Ist das Kunst?

Fünf Fragen ohne Antwort. Falls Sie das ändern wollen, nur zu!

Nebulöse Installation: «Thinking Head» von Lara Favaretto in Nottingham. Foto: nephos.ch

Der Blick, der Kunst erwartet, sieht noch das Gewöhnlichste anders, meine Damen und Herren. Zum Beispiel eine Brille oder eine Ananas. Das waren die Objekte, die unlängst in Ausstellungen im Museum of Modern Art in San Francisco und an der Robert Gordon University im schottischen Aberdeen von Scherzbolden deponiert und prompt für Kunst gehalten wurden. Kunst scheint eben zu einer Frage des Kontextes zu werden. Oder war sie das schon immer? Dies bleibt augenblicklich ebenso offen wie die Frage: Wird das Kunst, wenn es im richtigen Kontext deponiert wird? Oder im Katalog auftaucht?

Jetzt könnte man vorschnell Ja sagen. Aber dann ist da dieser Fall einer Dampfwolke, die das gewollte Ergebnis einer Kunstinstallation im Nottingham Contemporary Arts Centre darstellte, auf die also sämtliche vorgenannten Bedingungen von Kontext bis Katalog zutrafen – und die trotzdem nicht als Kunst erkannt wurde, jedenfalls nicht von der Vielzahl besorgter Bürger, die den Notruf wählten, um ein Feuer zu melden.

Nun erhebt sich also die Frage: Lag das daran, dass deren Blick keine Kunst erwartete? Aber es handelte sich doch um das Contemporary Arts Centre! Waren sie nicht nah genug dran? Oder neigt der Mensch dazu, im Zweifel doch der Wirklichkeit vor der Kunst den Vorzug zu geben, selbst wenn diese Wirklichkeit nur eine vermeintliche ist? Fragen über Fragen.

Und, da wir dabei sind – ich hätte da noch ein paar andere. Falls Sie ein paar Antworten hätten, nur zu!

  1. eierkocher
    1.

    Warum braucht man beim Eierkocher für mehr Eier weniger Wasser?

  2. lisemeitnerstr
    2.

    Warum werden immer nur Strassen in Industriegebieten nach bestimmten Leuten benannt, zum Beispiel nach der bedeutenden österreichischen Kernphysikerin Lise Meitner?

  3. scherzbold
    3.

    Warum benutzt niemand mehr Worte wie «kleidsam»? Oder «Scherzbold»? Sodass das nicht mal mehr von der Rechtschreibkontrolle erkannt wird. Wer entscheidet eigentlich über die Rechtschreibkontrolle?

  4. sleeping
    4.

    Womit genau im Leben hängt dieser Zeitpunkt zusammen, da die Strafen der Jugend zu den Zielen des Erwachsenenlebens werden: früh ins Bett. Zuhause bleiben. Niemanden sehen. Kein Fernsehen.

  5. Blockchain
    5.

    Was ist Blockchain? Ich weiss, es spricht schon wieder beinahe niemand mehr davon. Aber ich habs immer noch nicht kapiert.

9 Kommentare zu «Ist das Kunst?»

  • J. Köppel sagt:

    Ist das Kunst?
    Zitat: „Der Künstler lotet in seinem Schaffen Grenzbereiche und kritische Randzonen der Kunst aus und stösst dadurch immer wieder in endogene bildnerische Bereiche vor, die genügend visuelles Potenzial entwickeln, um auf multimedialen Ebenen mit kraftvollen Impulsen neue Projekte anzustossen. Seine Kunstobjekte können als Verletzbarkeit und dokumentarische Nachricht gleichzeitig gesehen werden. Beides bleibt so poetisch und frei von Abbildung, dass das Objekt zum Wohnort unserer ganz persönlichen Wirklichkeit werden kann …“ undsoweiter blah, blah, blah
    Die Antwort:
    Gekünstelt ist keine Kunst. Aber jeder, der sowas versteht, darf sich sachverständig und hoch erhaben fühlen über alle, die noch auf gesunden Menschenverstand angewiesen sind …

  • Kristina sagt:

    Ist dieser Artikel lesenswert?
    Ja.
    Sicher, woher sonst wüsste ich, dass es Lise Meitner gibt? Wo sonst könnte ich Blockchain als Domino für Nerds erklären? Von Heureka lesen? Wieder einmal über das Werk Nelly Wenger philosophieren? Mir von Myon die Formel zur Sprachentwicklung erklären lassen? Über die gelöschte Mailbox klagen?

  • R. Wenger sagt:

    Grosse Kunst ist, das man uns heute als Kunst anbietet, als Kunst zu erkennen. Auch diese Blase kann platzen. Die einstige Tulpenzwiebelaffaire in Holland lässt grüssen.

  • Röschu sagt:

    Zum Thema ‚Ist das Kunst?‘ Die beste mir bekannte Kunstdefinition stammt vom Künstler Karl im Buch ‚Der kleine Bruder‘ von Sven Regener: „Es ist Kunst, wenn einer sagt, dass es Kunst ist. Im Zweifel ich. Ich darf das sagen. Und dann muss ich noch mindestens einen finden, der mir das glaubt. Dann ist es Kunst.“

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