Credit Suisse: Araber bereiten Machtübernahme vor

Willkommen auf unserem Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Grosses Interesse an Cocos: Der katarische Staatsfonds und die saudische Olayan-Gruppe kaufen Anleihen der Credit Suisse. Foto: Hasan Jamali/AP

Grosses Interesse an Cocos: Der katarische Staatsfonds und die saudische Olayan-Gruppe kaufen Anleihen der Credit Suisse. Foto: Hasan Jamali/AP

Die Aktien der Credit Suisse sind auf ein 25-Jahres-Tief gesunken. Nicht einmal mehr die arabischen Grossaktionäre, die vorher während Jahren den Kurs gestützt hatten, tun dies seit der letzten Kapitalerhöhung. Wie ich aus bestens informierten Kreisen höre, stürzen sich der katarische Staatsfonds und die saudische Olayan-Gruppe hingegen auf die bis 10 Prozent verzinsten Coco-Anleihen der Credit Suisse. Solche Anleihen werden beim Unterschreiten einer festgesetzten Eigenkapitalquote – und wohl gleichzeitig fallenden Kursen – in Aktien getauscht. Nicht auszudenken, was eintreten könnte, sollte die Bank wegen ­ihrer Rohstoffkredite unter grossen Abschreibungsdruck geraten. Sollten die Grossaktionäre zur ­Kasse gebeten werden, können sie via ausgeübte Coco-Anleihen die Mehrheit an der zweitgrössten Bank der Schweiz übernehmen. Wagemutige: kaufen. Vorsichtige: Finger weg!

Abwärtstrend dauert mindestens 9 Monate

Die Weltbörsen produzieren ständig tiefere Tiefs und tiefere Hochs. Der SMI droht in eine lange Agonie zu versinken. Viele Kleinanleger halten bis zu drei Viertel ihres Anlagevermögens in Aktien. Das ist brandgefährlich. Weil das Vertrauen in die führenden Zentralbanken Woche für Woche schwindet, drohen die nächsten Zins­lockerungen statt der erhofften ­Erholung Schwächen auszulösen. Abwärtstrends dauern aus der historischen Erfahrung mindestens neun Monate. Damit hat der SMI in seinem Abstieg noch ein gutes Stück Weg zu gehen. Das Jahrestief wird erst im Lauf des Herbsts erreicht werden. Aktienanteil am Portfolio auf ein Drittel abbauen

Aktien übertreffen die schlimmsten Befürchtungen

Die mittlerweile auf noch geradezu lächerliche 4.85 Franken gefallenen Vögele-Aktien übertreffen mit ihrem anhaltenden Kurszerfall die schlimmsten Befürchtungen. Neben zunehmenden Verkäufen durch Kleinanleger werden auch Zwangsverkäufe von auf Kredit gekauften Titeln befürchtet. Den mit ambitionierten Plänen angetretenen Investoren aus Südeuropa sei die Luft ausgegangen, wird gemunkelt. Sollten sich die schlimmen Befürchtungen bewahrheiten, dass sogar Zwangsverkäufe von bedeutenden Investoren stattfinden, kann die Vögele-Aktie vollends ins Bodenlose fallen. Meiden

Pharmaanalytiker: Syngenta-Chemchina konnt zustande

Viele Anleger glauben offenbar nicht, dass die Übernahme von Syngenta durch Chemchina zustande kommt. Sonst würde der Aktienkurs nicht bei 393 Franken liegen, sondern bei jenen 480 Franken, die Chemchina geboten hat. Wie ich aus den USA höre, hat Monsanto hinter den Kulissen ­heftig lobbyiert, um den Anlegern weiszumachen, das amerikanische Komitee für ausländische In­vestitionen könnte den Deal ver­hindern. Die kompetentesten ­US-Pharmaanalytiker sehen das ganz anders: Sie glauben, dass die Übernahme zu 90 Prozent zustande kommt. Am Markt mehren sich täglich die Kursziel- und Rating­anhebungen, die einen Syngenta-Anstieg auf 450 Franken prognostizieren. Kaufen

Unerschütterlicher Optimismus

Bei Ems-Chemie stehen die ­Zeichen nach dem starken Jahres­ergebnis von 2015 auch für 2016 auf Wachstum und Margenplus. Obwohl Unternehmenschefin Magdalena Martullo einen konservativen Ausblick formulierte, herrscht am Markt selbst in der grössten Turbulenz ein unerschütterlicher Optimismus. Händler erwarten in den kommenden Monaten einen Anstieg der Ems-Aktie um gut 10 Prozent auf 500 Franken. Kaufen

Goldpreis wird weiter steigen

Weil Anleger Aktien meiden, sind traditionelle Goldminen-Fonds und auch Gold-ETFs zunehmend gefragt. Diese Woche waren in London beim grössten Goldhändler BullionByPost typisch britische Klientenschlangen rund um den Block zu beobachten. Zudem ist in der britischen Metropole die Rede von unüblich hohen Kaufaufträgen von Banken für physisches Gold. Der Goldpreis wird deshalb weiter steigen. Allerdings wachsen mit jedem Anstieg des Goldpreises die Befürchtungen, dass Zentralbanken die Hausse wie in verschiedenen Vorjahren mit Verkäufen wieder beenden könnten. Gold weiter halten, solange Zentralbanken stillhalten

Grösster Fusionsflop des Wirtschaftsjahrs 2015

Die spottbillig gewordene Lafarge­Holcim kann als grösster Fusionsflop des Wirtschaftsjahrs 2015 in der Schweiz bezeichnet werden. Mit dem nahezu abgeschlossenen Ausstieg des russischen Aktionärs Eurocement, der nun unter 3 Prozent von LafargeHolcim hält, verbessern sich die Aussichten wieder entscheidend. Mit der Rückkehr zur Schweizer Konzernführung an der Verwaltungsratsspitze könnten sich auch die Zeiten für die arg geschädigten Aktionäre wieder aufhellen. Eine von Schweizern gelenkte LafargeHolcim wird wegen der Holcim-Historie als ausserordentlich kostenbewusst eingeschätzt. Das löst nun steigende Margenerwartungen aus. Vorerst wird der Aktienkurs aber wohl noch um weitere 10 bis 15 Prozent auf etwa 30 Franken sinken, weil Eurocement seinen Bestand wahrscheinlich auf null abbauen wird. Abwarten und bei gut 30 Franken kaufen

Hoffnung, dass die Gewinnmarge steigt

Die Rieter-Titel werden seit Wochen wieder zuversichtlicher eingeschätzt. Der erstaunliche Op­timismus steht in einem starken Kontrast zum gesunkenen Auftragseingang in der Spinnmaschinen­produktion. Der Winterthurer Traditionskonzern formulierte zuversichtliche Aussichten für das neue Geschäftsjahr. Das hat am Markt Hoffnung geweckt, dass die Gewinnmarge steigt. Das Wachstum in der Service-Ersatzteil-Sparte reicht gemäss dem Management auch 2016, um die ausbleibenden Wachstums­impulse der Maschinenbausparte zu neutralisieren. Kaufen