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Die Fifa und das liebe Geld

Von Julian Schmidli, 3. Juni 2014 12 Kommentare »
Nächste Woche beginnt die WM in Brasilien, doch der Gewinner steht jetzt schon fest: Die Fifa. Der Milliardenverein in Zahlen.
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«Eine Welt, ein Spiel», so schallt es derzeit aus den Fernsehern in aller Welt. Die Werbemessage des WM-Hauptsponsors Coca-Cola ist klar: Es dreht sich alles nur ums Spiel. Das Spiel – organisiert und orchestriert von Sepp Blatter, Sohn eines Walliser Velomechanikers und amtierender Chef der Fifa. Die Zahlen hinter der Fifa-Fussball-Welt zeigen aber vor allem: Das Spiel ist zur vergoldeten Geldmaschine geworden.

Wir haben den aktuellen Finanzbericht von 2013 analysiert und zeigen, woher das Geld kommt und wohin es fliesst. Allein 535 Millionen Franken nahm die Fifa letztes Jahr mit dem Verkauf von TV-Rechten für die WM ein sowie 360 Millionen für Marketingrechte.

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500

Franken betrug der Gewinn der Fifa aus der ersten WM 1930 in Uruguay, oder umgerechnet: 12’719 Pesos.

3,5 Mrd.

Franken wird die Fifa im 4-Jahres-Zyklus der WM von Brasilien verdient haben, so die Prognose von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke.

Die weltweit wachsende Popularität des Spiels hat wesentlich zum finanziellen Erfolg der Fifa beigetragen. Doch während die Zuschauerzahlen in den Stadien stark angestiegen sind, hat die Anzahl der gefallenen Tore während einer WM abgenommen.

Wie gut in den letzten zehn Jahren das Geschäft gelaufen ist, sieht man auch an der ständig wachsenden Reservekasse der Fifa. Als Sepp Blatter 1998 als Chef begann, war das «Kässeli» noch fast leer. Blatter hat es in seinen 16 Amtsjahren geschafft, die Vereinsersparnisse zu vervielfachen.

Ein paar weitere Zahlen:

17 Mio.

Franken bezahlte die Fifa im Jahr 2012 den Schweizer Steuerbehörden.

35 Mio.

Dollar Preisgeld gewinnt die Siegermannschaft der WM in Brasilien.

36,3 Mio.

Dollar zahlte die Fifa 2013 ihrem Kader als Boni aus.

1,3 Mio.

Dollar beträgt die Gesamtsumme der Förderungsbeiträge für Frauenfussball von 1999 bis 2013.

«Make the world a better place» – so lautet Blatters Credo. Doch tut das die Fifa wirklich? Blatters Vorzeigeprojekt ist dabei das sogenannte Goal-Programm. Bei seinem Antritt 1999 auf die Beine gestellt mit dem Zweck, Verbänden auf der ganzen Welt finanziell unter die Arme zu greifen. Mittlerweile ist «Goal» zu einem millionenschweren Entwicklungsprogramm herangewachsen. Eine Fussballakademie auf Tahiti, Trainingsplätze in Pakistan oder ein Beach-Soccer-Feld in Kamerun: Die Fifa listet auf ihrer Website 663 Projekte in 193 Ländern mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet fast 220 Millionen Franken. Dazu kommen die sogenannten «Fap»-Zahlungen sowie weitere Hilfsbeiträge.

Je nach Land unterscheiden sich deshalb die budgetierten Beträge von den tatsächlich ausgegebenen. Das Geld fliesst vor allem nach Europa und Afrika. Einen gewichtigen Teil gibt die Fifa für Kunstrasen aus. Zwei der weltweit grössten Firmen, Greenfields und Edelgrass, haben mindestens 67 Aufträge im Wert von rund 33 Millionen Franken umgesetzt. Geld, das teilweise wieder zurückfliesst. Denn die Fifa verkauft den Produzenten teure Exklusivlizenzen. Kostenpunkt: rund 450’000 Franken.

Übrigens: Auch der Schweizerische Fussballverband erhielt schon zweimal Entwicklungshilfe von der Fifa: vor vier Jahren rund 1,4 Millionen Franken für IT-Equipment. Diesen Frühling 440’000 Franken für das Projekt, junge Talente künftig in acht regionalen Trainingszentren zu fördern.

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Die Rohdaten der Entwicklungsprojekte sind hier zu finden.

12 Kommentare zu “Die Fifa und das liebe Geld”

  1. Jupp sagt:

    Wo wir gerade beim Thema Steuern sind: Eine der unzähligen Frechheiten der FIFA ist ja, dass Steuerbefreiung im Ausrichterland eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche WM-Bewerbung ist. Sprich: Wenn die jeweilige Regierung nicht mitmacht, gibt’s halt keine WM. Die Ausrichter können also nur darauf hoffen, dass indirekt (z. B. durch Tourismus) soviel Geld ins Land kommt, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Tut er natürlich nie, aber die FIFA verdient immer prächtig.

  2. Stefan Meier sagt:

    17 millionen Steuern. Das ist keine Steuer, das ist ein Kaffeekassenbetrag. Waere schoen, ich muesste pro Jahr nur 170 Franken Steuern bezahlen.

    • Anton Schmidt sagt:

      Dafür zahlen die Kaderleute, die die unverschämten Boni kassieren auch Steuern, was auch wieder einige Milliönchen in die Staatskasse spült, wenigstens von denen, die in der Schweiz wohnen.

  3. Marcel Senn sagt:

    Noch 1974 bevor Joao Havelange das FIFA Präsidium übernommen hat, war die FIFA ein relativ kleiner Verband mit etwa 10 Mio Fr. Umsatz pro Jahr und etwas mehr als einem Dutzend Angestellter.
    Sepp Blatter kam 1975 zur FIFA als Direktor der FIFA-Entwicklungsprogramme, wurde dann 1981 Generalsekretär und ist seit 1998 Präsident der FIFA.
    Die FIFA hat sich finanziell seither in etwa gleich entwickelt wie die Spielersaläre gewisser Spitzenspieler.
    Ich habe neulich den noch letzten lebenden Weltmeister von 1950 kennengelernt – Alcides Ghiggia den Siegesgoalschützen für Uruguay an der WM 1950 in Brasilien – er meinte auch er sei zur falschen Zeit geboren worden und muss heute mit einer Rente von Fr. 600 pro Monat auskommen.
    Allerdings zeigt sich die FIFA gegenüber dem alten Weltmeister (87) immerhin grosszügig, indem sie ihn und seine Frau an die WM einlädt (er spielte ja schon Glücksfee an der Auslosung) und die uruguyanische Post hat letzte Woche zwei Sonderbriefmarken zu Ehren Ghiggias herausgegeben.

  4. Christoph Buser sagt:

    FIFA gehört meiner Meinung nach abgeschafft, der einzige Nutzen der Fifa ist, dass sich das Funktionärentum wie ein Krebsgeschwür an einem Organismus bedienen kann (dem Sport). Persönliche Bereicherung steht im Vordergrund der Nutzen für Klubs und den Sport bzw. eine gelebte Nachhaltigkeit ist nirgends gegeben ausser an steigenden Löhnen und Zuwendungen für Günstlinge. Leere Sportstadien in Ländern wo man nicht genug zum Leben (Essen) hat ist die Perversion im Namen des Sportes – mit den Einnahmen könnte man viel mehr bewirken analog der Kirche (Papst) etwas mehr Bescheidenheit im Sonnenkönigspalast zu Zürich – Mafia Fussball !!!

  5. Javier López sagt:

    Nach der WM in Qatar braucht es ein Ideenwettbewerb für die weitere Nutzung der Stadien. Mein Vorschlag wäre, die Stadien in Soldatenfriedhöfe umzugestalten für all die Menschen die ihr Leben in Qatar für die Vision «Make the world a better place» verloren bzw. opferten. Eine grossangelegte Gefühlsheuchelei nach der Party sollte Gras über die unschuldigen Toten wachsen lassen.

  6. walter rohrer sagt:

    Nichts gegen eine kostendeckende “Selbst”-Organisation des Fussballs. Aber Gewinne in dieser Höhe scheffeln, kaum Steuern bezahlen, unverschämt hohe Gehälter in die Säcke der Funktionäre stecken… Nein danke. Die Fifa versinkt immer mehr im Schlamm der Korruption. In Brasilien verschärft sie mit ihrer Vergabepraxis von Rechten die sozialen Spannungen, in Katar foutierte sie sich um jede fussballerische und ökologische Vernunft (weil in der Hitze nicht gespielt werden kann, sollen klimatisierte Stadien gebaut werden – ein Irrsinn). Sepp Blatter und der Fifa-Sitz in Zürich werden dem ramponierten Ansehen der Schweiz noch mehr Schaden zufügen. Eigentlich sehr schade um den tollen Sport. Eine Garde korrupter alter Männer nimmt den Fussball in Geiselhaft.

  7. Javier López sagt:

    “36,3 Millionen Dollar zahlte die Fifa 2013 ihrem Kader als Boni aus”
    Die FIFA ist doch als nicht Non-Profit Organisation in der Schweiz zugelassen???!!! Wozu ein Boni?

    «Make the world a better place»
    Ca. 500 Tote in Qatar!!! Nein 500 Umweltverschmutzer bzw. 500 potentielle Sozialfälle weniger auf diesen Planeten.

    Nur eines findet man im Bericht nicht. Die Entlohnung (nur Boni) von Blatter und Co. für ihren altruistisches Wirken. Wahrscheinlich verzichtet diese edle Gemeinschaft darauf.

    • Laila sagt:

      Trotz X Millionen wird das letzte Hemd von Seppi Blatter keine Tasche haben. Bis dann werden sich seine Deutsch- und Englischkenntnisse auch nicht mehr verbessern (fremdschämen…).

      • loulou55 sagt:

        Der Blatter Sepp wird ewig leben! Grund: Der liebe Gott kann keinen im Himmel brauchen, der ihm irgendwann den Thron streitig machen wird. *frech grins*

  8. Leimgruber sagt:

    Die FIFA macht Milliarden Gewinne und erst noch Steuerbefreit, da sie als gemeinnütziger Verein gilt. Wir müssen jeden Franken versteuern. Das ganze Fussball und die FIFA sind nur noch korrupt.

    • Ike Conix sagt:

      Dass die FIFA steuerbefreit sei, ist ein Gerücht. Die 17 Mio. im Jahr 2012 sind denn auch korrekt oben aufgeführt. Ob die aber der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechen, steht auf einem anderen Blatt.