Rente: Beitragslücken gehen bös ins Geld

Willkommen auf unserem neuen Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Mittels freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse verbessert man seine Vorsorgesituation und spart Steuern. Foto: Getty Images

Mittels freiwilliger Einzahlungen in die Pensionskasse verbessert man seine Vorsorgesituation und spart Steuern. Foto: Getty Images

Ich bin nach etlichen Jahren Selbstständigkeit wieder in eine Pensionskasse eingetreten. Während der selbstständigen Tätigkeit habe ich regelmässig in 3a-Konten einbezahlt und besitze schon drei solche Konten. Ein viertes Konto zu eröffnen, scheint mir des Guten fast zu viel. Hingegen könnte ich noch freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse tätigen. Was empfehlen Sie mir? C. N.

Wenn Sie genügend freie Mittel haben, würde ich sowohl in die 3. Säule einzahlen als auch freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse tätigen. Da Sie wieder angestellt sind, können Sie in diesem Jahr maximal 6768 Franken in die 3. Säule überweisen. Gesetzliche Vorgaben, wie viele 3.-Säulen-Konten man haben darf, gibt es nicht. Je nach Kanton müssen Sie aber damit rechnen, dass Ihnen der Fiskus eine mögliche Steuerumgehung unterstellt, wenn Sie mehr als drei 3.-Säule-Konten unterhalten und diese gestaffelt auszahlen lassen.

Noch wichtiger halte ich in Ihrem Fall aber eine Einzahlung in die Pensionskasse, zumal Sie mir schreiben, dass Sie Beitragslücken haben und deshalb eine kleinere Rente hätten. Dank den freiwilligen Einkäufen können Sie Ihre Vorsorgesituation spürbar verbessern und zusätzlich erheblich Steuern sparen. Denn auch diese Beträge können Sie voll von den Steuern abziehen. Eine freiwillige PK-Einzahlung ist allerdings nur zu empfehlen, wenn Ihre Kasse gesund ist und über einen robusten Deckungsgrad verfügt.

Für den PK-Einkauf spricht auch, dass das einbezahlte Geld in der Regel höher verzinst wird, als wenn Sie es auf einem Sparkonto parkieren. Zwar beschränkt sich der gesetzlich vorgeschriebene Mindestzins von derzeit noch 1,25 Prozent in der 2. Säule nur auf die Lohnbestandteile, die dem BVG-Obligatorium – also bis maximal 84’600 Franken – unterstehen. Lohnbestandteile, die darüberliegen, und freiwillige Einzahlungen dürfen die Kassen mit einem geringeren Satz verzinsen. Dennoch liegt dieser in der Regel höher als die Sparzinsen der meisten Banken. Angesichts Ihrer Beitragslücken rate ich Ihnen, Ihre Vorsorgesituation von einem Experten genau prüfen zu lassen, zumal Sie vor Ihrer Pensionierung noch ein paar Jahre haben, um mögliche Massnahmen umzusetzen.

Günstig in US-Aktien diversifizieren

Ich habe von den iShares MSCI USA Ucits ETF gelesen. Ist das ein gutes Produkt? R. S.

Mit diesem Finanzvehikel können Sie an der Entwicklung des US-Aktienmarktes partizipieren. Der Exchange Traded Fonds bildet den MSCI-USA-Index nach und enthält Topaktien wie Apple, General Electric, Johnson & Johnson, Exxon Mobil oder Microsoft. Mit einer Total-Expense-Kennziffer von 0,33 Prozent halten sich die Kosten in Grenzen. Wahrscheinlich hat Sie die Kursentwicklung dieses Indexfonds in den letzten fünf Jahren beeindruckt. Ich rechne allerdings 2016 nicht mehr mit einem steilen Anstieg.

Die erhöhten Zinsen in den USA und die China-Turbulenzen dürften die US-Aktien bremsen, zumal es auch wieder attraktiver wird, in US-Anleihen zu investieren. Als Diversifikation in den US-Markt ist dieser Indexfonds gut geeignet. Ausserdem können Sie von dem allenfalls weiter steigenden Dollar profitieren.

Mit dem Gläubiger das Gespräch suchen

Mein Ex-Mann zahlt trotz Betreibungen seit Jahren keine Alimente. Jetzt bin ich selbst mit einer Betreibung konfrontiert. Ich habe einen Teil der Schuld bezahlt, kann aber nicht alles sofort begleichen. Was soll ich tun? B. F.

Da Sie die Schuld nicht grundsätzlich infrage stellen, kommt ein Rechtsvorschlag nicht infrage. Mit Ihrer Teilzahlung haben Sie Ihren guten Willen gezeigt. Ich empfehle Ihnen darüber hinaus, mit dem Gläubiger das Gespräch zu suchen und ihm einen Abzahlungsvorschlag zu unterbreiten.

Häufig treten Gläubiger darauf ein, da so eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie ihr Geld, wenngleich verspätet, aber immerhin erhalten. Legen Sie dar, warum Sie nicht die ganze Schuld umgehend bezahlen können, und setzen Sie einen realistischen monatlichen Abzahlungsbetrag ein, den Sie auch wirklich überweisen können. Dazu empfehle ich Ihnen, für sich ein verbindliches Haushaltsbudget zu erstellen. Allerdings muss ich Sie darauf hinweisen, dass der Gläubiger trotz Ihres guten Willens nicht verpflichtet ist, den Abzahlungsvorschlag zu akzeptieren.

Wie Marion Sigg, Chefin des Zürcher Stadtammann- und Betreibungsamtes Kreis 2, auf meine Anfrage hin erklärt, kann der Gläubiger Ihren Vorschlag nach freiem Ermessen ablehnen und beim Betreibungsamt ein Fortsetzungsbegehren einreichen.
Ist die Betreibung nicht durch Rechtsvorschlag oder durch gerichtlichen Entscheid eingestellt worden, kann er frühestens
20 Tage nach der Zustellung des Zahlungsbefehls das Fortsetzungsbegehren stellen. Wird dieses eingereicht, muss das Betreibungsamt die Pfändung vollziehen. Um dies abzuwenden, empfehle ich Ihnen, mit dem Gläubiger Kontakt aufzunehmen und eine gütliche Lösung anzustreben.