Es kann losgehen

Zeitgenössische Archetypen in ihrer Grundausstattung
Blog Mag

Mark Edward Fischbach alias Markiplier ist Youtube-Star und Influencer in einem. Foto: Markiplier (Youtube)

Der 1. Mai ist vorübergezogen, meine Damen und Herren, und war dieses Jahr erfreulich friedlich, nicht nur in Zürich, wo nicht zuletzt die Krawalltouristen regelrecht enttäuscht gewesen seien, wie das nicht minder krawallbedürftige Privatfernsehen vermeldete. Dabei ist das doch schön, ein zivilisatorischer Fortschritt! (Nicht das Privatfernsehen; die Friedlichkeit.) Man kann das auch so ausdrücken: Während früher zur Grundausstattung des 1.-Mai-Aktivisten Farbbomben, Vermummung und Rauchpetarde gehörten, sieht ebendiese Grundausstattung heute eher so aus: Anti-Globalisierungs-Transparent, Smartphone, Bio-Paleo-Müesliriegel. (Das ist, abgesehen vom Transparent, zufällig ungefähr die gleiche Ausrüstung wie die des sogenannten Internet-Aktivisten.)

Ein paar andere Grundausstattungen sind hingegen zeitstabiler. «Starterkit» wird vom Duden definiert als Startausstattung, Startset; also das, was man für den Weg braucht, buchstäblich und metaphorisch. Und wir werfen nun einen Blick auf diese Grundausstattung für fünf bedeutende Typen des Sozialen in der Spätmoderne:

  1. Youtube-Star

    Slogan-T-Shirt, Geltungsbedürfnis, prekäre Beschäftigung

  2. Zürichberghausfrau

    SUV, Yogamatte (Lululemon), Globuskarte, Gemüseabonnement

  3. Millennial

    App-Entwicklungsplan, Ernährungsphilosophie, Retrofixierung

  4. Influencer

    Spezialvariante des Millennial, braucht für den Start ungefähr dasselbe wie der spätmoderne Polit-Agitator: einen Twitter-Account und eine seltsame Frisur; optional: Mobiltelefonhülle von Smythson

  5. Ausdauersportler

    Lederhaut, fehlender Sinn für Humor, «Finisher»-T-Shirt. Oder steht das erst am Ende der Ausdauerkarriere? Und ist «Finisher» nicht dasselbe wie «Loser»?

6 Kommentare zu «Es kann losgehen»

  • Walter Boshalter sagt:

    Youtubestar? Prekäre Beschäftigung? Dann würde ich aber nicht Markiplier als Titelbild wählen, der Mann macht mit seinem Youtube-Kanal 3 Millionen $ pro Jahr…

    • Cybot sagt:

      Die prekäre Beschäftigung ist ja das Starterkit, nicht der Endzustand. Wer einen gut bezahlten Job hat, wird ja wohl kaum Youtube-Star. Mit diesem Starterkit kann man durchaus Millionär werden, aber das kann man natürlich auch mit einem Lottoschein als Starterkit.

  • Walter Olbrecht sagt:

    Lieber Herr Tingler. Ich schätze Vieles an Ihnen, nicht zuletzt Ihre analytischen Fähigkeiten und Ihr Sensorium für für aktuelle Fragestellungen, zu denen Sie sich in verschiedenen Medien und Funktionen äussern.
    Weniger interessant habe ich gelegentlich jene Ihrer Blogbeiträge gefunden, die die Struktur von Listen haben. Da war die eine oder andere dieser Listen wohl dem Umstand geschuldet, dass Ihnen für einmal einfach nichts Gscheites einfallen wollte. Diese hier ist jedoch wunderbar und hat den einzigen Nachteil, dass sie viel zu kurz ist. „Archetypen II, III …. “ wären deshalb Desiderata. Vielen Dank im Voraus.

  • Chris Baumann sagt:

    Sehr geehrter Herr Tingler
    Wie einfach ist es doch, sich über seine Mitmenschen lustig zu machen und sie pauschal zu verunglimpfen. Alle Hausfrauen am Zürichbeg machen Yoga, die Ausdauersportler haben samt und sonders keinen Humor und jeder Finisher wird als Loser verdächtigt. Wie originell. Und das alles in amüsanter Listenform präsentiert, die man ja nur noch im Privatfersehen findet um die Sendezeit zu füllen. Gestelzt formulierte Platitüden zu verbreiten ist nicht schwer. Treffendes in einfache Worte zu packen jedoch sehr. Meine Anregung zum Schluss: sollte Ihnen einmal gar nichts Gescheites mehr einfallen, dann wäre Schweigen eine gute Option.
    Hochachtungsvoll
    Chris Baumann

  • David Kohl sagt:

    Ok..?

Kommentar

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