Vor sehr vielen Jahren, als Volontär im «St. Galler Tagblatt», spielte ich manchmal in Begleitung anderer niederrangiger Redakteure eine Partie Darts. Das Dartbrett nannten wir «Der Leser». Wir warfen die Pfeile mit echtem Hass: mit voller Kraft und wenig Präzision. Der Hass hatte Gründe. Denn wann immer einer von uns von den Chefs zurechtgepfiffen, zusammengestaucht, [...]
Mehr davon!Kurze Theorie der Leser, dieser Bastarde
Wie man einen Welterfolg landet. Der Massanzugsartikel (Teil 2)
Ah, schön Sie wieder zu sehen, gestärkt durch einen Kaffee und das Wochenende. Letzten Freitag ging es um die Verfertigung von Massanzugsartikeln. Also Artikel, bei denen der Stil den Fakten wie angegossen passt. Und heute geht es um das gleiche. Und es wurde versprochen, mit etwas Sauberem und Praktischem zu beginnen: mit einem Skelett. (Falls Sie [...]
Mehr davon!Der Journalist als Dandy. Der Massanzugsartikel (Teil 1)
Fakten sind nur die Hälfte der Botschaft. Die andere ist der Stil. Wobei der Stil meist – mehr oder weniger elegant – zum seriösen Transport des Inhalts dient. Wie jeder Vertreter trägt der Text also einen Business-Anzug von der Stange. Was aber passiert, wenn man den Fakten einen echten Massanzug verpasst? Immer dann, wenn Aufbau [...]
Mehr davon!Jeder Krüppel hat seine eigene Art zu laufen
Der «Tages-Anzeiger» ist eine liberale Zeitung. Man hat als Redaktor viel Freiheiten. Einer der wenigen Fälle, bei denen ich einen entschiedenen Befehl zum Streichen erhielt, war bei einem Artikel zur Wahl des neuen Fernsehdirektors, Rudolf Matter. Kritisiert wurde die Anfangsszene: Bei der Pressekonferenz sass Matter zwischen den beiden entscheidenden Leuten, die ihn gewählt hatten: SRG-Direktor Hans [...]
Mehr davon!Mut im Büro
Einer der peinlichen Momente im Journalismus ist, wenn Leser einem zu seinem Mut gratulieren. Verblüffenderweise geschieht das fast immer dann, wenn man breit Akzeptiertes schreibt: etwa Kommentare gegen Banken, Manager oder das Bankgeheimnis. Zehn Jahre davor, als dieselben Kommentare noch umstritten waren, klang das Echo anders. Damals war das Publikum 50:50 gespalten. Die erzürnte Hälfte warf einem Absurdität vor. Und auch [...]
Mehr davon!Die Pflicht zur Grösse – warum man sich nicht in der Provinz hängen lassen sollte
Es gibt zwei Zitate aus dem Film «Kinder des Olymp», die in jeder Redaktion hängen sollten. Das erste sagt der Schauspieler Frédérick, als er noch als Pantomime arbeitet: Wie, was – wieso soll ich Pantomime spielen, wenn ich doch ein Orchester in der Brust habe? Das zweite Zitat äussert der Dandy und Verbrecher Lacenaire, nachdem er einen [...]
Mehr davon!Im Notfall: Werfen Sie Glasperlen vors Volk
Was, wenn es nicht rund läuft? Wenn Sie einen komplexen Stoff nicht in den Griff bekommen? Und der Redaktionsschluss ist praktisch Tatsache? Das Desaster zuvor war: Sie sind in den eigenen Notizen ertrunken. Sie haben keine Haltung zum Stoff gefunden. Sie wissen hundert Dinge, nur nicht, was das Ganze soll. Was tun? Der beste Rat [...]
Mehr davon!Kurt Felix, die Pudelfrisur, ein Jahresgehalt und andere bösartige Nebeneffekte
In meinem Nachruf zum Showmaster Kurt Felix schrieb ich letztes Jahr, dass ich in nur zwei Begegnungen gleich drei Dinge von ihm lernte: Beim ersten Mal etwas über Interviews und Macht. Und beim zweiten Mal das Fürchten. Jedenfalls kostete das Ganze meine Familie wahrscheinlich ein paar Hunderttausend Franken. Es begann mit einem grossen Foto von mir in der [...]
Mehr davon!Der schärfste Special Effect, den das Schreiben zu bieten hat
Es ist der coolste Spezialeffekt im Business, und wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gäbe, dürfte ich ihn nie mehr benutzen. Denn ich habe mein Lebenskontigent bereits in einem einzigen Sommer verschleudert. Mit 22 schrieb ich mit einem Freund, Michael Spittler, einen Krimi mit dem Titel «Das Unglück». Wir schrieben abwechselnd Kapitel um Kapitel. Und versuchten, [...]
Mehr davon!Die Strategie für die Zeitung von Morgen, Teil 2: Das Wagnis
Im ersten Teil ging es um die fundamentale Wende im Lesermarkt. Ihr Leben lang verkauften erfolgreiche Medien offiziell Informationen. Doch inoffiziell verkauften sie Gewohnheiten: das Frühstück mit Zeitung und den Abend mit Tagesschau. Nun löst sich die Information vom Trägermedium, und das Geschäftsmodell bricht zusammen. Damit ändert sich das gesamte Produkt: Statt Halten eines Gewohnheitspublikums [...]
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