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So ist das Vermögen in der Schweiz verteilt

Von Iwan Städler, 31. Oktober 2014 21 Kommentare »
Das reichste Prozent der Steuerpflichtigen deklariert 40 Prozent aller Vermögen. Auch regional zeigen sich beträchtliche Unterschiede.
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Von «Abzockern» war in den letzten Jahren oft die Rede. Manch einer empörte sich dabei über die grossen Unterschiede zwischen den Spitzensalären der Manager und den Löhnen der Schlechtverdiener. Weniger Beachtung fand die Verteilung der Vermögen – obwohl die Kluft hier viel grösser ist. Dies zeigt ein Blick in die Statistik, welche die Eidgenössische Steuerverwaltung gestern ins Internet gestellt hat. Sie beruht auf den Reinvermögen der Steuerpflichtigen per Ende 2011. Aktuellere Zahlen gibt es noch nicht, denn das Bereinigen der Steuerveranlagungen braucht seine Zeit.

Die Daten sind interessant. Ihnen zufolge weist das reichste Prozent der Steuerpflichtigen 40 Prozent des Vermögens aus. All diese Reichen besitzen mindestens drei Millionen Franken. Zusammen versteuern die 54 966 Gut­betuchten 609 Milliarden. Derweil deklarieren 56 Prozent der Steuerpflich­tigen weniger als 50 000 Franken Vermögen. Sie kommen zusammen auf lediglich 26 Milliarden – weniger als einen Zwanzigstel dessen, was das reichste Prozent ausweist.

Viele haben wenig

 

Auch geografisch sind die Unterschiede beträchtlich: Mit 925 081 Franken kommt der Kanton Schwyz auf ein siebenmal so hohes Durchschnittsver­mögen wie der Kanton Jura mit 126 492 Franken. Hinter Schwyz folgen Nidwalden und Zug, dann lange niemand mehr.

Durchschnittliches Reinvermögen

 

Schwyz, Nidwalden und Zug brillieren alle durch tiefe Steuern, wobei vor allem Nidwalden sich auf niedrige Vermögenssteuern spezialisiert hat. Die allergünstigste Gemeinde liegt mit Wollerau allerdings im Kanton Schwyz. Ein verheiratetes Paar ohne Kinder (die Eidgenössische Steuerverwaltung weist nur diese Kategorie aus) zahlt dort für ein 5-Millionen-Vermögen lediglich 4900 Franken Steuern. Entsprechend zahlreich lassen sich Vermögende in solchen Steuerparadiesen nieder.

Tiefe Vermögenssteuern allein reichen aber nicht aus. Sonst müssten auch Uri und Solothurn hoch vermögend sein. Das sind sie jedoch nicht. Statt­dessen liegen die beiden Kantone deutlich unter dem Schweizer Schnitt von 294 587 Franken. Solothurn ist hinter Jura gar der zweitärmste Kanton. Entsprechend gering ist dort auch die Millionärsdichte.

Chart

 

Nur 20 von 1000 Solothurner Steuerpflichtigen deklarieren mehr als eine Million Franken. Noch tiefer liegt der Kanton Jura mit lediglich 15 Millionären pro 1000 Steuerpflichtigen. In Schwyz sind es 110. Dort versteuert jeder Hundertste gar ein Vermögen von mehr als zehn Millionen Franken. In Zürich ist es jeder Dreihundertste, in Bern jeder Tausendste und im Wallis jeder Zweitausendste. Will heissen: Der Anteil an Steuerpflichtigen mit min­destens zehn Millionen Franken ist im Kanton Schwyz zwanzigmal so hoch wie im Wallis.

Nicht nur zwischen den armen und reichen Kantonen klafft ein grosser Graben. Auch innerhalb der Kantone sind die Unterschiede beträchtlich. Etwa in Nidwalden. Dort deklarieren die 201 Zehnfachmillionäre mehr als 62 Prozent des gesamten privaten Reinvermögens. Das nennt man eine hohe Vermögenskonzentration. Stark konzentriert ist der Reichtum auch in Schwyz, Zug und Basel-Stadt, wo auf die Zehnfachmillionäre zwischen 46 und 57 Prozent des Vermögens entfällt. Die gleichmässigste Verteilung weisen die Kantone Uri und Graubünden aus, wie eine Analyse des Bundesrats aufgrund der Vermögensstatistik 2010 ergab.

Tendenziell lässt sich feststellen, dass in vermögensstarken Kantonen die Ungleichheit grösser ist. Es gibt aber auch Ausnahmen: Die beiden Appenzeller Halbkantone weisen eine relativ moderate Vermögenskonzentration aus, obwohl ihr Durchschnittsvermögen über dem gesamtschweizerischen Schnitt liegt. Anders verhält es sich in den Kantonen Solothurn, Freiburg und Basel-Landschaft. Dort sind die Vermögen relativ ungleich verteilt, obwohl die Steuerpflichtigen ärmer sind als im Schweizer Schnitt.

Pensionskassenkapital nicht erfasst

Glaubt man einer Studie der UNO-Universität (UNU), sind die Vermögen in der Schweiz besonders stark konzentriert. Nur noch in Zimbabwe und Namibia sei es extremer. Solche Aussagen sind allerdings mit grosser Vorsicht zu geniessen. Denn die Datenbasis unterscheidet sich von Land zu Land stark.

Das Vermögen wird eben nicht überall gleich gemessen. In der Schweiz erfassen die Steuerbehörden etwa das Pensionskassenkapital nicht – ebenso wenig wie die 3. Säule und den Hausrat. Kommt hinzu, dass der Steuerwert von Immobilien deutlich unter dem Marktwert liegt. Dies relativiert die Ungleichverteilung etwas, weil diese Vermögenswerte bei tieferen und mittleren Klassen stärker ins Gewicht fallen als bei den sehr Reichen.

Ein Blick zurück zeigt, dass die Schweizer Vermögenskonzentration vor hundert Jahren deutlich höher war als heute. Während des Ersten Weltkriegs sank sie, blieb dann lange stabil und fiel erneut in den 70er-Jahren. Seit 1994 steigt sie wieder an.

Seit 2003 um 30 Prozent erhöht

Für 2011 weist die Eidgenössische Steuerverwaltung ein Vermögen von ins­gesamt 1475 Milliarden Franken aus. Es verteilt sich auf fünf Millionen Steuerpflichtige. Dies sind nicht immer Einzelpersonen. Ein verheiratetes Paar samt Kindern, das gemeinsam eine Steuer­erklärung ausfüllt, gilt ebenfalls als ein Steuerpflichtiger.

Pro solchen Steuerpflichtigen ist das Durchschnittsvermögen seit 2003 um 30 Prozent gewachsen – freilich nicht überall gleich stark. In Schwyz legte es gleich um 123 Prozent zu. Auch Ob- und Nidwalden sowie Zug profitierten überdurchschnittlich – nicht zuletzt dank reicher Zuwanderer. Die Zentralschweizer Steuerparadiese akkumulieren also immer mehr Kapital, während andere Kantone kaum vom Fleck kommen.

Wer am meisten zulegte

Das Durchschnittsvermögen von Neuenburg zum Beispiel wuchs in den letzten acht Jahren lediglich um 4 Prozent. 2011 ist es gar gesunken. Nicht viel besser ergeht es den Kantonen Basel-Landschaft (seit 2003 plus 9 Prozent) sowie Solothurn, Glarus und Bern (je plus 12 Prozent). Sie sinken damit noch weiter unter den Schweizer Durchschnitt. Die Vermögenskonzentration findet anderswo statt.

21 Kommentare zu “So ist das Vermögen in der Schweiz verteilt”

  1. S. Ness sagt:

    Interessanter als das Durchschnittsvermögen wäre das Medianvermögen. Welches Vermögen liegt genau in der Mitte, d.h. ab welchem Wert besitzen 50% der Schweizer mehr bzw. weniger? Der Wert würde wohl tiefer liegen als das durch die Superreichen geschönte Pro-Kopf-Vermögen, welches international einfach viel toller dasteht. Ich behaupte häufig: Dem Durchschnittsschweizer geht es nicht viel besser als dem Bürger anderer hochentwickelten Industrienationen (die Skandinavier, Kanada, einige Bundesländer Deutschlands, etc.). Doch wir sehen uns immer an der Spitze und die Politik bläut uns das ebenfalls laufend ein.
    Ebenfalls sollte sich die Schweiz nicht mit eigenen Werten von früher vergleichen, sondern mit dem Rest der Welt, der direkten “Konkurrenz”. Es ist viel passiert in den letzten 100 Jahren, viele Länder haben sich entwickelt und Wohlstand für die breite Masse erreicht. Nur weil wir besser dastehen als vor 100 Jahren bezüglich der Vermögensverteilung bedeutet das nicht, dass andere Länder dort nicht noch mehr erreicht haben. Es gibt Luft nach oben.

  2. Pauline Schneider sagt:

    Eine Frage: Wie wird das Vermögen gemessen? Sind die (z.T. viel niedrigeren) Steuerwerte oder die Marktwerte massgebend?

  3. Bruno Bänninger sagt:

    Wer das nicht akzeptieren will, muss nicht jammern sondern etwas tun: die Steuerhoheit der Kantone abschaffen und sie vollständig an den Bund übertragen. Dann herrschen schweizweit die gleichen Bedingungen. Über Sinn und Funktion des FAZ muss dann allerdings auch gesprochen werden.

  4. Willi sagt:

    Das Zinseszins System generiert eine Umverteilung von Fleissig nach Reich. Solange wir am System nichts ändern wird es immer ausgeprägter. Ein erster Schritt ist die Vollgeldinitiative. Weitere müssen folgen. Wenn nicht, dann wird es in einem blutigen Umverteilungskampf enden. Übrignes wäre es nicht der erste… Befasst euch mit der Geldgschichte. Höchst spannend und immer wieder ähnliche Abläufe.

  5. frasier wolan sagt:

    Nun, das Steuervermögen entspricht nicht dem tatsächlichen Vermögen! Der Steuerwert von Immobilien ist immer tiefer als der Verkehrswert! Manchmal bis zu 80%! Ausserdem soll es noch Leute geben, die nicht das ganze Vermögen angeben.

  6. Frank oppliger sagt:

    Der beste Trick den die Steuerpflichtigen haben ist Schulden zu machen bei einer Bank, z.B. mit Hypotheken.

  7. Rolf Rothacher sagt:

    Das Vermögen der Wohlhabenden steckt grösstenteils in Unternehmen oder dient der Finanzierung der Staaten. Das Geld steht nicht zur Verfügung, um es irgendwo anders einzusetzen oder beispielsweise zu verteilen. Das Geld gehört zu den wichtigstens Teilen des Wirtschaftsmotors.
    Wie das Beispiel in Deutschland mit der Erbschaftssteuer aber zeigt, wo zwar 10% abgeliefert werden sollten, dank all den Ausnahmeregelungen jedoch kaum 1,5% zusammen kommen, schafft der Staat auch bei den direkten Umverteilungen von Vermögen gerade für die Reichsten genügend legale Schlupflöcher, so dass am Ende bloss der “dumme” Mittelstand die Steuer bezahlt, während die Wohlhabensten dank Stiftungen, Trusts und Anwälten die Steuern vermeiden kann. Dasselbe wird in der Schweiz passieren, falls die dumme Erbschaftssteuer-Initiative der SP durchkommen sollte. In der Schweiz bezahlen die Wohlhabenden ein Vermögenssteuer, die zwischen 0,5% und 1% PRO JAHR beträgt und auch fällig wird, wenn kein Ertrag auf dem Vermögen erzielt wurde. Der Staat hat so eine weit sicherere und grössere Einnahmequelle als über Erbschaftssteuern.
    Statt einer Erbschaftssteuer hätte die SP besser eine Erhöhung der Vermögenssteuer auf 1,5% verlangt, mit grosszügigeren Steuerabzügen für kleine Vermögen bis 1 Mio. CHF. Dass wäre weit sozialer, weit einträglicher für den Staat und weit gerechter, als vermeidbare Einmal-Steuern.

  8. Aebischer F. sagt:

    Bemerkenswert finde ich den Satz: “Ein Blick zurück zeigt, dass die Schweizer Vermögenskonzentration vor hundert Jahren deutlich höher war als heute.” Soviel zur ewigen Mär, die Reichen würden immer reicher und die Armen immer ärmer. Schweizer freut euch über den gewonnenen Wohlstand in den letzten Jahrzehnten und hört auf neidisch auf die zu schauen, die etwas oder gar viel mehr als der Durchschnitt besitzen, denn grundsätzlich geht es uns allen viel besser als noch vor 100 Jahren!

    • Nathan Schmid sagt:

      Der Massstab ist nicht vor 100 Jahren. Seit 94 haben wir hier eine rasante Entwicklung in die falsche Richtung. Und es ist nicht so dass wir uns auf einem sehr guten Mass eingependelt hätten…

  9. jasmin heller sagt:

    Ein sehr tendenziöser Bericht, der nur diesen einen Aspekt der Thematik beleuchtet.
    Interessant wäre doch auch zu erwähnen wer in diesem Land eigentlich die Steuern zahlt.
    In unserer Gemeinde z.B. kommen 1% der Steuerpflichtigen für 28% des Steuerertrages auf.
    50 % der Steuerpflichtigen kommen für 94% des Steuerertrages auf.
    Das bedeutet also, dass die Hälfte der Steuerpflichtigen praktisch gar keine Steuern zahlt.
    Das sind in etwa genau die 56% in der oben gezeigten Graphik.
    Die öffentliche Infrastruktur wird also genau von den richtigen finanziert.

  10. Adrian Wehrli sagt:

    Grundsätzlich ist die Vermögensverteilung relativ wurscht. Was zählt ist die Kaufkraft der durchschnittlichen Bevölkerung, 75% Median. Hier geht es darum, dass der Produktivitätsgewinn auch in Wohlstand umgemünzt wird. Die reichsten und ärmsten 10% spielen eine untergeordnete Rolle, das sind Fragen für die Sozialpläne(arme) und Steuerpläne(reiche). Auch zu bedenken gilt, dass die Vermögen der Superreichen nicht “verbraucht” werden können, sie konkurrenzieren sich also nicht um endliche in/ausländische Güter. Will heissen, ein Superreicher kauft nicht 10000Kg Steaks pro Weekend. Diese Modelle von “Vermögenssenken” sollten genauer untersucht werden, bevor wir uns in polemischen Gefilden verludern.

  11. Hans schmalz sagt:

    interessant wäre, wenn über diese Graphiken jene der Kantonshaushalte (Defizite) legen würde

  12. Roger Walser sagt:

    Dieser Beitrag präsentiert wunderbar die Argument die für eine Erbschaftsteuer sprechen. Wenn die ersten 2 Mio. Steuerfrei sind betrifft es nur die oberen paar Prozent und denen tut es nicht weh.

    • frasier wolan sagt:

      Das stimmt leider überhaupt nicht! Leute, die jahrelang gespart und ein Haus gekauft und abbezahlt haben, vererben ihr Heim und die Erben müssen dann das Haus verkaufen um die Steuer zu bezahlen, oder wieder Schulden machen. 2 Mio ist viel zu tief. In Zh kriegt man dafür fast nirgens mehr ein efh. 5 Mio wären scho eher realistisch für einen Freibetrag. Aber eben, um Fairness geht es den Initianten sicher nicht, eher um Neid!

  13. Daniel Blattmann sagt:

    Typischer Neidartikel! Mich würde eher interessieren,. wie viel die z.B. die 5% Reichsten der Schweiz am gesamten Steueraufkommen der Privatpersonen aufkommen. Sicher zu 90%!!! Sollen mal die Reichsten 1 Jahr keine Steuern bezahlen, dann ist die CH bankrott! Die Linken sollen einfach mal den Ball flach halten, was mit so haltlosen und Neid schürenden Artikeln vie diesen, leider schwierig ist!!!

    • Michael Kampa sagt:

      ich finde den Kommentar ziemlich unsinnig. Es geht ja um die Vermögensverteilung. Es würden dann ja mehr Leute mit mehr Vermögung, die würden dann ja auch mehr Steuern zahlen.

  14. Rosa Sergio sagt:

    Ich verstehe noch immer nicht, warum man in der Schweiz unbedingt Unzufriedenheit züchten will, mit Statistiken die missverständlich sind. Hören Sie doch damit mal auf. Neid und Missgunst ist schlecht für die Schweiz.

  15. Riederer sagt:

    Mir kommt hier ein Bild aus meinem Geschichtsunterricht in den Sinn. Eine Pyramide wo der ganze Bauernstand die Last der paar wenigen Adligen und den Klerus tragen müssen. Viel hat sich seit dann in der Bevölkerungsstruktur also nicht geändert.

  16. “Das reichste Prozent der Steuerpflichtigen deklariert 40 Prozent aller Vermögen”, heisst es im Texte. Es würde uns aber interessieren, wie die Vermögensverteilung aussähe, wenn auch all das nicht Deklarierte hinein flösse.

  17. B. Folda sagt:

    Womit wohl definitiv bewiesen wäre, dass die rechtsbürgerlichr Regierung des Kts BL nicht nur die Mehrheit der normalen Steuerzahler immer wieder schröpft, sondern auch Vermögende vertreibt. Die von SVP, FDP + CVP betriebene Politik ist offensichtlich ein Rohrkrepieter und schlicht untauglich. Was aber noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass der staatstragende Mittelstand unübersehbar verarmt und die Superreichen immer reicher werden, was der Gemeinschaft nicht nutzt, im Gegenteil: Es zerstört sie!