datenblog

Markant mehr Frauen sterben an Lungenkrebs

Von Iwan Städler, 10. März 2016 36 Kommentare »
Die Zahl der Lungenkrebstoten unter den Frauen hat sich innert 20 Jahren verdoppelt. Krebs dürfte schon bald die häufigste Todesursache in der Schweiz sein.

In der Schweiz sterben jährlich über 16’000 Menschen an Krebs. Nur die Herz-Kreislauf-Krankheiten bringen noch häufiger den Tod, wobei die Medizin in diesem Bereich grosse Fortschritte gemacht hat. Dank neuer Medikamente und Operationsmethoden erliegen immer weniger Frauen und Männer einem Herzinfarkt. Die Zahl der Krebstoten steigt dagegen weiter an. Zwar ist das Risiko, an Krebs zu sterben, leicht gesunken – etwa durch bessere Früherkennung und Therapien. Doch aufgrund der zunehmenden Zahl an älteren Menschen kommt es insgesamt zu mehr Krebstoten.

 

«Wir gehen davon aus, dass Krebs bald die häufigste Todesursache sein wird», sagt Marius Widmer, Mediensprecher des Bundesamts für Statistik (BFS). Bei den 45- bis 84-Jährigen ist dies bereits heute der Fall.

Die Grösse der Kreise widerspiegelt die Anzahl Todesfälle.

Die Grösse der Kreise widerspiegelt die Zahl der Todesfälle.

Über alle Altersklassen hinweg betrachtet, sind 29 Prozent der Todesfälle bei Männern durch Krebs bedingt. Bei den Frauen sind es 22 Prozent.

Entsprechend gross ist die Aufmerksamkeit, die das BFS den Krebsdaten schenkt. Alle fünf Jahre erstellt es einen umfassenden Krebsbericht – zusammen mit dem Nationalen Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (Nicer) und dem Schweizer Kinderkrebsregister. Der nächste Fünfjahresbericht wird am 21. März den Medien vorgestellt. Die ihm zugrunde liegenden Zahlen finden sich freilich bereits heute auf der BFS-Website. Wegen der aufwendigen Aufbereitung der Daten beziehen sie sich auf die Jahre 2008 bis 2012.

Männer trifft es häufiger

In dieser Periode kam es zu durchschnittlich 16’250 Krebstoten pro Jahr – 9000 bei den Männern und 7250 bei den Frauen. Die Differenz zwischen den Geschlechtern erklärt sich in erster Linie dadurch, dass Männer weit häufiger an Lungenkrebs sterben als Frauen – nämlich fast doppelt so oft. Krebserkrankungen an Lunge, Bronchien und Luftröhre führen jährlich bei 2010 Männern zum Tod. Bei den Frauen sind es 1079 solche Todesfälle pro Jahr.

Die Ursache für diesen Unterschied liegt auf der Hand: Die Frauen haben lange markant weniger geraucht als die Männer. Dies wirke sich jetzt – Jahrzehnte später – in der Krebsstatistik aus, sagt Nicole Probst vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. Die Krebsexpertin hat die Mortalität in der Schweiz zusammen mit anderen Wissenschaftlern untersucht.

Männer trinken auch mehr Alkohol, essen mehr rotes Fleisch und sind beruflich stärker gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt als Frauen. Dies trägt laut Probst ebenfalls zu einer erhöhten Krebsmortalität bei.

Beim Lungenkrebs haben die Frauen aber drastisch aufgeholt: Innert 20 Jahren hat sich die Zahl der weiblichen Lungenkrebstoten mehr als verdoppelt – von 474 auf die besagten 1079. Bei den Männern blieb die Zahl der Lungenkrebstoten dagegen seit der Jahrtausendwende auf hohem Niveau stabil, nachdem sie zuvor markant gesunken war. Noch immer ist aber jeder fünfte Krebstod bei Männern auf Lungenkrebs zurückzuführen – die mit Abstand bedrohlichste Krebsart für Männer. Dahinter folgen der Prostatakrebs und der Dickdarmkrebs. Bei den Frauen dominiert der Brustkrebs vor dem Lungenkrebs und dem Dickdarmkrebs.

20160310-Krebstote_entwicklung-krebsarten-onine

 

Stark rückläufig ist bei beiden Geschlechtern der Magenkrebs. Nicole Probst führt dies auf den vermehrten Konsum von frischen Früchten und Gemüsen, auf einen Rückgang des Rauchens und auf eine bessere Behandlung von Heliobacter-pylori-Infektionen zurück. Deutlich zugenommen haben dagegen die Todesfälle wegen Krebs in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse.

Interessant ist auch ein Vergleich zwischen den Regionen – vor allem beim Lungenkrebs:

 

Eine Untersuchung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts zeigt, dass Romands deutlich häufiger an Lungenkrebs sterben als Deutschschweizer. Probst nimmt an, dass dies aufs unterschiedliche Rauchverhalten zurückzuführen sei. Vor allem Frauen qualmen in der Westschweiz markant häufiger als in der Deutschschweiz. Dies dürfte – nebst dem Alkoholkonsum – auch der Grund dafür sein, dass Westschweizer häufiger an Mund- und Leberkrebs erkranken.

Schwieriger zu erklären ist für Probst, weshalb im Tessin, im Wallis und in Graubünden die Sterblichkeit bei Magenkrebs deutlich höher ist als entlang des Juras. Möglicherweise hängt dies mit dem Konsum von geräuchertem, gesalzenem und gepökeltem Fleisch zusammen, welcher das Magenkrebsrisiko erhöht.

 

Wenig überraschend ist, dass die Krebsmortalität mit zunehmendem Alter steigt. Über 90 Prozent aller Krebstodesfälle betreffen Menschen über 55 Jahre.

 

Bei Kindern sind Krebserkrankungen dagegen selten. Jährlich werden im Schnitt 190 Neuerkrankungen registriert. Der Grossteil davon lässt sich heilen, weshalb pro Jahr nur 27 Kinder an den Folgen sterben. Trotzdem ist Krebs bei Kindern die zweithäufigste Todesursache – nach Unfällen.

Nichtrauchen bringt am meisten

Rauchen ist nicht nur für Lungenkrebs die mit Abstand häufigste Ursache. Es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, an zahlreichen anderen Krebsarten zu erkranken. Wer Aktiv- und Passivrauchen meidet, erhöht seine Lebenserwartung am meisten. Darüber hinaus empfiehlt sich, den Konsum von Alkohol sowie von rotem Fleisch einzuschränken und stattdessen mehr Früchte und Gemüse zu essen. Auch kann eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung auf Dickdarmkrebs das Risiko verringern. Sie ist ab dem 50. Altersjahr empfohlen. Schliesslich sollte man Sonnenbrände vermeiden – vor allem bei Kindern. (is.)

36 Kommentare zu “Markant mehr Frauen sterben an Lungenkrebs”

  1. Thomas Meier sagt:

    Bin ich der einzige hier der es bedenklich findet, dass ein Datenblog Zahlen präsentiert ohne diese für das Bevölkerungswachstum zu korrigieren? z.B. die Anzahl Leute, welche an Krebs erkranken ist nicht wirklich gestiegen, wenn man es in % der Bevölkerung ausdrückt. Das tritt insbesondere dann zu, wenn man bedenkt, dass auch andere Todesursachen gesunken sind und die Lebenserwartung gestiegen ist. z.B. weniger Leute sterben in Autounfälle, daher werden diese Leute älter und es ist wahrscheinlicher, dass sie an Krebs erkranken. Die Zahlen müssten auf jeden Fall für das Bevölkerungswachstum, aber optimal auch für die steigende Lebenserwartung angepasst werden.

  2. gabi bossert sagt:

    Die Zigarette ist erwiesenermassen ein Krebsrisiko. Diese Fixierung ist inzwischen angekommen und es wird ja auch tüchtig dafür gesorgt. Gestern las ich, dass Kt. Basel politisch unterstützt, dass in Jugendhäusern Alkohol ausgeschenkt werden dürfe. Ich denke, das Steuerbewusstsein ist tief verankert. Andererseits vermiss ich in dem Bericht z. B. die Zunahme Asthma kranker Kinder, Atemnot bei Kindern, die ja noch nicht rauchen. Unsere katastrophale Umweltbelastung verschiedenster Schadstoffe, die Jahr für Jahr steigt, die wird wohlweislich, von einer breiten Lobby untersagt, einfach mal so in Unkenntnis verschwinden lassen. Also da arbeitet die Lungen Liga, die WHO, die KK erfolgreich mit.

  3. Dana Kohut sagt:

    Rauchen als Statussymbol der modernen Frau. Das schlechte Gewissen wird dann mit Bio-Food beruhigt.

  4. Küsel sagt:

    Tja der Tod… eine schlimme, unbezwingbare Krankheit, die uns alle eines Tages befällt – die einen früher, die meisten anderen immer wie später, denn es darf nicht mehr gestorben werden, das ist unnatürlich und asozial. Man geht auch in Gesprächen und der Sozialkultur nicht mehr auf natürliche Art mit dem Übertritt ins Jenseits, was immer das auch sein mag für jeden individuell, um. Das Ziel soll sein: wer unter 85 stirbt ist krank (in gesundheitlicher, moralischer und gesellschaftlicher Art und Weise). Die westliche Gesellschaft von Finnland bis Brasilien überaltert mit allen finanziellen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen. Wer daran Kritik übt, bekommt einen Maulkorb verpasst

    • Christian sagt:

      Man darf hier aber nicht vergessen dass ein Krebstod die Lebensqualität auch vor dem Tod stark einschränkt. Jemand der mit 65 an Krebs stirbt hat vermutlich schon die letzten 15 Jahren auf zunehmend schlimme Weise an der Krankheit gelitten, während dessen derjenige der dann mit 90 an Demenz stirben wird die Zeit von 65-85 in einem für dieses Alter normale Weise gut geniessen konnte.

  5. Rita sagt:

    Lungenkrebs ist ein fürchterliches Schicksal, ich habe das bei meiner Gotte und meinem Vater erlebt. Schlimm ist, dass viele einfach die Augen schliessen statt dass sie etwas tun. Ich bin 52 und habe selbst auch 25 Jahre geraucht und aufgehört und mich jetzt untersuchen lassen mit einem CT bei der Stiftung für Lungendiagnostik in ihrem Programm für Früherkennung von Lungenkrebs. Gottseidank hat man nichts krebsartiges gefunden. Ich bin dankbar dass es solche Methoden gibt, auch wenn man sie selbst bezahlen muss, aber fürs rauchen war ich auch selbst verantwortlich also kann ich auch eine Vorsorgeuntersuchung selbst bezahlen. Traurig, dass mein Vater diese Möglichkeit noch nicht hatte.

  6. Peter Buttliger sagt:

    Nichtrauchen ist das Schlagwort aber niemand weist darauf hin dass die Luftverschmutzung (Feinstaubpartikel, Ozon etc.) einen ebenso grossen Anteil zu den Erkrankungen der Atemwege beiträgt; aber dies in den Studien zu erwähnen würde wohl die Geldflüsse der stattlichen Behörden stoppen und anderseits möchten die Politiker keine Polemik zu diesem Thema, denn damit lässt sich gut leben .

    • Johnathan Wuk sagt:

      Die höchste Feinstaubbelastung haben Sie in Räumen, in denen geraucht wird. Verglichen damit, ist die Feinstaubbelastung im Freien (chinesische Grossstädte mal ausgeklammert) nicht relevant.

  7. Rolf Rothacher sagt:

    Diese Fixierung auf gewisse Erkrankungen mit Todesfolge ist lächerlich. An irgend etwas muss jeder von uns sterben. Deshalb sollte man nur diejenigen Sterbegründe überhaupt auswerten, die zum Tode vor der durchschnittlichen Lebenserwartung führten. Meine Mutter ist 85 und raucht seit 70 Jahren, unterbrochen bloss durch Schwangerschaften/Stillzeit. Falls sie nach einem hoffentlich noch langen Leben dereinst an Lungenkrebs sterben sollte (keinerlei chronische Erkrankungen bislang, geht nur zum Arzt, wenn sie wirklich muss), wird sie trotzdem in diese sinnfreie Statistik aufgenommen und als MAHNMAL benutzt werden. Das ist einfach widerlich.

  8. Ursula Haass sagt:

    Ich habe bemerkt, dass seit ca. 15 Jahren sehr viel junge Frauen rauchen. Auf meine Frage, warum, höre ich sehr oft: “Da habe ich keinen Hunger und nehme nicht zu”! Na ja, was ist besser: Eine mollige lebendige Frau oder eine dünne tote Frau? Ich verstehe die Denkweise der jungen Frauen nicht! Fastfood weglassen und weniger Alkohol – dann muss man auch nicht rauchen!

    • Johnathan Wuk sagt:

      Dieser Aussage folgend, dürften sich in den Raucherzoos am Flughafen ausschliesslich spindeldürre Menschen aufhalten. Die Realität ist so eklatant anders, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich an diesen Aquarien vorbeikomme, vermutlich in schallendes Gelächter ausbreche.

  9. Peter sagt:

    Ich habe mit 36 Jahren aufgehört zu rauchen nach einer 20 jährigen Raucherkarriere mit täglichem Husten und Auswurf vor allem am Morgen. Dies ist nun 2 Jahre her. Trotzdem habe ich erhebliche Bedenken das ich trotzdem Lungenkrebs bekomme. Nach neusten Statistiken sind auch Ex Raucher massiv von Lungenkrebs bedroht. Was kann man als Ex Raucher tun um das Risiko zu reduzieren? Im Nachhinein hätte ich schon mit 25-30 Jahren aufhören sollen als die körperlichen Schäden noch nicht so sichtbar waren. Gibt es eine Vorsorge? Oder sollte man sich einfach mit dem Schicksal abfinden und warten was passiert?

    • Hotel Papa sagt:

      Das Leben ist lebensgefährlich. Oder in anderer Darstellung, eine sexuell übertragbare Krankheit, die in 100% der Fälle mit dem Tod endet.

      Das Aufhören war eine gute Entscheidung. Der angerichtete Schaden in den Zellen ist angerichtet. Der verbleibenden Schadstoffe wird sich der Körper in wenigen Jahren entledigen. Mehr kann man direkt nicht tun.

      Ihr grösstes Risiko ist ohnehin Ihr Geschlecht, und dafür kann mann gleich gar nichts…

    • Myriam sagt:

      Es gibt nur eine anerkannte Möglichkeit, einen Lungenkrebs rechtzeitig zu erkennen: das tief dosierte Lungen-CT. Spezialisten können das. Es gibt in der Schweiz auch eine Stiftung, die Stiftung für Lungendiagnostik, die das macht.

    • Mark sagt:

      Seit neustem wird ein Lungenscreening angeboten. Ob damit aber tatsächlich Leben gerettet werden können, ist wissenschaftlich noch nicht erwiesen. Mehr Infos finden Sie auf der Webseite der Lungenliga.

      • Theo Hellmendinger sagt:

        Sind Sie von der Lungenliga, Mark? Die Lungenluga hat dazu gar nichts zu sagen, ausser dass sie den Zug wieder einmal verschlafen hat. Das Lungenscanning für Raucher ist eine Sache der Schweizer Stiftung für die Lungendiagnose. Und wer sich mit der Sache befasst weiss dass es keine andere Methode gibt Lungenkrebs dann zu entdecken wenn er noch kuriert werden kann als eben diese, auch wenn das der Lungenliga nicht passt. Es ist gut dass Leben in die Sache kommt und jemand auch mal etwas für die Raucher macht. Ich (35 Jahre geraucht) war auch schon am Lungenscanning der Stiftung für die Lungendiagnose und ich bin froh darum.

      • Marco T. sagt:

        @Mark: Ich habe mir jetzt die Mühe genommen umd recherchiert. An Lungenkrebs sterben fast alle, die daran erkranjen. Weil sie erst zum Arzt gehen, wenn sie etwas spüren. Und dann ist es zu spät. Heilen kann man sie nur, wenn man den Krebs ganz früh entdeckt. Das kann man mit der Methode, die Myriam und Theo erwähnen. Das CT ist zwar eine Strahlenbelastung wie alle Röntgen, aber das kann man vergessen, wenn es um 20 Jahre rauchen geht. Und es gibt heute einfach keine andere Möglichkeit, den Lungenkrebs rechtzeitig zu entdecken. Es ist gut dass es das Programm der Stiftung für Lungendiagnose gibt. Ich melde mich auch an. Ich will ganz einfach die Chance nicht verpassen. Das ist pure Vernunft.

        • Carmen sagt:

          Mein Vater ist vor 1 Jahr, nach 9-monatiger Lungenkrebserkrankung mit 70 Jahren verstorben. Er hat bis er 29 Jahre alt war (ein paar Jahre geraucht), hat also vor der Diagnose 40 Jahre nicht mehr geraucht. 5 Monate vor der Diagnose hatte er einen Check mit Röntgenbild der Lunge (ohne Befund), ein normales Röntgenbild bringt nichts. Von einem auf den anderen Tag bekam er plötzlich Probleme mit der Atmung, ein Lungenflügel war kollabiert. Der Lungenkrebs kann über Jahre keine Probleme machen, wenn er dann Probleme macht ist es leider meistens zu spät. Mein Vater hatte bei der Diagnose bereits Stadium IV. Es gibt auch viele Menschen die an Lungenkrebs erkranken ohne je geraucht zu haben….

          • Marco T. sagt:

            Eben, Sie sagen es! Wenn (!) man ein Risiko hat (Rauchen, Asbest, familiäre Belastung), sollte man sich gescheit mit einem CT untersuchen lassen. So hat man wenigstens die CHANCE, den Lungenkrebs so rechtzeitig zu sehen, dass man was tun kann. Von weiteren Risikofaktoren sagen Sie übrigens nichts. Ausserdem sind Einzelfälle zwar tragisch, aber nicht massgebend. Ihr Vater hat Pech gehabt, was mir Leid tut, aber der Fall sagt gar nicht zur Frage hier.

          • K. Jaggi sagt:

            Man kann es zwar am Tag X mittels CT kontrollieren, aber wie sieht es am Tag X+1 aus?

          • Philipp sagt:

            @K. Jaggi, am ‘Tag X+1 frisst Sie ein aus dem Basler Zolli entlaufenes Raubtier. Ernsthaft: Wenn am Tag X+1 ein Lungenkrebs entsteht, werden Sie den mit der erwähnten Vorsorgemethode rechtzeitig erkennen, wenn Sie das näcgste Mal zur Untersuchung gehen.

  10. Altmann sagt:

    Die gesellschaftlichen und psychosozialen hohen Belastungen am Arbeitsplatz, Doppelrollen Haushalt/Arbeitswelt, Umweltbelastungen durch Benzin, AKWs, digitalen Überdosen und Fastfood sowie weltweiten menschenverachtenden Wirtschaftskonzernen und Diktatoren wären ein wichtiges zusätzliches Blickfeld und Forschungsfeld zur umfänglichen Sichtweise auf unsere Gesundheit. Musse, Respekt gegenüber dem Leben und Wertschätzung sind Gegenmittel. Der enge Blick auf eigenverschuldetes Rauchen und Trinken ist m.E. zu individuell und entspricht nicht einem vollen Abbild der Risikofaktoren.

  11. Martin Stalder sagt:

    Gerade wieder gestern erlebt, eine neue Bar Eröffnung in Zürich und es wurde ohne Hemmnis geraucht was das Zeug hält. In Zürich gehört Rauchen schon wider zum guten Stil, trotz Rauchverbot. Genau diese Artikel lassen einem wieder aufhorchen, wie viel Schaden das Rauchen dennoch anrichtet.
    In Zürich lässt dies die Behörden nicht etwa aufhorchen, im Gegenteil. Weder Kontrollen noch Bussen wurden jemals ausgesprochen.Zu lasch ist der Wille vor allem in der Regierung, Rauchverbote auch durchzusetzen. Zu stark sind Tabak-Lobbys und Millionen-Beträge präsent. Somit werden wir wohl noch viele solcher Artikel lesen müssen.

    • Myriam sagt:

      Warum, Martin Stalder, haben SIe nicht die Stadtpolizei gerufen? Die MUSS kommen und für Ordnung sorgen. Wenn SIe einem Missstand zuschauen und nichts tun, machen SIe sich mitschuldig.

  12. Hotel Papa sagt:

    Irgendwie sind diese Untersuchungen über die Zeit, die die Sterbe-Ursachen jeweils als Anteil vom ganzen Kuchen darstellen, nicht besonders aussagekräftig. An irgendwas sterben wir alle. Fortschirtte bei Herz-Kreislauf sehen automatisch wie Rückschritt beim Krebs aus. Klar, man kann damit eine Aussage machen, wo in Zukunft die Prioritäten gesetzt werden sollen. aber trotzdem:

    Ist natürlich deutlich schwieriger, leicht lesbar darzustellen, aber das ganze sollte mit dem Lebensalter WANN denn dieser Tod eintritt gezeigt werden. Nur so ist eine Aussage über das Riskobild vollständig.

    • Ralf Schrader sagt:

      Sie haben fast recht. Aber bei einer mittleren Lebensdauer von 80 Jahren eignet sich die Todesursachstatistik nicht einmal mehr dafür, Prioritäten auch nur grob zu ermitteln. Selbst wenn man durch Obduktion die wirklichen Todesursachen finden würde, was heute aber nicht der Fall ist.

      Die Argumentation, welche der Todesursachenstatistik nicht mehr Relevanz als dem Münzwurf oder der Wahrsagerei zuweist, finden Sie in jedem Lehrbuch der Epidemiologie oder Public Health ab ca. 1960. Der wissenschaftliche Wert des Artikels macht exakt Null aus.

  13. Ralf Schrader sagt:

    ‘In der Schweiz sterben jährlich über 16’000 Menschen an Krebs.’

    Ohne Obduktion kann man das vermuten, aber nicht wissen. Bei der ärztlichen Leichenschau ohne Öffnung sind die wahrscheinlichsten Diagnosen überrepräsentiert. Deshalb haben gilt unter Epidemiologien die Regel, das die Todesursachenstatistik umso bedeutungsloser wird, je höher das Todesalter und je seltener obduziert wird.

    Schliesslich addieren alle Todesursachen auf 100%, d.h. wenn der Anteil der Carcinome zunimmt, liegt das höchstwahrscheinlich nicht an einer Risikoverschiebung, an Krebs zu erkranken, sondern an der Tatsache, dass eine andere Todesursache, die leichter zu beeinflussen ist, abnimmt. Ist doch gut so.

  14. Hofstetter Christian sagt:

    Die Gesundheitswissenschaftsindustrie wird nicht müde zu erklären, dass Rauchen und Alkohol das Krebsrisiko um ein Vielfaches erhöhen. Wir wissen alle, dass Rauchen und Alkohol nicht gesund sind. Was aber meiner Meinung nach viel zu wenig berücksichtigt wird, ist der Fakt, dass die psychische Komponente bei Krebs auch eine entscheidende Rolle spielt. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige Menschen, die an Krebs gestorben sind und die weder geraucht noch getrunken haben. Aber die Umweltbedingungen zum Thema zu machen, ist eben gesellschaftsunverträglicher, weil alle Auto fahren, herumfliegen, die Natur verschandeln etc. Und wer sich zu Tode arbeitet, ist ein Hero.

    • Robert Walpole sagt:

      Ja, Ihre Thesen haben etwas für sich. Selbstverständlich lebt man gesünder, wenn man gesund lebt. Der gesunde Menschenverstand ist das Mass aller Dinge. Denn ein Volk von Hypochondern ist kein glückliches Volk. “Alles ist Gift, die Menge macht es aus” (Paracelsus). Wenn ich mir täglich ein Glas Rotwein gönne und pro Woche drei bis vier Zigarren, gewinne ich an Lebensqualität, ohne meine Gesundheit zu ruinieren. Messianische Gesundheitsapostel verlängern das Leben der Bevölkerung nicht, aber sie vermiesen es.

    • I. Bissig sagt:

      Was Sie hier ansprechen ist alles seit Jahrzehnten gut untersucht worden, gerade weil Leute Ihres Schlages gern von den eigentlichen Ursachen von Krebs ablenken wollen. Rausgekommen ist dabei nicht viel Relevantes. Die Modifikation des ‘eigenen’ Lebensstils hier im Westen ist bei weitem wichtiger als beispielsweise die Reduktion von Feinstaub oder anderen umweltrelevanten Belastungen durch Industrie und Verkehr. Was nicht heisst, dass man auf Letzteres verzichten soll….

    • Ralf Schrader sagt:

      Wenn schon, dann benutzen Sie bitte den Terminus ‘Krankheitsbewirtschaftung’. Mit Gesundheit wird auch Geld verdient, die Fitness-, Diät- usw. Industrie, aber Krebs gehört in den Gegenstandsbereich der Medizin, also der Krankheiten und Krankheit hat mit Gesundheit fast nichts zu tun.

      Richtig ist aber, dass sowohl die Gesundheits-, als auch die Krankheitswissenschaft jede Glaubwürdigkeit verloren haben, als sie sich in den Hoheitsbereich der Wirtschaft haben wenden lassen. Ob Mediziner, Statistiker oder Naturwissenschaftler, im Spätkapitalismus sind alle der Wahrheit nicht stärker verpflichtet, als jeder andere PR- Typ.

    • Urs sagt:

      “Gesundheitswissenschaftsindustrie wird nicht müde zu erklären…” ach Gottchen, wirklich? Die Gefährlichkeit gewisser Substanzen wissenschaftlich zu untersuchen und die Menschen darüber aufzuklären ist jetzt eine “Industrie”? Dieses verschwörungstheoretische Vokabular findet immer mehr Verbreitung.
      “Ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige Menschen, die an Krebs gestorben sind und die weder geraucht noch getrunken haben.”
      Ja, natürlich, ihre persönlichen Erfahrungen aus ihrem unmittelbaren Umfeld sind natürlich wissenschaftlich total aussagekräftig und absolut gleichwertig wie die Erkenntnisse aus jahrelangen wissenschaftlichen Studien. Schon klar.

      • Ralf Schrader sagt:

        Wissenschaft wird dann zur Industrie, wenn sie kommerziell eingesetzt wird. Das ist hier der Fall. Kommerzielle Wissenschaft ist nicht glaubwürdig, auch das ist hier der Fall.

      • Greatsheep sagt:

        Eigentlich ist es mir egal, wenn jemand halt ungesund lebt soll er doch. Es nervt aber dann, wenn ich als “Gesundheitsfanatiker”, “stierer Gmüeslifrässer” und der weiteren idiotischen Titel verpasst bekomme. Und zum zweiten Mal nervt es wenn die selben Leute Jahre später einem faktisch den Vorwurf machen, dass man noch gesund ist. “Ja, ja du kannst schon guter Laune sein, hast ja keinen Magenkrebs oder deine Leber ist noch heil” etc.
        Ich persönlich vermisse es nicht, wie mein Nachbar der seit 2 Jahren damit begonnen hat morgens zuerst mal eine zeitlang rumzuhusten. Ich kenne das gut genug, auch mein Grossvater wurde trotz Rauchen 84ig; aber das wie hielt mich von den Zigis ab.

      • Hofstetter Christian sagt:

        Der psychischen Komponente bei Krebs hat man in den 80-Jahren (Bornemann) mehr Gewicht beigemessen. Sie, Herr Urs, geben sie uns doch bitte die Studien der letzten Jahre bekannt, wo die Psyche, die Lebensumstände, die Lebensbedingungen etc. eine massgebende Rolle gespeilt haben bei der Krebsforschung. Tatsache ist, dass die Schulmedizin – gerade im psychologischen Bereich – relevante Defizite für eine allumfassende Forschung hat. Und mit verschwörungstheoretischem Vokabular haben meine Ausführungen gar nichts zu tun. Es ist nur so, dass die Technokraten im Forschungsbereich das Zepter übernommen haben. Diese Entwicklung ist alles andere als gesund.

    • Christoph Bögli sagt:

      Wieder einmal jemand, der nicht verstanden hat, wie das mit Statistik und Risiken funktioniert:Rauchen oder Alkohol zu vermeiden, reduziert das Krebsrisiko natürlich nicht auf null, aber diese Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, spezifische Krebserkrankungen zu erleiden, massiv. Ganz einfach.

      Betonung auf spezifisch, im übrigen. Spezifische Risikofaktoren sind primär für bestimmte Krebsarten relevant, etwa Rauchen für Lungen- und Mundhöhlenkrebs. Also logischerweise dort, wo die Wirkung stattfindet. Dass durch das Rauchen das Risiko für z.B. Eierstockkrebs nicht beeinflusst wird und man natürlich auch als Nichtraucherin an Eierstockkrebs sterben kann, ist dabei nicht relevant.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.