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Die Enthaltungskönige

Von Luca De Carli, 16. Juli 2014 65 Kommentare »
Wer drückt im Nationalrat am häufigsten auf den gelben Knopf und enthält sich dem Entscheid? So viel sei schon mal verraten: Es ist eine Frau. Und sie hat gute Gründe. Teil 1 unseres Nationalrat-Rankings.

HERBSTSESSION, WAFFENGESETZ

Ein grüner für Ja, ein roter für Nein, ein gelber für Enthaltung und ein blauer für die Präsenzkontrolle: Die Abstimmungsknöpfe auf dem Pult eines Nationalrats. (Bild: Keystone)

3008 Gelegenheiten abzustimmen hatten die Nationalrätinnen und Nationalräte bisher in dieser Legislatur. Es ist ihr grösstes Privileg und ihre wichtigste Aufgabe. Anders als im Ständerat wird in der grossen Kammer seit Jahren jede Abstimmung erfasst. Deshalb ist hier eine detaillierte Auswertung des Verhaltens der einzelnen Parlamentarier möglich.

Die Plattform Politnetz hat Daten zusammengestellt, die zeigen, dass sich die einzelnen Nationalräte in ihrer Arbeitauffassung erheblich unterscheiden. Berücksichtigt wurden nur Nationalräte, die bei mindestens der Hälfte der Abstimmungen im Amt waren. Die Nationalsratspräsidenten, die grundsätzlich nicht abstimmen, wurden ebenfalls weggelassen:

Kein Nationalrat ist verpflichtet, an einer Abstimmung teilzunehmen. Wenn er sich im Moment der Entscheidung im Saal befindet, hat er die Möglichkeit durch das Drücken des gelben Knopfes auf seinem Pult seine Enthaltung zu signalisieren. Beliebt ist diese Option nicht. Im Durchschnitt wählt sie ein Nationalrat nur in gut zwei Prozent der Abstimmungen.

Es gibt allerdings Ausnahmen. Wie folgende Rangliste zeigt:

Druck

 

Enthaltungskönigin Ruth Humbel von der CVP enthält sich dreimal häufiger als ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie nennt dafür zwei Gründe:

  • Sie tue dies vor allem dann, wenn sie bei einer Sachfrage zwar ein Problem erkenne, mit der ausgearbeiteten Lösung aber nicht zufrieden sei.
  • Zusätzlich enthalte sie sich auch dann, wenn sie in einer zentralen Frage anderer Meinung als ihre Partei sei.

Humbel ist in ihrer Fraktion mit diesem Verhalten in guter Gesellschaft. Unter den Top 50 der Meinungslosen befinden sich mit Abstand am meisten CVPler. Allgemein ist das Enthalten in den Mitteparteien deutlich populärer als bei SP und SVP – wenn die Grösse der Fraktionen im Nationalrat mitberücksichtigt wird. Auffällig ist zudem die starke Präsenz der kleinen Fraktion der Grünen in dieser Rangliste.

Laut dem Politgeografen Michael Hermann entspricht die tiefe Enthaltungsquote im Nationalrat den Erwartungen: «Wenn sich ein Parlamentarier die Mühe gemacht hat, bei einer Abstimmung präsent zu sein, dann äussert er in der Regel auch seine Meinung.» Die übrige Bevölkerung verhalte sich gleich. Auch bei Volksabstimmungen sei die Zahl der leer abgegebenen Zettel jeweils verschwindend gering.

Das häufigere Enthalten in den Mitteparteien erklärt er sich mit dem schwierigeren Meinungsfindungsprozess in diesem Bereich des politischen Spektrums. Die Entscheidungslinien verliefen oftmals quer durch die Parteien. Deshalb sei die Unsicherheit grösser als bei der Linken oder der Rechten.

Für die Grünen sind laut Hermann etwa forschungsethische Fragen und Entscheide zur wirtschaftlichen Öffnung problematisch. Sie weichen hier vom Mitte-Links-Konsens ab, wollen aber nicht mit der SVP stimmen. Deshalb enthielten sich die Fraktionsmitglieder in solchen Abstimmungen häufig.

Fortsetzung folgt

Nun ist bekannt, wer sich am häufigsten enthält. Doch wer sind die pflichtbewusstesten oder strebsamsten Nationalräte? Also jene, die immer eine Meinung haben und entweder auf Ja oder Nein drücken? Lesen Sie morgen den zweiten Teil der Auswertung.

Nachtrag

Wir haben eine Anregung aus der Leserschaft erhalten, dass es sinnvoller sei, die Anzahl Enthaltungen ins Verhältnis zu den Abstimmungen zu setzen, an denen ein Nationalrat tatsächlich teilgenommen hat. Die oben verwendete Quote ist das Verhältnis der Anzahl Enthaltungen und dem Total der Abstimmungen, an denen ein Nationalrat hätte teilnehmen können. Nachträglich veröffentlichen wir deshalb noch eine weitere Rangliste. Auf Rang 1 ist hier Barbara Schmid-Federer (CVP). Die Anzahl Enthaltungen ist jedoch bei Ruth Humbel (CVP) absolut gesehen so oder so am grössten, weshalb sie Königin bleibt.

Mit der alternativen Bewertung gibt es weitere marginale Veränderungen in den Top Ten. Yannick Buttet (CVP) und Andrea Caroni (FDP) fallen in der neuen Rangliste knapp aus den Top 10. Jacques Neirynck (CVP, vorher Rang 14) und Gerhard Pfister (CVP, vorher Rang 12) stossen neu dazu.


65 Kommentare zu “Die Enthaltungskönige”

  1. Menas sagt:

    Erstaunlicher als die Enthaltungen sind die teilweise viel höhere Zahl von nicht Teilnahmen.
    Das kommt ja schlussendlich auch einer Enthaltung gleich.

  2. James sagt:

    Achtung Denkfehler: Bei der Abstimmung enthalte ich meine Stimme, indem ich nicht abstimme. Nicht, indem ich leer einlege. Ich werde kaum ein Einzelfall sein. Abstimmen sollte man, wenn man sich ein Bild der Situation gemacht hat und vom Thema tangiert wird. Ansonsten kann bzw. sollte man sich enthalten. Wer z.B. über Rauchverbote in Clubs abstimmt, aber selbst nie einen besucht, sollte sich gewisse Worte von Dieter Nuhr zu Gewissen führen (nur als Beispiel).

  3. Hans Zumstein sagt:

    Dass es sechs CVP’ler unter den 9 Abgeordneten mit den meisten Enthaltungen hat, spricht für die Windfahnenpolitik dieser Leute. Einmal so, einmal anders. Offensichtlich weht der Wind oftmals zu wenig stark um eine Richtung anzuzeigen und dann bleibt man halt still und hat keine Meinung!

  4. Ist man Politiker sollte man seine Arbeit für das Volk lieben. So befasst man sich mit allem, denn unbedeutendes gibt es nicht. Qualität, das was wir als Schweizer kennen und schätzen, wollen wir auch von unseren Politikern. Denn Qualität kann nur die Summe aller Teile sein. Kein Teil davon ist unbedeutend. Wie etwa meine Armbanduhr. Oder sehe ich das falsch?

  5. Sandra sagt:

    Der Titel hätte eigentlich “die Enthaltungskönigin” lauten müssen, den die ersten zwei Personen sind Frauen…

    • Ernst sagt:

      Das ist aber nicht korrekt. Es geht hier um die Top 10 und nicht um die eine Königin. Daher wird hier das generische Maskulinum verwendet.
      Zudem hätte dann bestimmt eine Frau gefunden das mal wieder nur die Weibliche form benutzt wird wenn es um etwas “schlechtes” (siehe Feige / keine Meinung Kommentare) genommen wird und dabei doch die Mehrheit Männer sind.

  6. Hanspeter Mathys sagt:

    Wenn ein Parlamebtarier zwischen A und B wählen muss, dabei aber lieber C hätte, ist es doch nur vernünftig, sich der Stimme zu enthalten. Auch eine Stimmenthaltung ist eine Willensäusserung. Es braucht mehr Mut, sich der Stimme zu enthalten, als vor der Abstimmung den Saal zu verlassen. Unser Parlament kennt zudem im Gegensatz zum deutschen Bundestag keinen Fraktionszwang. Wenn ein Volksvertreter es nicht verantworten kann, sich zwischen Pest und Cholera zu entscheiden, sollte man das respektieren. .

    • Christian Weiss sagt:

      Wenn ein Gesetz nichts taugt, dann enthält man sich nicht, dann stimmt man Nein. Kein Gesetz ist immer besser als ein schwachsinniges.

  7. Annabeth sagt:

    In wenigen Fällen mag die Stimmenthaltung ja noch zu rechtfertigen sein. Aber ich finde das für Politiker eine feige Haltung. Damit beeinflussen sie trotzdem Abstimmungen, indem sie sich zurücklehnen und, je nachdem, einer Vorlage den Lauf lassen, der von der Mehrheit der Befürworter/Gegner her vorgegeben ist. Ich bin der Meinung, dass wir keine Politiker ohne Meinung brauchen. Die keinen Mut haben, für eine Sache hinzustehen. Dafür sind sie zu teuer und nehmen Anderen den Platz weg. Sagt auch viel aus über die Qualität der Politik. Das Ganze hat einfach ein Geschmäckle. Da sind mir junge PolitikerInnen lieber, die mit viel Engagement für ihre Sache einstehen und auch den Mut haben, sich dafür zu exponieren.

    • michael sagt:

      Sehe ich genauso. Wenn ich mit einer Vorlage oder Entscheidung nicht zufrieden bin kann ich auch gut und gerne mit einem Nein stimmen. Nur weil die Partei eine andere Linie fährt, muss man ja sein Gewissen nicht gleich an der Garderobe vom Plenarsaal abgeben. Und enhalten sollte man sich nur, wenn man von der Sache nichts versteht.

  8. Daniel Mühlauer sagt:

    Nach wie vor leiden die Parlamentarier unter dem Irrtum, sie müssten über die jeweiligen Bereiche bestens Bescheid wissen. Das ist einerseits falsch und desweiteren auch schlichtweg unmöglich. Parlamentarier müssten nach dieser Auffassung nämlich Experten in allen Gebieten sein – und das sind sie bei weitem nicht… Es stellt sich also die Frage, was Parlamentarier sind und was sie tun sollten: Sie entscheiden über die grundlegenden Ausrichtung unserer Gesellschaft. Dafür werden sie gewählt. Entsprechend sind sie dazu in der Lage, morale und ethische Anstösse einzubringen. Sie sind eben gerade NICHT dazu da, über alles bestens im Bilde zu sein. Bsp.: Parlamentarier entscheiden sich für eine Weiss- oder Schwarzgeldstrategie. Dafür müssen sie sich die moralischen Fragen stellen und entscheiden, inwieweit welche Strategie vetretbar ist. Sie müssen sich eben gerade NICHT zur rechtsdogmatischen Ebene äussern. Dies sollen sie Menschen überlassen, die davon Ahnung haben. Und so nebenbei: Nur weil sie sich dann von Zeit zu Zeit so rasch und lapidar als möglich irgendwo hereinarbeiten, heisst das noch lange nicht, dass sie die Materie verstanden haben.
    Unter diesem Gesichtspunkt sollte es somit KEINE Enthaltungen geben. Denn Moral sollte jeder kennen… MfG, ein Bürger

  9. Moritz sagt:

    Die regelmässig (unentschuldigt) ABWESENDEN Nationalrätinnen und -räte gilt es zu kritisieren.
    Es ist sicher besser bei Abweichung von der Fraktionsmeinung und/oder Nichtüberzeugtsein von der aktuellen Vorlage sich der Stimme zu enthalten als à la vor allem SVP und z.T. auch SP (unüberlegt) geschlossen Ja oder Nein zu stimmen. Gerade diese eine Stimme könnte ja das absolute Mehr ausmachen.

  10. Hanspeter Mathys sagt:

    Auch ich als politisch interessierter Staatsbürger habe nicht zu jedem Thema eine Meinung. Unsere Volksvertreter müssen uber viele unbedeutenden Geschäfte abstimmen, so dass man diese Stimmenthaltungen nicht a priori verurteilen darf. Interessant wäre aber schon, zu wissen, bei welchen Vorlagen sie sich enthalten haben. Die Autoren hätten deshalb eine Gewichtung vornehmen sollen.

  11. Dieter Schmid sagt:

    Stimmenthaltung gehört verboten. Als Politiker/in hat man eine Meinung zu vertreten, und die kann nur schwarz oder weiss sein, niemals grau.

    • Schmid Samuel sagt:

      Blödsinn. Siehe Art. 161 Abs. 1 BV: “Die Mitglieder der Bundesversammlung stimmen ohne Weisungen.” Die Politiker haben überhaupt nicht zwingend eine Meinung zu vertreten.

    • Nick Schott sagt:

      Welch schöne einfache Welt.

  12. Marlis sagt:

    könnte es sein dass sich die NR überhaupt nicht mit dem Thema befasst haben- weil sie sich nicht dafür interessieren-besseres zu tun haben?
    Dann ist es bestimmt besser sich zu enthalten, es entschuldigt aber die Politiker nicht: sie sind dafür bezahlt ihre Stimmbürger/Stände zu vertreten.

  13. In der richtigen Partei? sagt:

    Also Fr. Humbel stimmt sehr oft nicht ab weil sie mit der Linie ihrer Partei nicht einverstanden ist. Scheint aber oft der Fall zu sein. Vielleicht ist sie in der falschen Partei !!! Dann sind ihr die Vorschläge nicht gut genug. Vielleicht sollte sie bessere Vorschläge machen !!! Dann muss man sie ja entschuldigen wenn sie mal nicht an der Sitzung teilnimmt sie muss ja jetzt für die Krankenkassen ihre Kraft einsetzen, als Aufsichtsrätin. Und bei der Vorbereitung ihrer Karriere für nach dem NR sorgt sie schon mal vor. Wo ausser im NR bekommt sie so ein Gehalt und solche Vergünstigungen (gratis GA etc.) und kann der Arbeit problemlos fernbleiben, ohne Lohneinbusse oder sonstigen Abzügen

  14. Erich Rieder sagt:

    Wenn jemand so oft keine Ahnung und Meinung von der Materie hat, so stellt sich automatische die Frage, was diese Personen in Bern zu suchen haben! Sie sind vom Volk gewählt und gut bezahlt, um es zu vertreten, und nicht, um sich nur zu enthalten.

  15. Martin Lopez sagt:

    “Sie weichen hier vom Mitte-Links-Konsens ab, wollen aber nicht mit der SVP stimmen.”

    Nun, das finde ich doch eine ziemlich bescheuerte Haltung für erwachsene Menschen die unsere Interessen vertreten sollten.

    Merke: die vertreten unsere Interessen nur, wenn man sich von der Meinung der SVP distanzieren kann. Hat man die gleiche Meinung wie die SVP, dann zieht man es vor sich zu enthalten und somit den politischen Gegner in die Hände zu spielen.

    Somit kommen diese Politiker dem Auftrag nicht nach, welche die Wähler ihnen gegeben haben. Die Quittung erfolgt so hoffe ich an der Wahlurne.

    • Franz Vontobel sagt:

      “Hat man die gleiche Meinung wie die SVP, dann zieht man es vor sich zu enthalten […]”

      Das halte ich für eine sehr vernünftige Einstellung – hat man dieselbe Meinung wie die SVP, so hat man todsicher irgendetwas übersehen bei der eigenen Meinungsbildung und sollte wohl nochmals über die Bücher. Enthaltung (mindestens!) ist da sehr wohl angebracht.

      • Christian Weiss sagt:

        Mit Verlaub, aber aus Prinzip gegen die SVP zu stimmen oder sich zu enthalten, obwohl man in diesem speziellen Fall die gleiche Ansicht teilt, ist mehr als nur bescheuert. “Z’leidwärchi”-Politik ist von der Vernunft so weit entfernt wie das Bundeshaus vom Andromedanebel.

  16. FDP und CVP die Wischi-Waschi und meinungslosen Parteien in der Schweiz. Einfach nur hinterhältig, falsch und kriechend vor dem EU-krassen Bundesrat. Beschämend.
    Alexandra weber

    • Frank Z. Marg sagt:

      @Weber Alexandra: Beschämend finde ich Ihren Kommentar hier. So was von ideologisch. Furchtbar. Wollen Sie nicht auch mal anfangen, einen echten Gedanken zu formulieren?

      • Erich Ed. Müller sagt:

        Viellericht hat Frau Weber nicht einmal so unrecht mit ihrem Ärger. Immerhin müssen wir uns Politiker(innen) gefallen lassen, die durch und durch korrupt sind, auch wenn es eine legalisierte Korruption ist.

  17. Jürg Oberli sagt:

    Wenn man von einem Thema zu wenig Ahnung hat um einen soliden Entscheid zu treffen, ist es vernünftiger wenn man sich der Stimme enthält. Man rede mal mit einem durchschnittlichen Politiker und schaue wie viel Meinung und wie wenig Ahnung er hat.
    Chapeau vor jenen Leuten die offen zugeben können, dass sie sich mit einem komplexen Thema nicht genügend beschäftigt haben (weil keine Zeit war, oder aus anderen Gründen) und sich deshalb der Stimme enthalten!

    • Marc Reto Wirth sagt:

      Ich bin teilweise mit Ihrer These einverstanden. Ihr Beispiel: man rede mal mit einem durchschnittlichen Politiker…habe ich selbst auch schon erlebt. Deshalb frage ich mich, weshalb diese Leute überhaupt in politischen Gremien, insbesondere auf Eidg. Ebene z.B. auf Stufe NR etwas zu suchen haben und dabei mit Diäten (inkl. Spesen) von gegen 150’000 Franken pro Jahr “versorgt” werden. Die andere These ist, dass sich diese Politiker/innen nicht festlegen wollen, weil Sie in “heiklen” Fragen/Abstimmungen bei denen Sie eigentlich “Farbe bekennen müssen im Zielkonflikt zwischen ihrem Parteibuch und ihrer ebenfalls gut bezahlten Rolle als Lobbyisten in der Privatwirtschaft (VR, Beiräte, Beratungsgremien, Verbände. Gewerkschaften etc.) befinden. Um meine Vermutungen zu “beweisen” müssste formell Transparenz darüber geschaffen werden bei welchen Abstimmungen Politiker-/innen wie abgestimmt haben und in welchen der von mir genannten ausserparlamentarischen Interessentengruppen/Gremien sie vertreten sind.

      • Barbara Widmer sagt:

        Herr Wirth, Sie würden sich besser mal schlau machen, bevor Sie so rumstänkern. Sie können im Internet jedes einzelne Abstimmungsergebnis nachschauen! Und jedes einzelne Votum nachlesen, Da können sie dann vielleicht auch erkennen, wie komplex viele Fragen sind. Es geht nicht immer nur um die Frage “ist das gut oder schlecht, schwarz oder weiss”, die Welt ist – so leid es mir für Sie tut – wesentlich komplexer.

        • Marc Reto Wirth sagt:

          @Barbara Widmer: Einverstanden, die Welt ist komplexer geworden. Durch die Offenlegung der ausserparlamentarischen Mandate könnte jedoch mehr Transparenz über die Interessenslage der Politiker/innen vermittelt werden. Das Argument Komplexität wird in der Politik nicht selten benutzt, um klar Stellung zu nehmen und einen klaren Entscheid zu fällen oder die Lösung von Problemstellungen zu “vertagen”. In der Wirtschaft ist das Management häufig mit sehr komplexen Entscheidungsfindungen konfrontiert. Trotzdem müssen in relative kurzer Zeit klare Entscheide gefällt und transparent kommuniziert werden bzw. die Verantwortung für Entscheide durch einzelne Mitglieder der Führungsgremien wahr genommen werden. Wer mit Komplexität nicht umgehen kann und dafür ausgebildet ist, der hat weder im Management noch in der hohen Politik etwas zu suchen.
          “Poliker/in zu werden ist nicht schwer, sein dagegen sehr”.

    • ueli keller sagt:

      Wenn man es zeitlich oder intellektuell nicht schafft, sich zu den Themen, die in einem Parlament besprochen werden, rechtzeitig und umfassend zu orientieren und sich dazu eine Meinung zu bilden, dann gehört man auch nicht in ein Parlament.
      Vielleicht müsste man sich überlegen, ein eher professionelles Parlament zu schaffen (mit weniger VertreterInnen natürlich) dann hätten die Leute Zeit, sich richtig auf die Vorlagen vorzubereiten.

  18. Roland K. Moser sagt:

    Ich danke an dieser Stelle gerne der Organisation Politnetz. Im Besonderen auch für die Hilfe, die Dunkelkammer Ständerat ein wenig aufgehellt zu haben.

  19. Reto sagt:

    Naja, die Argumente von Frau Humbel klingen plausibel

  20. Klara Scheidegger sagt:

    Dazu kommt, dass NR genau für eine Abstimmung, bei welcher sie gelb drücken würden, gar nicht erst in den Saal gehen, sondern sich kurz für einen Kaffee verabschieden. Auch da würde wohl die CVP den Spitzenplatz belegen.

  21. Christian sagt:

    Heisst das, was ich schon lange vermutet habe, Frau Humbel und viele der CVP haben gar keine eigene Meinung?

    • Felix sagt:

      Doch, sie haben eine eigene Meinung, sie wollen nur nicht dazu stehen. Es ist wie im Volkskongress in Peking, wer eine anderer Meinung als das Politbüro hat, steht auch nicht dazu.

    • Peter sagt:

      Dieser Meinung bin ich schon sehr lange!

    • ueli keller sagt:

      Ich denke, du hast richtig vermutet. Wer keine Meinung hat, eckt damit nicht an 😉

  22. Ernesto Flores sagt:

    Es fragt sich schon, wieso sich diese Figuren nach Bern wählen lassen, wenn sie sich dann in so vielen Fällen der Stimme enthalten. Für solche Leute ist der Parlamentarierlohn wirklich zum Fenster hinausgeschmissen.

    • Marie sagt:

      Nun, eine echte Enthaltung ist ehrenwerter als ein halbherziges Ja bzw. Nein. Noch schlimmer ist, eine Meinung abzugeben, wenn man die Frage und/oder den Lösungsvorschlag nicht verstanden hat.

      Was mich allerdings stutzig macht: Frau Humbel stimmt nicht ab, wenn sie eine andere Meinung als ihre Partei hat… Sollte sie dann nicht auch abstimmen?

      • Marie sagt:

        Und: Gespannt bin ich ja auf die Rangliste, welche Parlamentariter gar nicht anwesend sind. Bei denen ist der Lohn tatsächlich zum Fenster hinaus geschmissen!

  23. Kurt Blaser sagt:

    DAS ist also Christlichdemokratisch, gut das man das einmal weiss.

  24. Alex Willi sagt:

    Danke für den Beitrag, Herr De Carli. In welchen Abstimmungen hat sich Frau Hummel, resp. die CVP enthalten?

  25. Wo bleiben die Regierenden? Vielleicht im Ausland als Repräsentanten und ruhen sich später in Bern aus.
    Das Volk arbeitet und spart für ein Land das sehr teuer vermarktet wird.

  26. Afrim Brama sagt:

    Enthalten ist der einfachste Weg…und der Feigste! Wenn diese CVP’ler keine Meinung haben sollen sie Zuhause bleiben. Das käme auch noch billiger! Echt, solche Politiker machen mich Fuchsteufelwild!!!

    • adam gretener sagt:

      Nicht jeder hat zu jedem und allem eine Meinung wie Sie, Herr Brama. Manchmal muss man wissen, dass man es nicht weis.

      • ueli keller sagt:

        Na ja, aber die ParlamentarierInnen kriegen doch ihre nicht zu knappe Gage dafür, dass sie eine Meinung haben und dazu stehen. Sonst können wir ja auch 246 Kindergartenabsolventen nach Bern uns Bundeshaus senden (Die bräuchten nicht mal ein GA) Da hatte Grönemeier recht: Kinder an die Macht !

  27. Roberto Gloor sagt:

    Man sollte die Abstimmungen nach ihrer Relevanz gewichten, nur so kommt was sinnvolles raus. Mich interessiert, was die Parlamentarier tun, wenn es um die Unabhängigkeit und die Steuerbelastung des Schweizervolkes geht, wenn irgendeine Fachabstimmung ansteht, z.B. über Veterinärmedizin oder ein regionales Thema, so ist es i.O. wenn ein Politiker zugibt, dass er nicht genügend in der Materie ist, um eine definitive Entscheidung zu fällen. Von Frau Humbel weiss man zudem, dass sie primär Krankenkassenlobbyistin ist mit nebenbei einem Parlamentssitz.

    • Margot sagt:

      Haben Sie den Bericht überhaupt gelesen, oder nur die Überschrift? Kein Wunder wissen Sie so auf der Basis “man weiss zudem”.
      :
      Wenn man nicht sicher ist, ist es manchmal das beste sich eben nicht zu entscheiden. Ist auch eine Entscheidung. Viel zu viele laufen durchs Leben, ohne Hirn und Verstand.

      • Afrim Brama sagt:

        Wenn man sich nicht sicher ist… soll man sich erkunden, informationen einholen, sich eine meinung bilden. Dafür werden politiker bezahlt, genau dafür!

  28. David Rovere sagt:

    Man kann auch sagen, dass sich Ruth Humbel nur mit den Themen beschäftigt, für die sie zusätzlich bezahlt wird wie zum Beispiel als Verwaltungsrätin der Concordia Krankenkasse. Dossiers, die keine Zusatzeinnahmen generieren, werden nicht oder ungenügend studiert und führen dann zu den erwähnten Enthaltungen.

    • David Stoop sagt:

      Ihre Spitze ist etwas sinnbefreit, da sich Frau Humbel nur in ca. 8% der Fälle enthält. Das ist immer noch nur ein kleiner Teil der Abstimmungen und ich bezweifle doch stark, dass sie bei 92% aller Themen noch einen Sponsor hat.

      • Carl Dal Pund sagt:

        “Gibst du mir die Wurscht, so loesch ich Dir den Durscht.!” laesst sich heute bei den Politikern “Stimmst Du fuer die Interessen meines Lobisten, so stimm ich fuer die Interessen Deines!” ausdeutschen…..

      • David Rovere sagt:

        Richtig Herr Stoop. Ich habe es unterlassen, noch die PR-Relevanten und Wiederwahlwirksamen Abstimmungen zu erwähnen. Diese dürfen Sie sehr gerne von den erwähnten 92 % noch abziehen.

  29. Daniel sagt:

    Aktuell verstehe ich aber nicht, warum sich ein Politiker seiner Stimme enthalten darf bei einer Abstimmung. Was macht denn das für einen Sinn? Ich denke hier wurde der wichtigste Grund für eine Enthaltung nicht angegeben: Dann wenn die Person vom Thema keine Ahnung hat und sich auch nicht damit auseindander gesetzt hat. Anders kann ich mir das Enthalten nicht erklären. Ich lebe zwar auch nach dem Grundsatz: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach Fresse halten.” Aber ist es nicht das Amt der Personen dass sie sich mit den Themen auseinander setzen müssen und eben auch eine Meinung haben Müssen?? Ich sehe hier halt auch ein wenig das Problem, wenn die Räte von den Lobbysten erkauft oder um den Finger gewickelt werden. Dann darf man sich der Stimme enthalten und muss weder JA noch NEIN sagen. Finde das nicht wirklich gut. Aber ich denke, wie immer sehe ich nicht wirklich was dahinter steckt, und vermutlich würde ich mich gleich verhalten wenn ich im Rat unterwegs wäre.

  30. Padrutt Pascal sagt:

    Für was wählen wir die ParlamentarierInnen nach Bern? Damit Sie Stellung beziehen. Es gibt nicht immer die perfekte Lösung. Also das Argument, man sei mit der ausgearbeiteten Lösung nicht ganz einverstanden gewesen, zieht nicht. Also entweder Stellung beziehen und Platz räumen!

    • David Stoop sagt:

      Die höchste Enthaltungsquote ist ca. 8% und Sie kommen hier schon mit Rücktrittsforderungen. Mir persönlich ist jemand, der sich enthält, lieber, als jemand, der gegen seine Überzeugung abstimmt, bloss weil die Partei es befiehlt.

      • Mario Monaro sagt:

        @David Stoop: bin ganz Ihrer Meinung. Zudem ist eine Enthaltung viel anständiger, als einer Abstimmung einfach fernzubleiben. Es gibt gute Gründe sich zu enthalten. Die Stimmbürger machen das eben halt meistens, in dem sie gar nicht erst abstimmen. @Padrutt: haben Sie bei allen Abstimmungen immer eine Meinung also immer mit Ja oder Nein gestimmt? Haben Sie keine Abstimmung verpasst? Falls doch, sollten Sie sich überlegen, wie es wäre, wenn man Sie auffordern würde, von Ihrem “Amt” als Stimmbürger zurückzutreten.

  31. Erich Deiss sagt:

    Anstelle von Parlamentarieren, die sich enthalten, kann man doch genausogut einfach eine Puppe hinstellen.

  32. Remo_Roffler sagt:

    Enthalten passt sehr gut zur CVP. Warten, bis die Positionen bezogen sind, der Volkswille eruiert und dann behaupten, man hätte dies ja stets auch gesagt. Unwählbar.

  33. Kurt Blaser sagt:

    Meinungslos – Tatenlos ? Und der Rubel rollt trotzdem ? Ist ja schon jeder doof das er “arbeitet” wenn das Geld ja trotzdem kommt. Aber immerhin sie machen sich die Mühe überhaupt da zu sein, nicht wie ihre Vorbilder in Brüssel die sich nur eintragen (für die Sitzungsgelder) und dann gleich wieder verschwinden.

  34. Flo sagt:

    Doch wer sind die pflichtbewusstesten oder strebsamsten Nationalräte? Also jene, die immer eine Meinung haben und entweder auf Ja oder Nein drücken?
    Ob man das wohl so pauschal daraus schliessen kann?
    Ist das Anwesendsein und das Ja oder Nein Knöpfli drücken ein Zeichen für Pflichtbewussein und was heisst Strebsam? Strebsam nach was?
    Diese Interpretation, auch die über das Gelbe-Knöpfli-drücken, dünkt mich ein bisschen zu sommerlich leicht!

  35. magerius sagt:

    Aus der politischen Mitte – verständlich – nicht Link und nicht Recht – aber auch nicht Vorwärts!

  36. super schmidli sagt:

    Gewählt für die Enthaltung, sehr gut. Frau Humbel geht heute manchmal noch als Läuferin an den Start und bleibt bis zum Ende des Rennens auf der Startlinie stehen, sehr gut.