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Die fünf skurrilsten Vorschriften für Flugbegleiter

Wieso nicht auch für Politessen?

Wieso darf man eigentlich nicht mehr «Stewardess» sagen, meine Damen und Herren? Das ist mir gerade entfallen. Ich weiss nur, dass dies eine anachronistische Bezeichnung für «Flight-Attendant» ist, eine Bezeichnung aus jener Ära, als der Zauber des Fliegens nicht zuletzt aus Formationen von hübsch uniformierten Flugbegleitern bestand, die mit synchroner Anmut vorstudierte kleine Handlungen ausführten, eine Art Luftballett, in dessen Mitte der ikonische Typ der Stewardess seine Pirouetten drehte, als könnte er selbst fliegen. Airlines gehören zu den Entdeckern der Sexiness von Züchtigkeit, wie sie eine adrette, sittsame Uniform ausstrahlt. Das ist die eine Ambivalenz. Die andere, interessantere, ist jene, die im Beitrag der Flugverkehrsbranche zur Emanzipation der Frau liegt; einer Branche, die einerseits mit rigiden sexistischen Standards und Prozeduren wie Gewichtsüberprüfungen und Korsettkontrollen begann, andererseits aber die Wege ebnete für berufstätige, selbstständige Frauen, die den sozialen Wandel vorantrieben. Ein paar Vorschriften sind übrig geblieben. Wussten Sie, dass das Uniformreglement unserer Heimatfluglinie Swiss für weibliche Flight-Attendants eine Absatzhöhe zwischen 1,5 und 8 Zentimetern vorschreibt und dazu maximal zwei Armreife von höchstens zwei Zentimetern Breite gestattet? Sowie nicht mehr als vier Fingerringe, die nicht am Zeigefinger oder Daumen getragen werden dürfen? Einige weitere Regeln habe ich unten für Sie zusammengestellt. Mit dem philosophischen Hinweis: Wäre doch schön, wenn das auch für andere exponierte Berufszweige gälte, zum Beispiel Tramfahrer oder Politessen. Denken Sie mal drüber nach.

  1. «Sichtbare Haare in Nasenlöchern und in oder auf Ohren sind zu entfernen.» (American Airlines)

  2. «Tätowierungen auf Handgelenken sind nicht gestattet. Armbanduhren müssen diskret aussehen.» (British Airways)

  3. «Nicht akzeptable Frisuren sind zum Beispiel extreme oder unnatürliche Haarfärbungen (etwa Pink oder Violett), Dreadlocks, Cornrows und Irokesenschnitte. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.» (Hawaiian Airlines)

  4. «Die Zähne sollten sauber und natürlich aussehen. Die Frontzähne müssen vollständig sein.» (American Airlines)

  5. «Männliche Flugbegleiter dürfen kein Make-up tragen.» (United Airlines)

Im Bild oben: Trotz Make-up-Verbot jede Menge Spass in «I’m So Excited!» (El Deseo)

 

«Tinglers Fünf» erscheint immer sonntags im Blog Mag und gleichzeitig in der «SonntagsZeitung».

Philipp Tingler

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Publiziert am 24. Januar 2016

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