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Die Silvester-Feinstaubwerte gingen ab wie eine Rakete

Von DB, 5. Januar 2016 10 Kommentare »
Um Mitternacht am 31. Dezember war Zürich durchdrungen von Russteilchen. Kurzzeitig wurde der Feinstaubgrenzwert um das Siebenfache überschritten.

Von Marc Fehr und Marc Brupbacher

Feinstaub reizt die Atemwege und kann krank machen. Täglich atmen wir ihn ein. Wie hoch die Belastung der Luft derzeit ist, zeigen Daten des offiziellen Portals Ostluft.ch für acht Schweizer Kantone. Auch das Zürcher Open-Data-Portal stellt stündlich die aktuellsten Werte online. Und neu auch Langzeitreihen der Zürcher Luftqualität der letzten 33 Jahre.

Ein Blick auf die Silvesternacht zeigt folgende spektakulären Ausschläge beim Feinstaub um Mitternacht.

Die Daten stammen von vier Messstationen, die laut Stadt Zürich typische städtische Belastungen repräsentieren. Die Grenzwerte der schweizerischen Luftreinhalte-Verordnung (LRV) liegen bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter beim Feinstaub im Tagesmittel. Alle Grenzwerte dürfen gemäss LRV nur einmal pro Jahr überschritten werden.

An der Stampfenbachstrasse wurde am 1. Januar der Grenzwert mit 63,21 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. An der Rosengartenstrasse wurde der erlaubte Wert am 1. Januar mit 81,05 Mikrogramm pro Kubikmeter auch nicht eingehalten.

Betrachtet man die letzten 15 Jahre, so zeigt sich, dass seit 2001 an der Stampfenbachstrasse insgesamt 275-mal der Grenzwert überschritten wurde. In jedem Jahr mehr als nur an einem Tag, der eigentlich erlaubt wäre. Am schlimmsten war es am 1. Februar 2006 mit einem Wert von 163,45 Mikrogramm pro Kubikmeter beim Feinstaub im Tagesmittel.

Trotzdem, der Trend zeigt in eine positive Richtung: An besagter Messstation wurde in jüngerer Vergangenheit nur noch an wenigen Tagen pro Jahr der Grenzwert überschritten. Seit 1997 konnte die Belastung durch Feinstaub PM10 in Zürich etwa halbiert werden.

Auch andere Schadstoffe wie Ozon oder Stickstoffdioxid sind in der Stadt in den vergangenen 25 Jahren deutlich zurückgegangen. Zürich konnte im Jahr 2014 genau 14 der 18 in der LRV festgehaltenen Grenzwerte einhalten. Auf dem Höhepunkt des Schadstoffausstosses Mitte der 80er-Jahre war dies noch bei keinem der Fall.

Beim Feinstaub wird die Einhaltung der LRV-Grenzwerte aber schwieriger zu erreichen sein als bei den anderen Problemschadstoffen. Grund: das allgemeine Verkehrswachstum. Sorgen bereitet der Stadt auch der ständig wachsende Anteil an Diesel-PW.

Im Sommer hat der Datenblog zu diesem Thema einen Beitrag veröffentlicht und animierte Grafiken der Stadt Zürich gezeigt, welche die Verbesserung der Luftqualität eindrücklich vor Augen führen.

Wie schädlich ist Feinstaub?

Feinstaub-PM10-Partikel sind Teilchen in der Luft, die kleiner als ein Hundertstelmillimeter sind. Sie entstehen durch den Abrieb von Pneus und Strassenbelag oder Russteilchen bei Verbrennungsvorgängen sowie durch die Partikelbildung anderer Schadstoffe wie Stickstoffdioxid. Die kleinen Teilchen können grossen Schaden anrichten. Sie können bis in die Lungenbläschen vordringen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis, von Krebs oder von Herz-Kreislauf-Problemen.

10 Kommentare zu “Die Silvester-Feinstaubwerte gingen ab wie eine Rakete”

  1. Marianne Klaeger sagt:

    Herr Engler gerhard hat recht.Es ist zu viel des Feuerwerks.Es reicht am ersten August.Die haustiere haben panische Angst,und überhaupt.Wo ist die ruhe mit dem Kirchengeleut?Und etwas nachdenken,Ob uns das neue Jahr etwas weniger Leid bringt.

  2. Louis Odermatt sagt:

    Mir ist das völlig egal. Hauptsache Spass.

  3. Ruedi Illi sagt:

    Ich habe Silvester in Wien verbracht und dort gibt es kein Geknalle, keinen Gestank und keine Böllerabfälle. Wozu das überhaupt gut sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Dafür gab es Walzerklänge, Klassik, internationale Hits und Schlager in den Strassen – einfach ein fröhlicher Jahreswechsel.

    • Marco Sieber sagt:

      Die PM10-Messwerte waren aber in Wien auch nicht besser als in Zürich… Siehe dazu die Webseite des Umweltbundesamts unter «Daten Luftqualität».

  4. Berchtold Henry sagt:

    Wenn schon bekannt ist. Dass die Feinstoff-Grenze am Silvestertag seit Jahren überschritten wird wäre angezeigt, dass die Behörden eine Einschränkung des Verkehrs prüft

    • Alfred Trunz sagt:

      Der Grenzwert am Silvester muss nicht wieder allein dem Verkehr zugeschrieben werden, die Grafik zeigt, dass das Feuerwerk wahrscheinlich der Hauptverursacher ist. Nicht immer blind alles auf den Verkehr abwälzen.

  5. Tim Müller sagt:

    Und nun werden die linken und grünen Spassbremsen sofort ein Feuerwerksverbot verlangen!

    • peter m. wettler sagt:

      Was wiegt schwerer: Die Gesundheit oder der Spass? Was die Knallerei für bettlägrige Menschen, für Haus- und Wildtiere bedeutet, ist den Knallköpfen einerlei. Ohne Feuerwerksindustrie wäre leider dieser neus Brauch undenkbar

  6. Gerhard Engler sagt:

    Die Silvesterknallerei ist sowieso ein Ärger. Vor 20 Jahren war es in der Schweiz noch Tradition, dass es an Silvester ganz still war und man hörte die Kirchenglocken das Neue Jahr einläuten. Aber dann haben immer mehr Schweizer ihre eigene Tradition vergessen und die deutschen Gepflogenheiten übernommen. Schade.

  7. Christoph Härter sagt:

    Der Umwelt, den Tieren und Kleinkindern zuliebe Feuerwerke verbieten.

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