China-Aktien: Der Crash geht weiter

Willkommen auf unserem neuen Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Noch hat Chinas Börse nicht die rote Laterne gefasst: Gefahr der Kapitalflucht aus dem Reich der Mitte. Foto: Reuters

Noch hat Chinas Börse nicht die rote Laterne gefasst: Gefahr der Kapitalflucht aus dem Reich der Mitte. Foto: Reuters

In China sind die Aktien gecrasht. Müsste man jetzt nicht einsteigen? Jetzt kann man doch günstig kaufen. H. A.

Ihre Überlegung macht grundsätzlich Sinn: Aktien sollte man dann kaufen, wenn sie günstig sind und nicht erst, wenn sie teuer sind und alle einem Herdentrieb folgend schon eingestiegen sind. Dennoch rate ich im Fall von China zur Vorsicht. Der chinesische Aktienmarkt ist nicht mit dem Schweizer Markt oder jenem in Europa oder an der Wallstreet vergleichbar. Von einem wirklich freien Marktgeschehen kann man in China nicht sprechen. Die chinesischen Börsen sind stark reguliert.

Offensichtlich ist dies bei dem von den Behörden verordneten automatischen Handelsstopp-Mechanismus Circuit Breaker, der nach dem Crash kurzerhand wieder abgeschafft wurde. Denn geholfen hat dieser während der Turbulenzen nichts, sondern den Negativtrend sogar verstärkt. Eine Vielzahl von weiteren Regulierungsmassnahmen dürften sich ebenso als Bumerang erweisen. Problematisch ist auch die zeitweise Abwertung der chinesischen Währung Yuan. Dank diesem Schritt werden Produkte und Dienstleistungen aus China zwar billiger.

Die Folge davon könnte aber eine zunehmende Kapitalflucht aus dem Reich der Mitte sein, wie wir sie bereits in den letzten Monaten und Wochen erlebt haben. Das dürfte die Schwankungen an den asiatischen Märkten noch weiter anheizen. Dazu kommt, dass die Transparenz bei den meisten Unternehmen aus China mangelhaft ist. Als Investor ist es äusserst schwierig, sich selbst ein Bild vom Zustand der Börsenfirmen und der Wirtschaft als Ganzes zu machen. Daher ist es gar nicht so klar, ob China-Aktien auch nach dem Crash wirklich schon günstig sind.

In diesen Tagen veröffentlicht China die neusten Daten zum Wachstum der Wirtschaft im letzten Quartal 2015. Wenn das Wachstumsziel von 7 Prozent verfehlt wird, dürften die Kurse erneut sinken. Vor diesem Hintergrund rate ich vor einem Engagement in für Ausländer ohnehin nur schwer handelbaren chinesischen Einzelwerten ab. Wenn Sie jung sind und einen langen Anlagehorizont haben, könnte ein Investment in einen Asienfonds mit hohem Chinaanteil Sinn machen.

Denn trotz der aktuellen Turbulenzen stufe ich die langfristigen Wachstumsperspektiven der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt nach einer Delle als gut ein. Bis die Erholung greift, braucht es für Anleger aber sehr gute Nerven, denn kurzfristig müssen Sie mit weiteren Rückschlägen an den chinesischen Börsen rechnen.

3.-Säule-Konti verteilen

Ich habe bei meiner Hausbank ein Konto mit 50’000 Franken und ein Vorsorgekonto 3a, das einen Stand von über 100’000 Franken hat. Wie sicher ist mein Vorsorgegeld bei einem Bankkonkurs? N. D.

Einlagen bei Banken in der Schweiz, die der Finanzmarktaufsicht (Finma) unterstehen, werden bei einem Zusammenbruch der Bank bis zum Maximalbetrag von 100’000 Franken pro Kunde privilegiert behandelt. Gelder aus der 3. Säule fallen zusätzlich bis zu 100’000 Franken pro Kunde unter das Konkursprivileg.

Der Schutz der 3. Säule erfolgt unabhängig von anderen Einlagen. In Ihrem Fall wären die 50’000 Franken auf dem normalen Konto sowie separat maximal 100’000 Franken auf dem 3.-Säule-Konto privilegiert. Der Teil, welcher über den Maximalbetrag hinausgeht, wäre nicht geschützt. Daher rate ich auch bei der 3. Säule, mehrere Konti bei verschiedenen Banken zu unterhalten.

Während mehrerer Jahre weniger Steuern zahlen

Ich plane, 90’000 Franken in ETF auf den SMI oder in Nestlé, Novartis und Roche und eventuell Syngenta zu investieren. Die übrigen 300’000 Franken meines Ersparten brauche ich für einen freiwilligen Einkauf in die Pensionskasse, da ich mich frühpensionieren lassen möchte. Was halten Sie von meiner Idee? M. R.

Da Nestlé, Novartis und Roche die Hauptgewichte innerhalb des SMI ausmachen, können Sie gleich einen Exchange Traded Fund (ETF) auf den SMI erwerben. Damit fahren Sie kostengünstiger und erreichen über die drei Blue Chips hinaus eine breitere Diversifikation, zu der ich Ihnen unbedingt rate. Allerdings sollten Sie sich darauf einstellen, dass die Börsen turbulent bleiben. Weitere Rückschläge erachte ich vor dem Hintergrund der Verwerfungen in China als realistisch. Indem Sie aber den grössten Teil Ihres Ersparten freiwillig in die Pensionskasse einzahlen, verfolgen Sie dennoch eine konservative Strategie.

Solange Ihre PK über einen guten Deckungsgrad verfügt, ist Ihr Geld sicher angelegt. Zudem schaffen Sie sich die Möglichkeit, sich allenfalls früher pensionieren zu lassen. Da Sie freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse von den Steuern abziehen dürfen, würde ich prüfen, ob Sie den Betrag gestaffelt einzahlen können. Dann würden Sie in mehreren Jahren vom Steuerspareffekt profitieren. Gerade bei grösseren Einkaufsbeträgen schenkt dies ein.

Unabhängig davon empfehle ich Ihnen, genügend liquide Mittel als Reserve für unerwartete Auslagen zu halten. Falls Sie über die erwähnten 390’000 Franken hinaus nicht noch freie Mittel auf der Seite haben, würde ich nur 60’000 Franken in ETF investieren und den Rest als Reserve cash auf einem Konto parkieren. Je nach Börsenverlauf müssen Sie sich darauf einstellen, dass Ihr Geld länger gebunden ist.

Dank der Cash-Reserven stellen Sie sicher, dass Sie, falls Sie unerwartet Finanzbedarf haben, nicht Fondsanteile ausgerechnet dann verkaufen müssen, wenn dies ungünstig wäre. So erreichen Sie zwar etwas weniger Rendite, sorgen aber dafür, dass Sie auch während der nächsten Börsengewitter ruhig schlafen können.