Mit 17 schrieb ich den ersten Text, der eine nennenswerte Wirkung hatte. Ich musste erst zum Rektor, dann zum Schulpsychologen. Der erste hielt mir eine Predigt, der zweite stellte Fragen. Einzig eine Note bekam ich nicht. «Wir sind ein humanistisches Gymnasium», sagte der Rektor. «Und in 20 Jahren habe ich nie so etwas Widerliches gelesen. [...]
Mehr davon!Archiv für die Kategorie „Rezeptbuch“
Blut, Miniröcke, Jargon. Wie man Szenetexte fabriziert
Constantin Seibt am Mittwoch den 22. Mai 2013Kurze Theorie der Leser, dieser Bastarde
Constantin Seibt am Montag den 6. Mai 2013Vor sehr vielen Jahren, als Volontär im «St. Galler Tagblatt», spielte ich manchmal in Begleitung anderer niederrangiger Redakteure eine Partie Darts. Das Dartbrett nannten wir «Der Leser». Wir warfen die Pfeile mit echtem Hass: mit voller Kraft und wenig Präzision. Der Hass hatte Gründe. Denn wann immer einer von uns von den Chefs zurechtgepfiffen, zusammengestaucht, [...]
Mehr davon!Wie man einen Welterfolg landet. Der Massanzugsartikel (Teil 2)
Constantin Seibt am Montag den 29. April 2013Ah, schön Sie wieder zu sehen, gestärkt durch einen Kaffee und das Wochenende. Letzten Freitag ging es um die Verfertigung von Massanzugsartikeln. Also Artikel, bei denen der Stil den Fakten wie angegossen passt. Und heute geht es um das gleiche. Und es wurde versprochen, mit etwas Sauberem und Praktischem zu beginnen: mit einem Skelett. (Falls Sie [...]
Mehr davon!Der Journalist als Dandy. Der Massanzugsartikel (Teil 1)
Constantin Seibt am Freitag den 26. April 2013Fakten sind nur die Hälfte der Botschaft. Die andere ist der Stil. Wobei der Stil meist – mehr oder weniger elegant – zum seriösen Transport des Inhalts dient. Wie jeder Vertreter trägt der Text also einen Business-Anzug von der Stange. Was aber passiert, wenn man den Fakten einen echten Massanzug verpasst? Immer dann, wenn Aufbau [...]
Mehr davon!Jeder Krüppel hat seine eigene Art zu laufen
Constantin Seibt am Mittwoch den 17. April 2013Der «Tages-Anzeiger» ist eine liberale Zeitung. Man hat als Redaktor viel Freiheiten. Einer der wenigen Fälle, bei denen ich einen entschiedenen Befehl zum Streichen erhielt, war bei einem Artikel zur Wahl des neuen Fernsehdirektors, Rudolf Matter. Kritisiert wurde die Anfangsszene: Bei der Pressekonferenz sass Matter zwischen den beiden entscheidenden Leuten, die ihn gewählt hatten: SRG-Direktor Hans [...]
Mehr davon!Im Notfall: Werfen Sie Glasperlen vors Volk
Constantin Seibt am Mittwoch den 20. März 2013Was, wenn es nicht rund läuft? Wenn Sie einen komplexen Stoff nicht in den Griff bekommen? Und der Redaktionsschluss ist praktisch Tatsache? Das Desaster zuvor war: Sie sind in den eigenen Notizen ertrunken. Sie haben keine Haltung zum Stoff gefunden. Sie wissen hundert Dinge, nur nicht, was das Ganze soll. Was tun? Der beste Rat [...]
Mehr davon!Der schärfste Special Effect, den das Schreiben zu bieten hat
Constantin Seibt am Mittwoch den 6. März 2013Es ist der coolste Spezialeffekt im Business, und wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gäbe, dürfte ich ihn nie mehr benutzen. Denn ich habe mein Lebenskontigent bereits in einem einzigen Sommer verschleudert. Mit 22 schrieb ich mit einem Freund, Michael Spittler, einen Krimi mit dem Titel «Das Unglück». Wir schrieben abwechselnd Kapitel um Kapitel. Und versuchten, [...]
Mehr davon!Shitdetector Reloaded: Thesen zu Thesen
Constantin Seibt am Freitag den 4. Januar 2013Letzten Monat stand hier die These, man müsse in einem Text nur allen Unfug streichen. Der Rest habe automatisch Stil. Ein ungelöstes Problem, das etwa bei Thesen-Artikeln bleibt, ist der Selbstbetrug. Thesen sind quasi die Schaben des Geistes: fruchtbar, gefrässig und fast unzerstörbar. Ihr Überlebensinstinkt ist erstaunlich: Einmal im Haus finden sie überall Indizien, Beispiele und Statistiken. Und [...]
Mehr davon!Der Live-Ticker – das letzte grosse Abenteuer im Journalismus
Constantin Seibt am Montag den 17. Dezember 2012Sie brauchen noch ein Weihnachtsgeschenk? So schnell, so nervös wie Sie selbst in der Vorweihnachtszeit sind? Dann ist dies hier mein zweitbester Tipp: Das brandaktuelle Buch mit Live-Tickern aus dem Echtzeit-Verlag. Und Sie wollen eine Party dazu? Morgen, Dienstag 18. Dezember, lesen rund ein Dutzend trinkfreudige Journalisten ihre Ticker ab 20 Uhr im Kaufleuten, Zürich. Von [...]
Mehr davon!Wie man das Unbekannte im Bekannten entdeckt
Constantin Seibt am Freitag den 7. Dezember 2012Früher, auf den ersten Landkarten der Neuzeit, gab es weisse Flecken. Auf diesen stand: Hic sunt leones – Hier gibt es Löwen. Und auf die Seekarten schrieb man: Hier gibt es Drachen. Heute gibt es Satelliten, GPS und Google Earth. Die Welt ist bis zum letzten Zentimeter vermessen. Wikipedia, Zeitungsarchive, Bibliotheken bersten vor Wissen. Alles [...]
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