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Zürich durch die Datenbrille

Von Barnaby Skinner, 4. April 2014 3 Kommentare »
Trotz spärlicher offener Daten entstehen an der Limmat brauchbare Apps.
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Nichts Geringeres als eine Revolution kündigte der damalige Zürcher FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder 2012 bei der Lancierung des Portals http://data.stadt-zuerich.ch an: Zürich könne eine Vorbildrolle der Transparenz einnehmen; Zürich werde zum Silicon Valley Europas. Er sah vor seinem geistigen Auge schon Tausende Software-Entwickler, die mit den Daten und Apps das Verkehrschaos lösten, die innerstädtische Luft besser machten und vor allem das lokale Gewerbe anheizten.

Knapp zwei Jahre später ist es stiller geworden um das erste offene Datenportal der Schweiz. Noch immer dauert es ewig, bevor die Ämter einen Datenbestand freigeben. Intern gibt es zum Beispiel seit Monaten eine Auseinandersetzung darüber, ob die Datenbank von Kunst im öffentlichen Raum allen zugänglich gemacht werden sollte.

Zürich ist aber dennoch die einzige Schweizer Stadt geblieben, die mit Open Data wirklich ernst macht und angefangen hat, Datenbestände – seien es die Hydrantenpositionen oder der öffentliche Baumkataster – öffentlich zugänglich und frei nutzbar zu machen. Der Bund hat zwar unter www.opendata.admin.ch ein eigenes Portal angekündigt. Er pflegt die Bestände aber zurückhaltend. Anders ist nicht zu erklären, warum in der Rubrik «Gesetze» erst eine Datensammlung im Angebot ist. Sie betrifft die Vernehmlassungsentscheide des Bundes von 1960 bis 1991.

Trotz der tristen Datenlage hat sich auf Entwicklerseite viel getan. Wir haben das städtische Datenportal und sonstige Sphären des Internets nach den besten Anwendungen offener Zürcher Daten durchforstet.

 

Züri Crime

 

Bildschirmfoto 2014-02-16 um 15.15.39Die visuell ansprechendste Arbeit stammt von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Drei Studenten nahmen die Kriminalstatistiken der letzten vier Jahre und verformten die städtischen Kreise entsprechend der Häufigkeit bestimmter Verbrechen. Zürich im Zeichen des Verbrechens hält das Versprechen eines neuen Blickes auf die Stadt an der Limmat.

 

Accessiblemap.ch

 

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Am besten auf dem Smartphone anschauen. Zwei Studentinnen der Hochschule für Technik in Rapperswil entwickelten einen Prototyp einer sprechenden Karte für Blinde und Touristen. Je nach Einstellung kann das Handy den nächsten Abfalleimer orten oder seinen Besitzer zur nächsten Parkbank führen – sofern alles korrekt von der Stadt nachgeführt wurde. Die Studenten sind derzeit auf Sponsorensuche, um aus dem Prototyp eine vollfunktionsfähige Handy-App zu bauen.

 

Kein Stress mit Pollen

 

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Nomen est omen. Zwei Entwickler visualisierten die Häufigkeit bestimmter Pollen in jeweiligen Stadtkreisen: Eiche entlang des Seefeld oder Birke in der Enge. Dies wäre als vollfunktionsfähige App auf der Website der Stadtverwaltung für jeden Allergiker ein Segen.

 

Zürich Wasteland

 

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Eine weitere Arbeit von Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) simuliert, wie die Strassen Zürichs mit Müll zugedeckt würden, würde er nicht ordentlich entsorgt.

 

Entsorgungs-App

 

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Mit den gleichen Daten wie bei Zürich Wasteland ist von einer unabhängigen Entwicklerin eine Applikation entstanden, die dem Nutzer automatisch die nächsten Entsorgungstermine und -depots anzeigt.

 

Quartierquartett

 

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Am besten auf dem Smartphone anschauen. Zuletzt gehört auch das Quartierquartett in diese Auswahl. Bei Aufruf der Seite wird einem eine virtuelle Hand mit Karten verschiedener Quartiere zugeteilt. Oberstrass: 101 Nationen. Medieneinkommen: 57’700 CHF. Restaurants: 34. Kindergartenstätten: 8. Einfamilienhäuser: 16,7%. Durch Wahl einer bestimmten Kategorie tritt man gegen die oberste Karte eines zweiten Stapels an. Datenquelle sind die offenen Daten der Stadt und somit ist das Quartett immer auf dem aktuellsten Stand. Es gibt keine spielerischere Alternative, die Limmat-Stadt kennen zu lernen.

3 Kommentare zu „Zürich durch die Datenbrille“

  1. Peter Rietsch sagt:

    “Medieneinkommen”… welche Medien sind gemeint?

    • Peter Müller sagt:

      Da geht es um das Medianeinkommen = Durchschnittswert

      • Erwin sagt:

        Medianeinkommen ist nicht gleich Durschnitteinkommen. Es ist der Einkommen wo 50% über und 50% unter diesen Einkommen liegen. Also von allen gezählten Einkommen gerader der in der Mitte ist. Bei einer gleichmässigen Verteilung sind beide beinahe gleich sonst nicht

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