Nationalbank könnte hinter CS-Sinneswandel stehen

ZU DEN NEUESTEN MELDUNGEN DER CREDIT SUISSE STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH 23. MAERZ 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Das Credit Suisse Gebaeude, aufgenommen am Mittwoch, 10. Februar 2016 in Zuerich Oerlikon. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

CS: Die Grossbank strebt 2016 Kosteneinsparungen von 1,7 Milliarden Franken an. Foto: Ennio Leanza/Keystone

Die Credit Suisse richtete am Mittwoch mit der grossen Kelle an: Die im Spätherbst bekannt gegebenen Kosteneinsparmassnahmen sollen nicht nur beschleunigt, sondern auch noch intensiviert werden. Al­leine in diesem Jahr strebt die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken Einsparungen im Umfang von 1,7 Milliarden Franken an. Darüber hinaus wird das kapital­intensive Investmentbanking einer Gesundschrumpfung unterzogen. «Wieso nicht gleich so?», tönt es mir gegenüber in Analystenkreisen. Schliesslich lässt sich mit der vorwärtsgerichteten Wachstumsstrategie, wie sie CS-Chef Ti­djane Thiam Ende Oktober vorstellte, in diesem schwierigen Marktumfeld nichts erzwingen. Das scheint die (Banken-)Welt schon vor Monaten kapiert zu haben. Endlich ist man auch bei der Credit Suisse zu dieser Einsicht gekommen. Ob das auf Druck bedeutender Aktionäre oder sogar auf Begehren der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geschehen ist, darüber lässt sich bloss spekulieren. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass die Währungshüter ihre Finger im Spiel hätten. Schon im Juni 2012 verpasste die SNB der Grossbank einen kräftigen Schuss vor den Bug, als sie ihr nahelegte, «so schnell wie möglich einen ausreichenden Puffer an verlust­tragendem Kapital aufzubauen». Die CS reagierte damals umgehend und stärkte ihre Eigenkapitalbasis um atemberaubende 15 Milliarden Franken. Was den Zahlenkranz für die ersten drei Monate betrifft, so müssen sich die Aktionäre noch bis zum 10. Mai in Geduld üben. Spätestens nach vergangenem Mittwoch scheint klar, dass ein weiterer Quartalsverlust wohl unumgänglich ist. Aktie ­weiterhin meiden

Firmengründer bleiben standhaft

In den letzten Tagen rückte erstmals Actelion wieder ins Zentrum von Spekulationen. Das Biotechnologieunternehmen aus Allschwil BL soll von einem grossen ausländischen Pharmahersteller übernommen werden; so tönt es aus London. Allerdings haben die Gäste die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Am Firmengründer Jean-Paul Clozel und seiner Frau haben sich schon Branchengrössen wie Amgen oder Shire die Zähne ausgebissen. Eines muss man dem Ehepaar Clozel jedenfalls lassen: Vom schnellen Geld lassen sie sich nicht (ver-)leiten. Der Erfolg mit den beiden Nachfolgemedikamenten für den vom Patentablauf bedrohten Hauptumsatzträger Tracleer scheint ihnen recht zu geben. Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es für das Unternehmen ein Leben nach Tracleer. Aktie bleibt auf lange Sicht attraktiv

52 Millionen Franken verbrannt

Der Solarzulieferer Meyer Burger, einst ein Börsenüberflieger, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Am Dienstag stellte das Unternehmen einen eher fragwürdigen Rekord auf: Zum zehnten Mal in Folge schrieb es vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) einen Jahresverlust. Im operativen Geschäft verbrannte Meyer Burger im vergangenen Jahr 52 Millionen Franken – fast doppelt so viel wie von Analysten erwartet. Ende Dezember blieben dem Unternehmen noch Barmittel im Umfang von 102 Millionen Franken. Das reicht vermutlich nicht aus, um die Auftragsflaute aussitzen zu können. Die Angst vor einer weiteren für die Anteilseigner schmerzhaften Kapitalerhöhung bescherte der Aktie alleine am Tag der Ergebnisveröffentlichung prozentual zweistel­lige Kursverluste. Ob Grossaktionäre wie Generation Investment des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore oder der Hedgefonds Platinum International der Barmittelverbrennung noch lange untätig zuschauen werden, ist fraglich. Aktie ist höchst riskant

Hedgefonds brauchen langen Atem

Nach mehrwöchigen Verhandlungen erhielt EFG International kürzlich den Zuschlag für die Über­nahme der nahezu gleich grossen Banca della Svizzera Italiana (BSI). Einen nicht unbeträchtlichen Teil des Kaufpreises von 1,3 Milliarden Franken will der Vermögensverwalter aus Zürich mittels einer Kapitalerhöhung aufnehmen. Dieses Vorhaben ruft nun ausländische Hedgefonds auf den Plan: Mittels Leerverkäufen wird versucht, einen möglichst tiefen Bezugspreis für die neuen Aktien zu erzwingen. Allerdings benötigen diese dem schnellen Geld nicht abgeneigten Marktakteure einen langen Atem, befinden die Aktionäre doch erst an der ordentlichen Generalversammlung vom 29. April über die Kapitalbeschaffung. Schon heute gilt als sicher, dass die Integration der BSI kein Spaziergang wird. Dennoch sollte sich die Situation bei EFG International im Zuge der Bezugsrechtsemission von Anfang Mai entspannen. Mutigen Anlegern winken dann womöglich sogar kurzfris­tige Kursgewinne. Aktie bei Kursschwächen kaufen

Wehmut bei alten Besitzern

Die Aktie von GAM gilt als Rendite­perle. In den letzten Jahren fand ein dreistelliger Millionenbetrag über Dividenden und Aktienrückkäufe zurück zu den Aktionären. Bei Julius Bär, dem ehemaligen Mutterhaus, dürfte man sich wehmütig die alten Tage zurückwünschen, als die üppigen Gewinne des Fondsanbieters noch in die eigene Kasse flossen. Ganz so wolkenlos ist der Himmel über GAM allerdings nicht. Wie Fondsstatistiken verraten, haben Kunden in den ersten zwei Monaten dieses Jahres Gelder abgezogen. Das gilt insbesondere für den zuvor beliebten Absolute Return Bond Fund. Für gewöhnlich schlagen Fluktuationen bei den verwalteten Vermögen mit Verzögerung auf die Erfolgsrechnung durch. Sollte sich der beobachtete Abfluss fortsetzen, werden die Analysten ihre diesjährigen Gewinnschätzungen mit dem Rotstift überarbeiten müssen. Und wer weiss: Vielleicht muss der eine oder andere von ihnen ja sogar bei seinen Dividendenerwartungen über die Bücher. Mit dem Kauf der Aktie zuwarten