Das Gute ist käuflich

Qualität rettet die Welt.
Blog Mag

Ein gewisser Weltverbesserungsdrang ist vielen Celebritys eigen. Montage: Nathalie Blaser

Es mag schockierend klingen, meine Damen und Herren, aber die Rettung der Welt vor dem Untergang ist genauso eine Geschmacksfrage wie die Wahl zwischen Kitsch und Realismus. Und lässt sich, wie jede Stilentscheidung, auf eine Einstellungsfrage zurückführen. Nehmen Sie Stella McCartney. Stella McCartney lässt sich gerne als «bekennende Veganerin» apostrophieren, als wäre der Titel «Veganerin» in Notting Hill so riskant wie «Regimegegnerin» in Isfahan. Stella teilt der Welt mit, sie arbeite bei den Kollektionen, die sie als Modedesignerin unter eigenem und fremden Namen vermarktet, ausschliesslich mit natürlichen und fair erzeugten Materialien und verwende weder Pelz noch Leder. Und zwar teilt sie das der Welt wieder und wieder und wieder mit. Für den Fall, dass es irgendjemand noch nicht mitgekriegt haben sollte. Danke schön.

Die Schauspielerin Gwyneth Paltrow gehört zum Zirkel der Anhänger von Stella McCartney, und Frau Paltrow ist auch so ein makrobiotisch ernährtes, yogagestähltes, durchgängig tiefenerleuchtetes Phänomen, das anderen Menschen gerne erklärt, was sie zu tun und zu lassen hätten, damit dieser arme gestauchte Planet ein besserer würde. Mehr noch: Gwyneth Paltrow ist von ihrer gesamten lebensstilistischen Ausstattung her ein perfektes Beispiel für das, was die spätmoderne Berühmtheit (kurz: Celebrity) auszeichnet: 1.) ostentativer Weltverbesserungsanspruch, 2.) Hybridwagen und 3.) Nachwuchs mit bizarrem Namen. Offenbar entspricht das dem Zeitgeschmack. Und seit jeher gibt es in der menschlichen Zivilisationsgeschichte genügend Menschen, die sich auch innerlich kleiden, wie es die Mode heischt.

Das jedoch heisst nicht, dass man nicht die Welt retten oder wenigstens verbessern sollte; und es heisst darüber hinaus ebenfalls nicht, dass man das nicht mit Stil tun könnte. Was auf dem Gebiet der Mode zum Beispiel bedeutet: Klassiker. Damit nämlich etwas zeitunabhängig und zeitüberdauernd sein kann, bedarf es einer gewissen Qualität, nicht nur im ästhetischen, sondern auch im ganz handfesten, materiellen Sinne. Man rettet die Welt also nicht zuletzt durch Qualität. Durch bessere Qualität etwa als die jener höheren Wegwerfkleidung, die Stella McCartney in ihrer Gastkollektion für eine schwedische Billigtextilkette realisiert hat. Was ich meine, ist: Qualitativ hochwertige Anziehsachen sind umweltverträglicher allein schon dadurch, dass man sie länger behält und benutzt. Savile-Row-Anzüge sind grün – auch wenn sie nicht so aussehen. Eat that, Stella!

1 Kommentar zu «Das Gute ist käuflich»

  • Meinrad sagt:

    „… Menschen, die sich auch innerlich kleiden, wie es die Mode heischt.“ Das Innere ist vom Charakter geprägt. Die innerliche Kleidung ist eine Maske (lat. persona).
    1. gibt es Leute, welche diese Kleidung den Forderungen der schnelllebigen Mode sofort anpassen. Ob solches schon Wankelmut anzeigt, sei dahingestellt. Wankelmut überfordert die Anderen.
    2. gibt es Leute, welche ihrer Prägung treu bleiben. Das zeigt in Richtung des Stils.
    3. gibt es Leute, die der innerlichen Mode bis zu einem Punkt folgen und dann stehen bleiben: altmodisch.
    4. gibt es Leute, die zeitlebens nie der Mode der innerlichen Kleidung gefolgt sind, was befremdlich wirken kann; die Abstempelung als Sonderling liegt nicht fern. Vor der Fällung dieses Vorurteils ist der Charakter der Anderen gefordert.

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