Wenn Gauner Kunden vor Sicherheitslücken warnen

Im Visier: Vorsicht, wenn Beute lockt, wird mit allen Tricks gearbeitet. Foto: Getty

Im Visier: Vorsicht, wenn Beute lockt, wird mit allen Tricks gearbeitet. Foto: Getty

Sie haben kürzlich auf die Gefahr von Internetbetrügern hingewiesen. Heute habe ich ein Mail erhalten: Angeblich von der Sicherheitsabteilung der ZKB, bei der ich vor kurzem ein Konto eröffnet habe. Es sieht so aus, dass die Zürcher Kantonalbank besonders im Visier der Betrüger ist. Stimmt eventuell etwas mit der ZKB nicht? D.B.

Es ist für mich offensichtlich, dass die Ihnen zugestellte E-Mail von Internetbetrügern stammt und sicher nicht von der ZKB. Eine Bank – egal welche – würde Ihnen nie eine solche E-Mail zustellen, sondern Sie schriftlich und damit auch mit allen überprüfbaren Daten informieren. Eindeutig als Werk von Betrügern entlarvt wird die Nachricht auch durch die Tatsache, dass der Absender nicht eine ZKB-Adresse hat, sondern offenbar eine Adresse aus Rumänien und der Text verschiedene Rechtschreibfehler enthält. Auch dies sind oft typische Merkmale von Betrugs-E-Mails.

Ganz wichtig ist, dass Sie den angegebenen Link auf keinen Fall anklicken. Denn Sie müssen damit rechnen, dass sonst automatisch eine Software auf Ihren Computer geladen wird, die beispielsweise in der Lage ist, Ihre Eingaben zu überwachen, und damit versucht wird, einen Zugriff auf Ihre Passwörter usw. zu erschleichen. Gerade zynisch ist der Hinweis in der Betrüger-Mail, dass Sie diese Software unbedingt herunterladen müssen, um Ihre Sicherheit zu gewährleisten, und dass Sie später von einem Mitarbeiter telefonisch für einen Demotest kontaktiert würden. Auch dies zeigt die betrügerischen Absichten: In solchen Demotests werden die ahnungslosen Kunden meist aufgefordert, zu Testzwecken Passwörter einzugeben. Damit verschaffen sich die Gauner dann definitiv Zugang zu den Konti der Kunden und räumen diese. Beachten Sie auch, dass eine Bank Sie auch nie telefonisch für solche Testdemos kontaktieren würde. Das machen nur Betrüger.  

Ich empfehle Ihnen, diesen Betrugsversuch unbedingt rasch der Zürcher Kantonalbank zu melden. Es ist allerdings nicht so, dass diese Bank speziell im Visier von Betrügern wäre. Gleiche Probleme haben alle Banken. Die Schwachstellen sind in der Regel allerdings nicht etwa die Banken, da diese ihre Systeme mittels grosser Investitionen immer sicherer machen, sondern die Kunden selbst. Deshalb versuchen die Betrüger mittels Tricks, direkt Zugang zu den Computern und Smartphones der Kunden zu erschleichen.

Ich rate Ihnen im Umgang mit persönlichen Daten und Passwörtern zu grösster Zurückhaltung und Vorsicht und bei Unsicherheit, lieber direkt den Ihnen bekannten Kundenberater Ihrer Bank zu kontaktieren. Ihr Beispiel zeigt, dass Internetbetrüger vor keinen Tricks zurückschrecken, um unrechtmässig Geld von Sparern und Kleinanlegern zu ergaunern.

 

Vorsicht bei angeblichem Kapitalschutz

Meine Frau und ich haben bei der Raiffeisenbank das Notenstein-Produkt Floored Floater mit Referenzanleihen-Basket Valor 26280818 im Wert von 20’000 Franken gekauft. Inzwischen ist der Wert um 20 Prozent eingebrochen. Sollen wir das Produkt mit Verlust abstossen?  D.V.

Dieses strukturierte Produkt bietet einen Minimum-Coupon von 1,2 Prozent mit Basiswert 3-Monats-Libor-Zinssatz auf dem Schweizer Franken und ist an einen Anleihen-Korb gekoppelt. Genau Letzteres ist das Problem. Wahrscheinlich haben Sie sich vom Wort Kapitalschutz in der Produktebeschreibung blenden lassen. Das Vehikel wirbt mit «100 Prozent bedingtem Kapitalschutz». Als normaler Anleger denkt man vielleicht, dass das Kapital damit hundertprozentig geschützt ist. Doch dies ist ein Irrtum. Der Begriff «bedingter Kapitalschutz» relativiert diese Absicherung. In der Beschreibung heisst es, dass eine Rückzahlung zum Nennwert von 100 Prozent geboten wird – «sichergestellt durch die Notenstein-Privatbank und abhängig vom Referenzanleihen-Basket, bestehend aus Dexia, Noble Group, Barrick Gold, Enbridge, Western Union».

Sie sind also zwei Risiken ausgesetzt: Dem Emittentenrisiko im Fall von Notenstein und dem Anleihen-Korb. Das Emittentenrisiko stufe ich als gering ein, da die Bank zur Raiffeisengruppe gehört. Nicht gering ist indes das Risiko auf den Anleihen. Zwar wird mit dem Korb eine Diversifikation erreicht. Wenn es aber bei einer der im Basket enthaltenen Anleihen zu einem Kreditausfall kommt – also die Firma in Schieflage gerät und die Schuld nicht oder nur teilweise zurückzahlt – ist der Kapitalschutz nicht mehr zu 100 Prozent gewährt. Der angepriesene Kapitalschutz von 100 Prozent ist also nur gegeben, wenn es bei keiner der Anleihen zu einem Kreditausfall kommt.

Das Problem bei Ihrem Produkt ist, dass keine der Firmen, welche im Anleihen-Basket vertreten sind, ein Top-Rating aufweist. Bei der Ratingagentur Moody’s sind alle nur im B-Bereich eingestuft. Also nicht allererste Kreditqualität.  Ob sich der Kurs Ihres Produktes wieder erholen wird, kann ich nicht beurteilen. Die Frage stellt sich, wie hoch Ihre persönliche Risikofähigkeit ist.

Auf jeden Fall müssen Sie sich bewusst sein, dass Ihr Geld nicht hundertprozentig geschützt ist. Wenn Sie höchste Sicherheit wünschen, stufe ich dieses Anlagevehikel nicht als sinnvoll ein. In diesem Fall würde ich mich von dem Instrument trennen. Falls Sie ursprünglich gegenüber der Bank erklärt hatten, dass Sie höchste Sicherheit für Ihr Kapital wünschen, würde ich gleichzeitig mit dem Bankberater, der Ihnen das Produkt verkauft hat, ein klares Wort sprechen. Dieses strukturierte Produkt bietet meines Erachtens nicht höchste Sicherheit, da der Kapitalschutz zu 100 Prozent nur bedingt gewährt ist.

 

Krise in Schwellenländern längst nicht ausgestanden

Ich halte Anteile am CS (Lux) Emerging Market Corporate Bond Fund, Valor 13506689. Ich frage mich, ob die im Fonds enthaltenen Unternehmen ihre Schulden noch zurückzahlen können. Wie ist Ihre Meinung? R.K.

Der Fonds investiert hauptsächlich in Unternehmensanleihen von Schuldnern in Schwellenländern sowie in US-Dollar herausgegebenen Papieren von staatlichen Schuldnern in aufstrebenden Staaten. Ziel ist es, eine höhere Rendite zu erzielen, als wenn Sie in Unternehmensobligationen in den USA oder Europa anlegen. Dies ist in der Vergangenheit mehrheitlich gelungen.

Die Krise in den Schwellenländern hinterlässt in dem Fonds nun aber tiefe Spuren. Das ist nicht verwunderlich, zumal der Fonds stark in Russland, China, Mexiko, Indien und Brasilien investiert. An sich sind dies aus meiner Sicht interessante Länder: Vor allem in China, Indien und Russland sehe ich langfristig riesiges Potenzial. Diese Länder werden vom weiteren wirtschaftlichen Aufstieg Asiens langfristig profitieren, zumal drei Viertel von Russland auch zu Asien gehören. Kurzfristig bin ich für diesen Fonds, der mit einer Gesamtkostenkennziffer von 1,39 Prozent zu Buche schlägt, aber pessimistisch. Und zwar nicht etwa wegen der direkten Währungsrisiken: Diese sind zum US-Dollar abgesichert. Vielmehr wegen indirekter Währungsgefahren und des wirtschaftlichen Abschwungs in einigen Schwellenländern. Wenn China die eigene Währung weiter abwertet, der russische Rubel auf Rekordtiefs verharrt und der brasilianische Real noch mehr an Boden verliert, bringt das die lokalen Schuldner in Bedrängnis.

Derzeit haben die im Fonds enthaltenen Schuldner ein BB- oder BBB-Rating. Ich zweifle aber, dass alle Schuldner aufgrund der schweren Krise in Brasilien oder Russland ihre Verpflichtungen wirklich voll erfüllen können. Rund 27 Prozent der im Fonds investierten Schuldner kommen aus dem Finanzsektor. Dieser leidet schwer unter den momentanen Marktverwerfungen. Noch mehr Sorgen würde mir aber machen, dass 14 Prozent der im Fonds enthaltenen Schuldner aus der Öl- und Gasindustrie kommen. Gerade in diesem Sektor rechne ich wegen des tiefen Ölpreises mit einigen Konkursen. Angesichts dieser erhöhten Risiken würde ich diesen Fonds als Privatanleger nicht halten.