Zu teuer gibts nicht

Gute Geschäfte halten die Kultur am Leben.

Gehen Sie einkaufen! Denn nur der Markt erhält die Freiheit. (iStock)

Wir leben in unruhigen Zeiten, meine Damen und Herren, und da ist Einkaufen die erste Bürgerpflicht. Denn nur der Markt erhält die Freiheit. Wie wir zum Beispiel sehen an den bisher gerne mal verteufelten Industriekapitänen und Grossunternehmen, die sich in den USA gegen Protektionismus und Immobilität stellen und so das geistige Erbe dieses grossartigen Landes vor seinen Verwesern schützen. In diesem Sinne also: Gehen Sie einkaufen. Das ist eine ganz neue Form des ethischen Konsums. Und falls Sie (was in der Schweiz passieren kann) protestantische Skrupel gegen üppigere Aufwendungen haben oder Ihnen etwa die Anschaffung einer Hermès-Regenjacke für anderthalbtausend Franken als reflexionswürdiger Luxus erscheint, habe ich im Folgenden ein paar Argumentationshilfen für Sie. Zur Anwendung in der Auseinandersetzung mit Ihrem Gewissen oder Ihrer besseren Hälfte oder beiden. Here we go:

  1. Es ist nur noch eins da

    Die mutmassliche Einzigartigkeit einer Regenjacke ist leichter zu rechtfertigen, wenn sie tatsächlich die letzte ihrer Art ist. Oder wenigstens die letzte in Ihrer Grösse.

  2. Es ist reduziert

    Egal, wie teuer es war und/oder immer noch ist: Alles, was reduziert ist, ist ein gutes Geschäft.

  3. Es ist in der Schweiz hergestellt

    Damit unterstützen Sie direkt die heimische Wirtschaft. Idealerweise auch noch unbedenklich und nachhaltig durch die ökologische Wohlfeilheit des Produkts und seines Lebenszyklus. Besser gehts quasi gar nicht.

  4. Investitionen muss man umlegen

    Und zwar auf die prospektive Lebenszeit, unter Beachtung eines möglichen Wiederverkaufswerts. Vom Knoll-Sideboard bis zum Bentley Mulsanne können Sie auf diese Weise die Anschaffungskosten auf einen sehr erträglichen Tagessatz herunterbrechen. Und sollte der Tagessatz immer noch nur so halb erträglich sein, brechen Sie einfach weiter runter: auf Stunden. Oder Minuten.

  5. Drücken Sie den Preis neu aus

    Es ist alles eine Frage des Framings: Drücken Sie den Preis einer Sache, die Ihnen vielleicht ein wenig extravagant vorkommt, einfach in den entsprechenden Einheiten eines Alltagskonsums aus, also zum Beispiel: Diese Handseife kostet doch nur so viel wie knapp 5 Venti Lowfoam Nonfat Latte. Zum Glück ist Starbucks hierzulande teurer als irgendwo sonst auf der Welt.

3 Kommentare zu «Zu teuer gibts nicht»

  • Meinrad sagt:

    Ist man katholisch, so kennt man keinen Skrupel. Wir haben Ablässe und tragen den göttlichen Funken (lateinisch scintilla) in uns. Allerdings: Sind die Ziffern 1 bis 5 nicht auch Ablässe, welche der Einfachheit halber die Transzendenz weglassen? O je, ich berufe mich wieder mal auf Narrative.

  • reto sagt:

    Oder man misst die Seife in Augentlichtern. 10.- und ein Mensch kann wieder sehen. Aber so vergleicht man die Seife nicht so gern oder?

  • Henry sagt:

    Ich kaufe, also bin ich (nowadays natürlich „lease oder finanziere“, man prophezeit schließlich schon seit Dekaden, daß die Amerkaner fallieren würden,nur weil sie mit der 6.Kreditkarte die ultimativ fällig gestellten Schulden der 9. Karte bezahlen) Aber der Herr Doktor hat schon recht. Die lächerlich ch teuren Kandahar -Echtfellstiefel vom Heimatwerk in der Bahnhofstraße sind jetzt bald 10 Jahre alt.
    EIn idealer Schuh zum Après-Ski. Dort findet sich auch immer wieder ein verblendetes Fräulein, moralisch empört und gesteigert enerviert ob des Tierfells. Das Zitat Sebastian Horsleys: „Ich stelle 2 Anforderungen an Tiere : Sie müssen gut schmecken und gut sitzen“, kommt bei der meist humorlosen Generation U30, die nach moralischen Überzeugungen einkauft, also lebt, ganz schlecht an….

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