Pensionskasse: So berechnen Sie Ihre Rente

Willkommen auf unserem Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Finanzielle Sicherheit: Der Umwandlungssatz der Pensionskasse ist für die Höhe der Rente entscheidend. Foto: Getty Images

Finanzielle Sicherheit: Der Umwandlungssatz der Pensionskasse ist für die Höhe der Rente entscheidend. Foto: Getty Images

Immer wieder sprechen Politiker vom Umwandlungssatz. Was ist das genau? Wie funktioniert er? K. S.

Der Umwandlungssatz ist eine der wichtigsten Kennzahlen für die Berechnung der Rente. Anhand dieser Zahl können Sie ausrechnen, wie viel Rente Sie später bei Ihrer Pensionierung bekommen. Berechnet wird die Rentenhöhe mittels der einfachen Formel: Altersguthaben mal Umwandlungssatz durch 100. Wenn jemand zum Beispiel bei der Pensionierung ein Altersguthaben von 350’000 Franken gespart hat und der Umwandlungssatz 6,8 Prozent beträgt, ergibt sich eine jährliche Altersrente von 23’800 Franken.

Wenn der Umwandlungssatz aufgrund der tiefen Zinsen und der gestiegenen Lebenserwartung, wie vom Bundesrat im Rahmen der Rentenreform 2020 gefordert, schrittweise auf 6 Prozent sinkt, würde nur noch eine Rente von 21’000 Franken jährlich resultieren. Der Umwandlungssatz richtet sich nach dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG).

Beachten Sie, dass nur für den obligatorischen Teil Ihrer PK-Guthaben der gesetzlich festgelegte Umwandlungssatz zur Anwendung kommt. Für Guthaben im überobligatorischen Teil sind die Pensionskassen frei, einen tieferen Umwandlungssatz anzuwenden, was sie in der Regel auch tun. Aufgrund der sinkenden Umwandlungssätze müssen sich viele auf tiefere Renten im Alter einstellen. Kompensiert werden kann dies aber mittels zusätzlicher freiwilliger Vorsorge, was ich empfehle.

 

Kreditkartenbetrug im Internet: Wer haftet?

Betrüger haben meine Kreditkarte missbraucht, nachdem ich im Internet im Ausland ein Telefon gekauft hatte. Plötzlich hatte ich Buchungen von einer Firma in Grossbritannien auf meiner Abrechnung, mit der ich noch nie etwas zu tun hatte. Wer haftet? O. S.

Sobald Sie nur schon den Verdacht haben, dass jemand Ihre Kreditkarte missbraucht, sollten Sie sich umgehend bei Ihrem Kartenherausgeber melden und Ihre Karte sperren lassen. Auch wenn die Betrüger schon Transaktionen mit Ihrer Karte vorgenommen haben und Sie auf Ihrer Abrechnung Buchungen entdecken, die nicht von Ihnen stammen, müssen Sie sich umgehend bei Ihrer Kreditkartenfirma melden und die Buchungen beanstanden. Dies können Sie telefonisch machen oder mittels Formularen auf der Website Ihrer Kreditkartenherausgeberin.

Die Betrugsmöglichkeiten sind vielfältig. So holen sich Hacker beispielsweise die vertraulichen Daten direkt aus dem Netz, bringen Kunden mittels Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu, ihre Daten im Internet einzugeben oder betrügerische Händler verkaufen die Kreditkartendaten weiter.

Das Positive ist: Sofern Sie die geforderten Sorgfaltsmassnahmen erfüllt haben, haftet die Bank für den Kartenmissbrauch. Das Negative ist: Einerseits entstehen für Sie erhebliche Umstände, da Sie den Betrug melden und glaubhaft machen müssen, dass Sie die beanstandete Bestellung nicht getätigt haben, was nicht immer ganz einfach ist. Anderseits bleibt für Sie ein Restrisiko, wenn sich die Bank auf den Standpunkt stellt, dass Sie Sorgfaltsmassnahmen nicht vollumfänglich eingehalten haben. Denn diese umfassen ein weites Feld. Die Haftung infrage gestellt wird insbesondere, wenn Sie mit dem Geheimcode und den weiteren Kartendaten fahrlässig umgehen.

In erster Linie sollten Sie mit der Eingabe Ihrer Daten im Internet sehr zurückhaltend sein. Auch wenn Sie auf einer Website dazu aufgefordert werden, dürfen Sie die Daten nie ohne eine konkrete Transaktion etwa nur zu Informationszwecken oder für die unverbindliche Eröffnung eines Kundendossiers eingeben. Auf keinen Fall dürfen Sie Ihre Daten herausgeben, wenn Sie via E-Mail oder telefonisch dazu aufgefordert werden. Solche Phishing-Mails sind häufig im Umlauf. Weder Ihre Bank, Ihre Kreditkartenfirma noch ein seriöser Anbieter würde Sie jemals auf diesem Weg nach Ihren Daten fragen.

Wichtig ist auch, dass Ihre Kauftransaktion nur mit einer gesicherten Verbindung erfolgt. Als Bestätigung, dass Sie eine gesicherte Verbindung haben, gilt das kleine Schlosssymbol in der Statusleiste der Webseite. Überlegen Sie sich gut, bei welchen Anbietern Sie im Internet Käufe tätigen: Ist der Geschäftspartner wirklich seriös? Meiden Sie zweifelhafte Websites, auch wenn diese mit angeblichen Gratisprodukten oder -dienstleistungen oder besonderen Schnäppchen locken. Transaktionen sollten Sie möglichst nur mit Firmen tätigen, die Ihnen bekannt sind.

Im Zweifelsfalle würde ich auf eine Transaktion verzichten. Von jedem Kauf sollten Sie die Bestellungsangaben sowie die genauen Händlerinformationen speichern oder ausdrucken. Bei einem Betrug ist es wichtig, dass Sie alles dokumentieren können. Das vereinfacht die Frage, wer haftet. Zu Ihren Sorgfaltspflichten gehört auch, dass Sie Ihre Kreditkartenrechnung jeweils genau prüfen und einen Missbrauch mindestens innert 30 Tagen melden. Andernfalls müssen Sie damit rechnen, dass die Haftung abgelehnt wird.

 

US-Anleihen profitieren von höheren Zinsen und stärkerem Dollar

Aufgrund des sehr tiefen Zinsniveaus möchte ich allenfalls Obligationen in Pfund oder US-Dollar kaufen. Ich besitze bereits Obligationen in australischen Dollar. Beim australischen Dollar bin ich verunsichert. Jahrelang war dieser stabil und im letzten Jahr hat er stark an Wert verloren. Würden Sie eher Anlagen in US-Dollar, Pfund oder australischem Dollar vorziehen? K. S.

Viele US-Anleihen hatten noch im Januar deutlich zugelegt. Für steigende Kurse sorgten die Turbulenzen an den Aktienbörsen. Angesichts steigender Zinsen in Amerika setzen Investoren vermehrt auf Anleihen. Auch der Dollar profitiert von der Zinswende und der robusten Wirtschaft in den USA. Die grosse Frage ist nun aber, ob die US-Notenbank angesichts neuster US-Konjunkturdaten weiter zügig an der Zinsschraube dreht und die Sätze in mehreren Etappen noch mehr erhöht.

Die Rückschläge bei den Aktien und vor allem die deutliche Wachstumsabschwächung in China, welche an den lokalen Börsen zu eigentlichen Crashs geführt haben, könnten die US-Notenbank vor weiteren Schritten zögern lassen, da das schwächere Wachstum in China auch die Weltwirtschaft bremst. Wenn die US-Notenbank angesichts der globalen Konjunktursorgen die Leitzinsen erst im Herbst oder noch später wieder anhebt, dürfte dies auch die Kaufanreize der Investoren für Anleihen senken.

Vorderhand noch keine Zinserhöhung zu erwarten ist indes in Grossbritannien: Dies unterstrich kürzlich auch Notenbankchef Mark Carney. Er macht den Anlegern klar, dass noch nicht die Zeit für eine Zinsanhebung gekommen sei. Das Problem in Grossbritannien: Die Inflation ist nach wie vor zu tief und die Wirtschaft zu wenig robust. Als Anleger würde ich kurzfristig nicht auf eine Erstarkung des britischen Pfundes wetten. Meines Erachtens dürften die Zinsen in Grossbritannien frühestens in der zweiten Jahreshälfte anziehen – eher sogar noch später. Das begrenzt das Aufwertungspotenzial des Pfundes. Zusätzlich hängt das Risiko eines EU-Austrittes von Grossbritannien über der britischen Währung, was Pfundanleihen aus meiner Sicht derzeit wenig attraktiv macht.

Der australische Dollar wiederum hängt stark von der Rohstoffentwicklung ab. Angesichts der massiven Einbrüche bei den Rohstoffnotierungen hat auch die australische Währung nachgegeben, was einigen Investoren so wie Ihnen Währungsverluste bescherte. Sollten die Rohstoffkurse Boden gefunden haben und eine Wende vollziehen, dürfen Sie auch beim australischen Dollar auf eine Erholung hoffen. Persönlich glaube ich, dass es dafür aber noch zu früh ist. Die schwächere Nachfrage nach Rohstoffen aus China und die Abkühlung der Weltwirtschaft sprechen jedenfalls gegen eine deutliche Preiserhöhung bei den Rohstoffpreisen – und damit auch gegen eine deutliche Aufwertung des australischen Dollars.

Vor diesem Hintergrund würde ich am ehesten auf US-Anleihen von guter oder sehr guter Qualität setzen, zumal diese im Vergleich zu Schweizer Obligationen ansprechende Coupons bieten. Der US-Dollar verspricht zum Franken zudem noch kleinere Kursgewinne und die US-Wirtschaft ist zumindest deutlich besser unterwegs als die Konjunktur in Europa. Ein Risiko, das ich nicht unterschätzen würde, sollten Sie allerdings bedenken: Ich bin mir nicht sicher, ob die US-Notenbank Ende letzten Jahres die Zinsen nicht doch zu früh angehoben hat. Die Konjunkturdaten müssen in den nächsten Monaten erst noch beweisen, dass der Zinsschritt wirklich gerechtfertigt war und die Wirtschaft weitere Zinsanhebungen verkraftet. Die Inflation jedenfalls ist auch in den USA nach wie vor sehr tief und deutet noch nicht auf eine weiter anziehende Wirtschaft hin.