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Wo man in der Schweiz die Glücklichen findet

Von Iwan Städler, 12. November 2014 19 Kommentare »
Eine gross angelegte Umfrage des Bundes zeigt: Glücklich sind vor allem gut verdienende Deutschschweizer mit einem Haus in dünn besiedeltem Gebiet. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle.

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer sind recht zufrieden mit ihrem Leben. Auf einer Skala von 0 (gar nicht zufrieden) bis 10 (vollumfänglich zufrieden) reihen sich 72,3 Prozent bei 8 oder höher ein. Das zeigt eine Umfrage des Bundesamts für Statistik bei über 12 000 Personen ab 16 Jahren. Gestern haben die Statistiker die Resultate fürs vergangene Jahr ins Internet gestellt.

Nebst der allgemeinen Lebenszufriedenheit haben sie auch erhoben, wie die Befragten ihre Lebensbedingungen beurteilen – etwa die finanzielle Situation, den Gesundheitszustand, die Wohnsituation, das Zusammenleben und die vorhandene Freizeit. Am glücklichsten sind die Schweizer mit dem Zusammenleben. 86,1 Prozent zeigen sich damit sehr zufrieden (Stufe 8 und höher). Betreffend der Finanzen ist dies nur bei 55,1 Prozent der Fall. Und mit der vorhandenen Freizeit sind gar nur 47,7 Prozent sehr zufrieden.

Grosse Unterschiede machen die Statistiker auch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus. Der «Tages-Anzeiger»/Datenblog zeigt sie hier auf und lässt sie vom international renommierten Glücksforscher und Ökonomieprofessor Bruno S. Frey erklären.

Besonders zufrieden sind die Schweizer mit 16 und 17 Jahren. Danach werden sie aber unglücklicher und fühlen sich erst aufs Alter hin wieder zufriedener. Glücksforscher Frey weiss:

«Junge können noch davon träumen, alles zu erreichen – Olympiasieger zu werden oder Nobelpreisträger. Später realisieren sie, dass sie ihre Ziele wohl nicht alle erreichen. Kommt hinzu, dass viele Schweizer zwischen 25 und 49 Jahren Kinder aufziehen, was anstrengend ist und mit Sorgen verbunden sein kann. In der Regel machen Kinder ihre Eltern erst später so richtig glücklich – wenn sie erwachsen sind. Dies wirkt sich bei den über 50-Jährigen aus. Mit zunehmendem Alter haben sie auch weniger Erwartungen, werden genügsamer und damit zufriedener. Man könnte von Altersweisheit sprechen.»

 

Westschweizer und Tessiner sind weniger zufrieden als Deutschschweizer. Das gilt für das Leben im Allgemeinen, vor allem aber für die finanzielle Situation. Ökonom Frey sieht dafür drei Gründe:

«Erstens gibt es kulturelle Unterschiede zwischen Deutschsprachigen auf der einen Seite sowie Französisch- und Italienischsprachigen auf der anderen Seite. Letztere sind kritischer – auch bei der Beurteilung ihrer eigenen Lebenszufriedenheit. Zweitens geht die direkte Demokratie in deutschsprachigen Kantonen weiter als in manchen welschen Kantonen – etwa was die Mitbestimmung bei Finanzvorlagen betrifft. Dies wirkt sich auf die Zufriedenheit aus, weil Demokratie glücklich macht. Das zeigen auch internationale Vergleiche. Drittens sind die Einkommen in der Deutschschweiz im Schnitt höher als in der übrigen Schweiz, was die Zufriedenheit besonders stark beeinflusst.»

 

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen klar, dass Geld glücklich macht. Während unter dem ärmsten Fünftel nur 62 Prozent sehr zufrieden sind mit ihrem Leben, sind es unter dem reichsten Fünftel rund 82 Prozent. Vielverdiener schätzen sich mit fast allen Lebensbedingungen glücklicher – auch mit der Gesundheit und dem Zusammenleben. Genau umgekehrt verhält es sich dagegen mit der vorhandenen Freizeit. Hier sinkt die Zufriedenheit mit zunehmendem Einkommen. Dies erstaunt Bruno S. Frey nicht:

«In vielen gut bezahlten Berufen wird eben erwartet, dass man mehr als 42 Stunden pro Woche arbeitet. Entsprechend fehlt dann die Freizeit. Doch im Allgemeinen sind Gutverdiener zufriedener mit ihrem Leben. Man hört zwar immer wieder, das Materielle spiele fürs Glück keine grosse Rolle. Aber das ist falsch – vor allem bei tiefen Einkommen. Wer seinen Verdienst von monatlich 3000 auf 4000 Franken erhöhen kann, ist danach viel zufriedener. Eine Salärerhöhung von 10 000 auf 11 000 Franken wird ebenfalls geschätzt, steigert das Glück aber weniger stark. Am wichtigsten ist, dass man beschäftigt ist. Verliert jemand die Stelle, beeinträchtigt dies sein Glücksempfinden enorm – nicht nur wegen des Geldes. Arbeitslosen fehlt eine befriedigende Tätigkeit, und sie vermissen die sozialen Kontakte.»

 

Wohneigentümer sind deutlich glücklicher als Mieter. Das zeigt sich nicht nur bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit, sondern auch bei der Beurteilung der Wohnsituation. Während sich unter den Mietern weniger als sieben von zehn mit ihrem Zuhause glücklich schätzen, sind es bei den Wohneigentümern fast neun von zehn. Bruno S. Frey erklärt:

«Hauseigentümer haben mehr Gestaltungsmöglichkeiten als Mieter – und Menschen schätzen Autonomie. Entscheidend ist aber auch, dass Wohneigentümer in der Regel materiell besser gestellt sind. Auch sind sie eher verheiratet und tendenziell älter als Mieter. All dies begünstigt das Glücklichsein.»

 

Auf dem Land zeigen sich die Befragten zufriedener als in den Städten. Dies gilt vor allem bezüglich ihrer Wohnsituation. Der Glücksforscher warnt aber vor voreiligen Schlüssen:

«Die Unterschiede sind hier relativ klein und scheinen mir wenig signifikant zu sein. Bisher konnte die Glücksforschung nicht feststellen, dass Menschen auf dem Land zufriedener sind als in der Stadt – eher das Gegenteil. Sicher ist, dass Pendeln unglücklich macht. Aber es gibt auf dem Land mehr Wohneigentümer als in der Stadt. Dies dürfte das Resultat beeinflussen.»

 

Schweizer schätzen sich glücklicher als Ausländer – insbesondere was die Finanzen betrifft. Laut der BFS-Umfrage sind 60 Prozent der Schweizer mit ihrer finanziellen Situation sehr zufrieden, während dies unter den Ausländern nur bei 41 Prozent der Fall ist. Denn:

«Ausländer verdienen im Schnitt deutlich weniger als Schweizer. Auch dürfen sie politisch nicht mitbestimmen und haben oft weniger Bekanntschaften als Schweizer. Vergleicht man aber die Zufriedenheit der Ausländer in der Schweiz mit jener ihrer Landsleute in der Heimat, so hat sich die Reise hierher in der Regel gelohnt. Wer in die Schweiz kam, ist im Schnitt glücklicher und schätzt die hiesige Wohnqualität, den guten öffent­lichen Verkehr sowie die geringe Kriminalität.»

 

Frauen sind zwar etwas glücklicher als Männer, aber die Differenz ist gering. Dies deckt sich mit Freys Forschungsresultaten:

«Wir fanden keinen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Wir stellten aber fest, dass Hausfrauen im Schnitt glücklicher sind als erwerbstätige Frauen. Das mag vielleicht den einen oder anderen überraschen. Aber Hausfrauen entscheiden sich oft sehr bewusst dafür, bei ihren Kindern zu sein. Das macht sie glücklich.»

Kantönligeist macht glücklich

Vergleicht man die Zufriedenheit der Menschen in der Schweiz mit anderen Ländern, so schneidet die Schweiz ausserordentlich gut ab. Nur die Dänen sind noch glücklicher. Man erkennt dies vielleicht nicht unbedingt an den Mienen im Tram, wohl aber an den Umfrageresultaten der Glücksforschung. In solchen Erhebungen zeigen sich die Schweizer hoch zufrieden. Am unzufriedensten sind dagegen die Menschen in ehemaligen kommunistischen Staaten sowie in armen Ländern Afrikas, wie Bruno S. Frey weiss:

«Der verbreitete Eindruck, die Menschen in Entwicklungsländern seien doch ganz fröhlich, ist falsch. Die Armut trifft diese Leute hart. Oft leiden sie Hunger, sehen ihre Kinder sterben und sterben selbst früh. Ganz anders in der Schweiz. Hier sind die Menschen auch deshalb so zufrieden, weil sie politisch mitbestimmen können. Dadurch macht die Regierung eher, was das Volk will. Und allein schon die Möglichkeit, abstimmen zu können, ist ein hoher Wert – auch wenn man selbst davon keinen Gebrauch macht. Wichtig ist ferner der Föderalismus. Dank ihm können die Menschen vor Ort selbst entscheiden. Der Kantönligeist macht also glücklich. Gemeinde­fusionen hingegen können die Zufriedenheit reduzieren, weil sich die Verwaltung von den Menschen entfernt. Besonders extrem ist dies in grossen Reichen. Dort sind die Leute meist weniger glücklich, wie die Geschichte zeigt.»

 

Tipps
So werden Sie glücklicher

Die Evolution hat uns auf Überleben und Fortpflanzung programmiert, nicht aufs Glücklichwerden. So streben viele nach mehr Geld und materiellen Gütern. An den neuen Sportwagen gewöhnt man sich aber schnell. Gute Freundschaften hingegen bereichern das Leben stets von neuem. Glücksforscher Bruno S. Frey empfiehlt daher, das Zwischenmenschliche stärker zu pflegen. Einige Tipps:

1. Heiraten Sie!
Die Forschung zeigt, dass Ehepaare zufriedener sind als Unverheiratete. Funktioniert die Ehe, stützen sich die Partner gegenseitig.

2. Helfen und spenden Sie!
Wer anderen hilft, erhält als Gegenleistung persönliche Wertschätzung. Das macht Menschen, die Freiwilligenarbeit leisten, zufriedener. Auch Spenden erhöhen das Glück, wie die Forscher feststellen konnten.

3. Machen Sie sich selbstständig!
Wer sein eigener Chef ist, hat keinen andern im Nacken und arbeitet selbstbestimmter. Das macht Selbstständigerwerbende zufriedener als Angestellte – auch wenn sie oft mehr arbeiten müssen und mit manchen Problemen konfrontiert sind.

4. Gehen Sie zur Kirche!
Religiöse Menschen sind zufriedener. Der Glaube gibt ihnen Halt. Kommt hinzu, dass sie beim Gang in die Kirche, die Moschee oder die Synagoge Gleichgesinnte treffen. Solche Kontakte helfen beim Glücklichsein.

5. Finden Sie Ihren Weg zum Glück!
Nicht alle werden auf dieselbe Weise glücklich. Allgemeingültige Regeln gibt es daher nicht. Die Glücksforschung kann uns aber Hinweise geben. Ihr zufolge hilft auch, wenn man nicht zu hohe Erwartungen hat. So ist das Glas öfter halb voll als halb leer. Rund die Hälfte der Zufriedenheit können wir aber nicht beeinflussen. Sie ist vererbt.

Bruno S. Frey, Claudia Frey Marti: Glück. Die Sicht der Ökonomie, Rüegger Verlag

19 Kommentare zu “Wo man in der Schweiz die Glücklichen findet”

  1. Thomas Duke sagt:

    Tipps?? 1) bin 32 J verheiratet. 2) meine Frau (58 J) mit BSc, MSc, PhD arbeitet immer noch ohne Salair, ich habe ersten Job mit 40 J erhalten (BSc, BSc, PhD) und verdiene zZ Fr 1200/M: dadurch “helfen und spenden” wir dauernd, i.e. man arbeitet viel mehr als ‘bezahlt’ wird. 3) Frau natürlich ohne Boss, als freier Forscher habe ich auch keinen, mache dauernd, was mir wichtig erscheint. 4) wir sind stark gläubig wo Wissenschaft aufhört, überzeugt, dass Naturgesetze alles erklären (vom Mondflug, über Zahnarzt, bis zum Chip im Mobil). 5) Mein Weg zum Glück? Selbstständigkeit herstellen, da ich nicht in das “System” vertraue. Billige 50 Hektaren Wald mit Bach erworben, Turbine die seit 15 Jahren heizt, kocht, Sauna, etc; 20 Fr/M fixe Kosten (Land, Haus, Wasser, Energie). Das geht eben in der CH schon lange nicht mehr, dort muss man auf das System vertrauen. Mit Geld geht das eine Weile länger weiter, aber wir beobachten die Schulung öfters, wie alle ‘andern’ hier, die mit Stromausfall oder Gas-Knappheit kämpfen, sogar Wasser. Glücklich ist im Ende beeinflusst, wie informiert eine Person ist, wie viel Vertrauen in das ‘System’ gesteckt wird, und nicht zuletzt, wieviel ‘Natur’ er schätzt. Ich bleibe, wo Hirschwild hinter dem Haus herumgeht, Wasser direkt vom Fluss trinkbar ist, die Sicht klar bleibt auf über 150 km, und mir die Arbeit 7 T/Woche Spass macht. Das wäre alle nicht passiert, wenn ich nicht in der CH aufgewachsen wäre.

  2. Isa sagt:

    Hallo Simone leuthold !!
    “Fühle mich als sogenannt Ungläubige wesentlich glücklicher und freier (als Gläubige)” Woher wissen Sie denn, wie sich Gläubige fühlen?? Täuschen Sie sich da mal nicht … Ich spreche aus Erfahrung … Gläubig, aktiv in meinem religiösen Umfeld und : GLÜCKLICH !!

  3. Thorsten Juhl sagt:

    “Die Forschung zeigt, dass Ehepaare zufriedener sind als Unverheiratete.”

    stimmt, denn zu den Unverheirateten gehören auch die Geschiedenen.

  4. Ruedi Ballmer sagt:

    Interessante Daten, die zum Nachdenken anregen. Danke. Bei der Interpretation wird aber wie so oft unterschlagen, dass Korrelationen nicht das gleiche sind wie Ursachen. Könnte man es vielleicht auch umgekehrt sehen? Vielleicht sind es die Glücklichen, die eher heiraten, eher gute Jobs bekommen und älter werden? Die Zusammenhänge sind nicht linear, sondern zirkulär und komplex.

  5. Lukas Aeschbacher sagt:

    Hmmm… berufstätige Mieter in verdichteten Wohnanlagen in Städten sind am unglücklichsten? Das müsste jetzt aber jenen zu denken geben, die genau diesen Lifestyle propagieren.

  6. Flo sagt:

    Glücklich sind vor allem gut verdienende Deutschschweizer mit einem Haus in dünn besiedeltem Gebiet.
    Und wo findet man, gut verdienend (bei den Glücklichsten ü. 65 und Haus in dünnbesiedeltem Gebiet), diese zwei Kriterien zusammen?
    Ich kenne einige die haben das eine oder das andere – aber nicht viele die beides geniessen dürfen.
    Was ist mit dem “Rest”?

  7. Heiris Marolf sagt:

    Die Rentner und bis 17-jährigen sind also am glücklichsten? Vielliecht deshalb, weil diese nicht einer Lohnarbeit nachgehen müssen? Darf natürlich nicht ausgesprochen werden, auch wenn es der entscheidenste und offensichtlichste Punkt ist in dieser Studie. Auch spielt der persönliche Charakter und Lebenseinstellung eine viel grössere Rolle als materielle Werte aber darauf wird nicht eingegangen. Eine gewisse Portion Selbstzufriedenheit, Ignoranz und Egoismus trägt sicherlich zu einer erhöten Zufrieden bei, wenn auch auf kosten Anderer ;).

  8. Philipp Rittermann sagt:

    ich denke, diese statistik ist durchaus repräsentativ. sie zeigt eine gewisse sozio-demografische entwicklung auf. natürlich war es schon immer so, dass sich privilegierte einen schönen platz zum leben suchen. das ist legitim. nur. die anzahl menschen in einem kleinen land wie die schweiz, steigt zur zeit zuwanderungsbedingt exponential zur vorhandenen fläche. heisst. die derzeit noch leicht besiedelten flächen werden teurer und umkämpfter werden. in den verdichteten zonen wird vermehrt in die höhe gebaut. und auch hier wird erschwinglicher wohnraum immer knapper. worauf ich hinaus will? – klar. zufriedenheit hat mit lebensqualität zu tun. und lebensqualität mit identität. uneingeschränktes wachstum wird der lebensqualität schlussendlich abträglich sein; erst für die mittelschicht und irgendwann auch mal für die privilegierten. wollen wir uns den individuellen lebensraum erhalten, müssen wir dazu sorgen tragen, dass sich die demografische entwicklung hinsichtlich der zuwanderung auf einem ökologisch vertretbaren niveau bewegt. eine jährliche zuwachsrate von p/a rund 100k menschen in der ch ist unverantwortlich.

  9. Julia T. sagt:

    Heiraten Sie, gehen Sie zur Kirche?!? Ja, wo leben wir denn? Und vorallem, in welchem Jahrhundert? Kann es sein, dass “glücklich sein” verwechselt wird mit “gesellschaftskonform”? Sind die glücklichen Menschen diejenigen, welche von der Gesellschaft Dankbarkeit zurückerhalten für Ihre Nützlichkeit? Man könnte die Liste noch ergänzen mit: Arbeiten Sie fleissig und machen Sie möglichst viele Überstunden, zahlen Sie monatlich in die dritte Säule ein und treiben Sie Sport, damit Sie ein Leben lang schlank und schön sind. So entsprechen Sie den Idealen unserer Gesellschaft und Sie können sicher sein, dass Sie dafür mit Glücksgefühlen belohnt werden.

    • Stefan sagt:

      Liebe Julia T
      Du scheinst ein wenig unglücklich zu sein… 😉
      Pick dir aus dem Leben was dir Spass macht, nicht was in Datenblogs steht.

    • Kaspar Tanner sagt:

      “Glaube” heisst “Glaube”, weil es eine nicht belegbare Sache ist.
      Es ist vollkommen irrelevant, ob es Gott gibt oder nicht. Solange jemand an ihn glaubt, sich von ihm geschützt fühlt und durch ihn einen Sinn erfährt, ist “Gott” extrem real.

      Nur als Detail: Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, wird 90 % des Wirtschafts-Umsatzes mit Spekulation (sprich:Finanzwirtschaft) gemacht. Die Realwirtschaft leistet nur noch einen lachhaften Beitrag.
      Spekulation bedeutet, dass ich an die Entwicklung einer Aktie oder einer Währung “glaube”. Mehr ist heute nicht mehr dahinter.
      Als Materialist und Anhänger echter Wirtschaftsleistungen halte ich mich mittlerweilen zurück bezüglich der Religiösen. Wir leben in einem spekulativen Wahnsystem – und halten uns für “aufgeklärt”.

      Zudem ist meine Erfahrung, dass echte Gläubige (nicht diese Dummschwätzer, die bei jedem zweiten Satz “Gott” in den Mund nehmen…) wirklich glücklicher sind als echt Reiche.

      Zur Hochzeit: Viele Singles verpassen die Liebe ihres Lebens, weil sie auf die “beste Wahl” hoffen und blind für ihr Gegenüber sind. Wenn ich sehe, wie die Telekom-Anbieter werben (es geht IMMER um Beziehungen) und wenn ich sehe, wie Date-Sites boomen, bezweifle ich die satte Selbstzufriedenheit vieler Singles.
      Ganz im Ernst: Wer gibt gerne zu, dass er oder sie sich nachts nach einem Menschen sehnt und weint?

    • Stadelman Reto sagt:

      Ich erlebe diesen Reflex immer wieder und wundere mich jedes mal. Warum muss die Ehe und der Glaube etwas Negatives sein? Überzeugte Atheisten (die sich leider immer öfters durch ihren nervigen Kreuzzug gegen Religion auszeichnen) und “Eheverweigerer” scheinen in der Zwischenzeit fast mehr Mühe damit zu haben, andersdenkende Menschen zu akzeptieren als ihre “Zielgruppe” die sie bekehren wollen. Das muss ja unglücklich machen…

    • Elisa sagt:

      Nein, das stimmt eben nicht. Heute ist es doch eher conform, NICHT zu heiraten (weil uncool), NICHT in die Kirche zu gehen und karitativ tätig zu sein (weil uncool) und in verdichteten Terrassenblöcken (Hauptsache die Küche ist in anthrazit gehalten) zu wohnen. Die glücklisten Menschen, die ich je kennenlernen durfte waren die zwei Nonnen (meine Grosstanten) aus unserer Familie analog zum Dalai Lama. (Der ist eben cool, katholische Nonnen sind es nicht.) Das Geben und Gutes tun an sich macht glücklich, eine bis dass der Tod euch scheidet Ehe und der Bezug zur Natur und Ruhe MACHEN glücklich. Ich bin verheiratet, wohne in einem alten Bauernhaus und verpflichte meine Kinder dazu, grosszügig zu sein anstatt nur an sich zu denken. Und ich hoffe, dass sie eines Tages Glück empfinden dürfen, welches nicht nur auf Konsum basiert.

      • Frank Sommer sagt:

        Guten Tag Elisa
        Ich ziehe meinen Hut vor Ihrer Einstellung (ihre letzten beiden Sätze) – hoffen wir, dass andere Mütter ihre Kinder auch so erziehen, dass Glück empfangen und Glück weitergeben nicht auf Materialismus basiert. Glücklich zu sein bedeutet, über seine Erwartungen an das Leben nachzudenken, und dabei kann eine Religion, gleich welcher Couleur, hilfreich sein.

    • Sandra Caluori sagt:

      Für mich ist das durchaus logisch und die Erklärung denkbar einfach und hat nichts mit “gesellschaftskonform” zu tun: Religiös sind m.E. Menschen, welche für sich selber keine Werte für Ethik und Moral definieren und mit der dadurch verbundenen Verantwortung leben können, sondern lieber nach einem Schriftstück leben, welches Ihnen genau sagt, was sie tun und lassen sollen und dürfen. Das ist einfach, unkompliziert, man muss sich keine Gedanken machen und eben auch keine Verantwortung für sein selbst entschiedenes Handeln übernehmen (“steht ja so in der Bibel!!”). in meinen Augen sind das Menschen, die geistig etwas bescheiden sind, um nicht zu sagen etwas weniger intelligent als Andere. Ergo: Umgekehrt wird ein Schuh draus: Sie sind nicht glücklicher, weil sie religiös sind, sondern weil sie geistig etwas bescheidener sind, sind sie religiös und darum glücklich(er).

  10. Alle diese Studien haben eines gemeinsam: The Show must go on. Die Fragen werden so gestellt, dass, wenn man unglücklich wäre, ein Nestbeschmutzer wäre und ein schlechtes Gewissen haben müsste. Die Wirtschaft, die Politiker können für einen Moment aufatmen: Aufgrund dieser Studie wird der Konsum nicht einbrechen und der Kapitalismus nicht abgeschafft.

  11. Leuthold Simone sagt:

    Ich stimme voll überein mit dem Resultat dieser Glücksforschung. Mit zunehmendem Alter interessieren mich Statistiken und ich kann meist der grossen Mehrheit zustimmen (das beruhigt…). Ausser beim Resultat der Einwanderungsinitiative fühlte ich mich sehr vor den Kopf gestossen, da habe ich mich als Schweizerin geschämt !
    Ich bin Frau, 41 Jahre alt, seit 26 Jahren mit meinem Partner zusammen, seit 12 Jahren verheiratet, habe drei gesunde Kinder. Wir wohnen in einem Eigenheim mit Umschwung auf dem Land, allerdings im Elsass (Auslandschweizer). Selbständig erwerbend sind wir beide nicht (soziale Berufe, beide teilzeit in der Schweiz angestellt). Mit einem französischen Salär wäre ich wesentlich unzufriedener. Wir können uns sogar grosse Reisen zu fünft leisten.
    Ich bin froh mit einem Schweizer Pass geboren worden zu sein und führe dies auch meinen Kindern vor Augen. Mit zunehmendem Alter bemerke ich eine konservativere Haltung. Die Ideologien sind verflogen und ausser Spenden für eine Hilfsorganisation in Afrika und für den Umweltschutz beteilige ich mich leider an keinen weiteren sozialen Projekten (könnte ruhig mehr sein…). Obwohl ich immer bereit bin zu helfen, bemerke ich egoistische Züge an mir (geht wohl vielen so; wahrscheinlich verbunden mit dem Materialismus).
    Das mit dem “zur Kirche gehen” trifft auf mich nicht zu. Ich lebe mit guten Vorsätzen, fühle mich aber als sog. Nichtgläubige wesentlich freier und glücklicher.
    Herr und Frau Schweizer können wirklich zufrieden sein !
    Mit Gruss, L.

  12. Küsel sagt:

    Also reiche Rentner sind am glücklichsten – interessant, denn man geht ja immer davon aus, dass die Alten verbittert sind und dies auch lautstark an der Urne jeweils kundtun. Da muss man in dem Falle stark differenzieren. Sehr interessante Studie, einziger Kritikpunkt: wie aussagekräftig ist eine Kategorie von nur 2 Jahren (16/17) gegenüber der 1.5Mio der über 65 Jährigen? Die Alterskategorien hätten entweder die selbe Anzahl widerspiegeln sollen oder etwas in gleich grosse Altersabschnitte unterteilt werden müssen.