Breite Diversifikation schützt nicht vor Crash

Klumpenrisiko: Böse Überraschungen kann es geben, wenn man auf eine einzige Anlagestrategie setzt. Foto: Getty

Klumpenrisiko: Böse Überraschungen kann es geben, wenn man auf eine einzige Anlagestrategie setzt. Foto: Getty

Ich habe rund 70 Prozent meines Vermögens in ein UBS-Vermögensverwaltungsmandat CH/CHF/Rendite angelegt. Beurteilen Sie das als Klumpenrisiko, und wie sehen Sie das weitere Entwicklungspotenzial dieser Anlage? K.W.

Der Vorteil des UBS-Vermögensverwaltungsmandates Schweiz liegt in der breiten Diversifikation. Vermögen ab 250’000 Franken werden im Sinne der Portfolio-Theorie diversifiziert nach verschiedenen Anlageklassen und Märkten mittels Anlagefonds investiert, hauptsächlich in aktiv gemanagte, dafür teurere Fonds. Nur bis zu 15 Prozent des Kapitals fliesst in kostengünstigere passive Fonds. Ein Pluspunkt des Mandates ist auch eine Absicherung der Währungen zum Franken. Für all diese Vorteile bezahlen Sie bei der von Ihnen gewählten Strategie eine Pauschalgebühr zwischen 1,2 und 1,6 Prozent, was von Ihrer Gesamtrendite abgeht.

Wie Ihnen die aktuellen Marktturbulenzen gezeigt haben, schützt allerdings selbst die gute Diversifikation nicht vor Buchverlusten. Die von Ihnen gewählte Strategie «Rendite» sieht einen Aktienanteil zwischen 10 und 40 Prozent vor. Damit haben Sie in guten Börsenphasen deutlich mehr Renditemöglichkeiten. Wenn es an den Märkten wie seit Jahresbeginn abwärts geht, leiden Sie aber erheblich unter Rückschlägen. Etwas geringer wären die Rückschläge, wenn Sie die Strategie «Einkommen» mit höchstens 25 Prozent Aktienanteil oder die Strategie «Festverzinsliche» mit null Aktien gewählt hätten. Doch selbst da haben Sie keine Garantie gegen Buchverluste. Ohnehin sollten Sie sich nicht von kurzfristigen Marktverwerfungen leiten lassen. Wichtiger ist es, dass Sie eine langfristige Strategie verfolgen.

Leider rechne ich nicht damit, dass sich die Märkte schnell wieder beruhigen. Vielmehr erwarte ich, dass wir auch in den kommenden Monaten Achterbahnfahrten an den Börsen erleben werden. Die Abschwächung der Weltkonjunktur, die China-Krise, der tiefe Ölpreis, rückläufige Investitionen der Energieproduzenten, die Rezession in mehreren Schwellenländern, der starke Franken und eine Vielzahl von geopolitischen Risiken führten zu einer tiefen Verunsicherung bei den Investoren. Selbst bei der US-Wirtschaft gibt es erste Zweifel: Noch ist nicht klar, ob der Wirtschaftsaufschwung in den USA wirklich so robust ist, wie man bislang aufgrund der positiven Arbeitsmarktdaten annehmen konnte. Falls die US-Konjunktur nicht stärker anzieht, wäre die Zinswende der US-Notenbank allenfalls zu früh erfolgt. Auch dies wäre ein weiterer Bremsfaktor für die Weltwirtschaft und damit auch für die Schweizer Exportindustrie.

Gegen eine schnelle Erholung der Börsenkurse spricht auch die Krise bei den europäischen Banken. Deren Ertragslage hat sich deutlich verschlechtert. Zusammen mit erhöhten Kreditausfallrisiken führt dies für den gesamten Finanzsektor zu einem wenig verheissungsvollen Ausblick. Die von der UBS im Rahmen des Vermögensverwaltungsmandates gewählte Strategie verspricht zwar eine gute Diversifikation und auf mehrere Jahre hinaus eine höhere Rendite. Dennoch sind Sie ein gewisses Klumpenrisiko eingegangen, indem Sie den Grossteil Ihres Vermögens auf eine einzelne Anlagestrategie bzw. ein Vermögensverwaltungsprodukt gesetzt haben. Wenn sich dieses schlechter als der Markt entwickelt, hätten Sie einen Nachteil.

Auch wenn es an den Börsen mal abwärts geht, sollte man nicht gleich alles hinschmeissen und alle Wertschriften verkaufen. Das bringt meist nichts. Die Kursrückschläge könnten allerdings ein Anlass sein, um die gewählte Strategie zu überprüfen. Falls Sie nämlich feststellen, dass Sie trotz langfristiger Ausrichtung nicht in der Lage sind, stärkere Kursschwankungen zu verkraften, müssten Sie allenfalls doch auf eine konservativere Strategie setzen, zumal die Märkte turbulent bleiben dürften.

 

Den Hypozins sparen

Ich bin 68, verheiratet, Frau auch pensioniert. Ich habe zwei Freizügigkeitskonten auf zwei verschiedenen Banken. Mir ist bewusst, dass diese Konten bis 70 aufgelöst werden müssen. Ich möchte das Geld konservativ anlegen und die Resthypothek mit diesem Geld abzahlen. Was halten Sie von dieser Idee? Welche Möglichkeiten für die Anlage des Gelds wären sinnvoll? Z.A.

Da Sie mir schreiben, dass Sie Ihr Geld gerne konservativ anlegen möchten, empfehle ich Ihnen, mit diesem Betrag in einem ersten Schritt die noch bestehende Hypothek abzuzahlen. Ich gehe zwar davon aus, dass Sie für die Hypothek keinen hohen Zins zahlen. Doch selbst, wenn Sie nur 1 Prozent Hypozins zahlen müssten, ist dies bereits mehr, als Sie derzeit mit sehr sicheren Obligationen in Schweizerfranken erwirtschaften können. Die Rendite der Eidgenossen – der Bundesobligationen – ist gar negativ. Und die Aargauische Kantonalbank gibt beispielsweise eine Anleihe mit 0 Prozent Zins heraus.

Wenn Sie also die Hypothek amortisieren, fahren Sie aus meiner Sicht besser und gehen keine Risiken ein. Im Gegenteil: Sie erhöhen für sich selbst die Sicherheit. Ohnehin bin ich der Meinung, dass man auf das Alter hin Schulden, zu denen gehören auch Hypotheken, möglichst abbauen sollte. Etwas schwieriger ist die Frage, was Sie mit dem Rest des Kapitals machen. Ich kann Ihnen im Rahmen unserer Leserdienstleistung nicht einen fertigen Anlagevorschlag machen. Das wäre unseriös. Vielmehr rate ich Ihnen, bei zwei bis drei Banken und einer Versicherung je einen Vorschlag für die Anlage einzuholen. Aufgrund dieser Vorschläge können Sie dann selbst entscheiden.

Auf jeden Fall rate ich Ihnen, das Geld konservativ zu investieren. Ich erwarte auch in nächster Zeit einige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Und mit steigendem Alter möchten Sie kaum schlaflose Nächte haben, weil Sie aufgrund einer zu riskanten Strategie mit Buchverlusten konfrontiert sind.

 

Garantiertes Renditeversprechen

Am Fernsehen wird oft von einem Mindestzins gesprochen, wenn es um Pensionskassen geht. Was ist das?  J.S.

Der Mindestzinssatz ist ein garantiertes Versprechen der Pensionskasse, wie hoch Ihr Altersgeld jährlich im Minimum verzinst wird. Dieser Mindestzins bezieht sich allerdings nur auf die Lohnbestandteile, welche dem BVG-Obligatorium, also von 21’150 bis 84’600 Franken, unterstehen. Der Lohnanteil, der darüber liegt, kann von der Pensionskasse zu anderen Sätzen verzinst werden. In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass diese Lohnbestandteile mit einer tieferen Rendite abgegolten werden. Wichtig ist dies auch für all jene, die freiwillig höhere Beiträge in ihre Pensionskasse einzahlen – etwa um Steuern zu sparen. Sie müssen sich bewusst sein, dass die PK diese Gelder nicht mit dem Mindestzins, sondern auch tiefer verzinsen kann.

Festgelegt wird der Mindestzins der Pensionskassen vom Bundesrat auf Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für berufliche Vorsorge. Diese verwendet als Entscheidungsgrundlage für Ihre Empfehlung die jeweils aktuelle Entwicklung der Bundesobligationenrenditen sowie jene der Aktien, Obligationen und Liegenschaften. Wichtig bei der Beurteilung des Mindestzinses ist auch die Teuerung: Wenn diese negativ ist, ergibt sich eine bessere reale Verzinsung. Der Bundesrat muss den Mindestzins gemäss Gesetz jeweils alle zwei Jahre überprüfen. Per Anfang 2016 wurde der Mindestzins von bisher 1,75 auf 1,25 Prozent reduziert. Ihr Altersguthaben wächst dadurch langsamer. Umso wichtiger ist es daher, dass Sie zusätzlich selbst für Ihre Altersvorsorge sparen, ein 3.-Säule-Konto eröffnen und dort regelmässig einzahlen. Dies lohnt sich auch steuerlich, da Sie Ihre Einzahlungen als Angestellte mit Pensionskasse bis maximal 6768 Franken von den Steuern abziehen dürfen.