Auch wenn es unangenehm ist, wenn Sie nicht mehr alle Rechnungen bezahlen können, ist es sinnvoller, wenn Sie mit den Gläubigern das Gespräch suchen und einen Abzahlungsplan vereinbaren.

Falls Sie überfordert sind, lohnt es sich, wenn Sie eine Schuldenberatung in Anspruch nehmen. Hier hilft man Ihnen, ein Budget zu erstellen und einen realistischen Plan auszuarbeiten, wie Sie Ihre Finanzen ohne Kredite auf eine solide Basis stellen.

Frühpensionierung: Krankenkasse informieren

Ich bin 63 und werde mich in zwei Monaten frühpensionieren lassen. Was hat das für Folgen bei der Unfallversicherung? U. J.

Solange Sie im Arbeitsverhältnis sind, werden Sie obligatorisch von Ihrem Arbeitgeber gegen die Folgen eines Unfalls versichert. Diese Versicherungsdeckung läuft mit Ihrer Frühpensionierung aus. Immerhin sind Sie noch während 30 Tagen nach Ihrem Austritt aus der Firma im Rahmen der obligatorischen Unfallversicherung durch die Police Ihres Arbeitgebers gedeckt. Danach aber wären Sie nicht mehr versichert.

Darum rate ich Ihnen, unbedingt noch vor der Frühpensionierung mit Ihrer Krankenkasse Kontakt aufzunehmen. Da Sie ja in einem Arbeitsverhältnis waren, hatten Sie die Unfalldeckung bei Ihrer Krankenkasse ausgeschlossen und deshalb etwas weniger Prämie bezahlt. Mit der neuen Situation der Frühpensionierung müssen Sie die Deckung der Folgen eines Unfalls bei Ihrer Krankenkasse aber unbedingt wieder einschliessen.

Lassen Sie sich von Ihrer Kasse beraten. Auf keinen Fall sollten Sie aber zu lange warten. Denn sollte Ihnen nach Ablauf der Deckung durch Ihren Arbeitgeber etwas zustossen und Sie haben die Anpassung der Unfalldeckung bei Ihrer Krankenkasse noch nicht vorgenommen, kann es für Sie teuer kommen.

Billige Hypothek vom Arbeitgeber

Unsere Hypothek über 500’000 Franken läuft noch bis August 2018 mit 3 Prozent Verzinsung. Über meinen Arbeitgeber könnten wir eine zehnjährige Hypothek mit nur 0,7 Prozent Hypozins abschliessen. Ist es sinnvoll, uns bei der bisherigen Bank auszukaufen und bei meinem Arbeitgeber die Hypothek abzuschliessen? A. H.

Natürlich wäre es für Sie sinnvoll, wenn Sie Ihre Hypothek statt bei Ihrer bisherigen Hausbank bei Ihrem neuen Arbeitgeber abschliessen könnten. Die Konditionen für eine zehnjährige Hypothek sind mit einem Zins von 0,7 Prozent attraktiv. Allerdings kann es auch Nachteile haben, eine Hypothek beim Arbeitgeber zu haben: Was passiert mit dem Kredit, wenn Sie entgegen den Erwartungen an der neuen Arbeitsstelle nicht glücklich werden und es zu einem Wechsel kommt?

Dieser Fall ist zwar in der Regel im Rahmen der Hypothekenverträge von Arbeitgebern definiert und ein Kredit kann üblicherweise weitergeführt werden, selbst wenn jemand den Arbeitgeber wechselt. Zu prüfen wäre aber, ob die Vorzugskonditionen beim Hypozins auch bei einem Austritt noch gelten und wie die Kündigungsfristen für den Kredit festgelegt sind. Solche Aspekte gilt es abzuklären.

Dessen ungeachtet, wäre für Sie ein Hypothekenwechsel zu Ihrem Arbeitgeber vorteilhaft. Allerdings sind Sie durch die Festhypothek bis 2018 gebunden. Ihre Bank wird Ihnen kaum entgegenkommen. Denn für sie ist der Zins von 3 Prozent ein gutes Geschäft. Eine vorzeitige Kündigung der Festhypothek wäre an sich möglich. Doch das wird teuer. Denn die Bank wird dann nicht nur Gebühren für ihre Umtriebe in Rechnung stellen, sondern vor allem auch eine Vorfälligkeitsentschädigung. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Zins ab, den die Bank erhält, wenn sie den zurückgezahlten Kreditbetrag während der Dauer der restlichen Laufzeit am Geld- oder Kapitalmarkt investiert.

Sie können sich von Ihrer Bank die Ausstiegskosten konkret berechnen lassen. Zwar sparen Sie mit der neuen Hypothek beim Arbeitgeber Zinskosten. Die Vorfälligkeitsentschädigung bei Ihrer bisherigen Bank macht diese Ersparnis aber nicht nur zunichte, sondern kostet unter dem Strich mehr, als Sie einsparen würden. Unter dem Strich dürfte für Sie die Rechnung nicht aufgehen.

4 Kommentare zu «Verzichten Sie auf Privatkredite!»

  • Josef Marti sagt:

    Das Dümmste was man machen kann ist irgendwelche Lebensversicherung mit Einmalprämie abschliessen und gleichzeitig einen Privatkredit zu 9%. Die Wuchergrenze war früher bei 15%. Da bei solchen Krediten keine Sicherheiten bestehen (ausser der unsichere jederzeit kündbare Arbeitsplatz) ist der Risikoaufschlag entsprechend hoch, anders beim Leasing, da dort der Kreditgeber zivilrechtlicher Eigentümer des Kreditobjektes ist. Im Gegensatz zum Leasing kann der Kreditzins steuerlich abgezogen werden, was jedoch nicht wirklich viel ausmacht. Leasing ist für Selbständige zu empfehlen, da tiefer Zins und steuerliche Abzugsfähigkeit der Raten als Geschäftsaufwand, damit zieht man auch den Abschreibungs- resp. Amortisationsanteil ab und nicht nur den Zinsanteil.

  • hans ulrich schwyzer sagt:

    herr spieler, danke. mich dünkt, wucherzinsen werden mittlerweile nicht mehr hinterfragt. immerhin hat der BR der totalen abzocke eine grenze gesetzt und das maximum auf 10% (kein wunder geben alle banken KK aus!) festgelegt. können Sie mir evtl kurz erklären, inwiefern es richtig sein soll, dass einem die banken derart aussaugen dürfen? klar, von moral spricht seit der tulpenkrise niemand mehr, aber ist es nicht zutiefst unlogisch dass zentralbanken geld zum nulltarif herausgeben, sogar minuszinsen verlangen für ängstliche banken die das geld bei der SNB parken, die absicht dahinter die kreditvergabe/konsumankurbelung ist, die banken aber 10% für kredite verlangen? ist das eigentlich nicht dumm? kein wunder geht es den banken schlecht. sogar Sie empfehlen keine kredite aufzunehmen!

    • Christoph Bögli sagt:

      Privatkredite, also Konsumkredite, sind eigentlich unabhängig von der genauen Zinshöhe oder irgendwelcher Moral nicht zu empfehlen. Ganz einfach, weil diese für kurzfristigen, temporären (Pseudo-)Nutzen langfristige Kosten und Restriktionen aufbürden. Weshalb auch kein vernünftiger Mensch in finanziell stabiler Situation solche Privatkredite nutzt.

      Was im Umkehrschluss bedeutet, dass diese eigentlich nur an Leute mit prekären Finanzen gehen, die auf einem Niveau konsumieren, das sie sich nicht leisten können. Da man also primär im Grenzbereich der Kreditwürdigkeit operiert, sind die Ausfallrisiken bei solchen Krediten enorm, was die Banken wiederum grosszügig einpreisen. Denn diese wissen genau, dass welche Klientel sie da noch rasch vor dem Privatbankrott auspressen.

    • Josef Marti sagt:

      Der risikolose Zinssatz betrug im Jahre 2000 noch ca. 4%, jetzt beträgt er unter 1%. Dass bei Konsumkrediten mangels Sicherheiten die höchsten Risikoaufschläge bestehen liegt ja wohl auf der Hand. Danach kommen gleich Kredite an KMU die auch stark risikobehaftet sind. Konzerne dagegen können sich billig zu 1-2% am Kapitalmarkt finanzieren da sie selbst Anleihen emittieren. Am billigsten sind Kredite an Spekulanten, da diese idR erstklassige Sicherheiten (Blue Chips usw.) haben.

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