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Diese Grafik zeigt den Grund für den SVP-Erfolg

Von DB, 18. Oktober 2015 22 Kommentare »
Die SVP steuert auf einen Triumph bei diesen Wahlen zu. Erste Resultate der grossen Tamedia-Wahlumfrage zeigen, wie der Rechtsrutsch zu erklären ist.

Welches ist das drängendste Problem, das die Schweiz aktuell zu lösen hat? Diese Frage haben seit Freitag rund 35’000 Leser von Tamedia-Newsplattformen in der ganzen Schweiz beantwortet. Die grosse Wahl-Befragung dauert bis heute Abend und wird von der Zürcher Forschungsstelle Sotomo durchgeführt.

Hier die ersten Resultate:

Insgesamt wird die Rangliste der Problemnennungen von den Themen Asyl/Flüchtlinge, Zuwanderung und dem Verhältnis zu Europa dominiert. An der Spitze der Rangliste stehen drei Themen bei denen traditionell die SVP punkten kann.

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Quelle: Tamedia-Umfrage. Grafik: Sotomo

Die Problemwahrnehmung sei zwar nicht direkt mit dem Wahlentscheid verknüpft, aber sie motiviere ihn in erheblichem Masse, so Sotomo. Es ist daher davon auszugehen, dass sie die Parteiwahl massgeblich beeinflusst.

Weitere Problemnennungen:

  • Die Altersvorsorge und Krankenkassen werden etwas häufiger genannt als der Themenbereich Löhne/Arbeitslosigkeit und soziale Fragen.
  • Fragen der Wirtschaft und der Frankenstärke, mit denen die FDP punkten wollte, spielen nur eine untergeordnete Rolle.
  • Umweltthemen und vor allem die Energie werden hingegen selten als wichtigstes Problem genannt. Dies spiegelt sich im mässigen Abschneiden der Grünen.

Die Problemnennungen nach Parteien:

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Quelle: Tamedia-Umfrage. Grafik: Sotomo

Die Flüchtlingskrise in Europa beschäftigt die Wähler aus allen Parteien – links wie rechts. Bei der SVP ist der Anteil derer, welche die Asylfrage als das wichtigste Problem ansehen, zwar am höchsten, aber auch unter den Anhängerschaften linker Parteien nimmt die Flüchtlingskrise einen breiten Raum ein. Allerdings bevorzugen sie die Lösungen, die von linker Seite vorgeschlagen werden.

Weitere Befunde der Umfragedaten:

  • Die Energiewende war eines der Themen des Wahlkampfes. In der Problemagenda der Bürger rangiert sie aber weiter unten. Selbst bei den Wählerschaften der Grünen und der glp steht das Thema selten zuoberst auf der Problemrangliste.
  • Wer FDP wählte, sorgte sich viel stärker um die wirtschaftliche Entwicklung als andere Wähler. Auch die ungewisse Zukunft der Bilateralen beschäftigt FDP-Wähler überdurchschnittlich stark.
  • Wenig überraschend dominieren Umweltthemen die persönliche Problemagenda der Grünen-Wähler, während die Wählerschaften der SP und der kleineren Linksparteien sich um soziale Fragen sorgen.

Bildschirmfoto 2015-10-18 um 16.11.09

Quelle: Tamedia-Umfrage. Grafik: Sotomo

  • Die Asylfrage dominierte die Problemagenda der jungen Wähler und der tieferen Einkommensschichten. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Europa waren hingegen im Tessin sowie bei den hohen Einkommensschichten ein viel beachtetes Problemfeld.
  • Die Thematik der Zuwanderung wird in allen Altersgruppen und über alle Einkommensschichten relativ konstant von jeweils 20 Prozent als das wichtigste Problem angesehen.
  • Wirtschafts- und Finanzfragen erreichen in der höchsten Einkommensschicht die grösste Wichtigkeit.

Morgen gibt es hier im Datenblog weitere, detailliertere Resultate der grossen Tamedia-Wahlstudie 2015.

Methodik

Die Stichprobe
Die Nachwahlbefragung zu den nationalen Parlamentswahlen 2015 lief zwischen dem 16. und 18. Oktober 2015 auf den Webseiten der Medien von Tamedia. Für die Auswertung der Problemnennungen wurden die Angaben derjenigen Befragten berücksichtigt, die sich bis heute Morgen um 12.00 Uhr beteiligt hatten. Insgesamt beteiligten sich bis zum besagten Zeitpunkt 36’764 Personen an der Umfrage. Rund 35’000 gaben dabei an, an den Wahlen teilgenommen zu haben. Weil die Stichprobe nicht auf einer Zufallsauswahl beruht, können nur Punktschätzungen der Wählerpräferenzen angegeben werden. Der Stichprobenfehler, der bei Zufallsauswahlen jeweils ausgewiesen wird und die Fehlerspanne der Parameterschätzung angibt, kann bei opt-in Umfragen nicht berechnet werden.

Die Gewichtung
Bei der vorliegenden Umfrage handelt es sich um eine Befragung, bei der sich die Teilnehmer selbst rekrutierten (opt-in online survey). Weil diese Stichprobe nicht repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten steht, wurde sie gewichtet. Zu den Gewichtungsmerkmalen gehören das Alter, das Geschlecht, der Kanton, das Bildungsniveau sowie das Entscheidungsverhalten bei vergangenen Wahlen und Abstimmung. Diese Gewichtung gewährleistet eine hohe soziodemographische und politische Repräsentativität der Stichprobe.

(bru)

22 Kommentare zu “Diese Grafik zeigt den Grund für den SVP-Erfolg”

  1. Rolf Zach sagt:

    Es ist einfach erstaunlich, wie die Linken auf die sie zukommende Welle reagiert haben. Im Gegensatz zu der Zuwanderung der Italiener in den 60er Jahren betrifft die EU-Zuwanderung auch Angestellte und Akademiker. Warum konnte man dem Wahlvolk nicht vermitteln, daß diese Diskriminierung mit einem besseren Schutzrecht für Arbeitnehmer bekämpft werden muß und dies nicht ein Problem mit der EU ist. Es sind schließlich bürgerliche Schweizer Arbeitgeber, die ältere Schweizer rauswerfen und durch Ausländer ersetzen. Es ist doch klar, daß die islamische Zivilisation, die gegenüber dem Westen feindlichste Zivilisation ist und nicht die Buddhisten. Es waren auch keine Hindus am 9/11 beteiligt. Sich für moslemische Flüchtlinge einzusetzen, aber gleichzeitig wie die Grünen von ihnen keine Bringschuld zu fordern, mag ja ehrenwert sein, aber entspricht sicher nicht unseren Interessen. Für einen EU-Beitritt zu kämpfen, ist leicht zu begründen. Wie begründet man die drohende Aufnahme im nächsten Jahr von 150’000 moslemischen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Diese Zahl hat sich noch nicht konkretisiert, aber die Leute fürchten sich davor.

  2. Tabitha Rössler sagt:

    Traurig, dass sich die jungen Wähler viel zu sehr von den Medien auf das Flüchtlingsthema drängen lassen haben. Dabei gibt es wirklich weit wichtigere Themen. Die Flüchtlingskrise wird gehen wie alle früheren Flüchtlingswellen in den letzten 30 Jahren auch. Die jungen sind anscheinend ziemlich leicht beeinflussbar von den Medien und deren “schlimmen Bilder” und “Skandälchen”.

  3. Pascal Meister sagt:

    PS: Nicht alle SP-Wähler und -Anhänger bevorzugen deren “offiziellen” Rezepte zur Asyl- und Einwanderungspolitik. Auch bei links eingestellten Menschen gibt es eine breiter werdende Skepsis gegenüber der Zuwanderung.

    • Beat Stubet sagt:

      Richtig. Viele alter Mitarbeiter werden durch billige Einwanderer ersetzt, dies betrifft in absehbarer Zeit die jetzt Jungen. Hier macht die SP einen riesigen Fehler, dass sie nichts unternimmt.

  4. Luisa Haltner sagt:

    Man kann alles an den Mann bringen, man muss nur ein entsprechendes grosses Werbebudget haben. Siehe Coca Cola!
    Die Milliardärspartei hat es geschafft, die Schweizer Politik auf Ausländer und Flüchtlinge zu reduzieren.
    Schade für dieses schöne Land, dass immerhin schon 15 % der Schweizer Stimmbürger (1/3 von 45% Stimmenden) auf Hetze, eine Ein-Themen-Partei und einen raschsüchtigen Milliardär hereinfällt.

  5. Stefan Fink sagt:

    Der Erfolg der SVP gründet darauf, dass allen vor an die SP einmal mehr am Volk vorbei politisierte. Anstatt sich in Selbstkritik zu üben, werden die Argumente wie Fremdenfeindlichkeit, Angstmacherei oder Abschottung vorgeschoben. Es sind halt immer die Anderen schuld….. nur nicht die eigene Ignoranz, Überheblichkeit oder die verfehlte Ideologie.

    • Beat Stubet sagt:

      Richtig, sollte die SP weiterhin am Volk vorbei Politik betreiben, wird es in 4 Jahren eine Schlappe absetzen. Noch schlimmer wird es der BDP ergehen, die mit dem Glarner Besserwisser hoffentlich ganz von der Politfläche verschwindet.

    • Marc Rauch sagt:

      Die Linke politisiert nicht am Volk vorbei. Aber sie kommuniziert im Vergleich zur SVP schlecht. D.h. schafft es nicht, dem Volk zu vermitteln, was sie für dieses tut. Sie hat aber auch ein um ein x-Fach kleineres Marketingbudget. Das ist in einer Demokratie problematisch.
      (z.B. gute öffentliche Schulen, Erhaltung der Umwelt, soziale Sicherheit sind Leistungen, von denen das Volk profitiert. Und übrigens auch die Wirtschaft (KMU können den Angestellten ja nicht noch die Schule zahlen, die Empfänger von Sozialhilfe geben das Geld komplett direkt wieder aus, dh. schaffen Nachfrage und Arbeitsplätze). Dei Staatsausgaben veschwinden nicht einfach, sondern fliessen wieder zum Volk! Gesparte Steuern seitens der grossen Firmen hingegen fliessen hingegen weniger zurück.

    • Marc Rauch sagt:

      Aber es stimmt schon. Eine gewisse Unfähigkeit “das Volk” zu erreichen. z.T .tatsächlich auch eine gewisse Überheblichkeit ist vorhanden. Da muss sich Mitte-Links wirklich an der eigenen Nase nehmen. Obwohl sie viel mehr Politik für das Volk macht, als rechtsaussen, sie denkt möglicherweise, das reiche und das bekämen automatisch auch alle mit. Was natürlich falsch ist. Plakate und Inserate bekommen alle mit.

    • Hasler sagt:

      Die SP gehört aber nicht zu den Verlierern. Sollten nicht viel eher die Parteien Selbstkritik üben, die verlohren haben? Also CVP, GLP, Grüne, BDP?

  6. adlerauge sagt:

    Die Problembewirtschaftung der SVP hat sich leider einmal mehr ausgezahlt. Konsensorientierte Lösungen lassen weiterhin auf sich warten.

    • E. Rieder sagt:

      Auch wenn Sie es nicht gerne hören werden, aber das sind eben die Probleme, welche die Bevölkerung bewegen. Ich rate Ihnen, sich einmal unter die Leute zu mischen und genau hinzuhören. Oder falls Sie Kinder haben, die trotz bester Ausbildung keine angemessene Stelle finden, fragen Sie sie einmal. Das mit dem “Bewirtschaften” oder “konsensorientieren Lösungen” (welche haben denn die anderen Parteien gebracht…. – bestenfalls kuschen und sich unterwerfen) ist müssig und lässt einen tief gähnen!

    • bifidus sagt:

      Zum Glück bewirtschaften einige wenigstens die Probleme. Andere ignorieren sie…

    • Froschkönig sagt:

      Problembewirtschaftung, vornehmer ausgedrückt Problembenennung, ist Aufgabe jeder Partei. Wenn man die Probleme nicht kennt, oder gar negiert braucht es keine Lösungen.

    • Beat Stubet sagt:

      Wenn sie die Lösungsvorschläge der SVP nicht sehen wollen, haben sie recht. Dass alle Lösungsansätze der SVP sabotiert werden, nur weil sie von der SVP kommen, scheint sie nicht zu interessieren.

  7. Mario Monaro sagt:

    Bei der Frage zum Panaschieren konnte nur eine Partei angegeben werden. Wer von mehr als einer Partei panaschiert hatte konnte das im Fragebogen nicht vermerken. Kann man daraus schliessen, dass der, der den Fragebogen erstellt hat, hier an seinen Vorstellungshorizont gelangt war?

  8. Gerold Stratz sagt:

    Nicht erst seit heute, sondern spätestens sichtbar seit 1992 beschäftigt die “grösste Partei”,
    die SVP unter Chr. Blocher nur eines: EWR-EU-Nein!
    Alles andere ist Beilage und wir entsprechend unterstützt. Minarett- u. Verhüllungsverbot,
    Masseneinwanderungs-Polemik, fremde Richter, usw. sind nur Mittel zu Zweck:
    Der Schweizer/die Schweizerin sollen gegenüber allem was “vom bösen Ausland, den Fremden” kommt
    zunächst einmal ablehnend beurteilt werden.

    • Henri Steinlin sagt:

      …. und das Schlimmste ist dabei dass nur den wenigsten Schweizern bekannt ist dass das Fürstentum Liechtenstein Mitglied im EWR ist. Haben die Lichtensteiner in den letzten über 20 Jahren deshalb Nachteile gehabt?

    • welschfreundlich sagt:

      …. und für die Mehrheit der Bevölkerung, sprich Mittelschicht, wären die Themen Soziales, Bildung, Arbeit, Versicherung, Sicherheit von grösster Bedeutung, was die SVP überhaupt nicht bewirtschaftet. Es erstaunt schon, dass diese Wählerschaft nicht an die Urne gegangen ist und oder sich nur von den Themen Migration und EU beeinflussen liess.

    • Rolf Zach sagt:

      Die EWR Ablehnung 1992 war ein Gemeinschaftswerk von Blocher, der NZZ (total neoliberale Freisinnige) und der Grünen. Blocher aus persönlichen Motiven, weil Ogi 1987 Bundesrat wurde und nicht er. Für Blocher und die NZZ spielten auch die Europäische Sozialcharta eine Rolle. Für diese beiden zählt nur die Freihandelszone für Fertigwaren, aber alle inländischen Monopole müssen erhalten bleiben. Ihre Sozialcharta ist die Armenfürsorge des 19. Jahrhunderts. Der Arme muß jedesmal untertänigst darum betteln und erwirbt sich kein Recht, wie zum Beispiel für die Ergänzungsleistungen für AHV Mindestbezüger. Die meisten Rentner mit Ergänzungsleistungen haben SVP gewählt, ihre Bezüge werden in der neuen Legislatur gekürzt und man wird schwer darüber nachdenken, sie gänzlich abzuschaffen. Mich persönlich trifft es nicht und ich habe Mitleid mit diesen Leuten, aber man kann schon sagen, die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Die Grünen waren bereits mit ihrem Votum gegen den EWR 1992 auf dem falschen Dampfer und sind die Partei mit den wirrsten Ideen, außer bei Energiefragen, aber auch dort neigen sie zu völlig widersinnigen Sachen.

  9. Michael sagt:

    Tja. Mir hat bei dieser Umfrage ein Wahlkampfthema gefehlt: Überwachung, Datenschutz, Innere Sicherheit. Wenn das NDG und das BüPF relevant für die Urteilsbildung waren, musste man hier einfach nur “anderes” ankreuzen. Fehlende Antwortalternativen bei Umfragen sind problematisch und verzerren die Ergebnisse.

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