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In vielen Landgemeinden wählten zwei Drittel SVP

Von DB, 28. Oktober 2015 40 Kommentare »
Wer hat in Ihrer Gemeinde die Nationalratswahlen gewonnen? Hat die SVP dort zugelegt oder verloren? Alle Antworten im Wahlatlas der Schweizer Gemeinden.

Von Oliver Zihlmann und Alexandre Haederli

Die «SonntagsZeitung» hat die Wählerdaten aller Gemeinden auf eine interaktive Karte gelegt. Diese zeigt die kommunalen Resultate von SP, SVP, FDP und CVP bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober sowie die jeweiligen Gewinne und Verluste der Parteien im Vergleich zu den letzten Wahlen 2011. Es handelt sich noch um provisorische Daten. Endresultate können davon abweichen. Dennoch zeigen sich schweizweit interessante Trends.

Klicken Sie hier um die Karte in einem neuen Fenster zu öffnen.


Politologe Georg Lutz sieht eine Bestätigung, dass das Flüchtlingsthema den Sieg der SVP wesentlich beeinflusste. «Die SVP hat vor allem in den ländlichen Gebieten der Deutschschweiz zugelegt», sagt Lutz. «Das sind Gegenden, in denen die Gesellschaft homogener ist, man fühlt sich dort von der tatsächlichen oder vermeintlichen Zuwanderung viel stärker in der Identität bedroht als in den Städten.»

Die Zuwanderung sei in allen vergangenen Wahlen stets eines der Topthemen gewesen, meint Lutz weiter. Doch vor dieser Wahl hätte die monatelange Berichterstattung über Flüchtlinge im In- und Ausland den Trend noch verstärkt. «Aus den Umfragen wissen wir, dass die Migration die Menschen bei dieser Wahl noch stärker beschäftigte als in vorgängigen Wahlen», so Lutz. «Dieser Effekt hat sich offenbar in den ländlichen Gebieten am deutlichsten gezeigt, die deshalb noch stärker SVP wählten als 2011. Dies obwohl diese Gebiete in der Regel weniger betroffen sind von der Zuwanderung als die urbanen Zentren.»

Dass die SVP in den Städten kaum Boden gutgemacht hat, ist bekannt. Die Gemeindekarte zeigt nun aber, dass sie auch in den Agglomerationen weit weniger zulegte als gedacht. In Gemeinden wie Zollikon, Uitikon oder Schlieren verlor die Partei seit 2011 gar an Boden. Dasselbe Bild in den urbanen Gemeinden um Basel, Bern, Biel und Winterthur. In und um Lausanne hat die SVP gar verloren, in den Gemeinden um Genf hat sie weniger stark gewonnen als im Landesschnitt.

Dafür legte sie oft in jenen ländlichen Gebieten zu, in denen sie bereits 2011 sehr stark war. In einer ganzen Reihe von Schaffhauser Gemeinden hat die Partei zum Beispiel seit neuestem eine Zweidrittelmehrheit.

Jung, bürgerlich, SVP-Wähler

Die Partei punktet bei den Jungwählern. Laut Politologen traf sie den Zeitgeist, der nicht nur nationalkonservativ, sondern auch durch die sozialen Medien geprägt ist. Zur Webreportage der «SonntagsZeitung».

40 Kommentare zu “In vielen Landgemeinden wählten zwei Drittel SVP”

  1. Peter Stalder sagt:

    Ich finde es ok, dass Menschen die SVP wählen – dabei aber auch etwas differenziert vorgehen – so wie bei der DSI, welche in sich einiges an Antidemokratie und Abbau des Rechtsstaates hatte: Abbau von urschweizerischen Werten!

  2. Lucas Cannolari sagt:

    Unteriberg SZ: 78.5% SVP. Fast wie in Nordkorea. Gute Nacht! Der Kanton Schwyz ist mittlerweile so was von rechtskonservativ bis rechtsextrem, dass man sich als liberaler Zürcher gut überlegen muss, was man dort noch verloren hat, resp. ob man noch einen einzigen Franken in diesem Kanton ausgeben mag. Hoch Ybrig ist für mich als Skigebiet auf jeden Fall für die nächsten 4 Jahre gestorben! Ebenso Schwyzer Gewerbler/Bäckereien, welche in Zürich ihre Dienste anbieten, aber dann brav im Steuerparadies SZ versteuern.

    • Armando sagt:

      Richtig! Gleiches gilt für die Bündner, Ferien kann man auch anderswo machen und erst noch billiger.

    • Pascal Meister sagt:

      Na gut Unteriberg ist kein bevorzugter Wohnort. Aber man kann ja frei wählen, einen Kanton mit wenig Leistungen zu bewohnen und dort dafür weniger Steuern zu bezahlen. Klappt in SZ sehr gut…

  3. Heinz Kremsner sagt:

    Mmmmmmh mir fällt auf: Dort wo der SVP-Wähleranteil extrem hoch ist (60 Prozent und mehr) ist auch die Gemeinde und die Einwohner extrem hoch subventioniert. Der hohe Wähleranteil hat also absolut nichts mit den vorgeschobenen falschen Begründungen der SVP zu tun. Viel mehr geht es um Besitzstandswahrung: die SVP garantiert weiterhin die extreme Subventionierung durch den Steuerzahler. Viele Kantone kennen den innerkantonalen Finanzausgleich. Arme Gemeinden werden von den Reichen Gemeinden subventioniert. Der Gesamtschweizerische Finanzausgleich fliesst auch dahin. Der grösste Geldgeber der Kt ZH subventioniert im Kt Bern SVP-Hochburgen.
    Beispiel Gemeinde Hofstetten ZH: 400 Einwohner, SVP-Wähleranteil aktuell 61,5 Prozent, von Steuerzahler finanziert gibt der kantonale Finanzausgleich ZH der Gemeinde 830’000.- Franken jährlich. Rechnet man die subventionierten Bauern (knapp 50) dazu (geschätzt 3 Millionen) buttert der Steuerzahler ZH also jährlich mindestens 3,8 Millionen in eine Gemeinde mit 400 Einwohnern. Dasselbe wie erwähnt in anderen SVP-Hochburgen , Mandach AG usw usw und extrem ausgeprägt im Kt Bern mit vielen SVP-Hochburgen Gemeinden .

    • Hansli sagt:

      Sie haben es auf den Punkt gebracht. Per Subventionen werden die sozialistischen ländlichen Strukturen am Leben erhalten. Diese Geldströme sind das Schmiermittel, was die SVP mit diesen Wählern verbindet.

      • Heinz Kremsner sagt:

        Hansli: So ist es . Leider.
        Hier ein weiteres Beispiel einer SVP-Hochburg: Die Gemeinde Dallenwil Nidwalden NW hat 1’700 Einwohner. Hat 89 Prozent SVP-Wähleranteil ! Erhält vom Kanton NW 3,1 Millionen !!!!!!! aus Steuergeldern zur Unterstützung. Rechnet man die subventionierten Bauern hinzu – angenommen ein subventionierter Betrag von mindestens 3 Millionen – ergibt eine Total-Summe von mindestens 6,1 Millionen aus Steuergeldern. Klar stimmt man da für die SVP die als einzige Partei den Geldsegen garantiert.

  4. Jan sagt:

    Super. Wir wählen eine Partei, die Probleme nicht lost die niemand hat und schieben so den Superreichen gleich nochmals ein paar Miliarden hinterher.

  5. Philipp Kaufmann sagt:

    Bitte ladet doch bald eine korrigierte Fassung der Karte hoch. Es fehlen so viele Einträge, vor allem in Glarus oder in der Innerschweiz, dass die ganze Karte als Anschauungshilfe nutzlos wird.

    Vielen dank und lieben Gruss (die Karte wäre wirklich toll, es fehlen nur bestimmte Werte)
    Philipp

  6. Peter Gerber sagt:

    Man müsste ein neues Label einführen: die Produkte aus der SVP-Landwirtschaft als als solche anschreiben.
    Und dann der Marktwirtschaft überlassen,

    • Marc sagt:

      Super Idee 😀

    • Peter Stalder sagt:

      Wir haben bei uns in der Gemeinde einige Bauern: Etliche bieten Produkte ab Hof an – machen dann auf ihrem subventionierten Land auch schön Werbung für die SVP. Da heisst’s klar: Nicht dort kaufen!

  7. Ruedi Lindegger sagt:

    Die Legende der Karte stimmt nicht: Beispiel “SP 2015” zeigt in Glarus dunkelrot, was gemäss Legende 100% Stimmenanteil entsprechen würde. Tatsächlich (beim Mouse-over) sind es um die 50% Stimmen.
    Die 100% der Legende entsprechen vermutlich dem höchsten Stimmenanteil, der irgendwo auf der gesamten Karte auftaucht. So ist die Legende nichts als missverständlich.

  8. Hans Jürg sagt:

    Meine These: je höher der Finanzausgleich, den eine Gemeine oder Kanton erhält, desto höher ist der Wähleranteil der SVP.

  9. Georg Stamm sagt:

    Die SVP hat sogar in der Heimatgemeinde Felsberg von BR Widmer Schlumpf massiv zugelegt. Das lässt tief blicken und dürfte besonders schmerzen – die BDP und Frau Widmer.

  10. Stefan sagt:

    Die Migration wird in den nächsten Jahren stagnieren oder gar abnehmen. Die SVP mit ihrem konservativen Denken kann sich in 4 Jahren keine Wähler mehr mit Angstmacherei oder gefälschten Statistiken mehr erkaufen. Dann werden Vernunft und Verstand wiederkehren – doch der angerichtete Schaden wird bleiben. Das böse Erwachen folgt. Die Verantwortlichen setzen sich mit ihrem gescheffelten Geld zur Ruhe und zukünftige Generationen beseitigen den Scherbenhaufen.

  11. Franz Hose sagt:

    Der gesamte Uri hat laut dieser Karte seinen SP-Wahlanteil auf 0% reduziert, ich vermute mal, hier stimmt etwas nicht. Entweder mit den Karten oder ansonsten mit den Wahlen ;). Dass kein einziger Urner die SP gewählt hat, fänd ich dann doch eher aussergewöhnlich.

    • R. Merten sagt:

      oder die Bürger haben das SP Parteiprogramm gelesen und sich mit Schaudern abgewandt : Abschaffung der Armee, Ueberwindung des Kapitalismus, Beitritt zur EU, Gleichschaltung der Vermögenswerte und Staatsdirigismus. Das es aber noch Leute gibt, die das gar nicht realisieren, wenn sie SP wählen, ist verwunderlich und kaum zu glauben, Hr. Hose !

    • Peter Meier sagt:

      Doch, das stimmt schon. Uri ist wie einige andere Kleinkantone (OW, NW, GL, AI, AR) ein Einerwahlkreis, d.h. es wird nur ein Nationalrat gewählt. In diesen Kreisen treten oft nur 1-3 Parteien mit einem Kandidaten an. In Uri waren das SVP, CVP und Grüne, aber nicht die SP. In NW hat sogar nur die SVP einen Kandidaten aufgestellt, der zweite offizielle Kandidat war ein völliger Aussenseiter aus Zürich.

    • D Kohler sagt:

      Das ist das Problem bei einer Wahlkreisen: ähnliches gilt (für jeweils andere Parteien) in den Kantonen AI, AR, GL NW und OW. Soweit mit bekannt ist, ist die SP in UR gar nicht angetreten

  12. Luciano Müller sagt:

    «Das sind Gegenden, in denen die Gesellschaft homogener ist, man fühlt sich dort von der tatsächlichen oder vermeintlichen Zuwanderung viel stärker in der Identität bedroht als in den Städten.» Ja, z.B. in Dallenwil (NW), SVP-Anteil von 89%. Die haben angesichts von schwindelerregenden 133 Einwohnern (=5%) ausländischer Herkunft auch allen Grund sich von der rasanten Überfremdung zu fürchten und sich in ihrer dallenwilerischen Identität bedroht zu fühlen.

    • Heinz Kremsner sagt:

      Luciano Müller: Wie Recht Sie haben. Die Gemeinde Dallenwil hat 1’700 Einwohner. Erhält vom Kanton NW 3,1 Millionen !!!!!!! aus Steuergeldern zur Unterstützung. Rechnet man die subventionierten Bauern hinzu – angenommen ein subventionierter Betrag von 3 Millionen – ergibt eine Total-Summe von mindestens 6,1 Millionen aus Steuergeldern. Klar stimmt man da für die SVP die als einzige Partei den Geldsegen garantiert.

  13. Hans sagt:

    Es ist umso erstaunlicher, dass die SVP zumindest im Kanton Zürich nun städtischeres Personal nach Bern schickt. Bauern muss man bereits mit der Lupe suchen und findet sie erst bei den Ersatzkandidaten.

    • D Kohler sagt:

      Das hängt von der persönlichen Stimmen ab. Da Wähler normalerweise eher die wählen die ‘nahe’ sind, haben Städter innerhalb der Liste normalerweise mehr persönliche Stimmen. Es gab Zeiten da haben grosse Parteien (in grossen Kantonen) eine Stadt und eine Landliste präsentiert. Damit mussten die ‘Städter’ zuerst mal Listenstimmen machen

  14. Paul Stamm sagt:

    Sehr schöne Karte, jetzt weiss ich welche Gebiete der Schweiz ich in Zukunft meiden werde. Wenn ich mal aus Basel raus gehe dann mit dem Intercity nach Zürich oder Bern und wieder zurück.

    • R. Merten sagt:

      In diesen Städten ist halt das Sozialschmarotzertum am grössten, Hr. Stamm. Haben Sie sich schon gefragt, warum das so ist, Hr. Stamm ?

  15. Thomas Bachmann sagt:

    Eine Karte zur Wahlbeteiligung der Gemeinden wäre noch interessant gewesen.

  16. Rene Wetter sagt:

    Die Leute glauben anscheinend dass es kein andere Problem als das Asylantenproblem gäbe. Derweil werden BVG Zinsen gesenkt, Arbeitplätze abgebaut und die Krankenkassenprämien steigen munter. Aber die Leute wollen es ja nicht anders. Es wäre an der Zeit wenn der Mittelstand sich mal auf seine Interessen besinnt, sonst geht er unter und man muss sagen: Geschieht im Recht, er wollte es nicht anders.

  17. Alex Zatelli sagt:

    Also dort, wo sie am meisten von Steuerausgleich profitieren. Guet Nacht statt Puurezmorge.

    • Werner Stocker sagt:

      Nidwalden und Schwyz zwei SVP Hochburgen und Finanzausgleich Netto Zahler lassen grüssen Herr Zatelli.
      Und auch der Kanton Zug ebenfalls Netto Zahler mit einem respektablen SVP Anteil schliesst sich den Grüssen an.

    • Roger Mettler sagt:

      Naja Herr Zatelli, der Kanton Schwyz zahlt aber kräftig in den NFA ein. Nur so als Info.

  18. Martin sagt:

    Diese Karte ist nicht sehr aussagekräftig, da die Wähler nicht überall die gleiche Auswahl hatten. Der Kanton Uri hat beispielsweise nur einen Nationalratssitz. Da es für diesen einen Sitz keinen SP-Kandidaten gab, haben eben 0% SP gewählt, also z.B. in Erstfeld 31,08% weniger als 2011…

  19. Martin Schwizer sagt:

    “In Gemeinden wie Zollikon, Uitikon oder Schlieren verlor die Partei seit 2011 gar an Boden.” Die Verluste dort sind im Kommabereich, während anderen Gemeinden rund um Zürich im bis zu 3%-Bereich zulegten. Der Trend, der im Text beschrieben ist, hält der näheren Betrachtung rund um Zürich nicht Stand.

  20. Marcel Schwender sagt:

    Schade, dass auch hier wieder eine Falschaussage perpetuiert wird. Es sind nicht die “urbanen Zentren”, die von der Migration stark betroffen sind, es ist die städtische Peripherie und die Agglo. In den urbanen Zentren können sich die normalen Leute keine Wohnungen leisten und da der Migrationsdruck für die Reichen nicht wirklich spürbar ist, haben diese in den letzten vier Jahren auch nicht ihr Wahlverhalten geändert. Auch an teuren Wohnlagen wie der Goldküste oder in Zug wird die SVP nicht stärker gewählt, denn dort ist man in der Regel reich genug, um ebenfalls nicht mit dem Migrationsdruck konfrontiert zu werden. Wenn sich dort Migranten niederlassen, dann sind diese in der Regel sogar reicher als die Einheimischen, welche dann natürlich wegziehen müssen und ihre Stimme für die SVP dann in den peripheren Nachbargemeinden abgeben. Ein ähnliches Phänomen gibt es sicher auch für die grossen Städte. Eine Segregation der Weltanschauungen, wer auf Multikulti steht zieht vom Land in die grossen Städte, und wer weniger Multikulti wünscht, zieht Richtung Land. Die Behauptung, dass die Agglo- und Landgemeinden etwas ablehnen, dass sie nicht kennen, und das hört man nonstop bei Diskussion, ist daher eine Umkehrung von Ursache und Wirkung. Weil man auf “urban und weltoffen” abfährt, zieht man in die Stadt und wählt dort links und wer aus der Stadt wegzieht wählt rechts.

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      perfekt be-, bzw. geschrieben, herr schwender. das trifft den nagel auf den kopf. ich möchte noch ergänzen. multi-kulti funktioniert nicht. das perpetuum mobile dreht sich ja auch immer nur um die eigene achse. ich würde hier von ursache und wirkung zum selbstzweck sprechen.

    • Flori Antha sagt:

      Wie hoch genau ist denn der Anteil, der Land- und Agglomerationsbewohner, die aus den Städten wegen zu hoher Ausländeranteile weggezogen sind? Haben Sie irgendwelche belastbaren Zahlen? Scheint mir ziemliche Spekulation angesichts der ausgesprochen niedrigen Umzugsquoten in der Schweiz. Und selbst wenn die Argumentation stimmen würde, ist mir Weltoffenheit trotzdem lieber.