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Noser, Fehr, Blocher – so häufig waren sie in den Medien

Von Patrice Siegrist, 5. August 2015 3 Kommentare »
Die aktuelle Legislatur ist kurz vor dem Ende. Zeit für eine Bilanz. Wie präsent waren die Zürcher Vertreter in Bern in den Zeitungen? Wir haben nachgezählt.
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Die Unterschiede in der Medienpräsenz sind frappant. Der Datenblog hat analysiert, wie viel Aufmerksamkeit die Zürcher National- und Ständeräte während der aktuellen Legislatur in Zeitungen generiert hatten. Dazu wurden die Anzahl veröffentlichter Artikel gezählt, in denen eine Parlamentarierin oder ein Parlamentarier mindestens einmal erwähnt wurde (Vorgehen siehe Box). Das Ergebnis: Das Podest teilen sich Christoph Blocher (SVP), Christoph Mörgeli (SVP) und Jacqueline Fehr (SP).

Christoph Blocher ist die unangefochtene Nummer eins. Über 3800 Artikel erzielt der ehemalige SVP-Nationalrat, der während der Legislatur am 31. Mai 2014 zurückgetreten ist. Fast jeder zehnte Artikel erschien im Zusammenhang mit der kontrovers diskutierten Masseneinwanderungsinitiative oder der SVP-Initiative zur Volkswahl des Bundesrates.

Auf Rang zwei folgt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Mit über 1500 Artikeln erreicht er weniger als die Hälfte der Artikel als Blocher.  Sein Abstand auf die drittplatzierte SP-Nationalrätin und Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr beträgt knapp 500 Artikel.

Der Vorsprung hat hauptsächlich einen Grund: Die «Affäre Mörgeli». Rund 400 Artikel, in denen Mörgeli erwähnt wird, sind im Zusammenhang mit der Affäre um das Medizinhistorische Institut der Universität Zürich und dem daraus folgenden Rechtsstreit erschienen.

Jacqueline Fehrs Podestplatz ist unter anderem auf ihre Kandidaturen zurückzuführen. Sie bewarb sich während der Legislatur zweimal für ein hohes politisches Amt. Sie war Favoritin fürs SP-Fraktionspräsidium in Bern, scheiterte aber im Februar 2012 knapp. Dafür hat sie das Zürcher Stimmvolk im April 2015 in den Regierungsrat gewählt. Beide Ereignisse brachten der Sozialdemokratin aus Winterthur medial viel Aufmerksamkeit, wie die Grafik zeigt.

jacqueline_fehr

Weibel ist nicht «mediengeil»

Es gibt Politiker, die kaum in den Medien erscheinen. Zum Beispiel: GLP-Nationalrat Thomas Weibel. Er wird nur in 89 Artikeln erwähnt. Das ist rund ein Zehntel so oft wie Parteikollege Martin Bäumle. Weniger Beachtung findet einzig BDP-Nationalrat Rudolf Winkler. Und dieser ist erst 2015 für Lothar Ziörjen nachgerückt. Auf dem zweitletzten Platz rangiert GLP-Nationalrätin und Fraktionspräsidentin Tiana Angelina Moser und auf dem drittletzten Platz Rosmarie Quadranti von der BDP. 

Der Horgener Thomas Weibel erklärt seinen letzten Platz wie folgt:

  • Erstens: Er sei zwar nicht «medienscheu», aber auch nicht «mediengeil».
  • Zweitens: In der letzten Legislatur hätten seine Themen, beispielsweise die Altersvorsorge, keine Hochkonjunktur gehabt.
  • Drittens: Er beobachte, dass für die Medien die Position der GLP und auch seine Arbeitsweise als «fundierter Arbeiter» oft zu wenig spektakulär und daher uninteressant seien.

Journalisten schreiben kaum über Thomas Weibel (GLP). Bild: Keystone/Peter Klaunzer

Journalisten schreiben kaum über Thomas Weibel (GLP). Bild: Keystone/Peter Klaunzer

Ganz so uninteressant kann die Position der GLP aber nicht sein. GLP-Präsident Martin Bäumle landet auf dem achten Rang und positioniert sich noch vor der GLP-Ständerätin Verena Diener (Rang 22). Diener spielt von den beiden Zürcher Ständeräten in den Medien die kleinere Rolle. FDP-Ständerat Felix Gutzwiller (Rang 10) wird in rund 60 Prozent oder knapp 250 Artikeln mehr erwähnt.

Auch graue Mäuse bei der SVP

Die Analyse widerspiegelt, dass tendenziell die drei stärksten Zürcher Parteien SVP, SP und FDP mehr Medienpräsenz haben. Es gibt aber auch Ausnahmen. Bei der SVP beispielsweise hats zwei graue Mäuse. Da wäre der Präsident des Hauseigentümer Verbandes Hans Egloff mit knapp über 180 Artikeln. Oder Jürg Stahl, der seit 16 Jahren im Nationalrat politisiert und nur in 233 erwähnt wird.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sind es Martin Naeff und Andreas Gross, die mit 190 respektive 249 Artikeln deutlich hinter ihren Parteikolleginnen und -kollegen liegen. Die Parteizugehörigkeit zu einer der drei grössten Parteien ist kein Garant für eine Top-Platzierung.

Zum Vorgehen:

Analysierter Zeitraum: 4.12.2011 bis 20.6.2015 (ein Tag vor der ersten Session der 49. Legislatur und ein Tag nach der letzten Sommersession)

Medienauswahl: Für die Analyse wurden lokale (Zürcher) und nationale Medien via SMD durchsucht. Die Auswahl der Medientitel ist die gleiche, wie jene des Zürcher Medienmonitors des Politologen-Blog Politan. Einzig der Furttaler wurde zusätzlich ergänzt: 20 Minuten online, Blick am Abend, Blick, Furttaler, Glattaler, Limmattaler Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, NZZ am Sonntag, Rümlanger, Schweiz am Sonntag, SonntagsBlick, SonntagsZeitung, SRF.ch, Tages-Anzeiger, Volketswiler, Zürcher Oberländer, Zürcher Unterländer, Zürichsee-Zeitung.

Suchkriterien: In einem Artikel musste mindestens einmal der volle Name und die Partei des Parlamentariers erwähnt werden. Bei Tiana Angelina Moser (GLP) und Gregor A. Rutz (SVP) wurde zudem nach Tiana Moser und Gregor Rutz gesucht.

Die Parlamentarier: Ausgewertet wurden alle Zürcher National- und Ständeräte der 49. Legislatur.

Update 6.8.2015: In einer früheren Version dieses Artikels ging der Rücktritt von Hans Kaufmann (SVP) vergessen. Im Mai 2014 rückte Ernst Schibli (SVP) für ihn in den Nationalrat nach. Die Tabelle und der Text wurden angepasst. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

3 Kommentare zu “Noser, Fehr, Blocher – so häufig waren sie in den Medien”

  1. Hans Müller sagt:

    Soviel ich weiss ist Blocher nicht mehr Nationalrat, er hat dort in Bern seine Zeit vergeudet.

    • Andreas sagt:

      Soviel ich glaube, ist Blocher irgendwo in einem Keller verwahrt und wird nur noch alle 6 Monate der Presse vorgesetzt. Ich glaube die SVP hat endlich gemerkt, dass das alte Männchen nur noch schadet mit seinen zusammenhanglosen Sätzen. Aber solange er zahlt wird man seinen immer verwirrerenden Aussagen folge leisten müssen.
      Das ist meine Sicht der Dinge und beruht natürlich nicht auf Fakten 🙂

  2. Theodor Rickli sagt:

    Es zeigt einmal mehr, wie die SVP-Schreiberlinge Tatsachen verdrehen. Wenn Sie von linker oder staatsgläubiger Presse sprechen und es so darstellen, dass die SVP nie erwähnt wird oder zu wenig in die Presse kommt….die Wahrheit ist hier gut dargestellt.