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Wo der Mittelstand prosperiert

Von Iwan Städler, 4. Dezember 2014 39 Kommentare »
Am besten verdienen die Einwohner der Waadtländer Gemeinde Chavannes-des-Bois. Dort ist das mittlere Einkommen fast doppelt so hoch wie in Zürich und Bern, wie unsere interaktive Karte zeigt.
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In welchen Gemeinden sind die Einwohner finanziell gut gestellt? Und wo müssen sie sich mit weniger zufrieden geben? Für solche Vergleiche wird oft das Durchschnittseinkommen herangezogen. Doch dieses ist häufig verzerrt durch einzelne Spitzenverdiener. Rüschlikon zum Beispiel weist für 2011 ein durchschnittliches Reineinkommen von 536 000 Franken aus. Mit der Realität der meisten Rüschliker hat dies freilich wenig zu tun. Sie können von solchen Salären nur träumen.

Für den hohen Wert verantwortlich ist denn auch ein einziger Mann: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Er brachte 2011 seinen Rohstoffkonzern an die Börse und hat so gigantische Summen kassiert. Will man wissen, wie viel ein Normalbürger verdient, muss man statt des Durchschnitts den sogenannten Median ermitteln. Dies ist jener Wert, bei dem die Hälfte der Steuerpflichtigen darüber liegt und die andere Hälfte darunter. Er zeigt also, wie gut der Mittelstand in einer Gemeinde gestellt ist.

Ein Forscherteam unter der Leitung des Lausanner Wirtschaftsprofessors Marius Brülhart hat diesen Wert für alle 2551 Gemeinden berechnet. Die Wissenschaftler konnten dabei auf die Steuererklärungen für 2011 abstellen. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, da das Bereinigen der Steuerveranlagungen bekanntlich seine Zeit braucht. Gestern hat die Eidgenössische Steuerverwaltung die Resultate ins Internet gestellt, und der «Tages-Anzeiger»/Datenblog hat sie in einer interaktiven Karte aufbereitet.

Dabei zeigen sich gewaltige Unterschiede: In Chavannes-des-Bois erzielt ein mittlerer Steuerpflichtiger ein jährliches Reineinkommen von 93 450 Franken. In Blitzingen im Oberwallis hingegen muss man sich laut Steuerverwaltung mit 4950 Franken zufrieden geben. Die enorm tiefen Werte in touristischen Gemeinden sind jedoch verzerrt. Denn es werden auch Steuererklärungen von Zweitwohnungsbesitzern einberechnet, die ihr Einkommen im eigentlichen Wohnort versteuern. Aber auch zwischen Chavannes-des-Bois und Zürich liegen Welten. Das mittlere Einkommen im reichen Waadtländer Dorf ist fast doppelt so hoch.

Villenquartiere bauen lassen

Chavannes-des-Bois gehört zur Agglomeration Genf und ist in den letzten Jahren ausserordentlich stark gewachsen. Zählte das Dorf 2008 noch gut 400 Einwohner, sind es jetzt über 800. Ganze Quartiere liess die Gemeinde mit Villen und Wohnungen überbauen. Gekommen sind Gutverdiener, die tagsüber in Genf arbeiten. Sie schätzen das Wohnen im Grünen und die nahe Autobahn. Auch viele Englischsprachige, die bei internationalen Firmen und Organisationen arbeiten, haben sich in Chavannes-des-Bois niedergelassen. So wurde aus dem einst landwirtschaftlich geprägten Dorf eine Schlafgemeinde.

Besonders steuergünstig ist Chavannes-des-Bois aber nicht. Diesbezüglich würden die Gutverdiener im Kanton Genf besser fahren – oder noch besser im freiburgischen Greng. Dort sind die Steuern so tief wie nirgendwo sonst westlich von Bern. Die kleine Gemeinde am Murtensee weist denn auch das zweithöchste Medianeinkommen aller Schweizer Gemeinden aus.

Generell fällt auf, dass die einkommensstärksten Gemeinden in der Westschweiz liegen. Aus dem Kanton Zürich schafft es nur Uitikon unter die ersten zehn. Im gesamtschweizerischen Vergleich verdient man aber im Raum Zürich klar überdurchschnittlich – ebenso im Kanton Zug, im Raum Basel und am Genfersee. In den Alpen, im Juramassiv und im nördlichen Tessin sind die Einkommen dagegen relativ tief.

Der Einfluss von Glencore

Das gilt auch für die Durchschnittseinkommen, die 2011 stark durch den Börsengang von Glencore geprägt sind. Dieser liess die Einkommen seiner Manager in die Höhe schnellen. So rangiert Rüschlikon (mit Ivan Glasenberg) auf Platz 1. Auch die Zuger Gemeinden Walchwil (mit Aristotelis ­Mistakidis) und Oberägeri (mit Tor Peterson) liegen ganz vorn. Dazwischen gesellen sich die Schwyzer Steueroase Wollerau und das Waadtländer Dörfchen Vaux-sur-Morges, wo Roche-Vizepräsident André Hoffmann den Schnitt in die Höhe treibt: auf 533 000 Franken.

Entsprechend hoch fällt der Gini-Koeffizient für Vaux-sur-Morges aus. Dieser Wert zeigt, wie ungleich das Einkommen in einer Gemeinde verteilt ist. Bei 0 verdienen alle gleich. Bei 1 verdient einer alles und die anderen nichts. Vaux-sur-Morges und Rüschlikon weisen einen Gini-Koeffizienten von 0,91 auf. Nirgendwo sonst in der Schweiz ist die Ungleichheit höher. Am gleichmässigsten ist das Reineinkommen in Riemenstalden verteilt. Die Schwyzer Gemeinde an der Grenze zum Kanton Uri hat einen Gini-Koeffizienten von lediglich 0,30.

Aargau schlägt Zürich

Betrachtet man die Kantone, liegt beim Medianeinkommen Zug vorne – vor Basel-Land, Aargau und Zürich. Im Aargau verdient der Mittelstand also leicht besser als in Zürich.

Beim Durchschnittseinkommen liegt dagegen der Kanton Zürich vor dem Aargau. An der Spitze rangieren hier die steuergünstigen Kantone Zug und Schwyz.

Und zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die Gini-Koeffizienten der Kantone. Sie zeigen, dass die Reineinkommen in Zug am ungleichsten und in Uri am gleichsten verteilt sind.

39 Kommentare zu “Wo der Mittelstand prosperiert”

  1. lataque sagt:

    Mir fällt auf, dass in dieser interessanten, sehr differenzierten Diskussion keine Frau involviert ist. Ich denke jedoch, dass ich, wenn ich diesen Datenblog zehnmal durchlesen würde, auch in einem gewissen Masse mitdiskutieren könnte, einfach weil auch ich Steuern bezahle und mir überlege, ob ich dem Mittelstand angehörig bin oder nicht. Über den Kommentator mit der Beobachtung in der IKEA musste ich schmunzeln, denn wir nämlich so einiges sehen und begreifen, wenn wir mit offenen Augen und Ohren durch die Welt laufen.

  2. Pierre Joris sagt:

    Es gibt Gemeinde in der Schweiz, wo der Median – Einkommen 8’000 Franken pro Jahr ist ?!?!?! Was bedeutet diese Zahl? Sind die Autoren von solche einer Studie seri!os ? Wenn ich solche Zahlen sehe, dann denke ich dass diese Studie einfach gar nicht seriös ist, und dass die Autoren sich es noch einmal überdenken sollen.

    • Hans Lüthi sagt:

      Die enorm tiefen Werte in touristischen Gemeinden sind gemäss Artikel verzerrt. Denn es werden auch Steuererklärungen von Zweitwohnungsbesitzern einberechnet, die ihr Einkommen im eigentlichen Wohnort versteuern.

  3. Manfred Grieshaber sagt:

    Legt man noch die geographische Verteilung der Arbeitsplätze, aufgeteilt nach Branchen darunter dann zeigt sich darin die durch die Globalisierung verursachte Clusterbildung. Denn alle Einkünfte am und über dem Meridian (ohne Spitzensportler, Privatiers und CEOs) finden sich nur in ganz wenigen Branchen. Die erwirtschaften den größten Teil BIP. Nicht nur steigen die Spitzengehälter viel stärker gegenüber dem Durchschnitt an, auch ist der Durchschnittsverdienst heute viel niedriger als die Saläre in den globalisierten Branchen. Hier hat sich in den letzten 15 Jahren eine regelrechte Parallelwirtschaft entwickelt.
    Daran ist die Politik nicht ganz unschuldig weil sie zu sehr auf die kurzfristige Steigerung der Steuereinkünfte fokussiert ist. Das zieht alles aus dem Ausland an was schnellen Profit verspricht, Firmen und Mitarbeiter. Aber auch die lokale Bevölkerung wird damit hineingezogen. Jeder der über dem Meridian verdient neigt eher dazu in eine steuergünstige Gemeinde zu zügeln. Dort wiederum steigen die Kosten wodurch da der klassische Mittelstand verdrängt wird.
    Die extremsten Auswüchse dieser Entwicklung habe ich vor 4 Jahren bei einem externen IT-Projekt in München gesehen. Dort hat es ein ganzes Quartier voll von Ingenieuren, Physikern, Informatikern und Mathematikern, alles MA der Luft- und Raumfahrt. Aber im ganzen Quartier gab es keinen einzigen Spengler oder Tischler mehr. Das gleicht einem künstlichen Habitat.

    • Ben sagt:

      Manfred, was für ein interessantes Votum hier. Ich wünschte mir mehr solch differenzierte Betrachtungen. Ich denke was Sie schrieben spüren viele, können es obd er Wortgewalt der Oekonomen nicht in ebensolche Worte fassen.

    • Alain Burky sagt:

      Herzlichen Dank – für diesen differenzierten Beitrag …

  4. Marcel Zufferey sagt:

    Von welchem Einkommen genau ist hier die Rede: Vom steuerbaren- oder vom Bruttoeinkommen? Das ist noch wesentlich!

    • Marc Brupbacher sagt:

      Vom Reineinkommen erfasst werden jene Einkünfte, die versteuert werden müssen.

  5. Anh Toan sagt:

    Ein Besuch auf dem Fahrzeugparkplatz an einer “combat des reines” irgendwo im Wallis, lässt erhebliche Zweifel an den Walliser Daten aufkommen. Aber vielleicht drücken die Ausländer, welche die SUV’s der Bauern putzen, auch die Medianeinkommen.

  6. Georg Stamm sagt:

    Für Dürnten dürfte das mittlere Steuereinkommen krass sinken, denn Ernst Suter wird ab jetzt endlich vernünftig und gerecht eingeschätzt :-). Und: Ab 2015 mache ich weniger Abzüge, damit der Kanton ZH wieder vor den Kt. AG zu liegen kommt :-))

  7. Ben sagt:

    Die Statistiken versuchen wieder irgendwas zu suggerieren was nicht ist.
    Die Nachrichten kommen mir vor wie die Karotte vor dem Esel den man antreiben will.
    Die Mittelklasse glaubt nach wie vor sie partizipiere irgendwie am erwirtschafteten Wohlstand doch das tut sie nicht…
    Alle Ankündigungen, Anpassungen, Reformen, Nachrichten, Informationen, Sitzungen, Briefe, Mails die sich auf die Arbeitsituation, Arbeitsrecht, Personalreglement, Pensionskasse, Arbeitszeit, Ferienregelungen bezogen haben hatten zu folge das wieder ein Stükchen weniger übrig war.
    Die neuen GAV sind ebenso zu Sparsystemen geworden und enthalten zahlreiche versteckte (ohne Termin, bei Bedarf) und offene Kürzungsrechte (mit Termin) für die Unternehmerseite. Rechte für die Arbeiter gibt es doch sind diese oft unerreichbar.
    Die Sozialstandards werden permanent nur noch gekürzt und zusammengetrichen. Dies einhergehend mit massiven Denunzierungs- Hetz- und Ausgrenzungskampangen. Man ist sich einig, die Kapitalistisch Benachteiligten sind an der Miesere im Grundsatz schuld.
    Weiter werden Reiche hoffiert und beschenkt und man Opfert andere angeblich nutzlose (Schmarotzer, Scheininvalide, Faule Arbeitslose, zu viel verdienden Alte, Junge, Frauen, Männer) um diesen Reichen zu huldigen.
    Grundsätzlich gibt es das von den 99% erarbeitet Vermögen und Wohlstand nicht mehr zum Verteilen für alle sondern nur noch für die winzig kleine Elite der Investoren und deren Entourage wie Anwälte, Finanzspezis, Banker.
    Wir wundern uns nicht mal mehr wenn eine Person mehrere dutzend Milliarden Vermögen auf sich hat weil die Dimensionen zu normalen Lebensumständen der 99% derart verzerrt sind.
    Auf der anderen Seite opfern wir die von unseren Vorfahren aufgebauten gesellschaftlichen Strukturen für die Renditeansprüche einer Minderheit.

    • oliver.liechti sagt:

      Toll, das wäre mal eine 1. August-Rede!

    • Oliver Seiler sagt:

      Wow. Sie leben eindeutig in einer anderen Welt als ich. Ich lebe und arbeite im Raum Zürich als einfacher Angestellter und bin sehr zufrieden mit dem materiellen Wohlstand, der mir als “Mittelständer” dabei zu Gute kommt. An Milliardäre denke ich vielleicht, wenn ich in der IKEA bin und merke, wie Herr Kamprad (reichster in Schweiz lebender Mensch, bis er weggezogen ist) den Möbeleinkauf für uns “Mittelständer” wesentlich günstiger gemacht hat. Woher Klassenkämpfer wie Sie Ihre Ideen haben, ist mir schleierhaft.

  8. Daniel Caduff sagt:

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich nun hier blamiere, trotzdem eine Verständnisfrage: Die Aussagen beziehen sich auf den “mittleren Steuerpflichtigen”. Wie ist das bei Verheirateten zu verstehen, die nur eine gemeinsame Steuererklärung einreichen? Laut Text wird dabei auf die Steuererklärungen 2011 abgestützt. Ist das nun so zu verstehen, dass bei Verheirateten das (gemeinsame) steuerbare Einkommen wieder statistisch halbiert und so je zur Hälfte den beiden Ehepartnern als Einkommen angerechnet wird?

    • Roli sagt:

      Genau das hab ich mich auch gefragt (Leider weiss ich es auch nicht). Genau darum ist doch der Nutzen solche Statistiken zu Publizieren eher gering, wenn man nicht mal genau weiss, wie “aufgeschlüsselt” wurde. Wahrscheinlich weiss das keiner so recht (ausser natürlich die dahinterstehenden Wissenschaftler), drum steht es auch nirgends 😉

  9. Ruedi sagt:

    wieso ist der Kanton Aargau mit dem dritthöchsten Medianeinkommen ein Nettobezüger des NFA? Wird das Steuerpontential zu wenig ausgeschöpft, dass die anderen Kantone den Lebensunterhalt der Aargauer mitfinanzieren?

    • Roberto Gloor sagt:

      Weil eben die Steuerkraft pro Kopf zählt – und die Steuern werden v.a. von den Spitzenverdienern bezahlt. Darum ist ein Kanton dann finanzstark, wenn er eine gewisse Zahl an Spitzenverdienern hat, ein Durschnittsverdiener bezahlt kaum Einkommenssteuern.

  10. gregor sagt:

    Diese widerliche Pauschalsteuer konzentriert sich auf drei Kantone VD,GE,VS.Die Westschweizer zeigen sich hier als die wahren Profiteure.Die von Deutschschweizern finanziert werden.Sie haben die höchsten Al Zahlen, die höchsten KV Prämien und schaffen am wenigsten Asylbewerber aus u.a.

  11. Daniel Caduff sagt:

    Oder anders zusammengefasst: Dem Mittelstand in der Schweiz geht es nach wie vor sehr gut. Unsere Löhne sind schweizweit hoch, die Lebensqualität ebenfalls und beides zusammen im internationalen Vergleich in der absoluten Spitzengruppe. Was wohl die Dauernörgler mit ihrem Standardargument “Durchschnittswerte geben nicht die Realität wieder” angesichts der Vergleiche von Median und Gini-Koeffizient diesmal sagen werden?

  12. Hubertus Schmidtke sagt:

    Einkommen sind das eine, Lebenshaltungskosten sind das andere. Auch dort sind die Unterschiede in den Kantonen und Regionen sehr gross. Die Unterschiede würden sich vermutlich verringern, wenn die Kaufkraft berücksichtigt würde. In Regionen mit niedrigem Einkommen sind die Mieten oft auch deutlich niedriger. Wenn man schon mit Median- und Mittelwerten der Einkommen hantiert, dann müssten auch die Mittelwerte und Mediane der Lebenshaltungskosten dagegengestellt werden. Dass das nicht geschieht ist ein grosser Mangel. Von einem höheren Einkommen im Kanton Zug hat man nichts, wenn es durch exorbitante Mieten weggefressen wird.

  13. Leimgruber sagt:

    Mit meinen 26 000 Fr von der AHV-Rente kann ich von solchen Einkommen nur träumen

  14. Beat Müller sagt:

    Ja danke vielmals. Wir von der Neid- und Wutbürgergesellschaft können uns wieder wie hungrige Wölfe auf die Zahlen stürzen und 300 Kommentare hinterlassen. Bringt uns wieder, wie schon so vieles andere, keinen Milimeter weiter.

    • Josef Marti sagt:

      return on capital is greater than economic growth rate. Das Nationaleinkommen wächst in der Regel langsamer als die Verwertungsrate des Kapitals, die trotz Schwankungen und Unterschieden in der Art der Anlage – etwa zwischen Immobilien und Risikokapital – “erstaunlich konsistent” vier bis fünf Prozent beträgt. Das Wachstum in entwickelten Marktgesellschaften hingegen beträgt in normalen Zeiten bloß ein bis zwei Prozent. Das war nach dem WK II von 1945 bis 1980 besser (ca. 4%), damals allerdings mit Spitzensteuersätzen in den USA bis 90% !!
      Somit war die Herausbildung eines Mittelstandes 1950-1980 eine Anomalie in der Geschichte; der Mittelstand kann unmöglich erhalten bleiben, daher ist die Feudalgesellschaft unausweichlich, weil alle direkten Steuern abgeschafft werden und nur noch Lohn, Konsum und Verbrauch besteuert werden.

  15. Meier, Benno sagt:

    Ich nehme an, dass die Gemeinde Wollerau mit einem Durchschnittseinkommen von CHF 437’601.- nicht ganz korrekt aufgeführt ist, da sie sonst die Rangliste anführen müsste. Bitte um Richtigstellung.

    • Josef sagt:

      Meier: es wurde im Artikel extra auf diese Differenz hingewiesen. Erstens ist Wollerau nicht die Gemeinde mit dem höchsten Durchschnittseinkommen, zweitens ist die LIste nach “Median” und nicht Durchschnnittseinkommen sortiert.

  16. Stefan Tanner sagt:

    Endlich einmal eine schöne Darstellung der Einkommen mit Median und Gini-Koeffizent. Dazu noch in alle Gemeinden gesplittet. Gratulation, so stelle ich mir einen Daten-Blog vor! Nur eine kleine Frage, wurden nur 100% Einkommen verrechnet, oder Teilzeitstellen zu 100% aufgerundet? Ich könnte mir vorstellen, dass es in Städten mehr Teilzeitstellen gibt und die Einkommen dadurch unterbewertet sind. Also falls jemand mit 80% 80’000 verdient, dass dann angenommen wird, dass es ein 100% Job ist? Eine auf Stellenprozent normierte Erhebung wäre das Tüpfelchen auf dem i.

    • Küsel sagt:

      Genau meine Worte – wirklich schön dargestellt, diese interessanten Fakten, v.a. dass der Gini Koeffizient endlich mal aufgeführt wird, das sollte die Wutneidbürger mal etwas abschrecken, hier wieder “aus Prinzip” zu kritisieren und alles anzuzweifeln.
      Meine Frage ist eine Kombination aus Ihrer und der von Daniel Caduff weiter oben: meine Frau und ich sind im Teilzeitbereich tätig und verheiratet. Wie wird das jetzt in dieser Statistik verwendet? Ich nehme an, das Bruttoeinkommen wird zusammengezählt, unabhängig des Beschäftigungsgrades, und danach halbiert. Ist dies korrekt?

      • Iwan Städler sagt:

        Richtig, der Beschäftigungsgrad spielt keine Rolle. Entscheidend ist das Einkommen, das nicht nur aus Arbeit hervorgehen muss (es zählen zum Beispiel auch Zinserträge). Bei Ehepaaren werden beide Einkommen zusammengezählt (analog Steuererklärung).

  17. Peter Nikolaus sagt:

    Wenn die Gemeinden im Waadt so weit vorne sind, warum zahlt der Kanton dann nicht mehr in den Finanzausgleich. Da sind die CHF 32.00 per Einwohner, welche Waadt bezahlt ja fast ein Hohn.

    • Roberto Gloor sagt:

      Weil es ein paar sehr kleine Gemeinden sind. Da kann wohl ein guter Steuerzahler der Schnitt stark hoch treiben auf Gemeindeebene, aber auf den grossen Kanton Vaud gerechnet hat das wenig Einfluss.

  18. Jürg Wernli sagt:

    Der Gini Koeffizient ist kaum ein geeignetes Mittel um die zur Zeit rasant wachsende Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen zu illustrieren. Interessant Karte, wird leider immer schneller grüner werden, weil es den Mittelstand den es vor dem 1., 2. Weltkrieg kaum gab und den ist in absehbarer Zeit auch kaum mehr geben wird. Einige wenige werden es durch Erbschaft, Heirat, persönliche oder Fähigkeiten in die top 10% schaffen, aber die meisten werden in die immer schneller ärmer werdenden 90% der Bevölkerung rutschen. Die in den kommenden Jahren steigenden stark steigenden Wohlfahrtskosten, Infrastrukturkosten, Steuerlasten, Gebühren und Abgaben werden systematisch den Mittelstand ruinieren, damit das benötigte Steueraufkommen sichergestellt ist und die untersten 50% der Bevölkerung auf das Existenzminimum kommen. Die obersten 10% werden dank globalem Steuerwettbewerb und einem Vermögenswachstum von 5 – 7% pro Jahr dafür immer reicher. Werden wir bald ein nationales und global umfassendes Netz von Oligarchen Familien haben die ein neues Zeitalter nach der Demokratie einläuten?

    • Pascal Meister sagt:

      Statistik ist nicht alles… Wenn 100 absolute Topverdiener aus dem Ausland herziehen, ändert sich einkommensmässig nichts für die bereits ansässige Bevölkerung, aber der Gini-Koeffizient zeigt eine wachsende Ungleichheit. Nur so als Beispiel…

    • Josef Marti sagt:

      Da r > g ist wird langfristig Boden und Kapital als leistungsunabhängiger Vorteil zementiert. Wir reden von Leuten, die sich und ihren Familien einen permanenten, leistungsunabhängigen Vorteil verschaffen, der sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Damit wird das meritokratische Prinzip der kapitalistischen Leistungsgesellschaft ernsthaft unterminiert und schliesslich durch ein Feudalsystem abgelöst. Die “langsame Verdampfung der Mittelschicht” entzieht nämlich der Demokratie ihre entscheidende Stütze.

  19. Matthias Meyer sagt:

    Was hat das Durchschnittseinkommen mit dem Mittelstand zu tun? Gerade in Kantonen / Gemeinden, in denen der Gini-Koeffizient hoch ist, wird der Mittelstand wohl weniger als der Durchschnitt verdienen. Wenn der Begriff Mittelstand nach Einkommen definiert ist (und das ist er wohl meistens), dann verdient der Mittelstand in Zug nicht mehr und nicht weniger wie in Uri. Er bezahlt in Zug höchstens weniger Steuern (was jedoch mit diesen Zahlen nicht belegt werde kann und deshalb zu überprüfen wäre).

    • Daniel Caduff sagt:

      … und genau deswegen steht ja auch das Medianeinkommen noch da. Das Gesamtbild aus Durchschnittseinkommen, Medianeinkommen und Gini-Koeffizient ergibt einen durchaus plausiblen Blick.

  20. David sagt:

    Interessante Statistiken. Was ich vor allem sehr beeindruckend finde ist der Kanton Aargau, der ein sehr hohes Medianeinkommen hat, ein ziemlich hohes Durchschnittseinkommen und gemäss Gini Koeffizient ist das Vermögen auch noch ziemlich fair verteilt. Ich vermute da stecken viele gute Faktoren dahinter wie gut erschlossene und grüne Lage, zentrumsnähe (bspw zu Zürich und Basel), gute (Steuer-)Politik etc
    Gäbe es dort nicht so viele Atomreaktoren, würde ich mir einen Hinzug auch noch überlegen 🙂

  21. Jürg Brühlmann sagt:

    Wo viele Reiche wohnen, verdient der Mittelstand nicht mehr als andernorts.

  22. Alex Kramer sagt:

    Rein die Tatsache, dass anscheinend Zweitwohnungen die Werte verzerren, macht die Auswertung doch unbrauchbar, da die Wertschöfpungskraft nicht wiedergegeben ist. So würden beispielsweise Gemeinden in klassischen touristischen Gebieten wie im Wallis, Urner- und Bündnerland massiv andere Zahlen abliefern, wenn Anlagevermögen (Immobilien) in Bezug zur ständigen Bevölkerungszahl gesetzt werden würde. Dann gäbe es solche Ausreisser unter CHF 5000 wie in der genannten Walliser Gemeinde sicher nicht, die man als gerechtfertigt als Kalte-Betten-Koeffizient betiteln könnte.
    Interessant wird die Entwicklung dieser Zahlen in ein paar Jahren, wenn man damit die Verwässerung der Zweitwohnungsinitiative darstellt.

    • Heinrich Hansen sagt:

      Und deshalb musst die Pauschalsteuer-Initiative abgelehnt werden. Sonst würde noch mehr Gemeinden so schlechte Vergleichszahlen liefern……;-)