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15 Thesen zum Journalismus im 21. Jahrhundert

Constantin Seibt am Mittwoch den 2. Mai 2012

 

 

Ladies and Gentlemen

Willkommen an Bord der prächtigen, aber sinkenden Galeere des Printjournalismus. Zwar herrscht auf Zeitungen seit Jahrhunderten dieselbe Zeit wie auf dem Meer oder im Totenreich: eine ewige Gegenwart. Aber irgendwann findet auch diese ihr Ende.

Jedenfalls ist es fast Selbstmord, in diesem Gewerbe zu arbeiten, ohne über dessen Zukunft nachzudenken. Die Gründe sind bekannt. Das traditionelle Geschäftsmodell zerfällt. Es bestand darin, Zeitungen an die Leser und die Leser an die Werber zu verkaufen. Nun verschwindet die Werbung ins Netz und die jüngeren Leser auch. Printjournalisten sind längst – wie alternde Schlagersänger – grösstenteils in der Seniorenunterhaltung tätig.

Die Gegenmassnahmen der Galeereneigner – der Verleger – bestanden bisher vor allem in zwei Strategien. Erstens in dem Zusammenstreichen und Zusammenlegen von Abteilungen. Zweitens im Versuch, ihr Produkt irgendwie im Netz zu vermarkten.

Die Sparmassnahmen hatten einen gewissen Erfolg. Denn das Internet erwischte die Zeitungsbranche 2001 auf ihrem Höhepunkt. In den zehn Jahren davor waren die Zeitungen Gelddruckmaschinen. Sie waren – ironischerweise nicht zuletzt gemästet durch Internet-Start-up-Anzeigen – fetter denn je: in Sachen Umfang, Redaktion, Etats, Teppichetage, Overhead. Entsprechend orgiastisch konnte gestrichen werden.

Nur, eine Zukunftsstrategie ist die fortgesetzte Synergie- und Streichungsorgie nicht. Ausser, man glaubt an die Theorie der Lichtnahrung.

Doch ein solider Ersatz für das Geschäftsmodell wurde im Netz bisher nicht gefunden. Zwar wird viel experimentiert. Doch das alte Modell – Werber UND Kunden bezahlen – funktionierte für grosse Nachrichtentanker bisher nur bei wenigen First-Class-Produkten der Finanzpresse. Hier bezahlen die Kunden. Sonst fast nie. Verglichen mit dem vorherigen Geschäft verdienen Zeitungsredaktionen im Netz nur Peanuts.

Kurz: Der Sturm in unserer Branche ist noch lang nicht am Ende. Er hat erst begonnen. Das gesamte Business muss neu gedacht werden.

Nun, dieser Blog befasst sich mit den Konsequenzen der Krise. Leider nicht auf der Ebene des Geschäftsmodells. (Hätte ich dazu das todsichere Konzept, würde ich nicht einen Blog schreiben, sondern würde überhaupt nichts mehr schreiben, sondern nur noch gelegentlich schreiben lassen – und zwar ausschliesslich Checks von den Verlagshäusern.)

Doch neben dem Geschäftsmodell hat die neue Lage im Journalismus auch enorme praktische Konsequenzen für Journalisten, ihre Storys und die Organisation des Zeitungmachens. Darum gehts hier. Der Journalismus muss im 21. Jahrhundert neu erfunden werden.

Dazu folgende 15 Thesen zum Auftakt:

 

1. Was wir verkauften, war eine Gewohnheit

Über Jahrhunderte hielten Journalisten Nachrichten für ihr Kernprodukt. Das stellt sich nun als Irrtum heraus. Das wahre Produkt, das eine abonnierte Tageszeitung verkaufte, war eine Gewohnheit. Die Gewohnheit, sich am Morgen ohne Kaffee, Zigarette und Zeitung schlecht zu fühlen. Nun fällt bei den nachwachsenden Generationen die Zigarette weg. Und das Zeitungsabonnement.

 

2. Nachrichten sind keine attraktive Ware mehr

Das ehemalige Kernprodukt, die Nachrichten, ist inflationär geworden. Information dringt im 24-Stunden-Rhythmus aus dem Netz. Das News-Business ist zwar knochenharte Arbeit für Profis: verlangt wird Genauigkeit bei höchstem Tempo. Doch das Verkaufsargument für das Publikum, Nachrichten so frisch es geht – möglichst in Echtzeit –, garantiert den schnellen Verfall der Ware: jede neueste Nachricht killt die vorherige. Kein Wunder ist bei Teilen des Publikums Information längst keine respektierte Ware mehr. Sie gleicht eher einer Belästigung. Nicht zuletzt, weil kopieren so einfach ist. Selbst die Juwelen im Journalismus, relevante Enthüllungen, sind nur Minuten Eigentum des Mediums, das die Recherchen bezahlt hat – dann stehen sie überall.

 

3. Die Kanzel ist kaputt

Wir leben in einer Welt, die Verlierer verachtet. Und gehören nun auch dazu. Der ökonomische Rückgang der Presse bedeutet nicht zuletzt: Machtverlust. Publikum wie Machtträger haben deutlich an Respekt verloren. Und an Frechheit gewonnen. (Wers nicht glaubt, lese die Onlinekommentare unter seinem Artikel. Oder trinke einen Kaffee mit den Leuten aus den PR-Maschinen von Konzernen und Politik.)

 

4. Der Journalist kann sich auf nichts mehr verlassen

Der heutige Journalist ist somit gleich dreifach in der Klemme: Sein bewährtes Routineprodukt, die Nachricht, ist fast wertlos. Ebenso zerfällt auch seine Definitionsmacht: Die Kanzel ist ihm unter dem Hintern weggeschossen worden. Und für seinen Arbeitgeber ist er ein bald zu streichender Kostenfaktor.

 

5. Bravheit und Effizienz sind tödlich

Was also tun? Der Weg, die bewährte Arbeit einfach nur noch besser/schneller/effizienter zu tun, ist Selbstmord. Alle Massenentlassungen der letzten Zeit trafen in ihrer Mehrheit kompetente Leute: Menschen, die seriös, verlässlich, fleissig ihre Arbeit machten. Nichts ist tödlicher als ein treuer Soldat in einer verlierenden Armee, ein gut funktionierendes Rad in einer veraltenden Maschine zu sein. Tus nicht.

 

6. Wir erleben eine Zeitmaschine: 1500 Jahre zurück

Die Situation von Zeitungen und jedem einzelnen Journalisten hat sich mit dem Internet um über tausend Jahre geändert. Quasi vom Mittelalter zurück nach Athen: Von der sicheren Abonnementskanzel vor der braven Herde hinunter auf den profanen Marktplatz – in den Nahkampf unter die Eselhändler, Marktschreier, Philosophen, Prediger, Messerverkäufer und Scharlatane. Eins kann sich hier niemand leisten: Unauffälligkeit.

 

7.  Das Publikum muss immer wieder neu erobert werden

Die wichtigste Qualität, die ein Journalist auf diesem Markt verkauft, heisst zwar immer noch Verlässlichkeit. Aber was bisher Verlässlichkeit bedeutete – regelmässige Produktivität und seriöse Fakten – meint dies nur in zweiter Linie. Das eigentliche Produkt ist die verlässliche Erweckung von Aufmerksamkeit. Oder präziser und brutaler gesagt: von Begeisterung. Denn anders als aus Begeisterung zahlt auf dem Markt des 21. Jahrhunderts niemand mehr. (Besonders, da die Kunden in Zukunft weit mehr zahlen müssen, da die Werbung schneller verschwindet als die Leser.)

 

8. Wir brauchen eine komplett neue Strategie

Begeisterung frei flottierender Leser ist ein komplett anderes Ziel als die Befriedigung eines Abonnementspublikums. Befriedigung heisst im Kern Nicht-Enttäuschung des Publikums. Und lässt sich deshalb weit leichter durch eine Art Industriestandard abdecken: durch meist verlässliche Fakten, durch eine verlässliche Mischung von harten und weichen Themen, Nachricht und Kommentar, links und rechts, Inland und Ausland, Ernst und Zuckerguss. Also das, was wir können. (Mal besser, mal schlechter.) Begeisterung hingegen ist Sache des Lesers und wie jeder Publikumserfolg nicht direkt planbar: Es sind nur die Chancen maximierbar, dass man genügend oft einen Hit landet, damit das Publikum in der Hoffnung auf einen weiteren zurückkommt. Und irgendwann Stammgast wird.

 

9. Fakten sind Dreck (wie jeder Rohstoff)

Die wichtigste handwerkliche Konsequenz für unser Produkt betrifft etwas, was die besseren Journalisten schon immer gewusst haben: Fakten sind Dreck – so wie jeder Rohstoff Dreck ist. Ihre Richtigkeit ist insofern wichtig wie die Reinheit und Vollständigkeit von Zutaten beim Backen wichtig ist. Aber der Kuchen ist das noch nicht. Die Fakten müssen erst zu einer echten Geschichte werden: zu einer, die auch ohne jede Neuigkeit interessant wäre. Denn nur solche Geschichten reissen Leser mit.

 

10. Stil ist die letzte grosse, ungenutzte Ressource

Stil ist eines der letzten Tabus und eine der grossen unerschlossenen Ressourcen im Journalismus. Dabei ist der Ton einer Geschichte die Hälfte der Botschaft – und der Ton der Mehrheit aller Zeitungsstorys ist gleich. Und hinterlässt den gleichen monochromen Eindruck – egal, was und worüber der Journalist gerade schreibt. (Es läuft mit den Inhalten dieser Artikel dann sehr ähnlich wie der Witz mit dem Haarschneidehelm, wo man dessen Erfinder fragte: «Aber sind die Köpfe nicht verschieden gross?» Worauf dieser antwortete: «Ja, aber nur beim ersten Mal.»)

 

11. Was Individuen anspricht: Individualität

Der individuelle Ton jeder Story, jedes Journalisten, jeder Zeitung ist ihr bestes Verkaufsargument – nicht, weil dieser in jedem (vielleicht nicht einmal in der Mehrheit der Fälle) den Geschmack der Leser trifft, sondern weil er, im Gegensatz zum neutralen Industrieton, die Möglichkeit hat, dann und wann Leser wirklich zu begeistern. Da ein Massenmedium nicht seine Kunden alle persönlich ansprechen kann, muss die Individualität im Produkt stecken.

 

12. Die Antwort auf unsere drei Hauptprobleme heisst: Stil

Warum sollte gerade in der Epoche der Sparprogramme Zeit, Geld und Planung in Stil verschwendet werden? Weil Stil ein eleganter, energischer Weg ist, die drei zentralen Probleme im heutigen Journalismus gleichzeitig anzugehen: die angeschlagene Glaubwürdigkeit, die in Routine erstarrten Redaktionsstrukturen, das alternde Publikum. Zunächst zum Problem der Glaubwürdigkeit. Die Welt ist teuflisch komplex geworden. Ideologien aller Farbe haben sich blamiert. Aber nicht nur die Ideen: auch die Autoritäten. Politiker und Manager stürzen in rauen Mengen. Intellektuelle sind fast ausgestorben. Wir leben in einer Zeit der Ratlosigkeit. Und das führt Journalisten in ein Dilemma. Man erwartet in ihnen Klarheit, Entschiedenheit, Aufrichtigkeit, Kompetenz. Und das in einer Welt der ramponierten Ideen und ramponierten Köpfe. Woher also nehmen und nicht schummeln? Natürlich kann man Ersatzstoffe liefern: Meinung, Behauptung, neutrale Häppchen oder das Jesus-Spiel: die Neuankömmlinge heute bejubeln und morgen kreuzigen. Doch das ist alles billige Ware. Sich der Gegenwart zu stellen, heisst, sich der Komplexität zu stellen. Und um die aufs Papier zu bringen, braucht es Stil. Oder genauer: mehrere Stile, je nach Sachlage. Stil ist nie Selbstzweck, er ist ein Massanzug für die Fakten. Und somit die einzige Methode, komplexe Dinge zu sagen, ohne zu lügen und ohne an Schwung und Klarheit zu verlieren. Ohne raffiniertes Handwerk ist die Welt nicht mehr zu begreifen.

Zweitens zwingt die Förderung von Stil eine Zeitung zur Erneuerungsdiskussion. Denn Stil ist das Gegenteil von Ornament, Design, Oberfläche. Er ist im Kern: Haltung. Haltung ist, sobald man sie hat, eine hocheffiziente Sache: denn sie zeigt sich in jeder Handlung, jedem Produkt. Das allerdings nur deshalb, weil Stil und Haltung keine einfache Sache sind (sie sehen nur so aus), sondern das Ergebnis von einer Menge Versuchen, Irrtümern und danach folgenden harten Debatten. Diese müssen geführt werden, zu den uralten Fragen: Wohin wollen wir? Was wollen wir und was nicht? Und wie zur Hölle am klügsten? Zeitungen scheuen diese Debatte: Von ihrer Natur her interessiert sie weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur die nächste Nummer. Doch die Mühe lohnt sich. Denn nichts verkauft sich besser als das eigentlich Unverkäufliche. Haltung ist auch auf dem Massenmarkt ein extrem gefragtes Produkt. (Von Johnny Cash bis Apple.) Denn ein klarer Stil – also Produkt gewordene Haltung – fasziniert immer ein Publikum. Und das zuverlässig. Sie schafft damit das, was wir zum ökonomischen Überleben dringend brauchen: eine überzeugte Gruppe von Lesern, eine zahlende Community.

 

13. Autismus können sich nur Sieger leisten

Involvierung der Leser ist die zweite, grosse ungenutzte Ressource im Journalismus. Dazu gehört zunächst selbstverständlich Transparenz: der Blick des Kunden in Küche und Kochbuch. Das Zugeben von Fehlern, Unsicherheiten, leeren Flecken. Und dass regelmässig auf Fragen des Lesers geantwortet wird. Und noch wichtiger: Dass von Zeit zu Zeit ernsthaft zurückgefragt wird. Denn nichts erobert Menschen leichter als echte Fragen. Und nur mit einer überzeugten Community wird eine Zeitung überleben. Zugegeben, ein kräftiger Schuss Autismus ist die Versuchung für alle Kommunikationsberufe. (Man muss einmal sehen, wie viele Fragen an Werber-, Künstler- oder Journalistenpartys gestellt werden: verdammt wenige.) Aber den Luxus des Autismus können sich nur erfolgreiche Branchen leisten.

 

14. Die Maschinerie der Zeitung muss umgebaut werden

Neue Ziele wie Transparenz, mehr potenzielle Hits, individuelle Töne, dazu ein fragmentierteres, untreueres, anspruchsvolleres Publikum – all das bedeutet, dass sich die riesige, seit Jahrzehnten eingespielte Maschinerie der Zeitung fundamental verändern muss. Doch Zeitungen haben den Wendekreis eines Tankers. Sie sind konservativ: Unhinterfragte Routine ist eine ihrer wichtigsten Ressourcen. Das ist kein Wunder, denn sie sind riesige, lange eingeschliffene Entscheidungsmaschinen. Pro Tag werden auf einer grösseren Redaktion sicher ein paar Tausend kleinere und mittlere Entscheidungen getroffen. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, müssen nun ein paar Hundert anders getroffen werden. Nur welche? Und wie? Das ist die Herausforderung für das Management: einen Tanker mitten in der Fahrt in ein deutlich anderes Schiff umzubauen.

 

15. Du darfst alles verschwenden. Aber nie eine Krise.

Dabei ist der Datenträger letztlich irrelevant – die Gesetze der Aufmerksamkeit gelten für Papier wie für Tablets. (Auf die Länge gesehen sind wir alle Onlinejournalisten.) Die Frage ist, ob und wie man die Institution einer grossen Nachrichtenorganisation ins 21. Jahrhundert retten kann. (Und seinen Job dazu.) Möglich, dass die Qualität der Arbeit dabei nur eine untergeordnete Rolle spielt: so wie bei vielen untergegangenen Branchen auch. Klar ist aber, dass sich die Chancen zum Überleben wesentlich verbessern lassen: durch Wachheit, cleveres Handwerk und ein wenig Mut. Dieser Beruf ist nicht bis zum Ende erfunden worden.

Darum, geehrte Damen und Herren, dreht sich also dieser Blog: Um die Fragen einer zeitgemässen Haltung im Journalismus, um technische Tricks beim Machen, um Organisationsmodelle und wie immer, wenn es ums Schreiben geht, um die Neuerfindung der Welt. (Und das – versprochen! – in wesentlich kürzeren Posts als diesem hier.)

Danke für Ihre Geduld. Let’s roll.

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75 Kommentare zu „15 Thesen zum Journalismus im 21. Jahrhundert“

  1. Stefan Berner sagt:

    Gut, dass hier diese Diskussion angestossen wird. Gut, dass das in einem Online-Medium passiert. Ich hoffe allerdings, dass die Ausführungen zu den neuen Medien noch ein wenig kompetenter ausfallen werden. Hier schreibt ja ganz klar ein Printjourni über Printprobleme.

  2. Richard Stretto sagt:

    Endlich! (Das kann ja heiter werden.)

  3. Regina Hubschmied sagt:

    Freue mich auf weitere Posts.

  4. Respekt, hier kündet ein Juwelenfasser an, dass er sich dem Produktionsdruck der Blechstanzerei aussetzen will. Entweder der Juwelenschleifer geht demnächst ins Burnout oder um die Blechstanzerei wird bald eine Paywall gebaut. Wir sind gespannt, ob dieser Kommentar die Tamedia-Sperre seines Verfassers durchschlagen wird. Es wäre ja ein erster Hinweis auf Transparenz in der doch sehr trüben Online-Publizistik.

  5. Frank Tork sagt:

    Grosser Erstschlag. Ich freu mich auf alles, was da noch kommen mag.
    Und jetzt, unweigerlich, das nitpicking: Tippfehler in 7. (der 21. Jahrhunderts), 8. (das man genügend oft), 12. (Zunächt), 13. (Und das regelmässig).
    Tolle Sprachbilder, gutes Tempo, schnittige Schreibe, aber das/dass üben wir noch ein bisschen, ja? ;)
    Gruss, ein Fan noch aus Woz-Zeiten.

    • admin sagt:

      Besten Dank für die Hinweise.

    • Constantin Seibt sagt:

      Ja, Frank, das werden wir. Aber grosse Hoffnung habe ich nicht. Da ich von Haus aus ein wenig Leghasteniker bin (meine Deutschaufsätze wurde mit der Standard-Bemerkung zurückgegeben: Thema verfehlt! Rechtschreibung! Ungenügend!) jagen die Rechtschreibfehler sich heute noch zwar nicht mehr in Rudeln, aber in der Prärie weiden einzelne Exemplare immer noch rum. Trotz Korrektorat. Deshalb werden Sie auch weiter fündig bleiben: Nennen wir’s eine Safari für genaue Leser. Good Hunting! (Und Dank fürs Aufspüren!)

      • «die richtige rechtschreibung wurde nur deshalb erfunden, um aus wilden bauernkindern ruhig sitzende bürolisten zu machen» (stefan m. seydel, ex-rebell.tv)
        online streiten nur noch ewiggestrige über die rechtschreibung. hier will man zügig informieren und informiert werden (denn alle sind heute gleichzeitig schreibende und lesende). die rechtschreibung (inkl. satzzeichen) ist nur dann sinnvoll, wenn sie leben rettet: wir essen jetzt opa (das altbekannte beispiel;)

        • und wenn newsnetz an wiederkehrenden lesern und schreibern interessiert ist, dann installiert es hier einen button, den man anklicken kann, um darüber informiert zu werden, falls hier jemand auf meinen kommentar reagiert (denn nur dann kommen ich wieder….;)

  6. Stil und Haltung sind wichtig, da gebe ich dir recht. Aber es gibt noch etwas, was den Journalismus unersetzlich macht: Recherche und Einordnung! Umso mehr Informationen wir täglich, stündlich, minütlich ausgesetzt sind und umso grösser die PR- und Kommunikaitonsarmada von Wirtschaft und Politik wird, umso mehr braucht es Journalisten, welche die Fakten unermüdlich checken (den Rohstoff vom Dreck befreien), Motive hinterfragen, scheinbar unmustössliche Tatsachen in Frage stellen und den Lesern Orientierung vermitteln. Und ja: Geschichten erzählen. Der Kanal (Print/Online) ist dabei sekundär.

  7. Werner Brupbacher sagt:

    Welcher Journalist ist den meisten Basler bekannt? -minu. Also, alles vergessen was der mir unbekannte Constantin Seibt geschrieben hat…was zählt ist nur der Unterhaltungswert.

    • Frank Tork sagt:

      -minu ist kein Journalist. Er ist ein Gesamtkunstwerk. Eine wandelnde Installation, ein Basler Original. In einem Baz-Auto rumfahren und gelegentlich eine Kolumne schreiben macht einen noch nicht zum Journi.

  8. Constantin Seibt sagt:

    @ Stefan: Der Grund, warum der Blog noch einige Zeit eher von Print als von Online ausgehen wird, ist meine Schüchternheit gegenüber diesem Medium. Der Grund für diese Schüchternheit ist peinlich einfach: Ich bin nicht wirklich kompetent. Ich lese ihn, ich schätze ihn, aber die Praxis kenne ich nur im Print. Ich werde Sie also etwas enttäuschen. Aber ich vermute, dass rund 90 Prozent dessen, was für Print gilt, auch online zutrifft. Text ist Text, interessant ist Interessant und Gähn ist Gähn, wo auch immer. Aber ich werde lernen. Auf die Länge sind wir alle Online-Journalisten.

  9. Bernd Zocher sagt:

    Bei allem Respekt vor dem Autor: Das war 15-mal lauwarme Luft. Ich hatte den Eindruck, dass Herrn Seibts Gedanken eindeutig von seinem Stil überholt wurden ;-) Bisher boten die Zeitverzögerung zwischen Nachricht und ihrer Veröffentlichung und der Aufwand der technischen Reproduktion ein gewisses journalistisches Privileg; aber auch da war zwischen gutem und schlechten Stil zu unterscheiden. Jetzt gibt es die Fast-Zeitgleichheit von Information und Bericht. Da hilft Stil allein auch nicht – vorallem, wenn er auf die jeweiligen Rezeptionswege zugerichtet werden muss.

    • Constantin Seibt sagt:

      Ächz. Sie haben hiermit ein für Mitte nächster Woche geplantes Posting zu journalistischer Ware, Teenagerträumen und komprimierter Zeit in wenigen Sätzen fast komplett vorweg genommen. Falls Sie es dann lesen, werden Sie denken: warme selbstverständliche Luft – was ich für einen originellen hart erarbeiteten Gedanken hielt. Soweit zur Orginalität.

    • Was hat die Zeitverzögerung mit online zu tun? Für schiere Aktualität steht der Rundfunk schon seit der Erfindung des Ü-Wagens. Seit es CNN gibt, gilt sogar weltweit, dass die Zeitung mit der Nachricht an sich niemanden mehr überraschen kann. TV war schon da. Online-News waren auch nie schneller als das Radio. (Selbst Twitter ist es nur in Ausnahmefällen, abhängig vom Followerkreis des Twitternden.)
      Die Zeitung muss also schon seit Jahrzehnten durch andere Stärken punkten, vor allem durch umfassende, geprüfte, zuverlässige Information im Kontext, aber eben auch die Qualität der Präsentation.

      • Katharina sagt:

        “geprüfte, zuverlässige Information im Kontext” – da könnte ich etwas zynisches bemerken, aber ich lasse es.

  10. Salva Leutenegger sagt:

    Danke Consti! Zu 5.: Wie schafft man den Weg vom braven Kostenfaktor zum Journalisten mit Stil und Haltung?

  11. Martin Keil sagt:

    Die Lösung heisst nicht “Stil”, sie heisst unabhängiger, kritischer Journalismus. Wenn man einfach die Pressemitteilungen der Economiesuisse kopiert und grundlos irgendwelche (Atom-)Lobbyisten ihr eigen fabriziertes Interview abdrucken lässt, dann muss man sich nicht wundern, dass man nicht mehr ernst genommen wird.
    Journalismus statt stilvolle PR!

    • David sagt:

      Hier bin ich hundertprozentig gleicher Meinung. Natürlich will keiner mehr die siebenmal von PR Beauftragten jeder Spitze entbehrenden Mitteilungen lesen die der unengagierte Lohnschreiber brav öffentlich macht.
      Da hilft auch die totale Orthografie und Grammatik nicht mehr. Es ist einfach alles gleich. Stil? Meinetwegen. Online oder Print – – Jacke wie Hose. Wie war das mit der vierten Macht im Staat? Das alles scheint vergessen.

  12. haemmmerli sagt:

    Consti, wieder grossartig. Und: Dass Stil Haltung voraussetzt hat Gore Vidal so formuliert: “Style is knowing who you are, what you want to say and not giving a damn.”

  13. W. Bernet sagt:

    Hallo Herr Seibt, schön zu sehen, dass Ihre Gedanken endlich eine würdige Plattform erhalten, die Ihnen seit WOZ Zeiten leider abhanden gekommen ist. Sowie auch, dass Ihre lesenswerten Artikel nicht mehr mit den vielen Boulevard-Massenartikel des Tagi direkt konkurrieren müssen. Wir lesen gespannt.

  14. asklahre sagt:

    Gute Thesen, sehr gute Kernsätze und immer wieder Kumulation in Qualität, Mut – und, wie schön, nun auch noch Stil. Die Thesen sind ebenso wichtig wie das Ergebnis nicht mehr bezahlt wird. Bezahlbar wäre dieser Journalismus allemal, man muss ihn sich leisten wollen. Übernehme den Link sehr gern auf “All die schönen Worte”.

  15. Durina Grau sagt:

    Jubel! Endlich ein Medienblogger, der was zu sagen hat (haben wird). Ermattete Pioniere, erhabene Säusler und altkluge Langweiler haben wir alle schon gehabt, jetzt kommt der Mann vom Swissair-Prozess. Herzlich willkommen im digitalen Basar, Herr Seibt, und auf viele weitere Posts!

  16. Sebastian Henning sagt:

    Was ist denn mit dem Web anders geworden? Die Kritik und Publikationflut des Laien.
    Kritik: Das unentwegte Feedback in Kommentaren, Blogs und social Web beeinflusst den Journalisten stark. Der Journalist muss hier wieder Unabhängigkeit erlangen ohne den Diskurs zu scheuen.
    Publikationsflut: Jeder kann. Das bringt zwar viel Müll in das Netz, aber die Community bringt die Perlen schnell an die Oberfläche. Kostenlos. Damit hat der Journalist eine allmächtige Konkurrenz auf der ganzen Bandbreite. Der Journalist muss sich spezialisieren, dann ist der Rezipient auch wieder bereit zu zahlen.

  17. Mchael Bischoff sagt:

    Journalist/-innen sind ueberfluessig. Das Wort entstammt “journal”; Zeitungen sind hoffentlich bald alle endlich tot. Kann diese taegliche unnoetige Rohstoffverschwendung fuer das physische Produkt fast nicht mehr ertragen. Gefragt sind Webplaetze, auf denen sich Userschwaerme, die direkt bloggen, dort treffen, wo sich zufaellig gerade am meisten Substanz bildet.

    • David sagt:

      Intelligentes Erfassen / Zusammenfassen von Vorgängen, eigene Meinungsbildung, Hintergrundinformation recherchieren und übersichtlich darstellen, unbekannte Fakten sammeln und denen eine Stimme geben die selber nicht zu Wort kommen ist wahrscheinlich nicht die Stärke von blitzschnellen Bloggern. Nichts gegen sie, aber guter Journalismus ist sicher weiterhin eine gefragte Ware, ob im Netz oder Print. Sicher ist aber, dass das gedruckte Wort immer noch mehr Stil hat als der Bildschirm. Das Kino ist ja auch nicht untergegangen wegen des Fernsehens.

    • Richard Stretto sagt:

      «Direktbloggende Userschwärme» produzieren nicht mehr Substanz, sondern nur heissere Luft. Und solange man diese Thermik nicht effizient zur Energierückgewinnung nutzen kann, kann sie mir gestohlen bleiben. Stattdessen erwarte ich von Medien – egal, ob Print oder online; und bin dafür durchaus auch bereit zu bezahlen – klare Gedanken, neue Einsichten, Hintergründe, Gewichtung, Verkettung, Verdichtung. Und das bitte so geschrieben, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch die Lektüre die investierte Zeit rechtfertigt.

    • So kann nur jemand reden, der Tag für Tag nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause am Computer sitzt. Ist das nicht unnötige Stromverschwendung? Es gibt viele Menschen, die wollen in der Bahn, auf der Parkbank oder auf dem Lokus lesen. Soll für die etwa eine Notebook- oder iPad-Pflicht eingeführt werden?

  18. c.berchtold sagt:

    viel kann ich nicht dazu sagen, bin ja leserin und nicht journalistin, aber gespannt bin ich allemal.
    werde sicher regelmässig in diesen blog reinschauen.

  19. Christian Hoffmeister sagt:

    Die Lösung liegt schon lange auf der Hand – wer sich mit Medien-und neuer Institutionen-ökonomie befasst – was die meisten Medienmanager interessaner Weise nicht machen – wird sehen, dass Wertschöpfung heute anders funktioniert als noch vor der digitalen Revolution!
    Die zwei ersten Maßnahmen, die Zeitungen ergreifen müssten sind:
    1. Kostenreduktion durch Einsatz von Netzwerken bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung von Inhalten
    2. Umsetzung von Lock-In-Effekten bei Usern, statt alles “Zugangsfrei” abzugeben!

    3.

    • Thomas sagt:

      Zu 1.
      Qualität ist hier ein grosses Problem. Auch werden damit keine Kosten reduziert. Im Gegenteil, Networking ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Zeit ist Geld – und eines von beiden muss man intensiv einsetzen fürs Networking.

      Zu 2.
      Haben Sie bei z.B. bei SPON (Spiegel Online) je ein “Lock-In”-Angebot wahrgenommen? Ich nicht. Das Angebot müsste ja unheimlich unter den Nägeln brennen. Aber hey, kaum was in den News ist derart brennend. Und wenn, lässt sich der Brand anderweitig meist schnell löschen – google sei Dank. Wir sind alle auch Onlinerechercheure…

  20. Filip sagt:

    Ich bin mit Herr Seibt völlig einverstanden und stimme auch Bernd Zocher zu, doch ich stelle mir die Frage, wie man die Medienunternehmen (denn heute handelt es sich eher um Konzerne, als um Verlage) dazu bringt in die Hoffnung, Stil wird sich durchsetzen, zu investieren. Der Journalismus kann noch so gut sein, aber wenn an der Spitze der Unternehmen seelenlose Taschenrechner Entscheidungen treffen, dann nützt das ganze nichts. Oder muss die journalistische (R)Evolution von unten beginnen?

  21. Jede Thesensammlung hilft der Diskussion. Machen Sie bitte nicht den Fehler, Online die Hauptschuld zu geben, online verschärft nur die Situation. Die Krise der Tagespresse begann weitgehend unbemerkt schon Mitte der 80er Jahre. Privatfernsehen war und ist eine wichtige Medienzeit-Konkurrenz, Kaufkraftverluste und Geburtenrückgang nagen am Käuferpotential. Und die Werbung landet mitnichten in Onlinemedien, sondern below-the-line sowie in PR-Maßnahmen und unternehmenseigener Kommunikation.
    Die Glauwürdigkeit des Journalismus ist insgesamt im Keller, belegen viele Umfragen. Wer holt sie raus?

    • Wie jede Pauschalaussage spiegelt die Behauptung, die “Glaubwürdigkeit des Journalismus” sei “insgesamt im Keller”, nur ein Vorurteil wider. Es gab immer den Spruch, jemand lüge “wie gedruckt”, es gab immer unseriöse Journalisten, wie es auch Winkeladvokaten, betrügerische Kaufleute oder korrupte Politiker gab.

      Glaubwürdigkeit musste man sich stets verdienen, ob als Anwalt, Redaktor, Kaufmann. Das ist nichts Neues.

      Und “unternehmenseigene Kommunikation” ist ganz sicher nicht glaubwürdiger als unabhängiger Journalismus.

  22. Gerhard Gerhards sagt:

    Lieber Herr Seibt

    Da hab ich gelesen und gezählt, aber 15 Thesen sind das nie und nimmer. Höchstens 5 Kernsätze habe ich entdeckt. Nun hat es B.Z. schon erwähnt: Viel warme Luft, aber stilvoll verpackt. Doch einmal mehr frage ich mich (nach genussvoller Lektüre Ihrer Zeilen): Gehört in der heutigen Zeit die Verwendung der Wörter “teuflisch”, “zur Hölle” und “verdammt” zum guten Stil einer Silberfeder? Keiner Ihrer Artikel kommt ohne sie aus, auch der obige nicht. Warum?

    Ihr Geert Geerts

    • Constantin Seibt sagt:

      Geehrter Herr Geerts, das frage ich mich auch. Ich vermute, dass die Verdammts, Teufel und Höllen einfach daher kommen, dass ich in der Jugend ein wenig zu viel Amerikaner gelesen habe. Und sowas Cooles auch mal schreiben wollte. Offensichtlich bis heute. Im Print halte ich mich damit mehr zurück. Im subjektiveren Online hingegen, leiste ich mir etwas mehr, so wie eine eigentlich disziplinierte, dicke Dame, die im Ausland mehr Schokolade nacht, weil man eben im Ausland ist. Und man dann ein wenig Netter zu sich ist. Die Verdammts sind also nichts als persoenliches Coolness-Konfekt, fürchte ich

      • Gerhard Gerhards sagt:

        Lieber Herr Seibt

        Ich sehe: über Geschmack und Stil lässt sich trefflich streiten. Einen Streit will ich hier jedoch nicht anzetteln; einen nächsten Blog anregen aber schon: Warum soll denn der Stil im Print- anders sein als im Online-Journalismus? Dass es so ist, stelle ich nicht in Frage; und Sie sind ja gleich selbst ein bekennendes Beispiel dieses Phänomens. Deshalb nochmals, leicht anders formuliert: Warum soll man online (in meinen Augen: vermeintlich!) cooler schreiben (müssen/dürfen?) als auf Papier?

        Ihr Geert Geerts

        • Thomas sagt:

          Nicht cooler, aber kürzer. Was aber auch heisst: Schneller auf den Punkt. Sowie: Das Wesentliche zuerst. Schon alleine dadurch wird die Chose – recht gemacht – knackiger.

  23. Ächz, wat ‘n Diskussion: Lieber lauwarme Luft zu einem ernsten Thema als garkein Lüftchen, lieber launig verpackte Wichtiggedanken und Neuideen, als nur in Nichts verpackte Nichtgedanken von Leuten, die man noch nicht mal von denen selbst wirklich gehört, sondern in irgendeinem wichtigen Studiengang beiläufig aufgeschnappt hat. Ächz, die neumodischen Smartphoner können es den Bleistiftschreibern aber ganz schön schwierig machen mit ihrer Flottmeinungsabschreiberei. Thema verfehlt? Nö, direkt auf den Punkt getroffen, auf genau 15 ganz genau. Danke, fühle mich gut informiert zum Thema.

  24. Marc Gieriet sagt:

    Einfach gut. Neben Stil und Haltung lese ich in jeder Zeile Leidenschaft – im Journalismus sowas wie das Gegenstück zum Zynismus.
    Dringend notwendig ist das. Bitte weitermachen.

  25. Hugo Albrecht sagt:

    “Deadline”? Völliger Titel-Fehlgriff.. zudem ist dieser Name schon zu oft in der Medien-Welt vergeben. Angefangen beim Online-Filmmagazin Deadline…und bis zum deutschen (Print)-Magazin “Deadline – Das Filmmagazin”… schlechte Wahl…

  26. Roger W sagt:

    Seibt bringt’s auf den Punkt: Man muss als Journi schreiben können. Leider können das in der Schweiz nur ganz wenige: Original-Mamabloggerinnen, Weltwoche-Zimmermann, Seibt himself, und noch ein paar andere. Ich habe vor ca. 15 Jahren tatsächlich die WoZ abonniert, nur um die Familie Monster Glosse zu lesen! Bin sehr gespannt auf diesen Blog.

  27. Roberta Fischli sagt:

    Ordnung schaffen im Faktenmeer, Zusammenhänge aufzeigen. Nicht nur Geschichten erzählen. Das braucht Zeit zum Recherchieren und die kleinen Rädchen, die zuverlässig drehen und Nischen erkennen. Darum geht es, und statt der grossen Panzer, die alles plattwalzen, brauchen wir Zeit und Motivation, und von beidem kriegen wir zuwenig.

  28. Jan Graber sagt:

    In der Stillosigkeit der Gewinnmaximierung und Quotenbolzerei weiterhin an den Stil zu glauben und ihn zu bewahren: Ohne einen gewissen Autismus, sprich unerschütterlichen Glauben ans Bessere, ist die kaum zu schaffen. Stil ist heutzutage zudem nicht viel mehr als ein weiteres Geschenk der Ruderer an die Kapitäne – ohne die Gewissheit, ans Ziel zu kommen.

  29. Jeeves sagt:

    Das Sterben der Journaille erfüllt mich auch mit klammheimlicher Freude. Schadenfreude. War sie es doch, die bürgerliche Printpresse, die vor etwa 10 Jahren hämisch über die wg. Internet sterbende Musikindustrie herzog (ich war und bin Betroffener). Nun sind diese lästernden Schreiber selbst dran. So geht’s. Kein MItleid.

    • Constantin Seibt sagt:

      Wie grausam von Ihnen, Jeeves! Aber so geht es, die Armen stossen die noch Ärmeren zurück, die Aussenseiter auf dem Schulhofplatz prügeln sich aufs Blut für etwas Anerkennung, die Irren bekämpfen die Irren in ihrer Anstalt. Der Teufel bekommt uns immer sackweise geliert, nicht?

  30. tillin... sagt:

    merci vielmals! ..kann es mir nicht verkneifen, meinen Senf dazu zu geben: Die Debatte Print- vs. Online-Journalismus klingt für mich ja immer ein wenig nach dem alten Lied “Video killed the Radio-Star”. Will sagen: die Diskussion ist doch eigentlich so alt wie die Medienvielfalt (Print-Radio-TV-Internet) an sich. Und wenn der Wind des Wandels weht sollte man vielleicht lieber Windmühlen statt Mauern bauen. Oder um es mit einem Zitat aus #15 zu sagen: “Auf die Länge gesehen sind wir alle Onlinejournalisten.”
    mfG, t…

  31. Herzlichen Dank, dass Sie den Autismus als Behinderung wahrgenommen haben. Rund 50’000 Menschen sind in der Schweiz davon betroffen. Autismus als etwas zu bezeichnen, das sich Sieger als Luxus leisten können, ist in Anbetracht der äusserst erschwerten Lebensbedingungen von Menschen mit Autismus nicht gerechtfertigt und verletzend. Gerade in Bezug auf den Autismus gibt es seitens Gesellschaft viele, wie Sie schreiben, „leere Flecken“ und ein “ernsthaftes Zurückfragen” ist wirklich wichtig. Gerne lade ich Sie deshalb zum Recherchieren ins http://www.autismusforumschweiz.ch ein.

  32. Désirée sagt:

    Grundsätzlich wäre Ihr Stil einer der mir zusagt. Ich bin gespannt was folgt.
    Wie so oft folgt hier ein aber: Sie wissen was Autismus ist (Punkt 13)? Dann frage ich mich, oder eher Sie Herr Seibt, wo ist hier der Zusammenhang? Ich finde keinen, leider.

  33. Ehrlich gesagt, dürfen viele Zeitungen getrost untergehen. Bei mir im Briefkasten landen täglich 2-3 Gratis-“Zeitungen” (eine bewährte Technik zur künstlichen Auflagensteigerung) wie Zürcher Oberländer, Obersee-Nachrichten, SVP heute und wie sie alle heissen mögen. Eines haben sie gemeinsam: Den Schreibstil eines gelangweilten 16jährigen KV-Lehrlings. Dazu noch Nachbarschaftsstreit im Stasi-Style als Aufmacher. Nein, diese Zeitungen dürfen, müssen sogar sterben. Eine Zeitung mit Stil, dazu noch Online, wie die “Zeit” allerdings kaufe mittlerweile sogar ich, schon lustig irgendwie…

  34. chrisp sagt:

    Eine These möchte ich hinzufügen: Die Verlierer haben ein Geschlecht. Wenn 98 Prozent der Chefredaktionen von Tages- und Wochenzeitungen männlich besetzt sind, dann müssen es wohl Männer sein, denen das sinkende Schiff außer Kontrolle gerät. Dasselbe Geschlecht finden wir in den Führungspositionen der Verlage. Sie sind ebenso wenig in der Lage, eine veränderte Medienlandschaft zu begreifen und wahren lieber Besitzstände, Hierachien und Bequemlichkeiten, als in gute Ideen zu investieren. Ich weiß auch nicht, ob Frauen es besser machen würden. Aber es wird Zeit, ihnen eine Chance zu geben.

  35. Ich sehe, Sie delegieren die Medienthemen nicht länger an Maurice Thiriet, Herr Seibt.

    • Constantin Seibt sagt:

      Ach was. An Herrn Thiriet ist schon etwas viel Wichtigeres delegiert worden. Herr Thiriet ist die Zukunft.

  36. Marcel sagt:

    Wunderbarer Text – Vielen Dank! Ich bin an einem Text mit dem Titel: “Mut zum Fragezeichen” – Ihr Punkt 13…

  37. mila sagt:

    Wieso nicht den Gedanken zu Ende spinnen: “ein klarer Stil – also Produkt gewordene Haltung – fasziniert immer ein Publikum.”

    Stil fasziniert nicht nur ein (bestimmtes) Publikum, er bedient vielmehr dessen Habitus. Ein Begriff, der weit mehr als eine überzeugte Gewohnheit umfasst.

  38. Daniel sagt:

    Thesen, die ich als gelernter Print-Redakteur gerne unterschreibe. Nur frage ich mich gerade, ob der Autor aus dem Ausland gebloggt hat? Auf seiner Tastatur scheint das “ß” zu fehlen. Das gibt es nämlich nach wie vor in der deutschen Rechtschreibung. Größtenteils wird es aber leider fälschlicherweise von einigen Textern (auch Journalisten) unterschlagen. ;-)

    • Alex sagt:

      Der Autor ist Schweizer – ebenso wie der Tagesanzeiger eine Schweizer Zeitung ist. Und dort gibt es das “ß” seit über 50 Jahren nicht mehr.

  39. In den 80er Jahren war ich die Skilehrerin (besser Ski-Begleiterin) von Rudolf Augstein, dem Gründer und Eigentümer des Spiegel.
    Zu der Zeit war der Spiegel das einzige Printerzeugnis das allein von den Verkäufen hat leben können, war also unabhängig von Werbeeinnahmen. Ich habe Augstein gefragt wie er sich das erkläre und was der Unterschied zu anderen Medien-Titeln ausmache.
    Er sagte, es seien zwei Dinge: “Gehalt und Haltung”. Das mache den Spiegel einzigartig.
    Zumindest Augstein würde dem Constantin Seibt also recht geben.

  40. damals sagt:

    Ja, ein schön geschriebener Artikel – nur in dem, was er sagt, geht er in die falsche Richtung. Letztlich ist die Aussage doch: Wenn ich meine Zeitung verkaufen will, brauche ich Aufmerksamkeit. Das erreiche ich durch weniger Fakten und besseren Stil. Und diesen besseren Stil erreiche ich nicht durch oberflächliches sprachliches Überpolieren, sondern nur durch echte Begeisterung aus einer individuellen Haltung heraus. Also indem ich die tausendfach kopierte Nachricht nicht noch einmal wiederhole, sondern originell umformuliere und bewerte, in meine Geschichte einbaue.
    Das klingt auf den ersten Blick einleuchtend, vielleicht verkauft sich so etwas sogar. Aber wirklich brauchen tut der Zeitungleser solche Texte nicht. Denn: Mir aus den überall veröffentlichten, wenigen und immer gleichen Fakten meine jeweils private Verschwörungstheorie basteln – das kann ich als Medienkonsument auch alleine. Was mir fehlt, sind die Fakten. Denn ich habe ein begrenztes Lebensumfeld, der Journalist aber hat Kontakte und kann reisen. Wenn beispielsweise über den Mindestlohn in Deutschland debattiert wird, dann kann ich mich dazu positionieren, denn ich kenne einige Leute, die sehr wenig verdienen, und ich kenne auch Leute, die mehr verdienen, und Freiberufler mit (auf höherem oder niedrigerem Niveau) schwankendem Einkommen kenne ich auch (allerdings: schon Leute, die sehr viel Geld haben, kenne ich nicht und würde gern mehr über sie wissen). Aber wenn jetzt in der globalisierten Welt plötzlich über Syrien, Nigeria oder Afghanistan diskutiert wird – da habe ich doch, ehrlich gesagt, keine Ahnung davon, wie die Leute da ticken und was da so vor sich geht. Und an der Stelle brauche ich Fakten, unabhängig recherchierte Fakten. Die originell aufbereitete oder meinetwegen auch kritisch kommentierte Agenturmeldung hilft mir da gar nicht, wie engagiert sie auch immer formuliert sein mag.
    Und mein Bedürfnis nach sprachlicher Schönheit und gedanklicher Tiefe, das stille ich mit Büchern. Dafür brauche ich keinen Journalismus – weder Print noch online.

  41. Katharina sagt:

    Sosehr ich das Thema und Ihre zur Diskussion angebotenen Thesen schätze, Herr Seibt, muss ich doch sagen dass dazu diese Plattform hier ungeeignet ist. Dies aus zwei Gründen:

    als erstes die unsägliche Zeichenbegrenung auf 600 Zeichen, die eine differenzierte Diskussion sehr stark verhindert und zweitens, dass der Wortfilter manchmal auf sehr seltsame Art anspricht.

    Dies und die bei diesem Haus sehr in-transparente und dilettantische Art der Moderation macht Ihren Blog leider wegen der Plattform-Wahl wenig relevant.

  42. Walter Künzler sagt:

    Hörte mir heute Nachmittag Ihre ‘3 Freiheiten’ an der Ausserrhoder Kulturlandgemeinde in Wienacht (AR) an, Herr Seibt. Das waren spannende Fussnoten zu Ihren 15 Thesen hier, danke!

  43. “Stil – produktgewordene Haltung” – Lieber Herr Seibt, vielen Dank für diese brillante Formulierung! Die wenigen Kommentatoren, die sich in diesem Forum mit diesem Themenkomplex befassen, zeigen, daß “Stil” eben immer noch als Verzierung und Zugabe verstanden wird und eher als Ausdruck einer schöngeistigen oder gar intellektuellen Haltung. Jemand, der sich in den 30er Jahren schon mit Stil und Haltung in der Kommunikation ausführlich, aber noch längst nicht erschöpfend auseinander gesetzt hat, war Hans Domizlaff in dem Buch “Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens”. Schauen Sie da mal rein!

  44. Noch eine Anmerkung zu “Autismus” in These 13: “Autismus” ist für die von Ihnen gemeinten sogenannten “Sieger” eine noch schmeichelhafte Umschreibung des Problems, wobei Sie die davon tatsächlich Betroffenen mit dem Vergleich beleidigen. Eher trifft es “Arroganz”, “Ignoranz” oder besser noch “Impertinenz”. Wahrscheinlich sogar alles drei zusammen.

  45. Fakten sind Dreck, Nachrichten nicht attraktiv: Das liest sich schön schneidig, aber um welche Nachrichten geht es? Nachrichten, auf deren Grundlage Menschen Entscheidungen treffen, haben selbstverständlich ihren Platz und sind etwas wert. Um einzuschätzen, ob eine Aktie (ein Buch, ein Film) lohnt, brauchen Menschen Nachrichten von Medien, denen sie vertrauen. Dass Zeitungen mehr bieten müssen, nämlich Analyse, Hintergrund, Einordnung, Emotion, Zugehörigkeit und ja, auch ganz besonders Stil, hat doch so einen Bart! Es geht darum, Relevanz für Leser zu schaffen, egal auf welchem technischen Weg

  46. Vielen Dank für diese klaren Statements in den 15 Thesen. Stil heisst Haltung und liegt konträr zu Design und Oberfläche. Bin ich gleicher Meinung. Wir sollten uns endlich lösen von der Postmoderne und ihrem Dogma der Authentizitätsverneinung. Es geht jetzt wieder ums Lebendige. Um das zu begreifen, braucht’s vielleicht wieder einmal ein Paar Ohrfeigen.

  47. Claudia Stury sagt:

    Tja, schöne Worte – und nix dahinter!
    Gerade bei Euch Mainstream-Blättern vermisse ich den beschriebenen Stil und transparente Kommunikation – ein ehrliches und interessiertes Recherchieren von gegebenen Dingen, die real – hier und jetzt – um uns herum passieren – und dann ein aufrichtiges Weitergeben dieser Recherche-Ergebnisse an die Leser – DAS wäre doch Journalismus, wie er eigentlich gedacht ist. Aber den Pressecodex habt Ihr ja schon vor langer Zeit weit hinter Euch gelassen …
    Doch wer’s noch liest – und auch noch daran glaubt – ist selber schuld!

  48. Diskussion weiter führen! Bundesrat und Parlamentarier haben eine Verantwortung gegenüber der Stimmbürger für ein demokratiegerechtes Mediensystem. Bezahlte, professionelle Journalisten, unabhängig, sind wichtige Akteure. Heute bezahlt der Stimmbürger nicht mehr für Informationen, die er eigentlich nicht will aber trotzdem braucht. Demokratie auf der Basis von Emotionenen und finanzierten Eigeninteressen ist gefärlich. Ebenso Medien abhängig von Werbung und Sponsoren. Medien und Journalismus sind von nationalem Interesse.

  49. Diese Infos haben mich nicht überzeugt! Könnte man besser machen… Sorry

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