Der Schweizer Tourismus leidet unter dem starken Franken. Auch Dany Biner, der mit seiner Frau Felicitas das gut ausgelastete 3-Sterne-Hotel Silvana hoch über Zermatt führt, spürt den wachsenden Preisdruck. «Es ist ein Traumberuf mit albtraumhaften Ausreissern», sagt Biner. Trotz langen Arbeitstagen kann sich der 49-Jährige keinen schöneren Beruf vorstellen. Download der PDF-Datei
Herr Biner, Sie sind seit 25 Jahren Hotelier oberhalb von Zermatt. War die Wintersaison, die nun zu Ende geht, Ihre bisher schwierigste?
DANY BINER: Das Geschäft ist sicher härter geworden. In den Neunzigerjahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte ich einen Traumberuf mit sehr seltenen albtraumhaften Ausreissern. Wir hatten 70 bis 80 Prozent Stammgäste, die Jahr für Jahr eine Woche oder länger bei uns Ferien machten. Wenn ein Gast absagte, hatten wir fünf andere auf der Warteliste, die gerne nachrückten. Wir konnten in dieser Zeit wählerisch sein. In den letzten fünf Jahren wurde es schwieriger, und seit der Euro so schwach ist, müssen wir 120 Prozent Einsatz geben, um die hohe Auslastung halten zu können.
Was heisst das konkret? Haben Sie die Preise gesenkt für Gäste aus dem Euro-Raum oder versuchen Sie, für gleich viel Geld mehr anzubieten?
Bis vor fünf Jahren konnten wir die Preise jährlich leicht anheben, um die Teuerung auszugleichen und Spielraum zu haben für Investitionen. Die letzten beiden Jahre blieben die Preise eingefroren. Rund 40 Prozent unserer Gäste kommen aus Deutschland, weitere 40 Prozent aus der Schweiz. Einige Gäste aus Deutschland, die seit vielen Jahren zu uns kommen, schrieben uns, der Urlaub in der Schweiz sei für sie leider unerschwinglich geworden. Das verstehe ich gut. Lange Zeit war ein Euro 1,5 Franken wert, letzten Sommer, also zur Buchungszeit, lag das Verhältnis fast bei 1:1. Das können wir unmöglich durch Preisreduktionen ausgleichen. Zudem wäre es unfair gegenüber allen anderen Stammgästen, die frühzeitig zu normalen Bedingungen gebucht haben.
Aber Sie spüren den Druck auf die Preise?
Ja, die vielen Online-Portale, die pro Vermittlung 10 bis 15 Prozent Provision verlangen, haben den Markt verändert. Es kommt inzwischen öfter vor, dass Gäste nicht nur fragen, ob wir freie Zimmer haben, sondern sich direkt erkundigen, wie weit wir ihnen im Preis entgegenkommen. Da wird gefeilscht wie auf dem Markt in Domodossola. Was die Auslastung betrifft, hat sich Zermatt im Vergleich zu anderen Destinationen sehr gut gehalten. Eine andere Frage ist, wie gross die Wertschöpfung ist, konkret: mit wie vielen Preissenkungen die hohe Auslastung erkauft wurde. Der Preisdruck ist viel grösser geworden. Viele 5-Sterne-Häuser bieten ihre Zimmer bei schwacher Auslastung für 150 statt 500 Franken pro Nacht an und werden so zur Konkurrenz für die 3-Sterne-Hotels. Wir können unmöglich von 180 auf 60 Franken gehen – da wären kaum mehr die Warenkosten gedeckt.
Das heisst: Sie halten an Ihren Preisen fest und vertrauen darauf, dass die Nachfrage wieder anzieht?
Wir haben nur in ganz wenigen frequenzschwachen Wochen eine Aktion für zwei günstige Übernachtungen gemacht, um den Stammkundenkreis der Schweizer Gäste zu erweitern. Ansonsten konnten wir praktisch das Vorjahresniveau halten. Allerdings haben meine Frau und ich vermutlich nie so viel gearbeitet wie in den letzten Monaten. Wir haben mit weniger Personal kalkuliert, um für Rückschläge gewappnet zu sein. Während unsere Angestellten nach 8,75 Stunden Feierabend haben, sind meine Frau und ich sieben Tage pro Woche vom Morgen früh bis um 22 Uhr im Einsatz. Das kann man finanziell gar nicht abgelten. Es ist wie beim Bergführer-Beruf: Wenn man es nicht mit einer gehörigen Portion Leidenschaft macht, geht die Rechnung nicht auf.
Sind Sie noch oft als Bergführer unterwegs?
Ja. Früher buchten unsere Gäste Touren bei mir, was ein willkommenes Zusatzeinkommen beisteuerte, heute biete ich praktisch gratis Hochtouren und Expeditionen für unsere Gäste an. Das meinte ich, wenn ich vorhin sagte, alle müssten heute mehr bieten fürs Geld und 120 Prozent Einsatz geben. Es wird in den nächsten Jahren sicher eine Gesundschrumpfung geben, auch hier in Zermatt. 20’000 Gästebetten sind kaum zu füllen, schon gar nicht im Sommer.
Dennoch hat Zermatt bis jetzt keine Aktionen lanciert, die den Übernachtungs-Gästen beispielsweise Gratis-Fahrten auf den Bergbahnen ermöglichen. Ist die Luxusdestination Zermatt zu stolz dafür?
Ich bin auch Mitglied des Gemeinderats und kenne diese Diskussion. Bisher dominierte die Haltung: Zermatt ist innerhalb des Städtetourismus eine Pflicht-Destination, die Fahrt auf den Gornergrat gehört einfach dazu, das muss man nicht gratis anbieten. Wenn nun aber andere grosse Destinationen wie Davos, St. Moritz und neu auch Saas Fee die Bergbahnnutzung ins Hotelangebot einbinden, wird Zermatt da wohl früher oder später nachziehen.
Welche Faktoren nebst dem Preis entscheiden darüber, ob ihre Gäste im nächsten Jahr wieder zu Ihnen kommen oder in ein Hotel in Österreich ausweichen?
Landschaftlich ist Zermatt sicher einmalig. Die Pistenvielfalt, die Schneesicherheit, die Aussicht und die ganze Infrastruktur sind starke Argumente. An unserem kleinen Familienhotel schätzen die Gäste die Abgeschiedenheit und Naturnähe. Zermatt ist zwar autofrei, aber keinesfalls verkehrsfrei – in der Hochsaison ist unten im Ort sehr viel los und es kann dauern, bis man auf der Piste ist. Wir liegen im Weiler Furri mitten in der Natur, der Gast ist fünf Minuten nach dem Frühstück auf der Piste. Wichtig ist unseren Gästen zudem die persönliche Betreuung, für viele ist es Jahr für Jahr eine Art Nach-Hause-Kommen. Und die langjährigen Stammgäste fragen bei jedem neuen Besuch, was wir im letzten Jahr umgebaut haben. Es wird geschätzt, dass wir praktisch jeden verdienten Franken wieder ins Angebot stecken. Deswegen ist es so wichtig, dass wir 10 bis 12 Prozent Reingewinn erzielen – ein Hotel, in dem das Geld für Investitionen fehlt, wird sehr rasch ausgehöhlt.
Haben Sie es in den schwierigen letzten Jahren manchmal bereut, in die Fussstapfen Ihres Vaters getreten zu sein und nicht einen ganz anderen Beruf erlernt zu haben?
Nein, ich bin da in jungen Jahren hineingewachsen und kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Mein Vater war ein fanatischer Bergsteiger. Er arbeitete in jungen Jahren als Küchenbursche in der Hörnlihütte und stieg regelmässig zu Fuss nach Schwarzsee ab, um Lebensmittel zu transportieren. So war er konditionell sehr gut in Form. Als 15-Jähriger bestieg er mit einem Bergführer in Rekordzeit das Matterhorn – die beiden brauchten für Auf- und Abstieg weniger als drei Stunden. Dieser Rekord hielt über 50 Jahre lang. 1968, als ich fünfjährig war, baute er das Hotel auf Furri – damals gab es hier weder Strassen noch Leitungswasser noch Kanalisation. Als er 1972 in finanzielle Probleme geriet, trat er die Flucht nach vorne an und baute ein grosses Schwimmbad in sein Hotel ein, das erste Hallenschwimmbad in Zermatt. Mir hat das schon damals sehr gefallen: Ein Hotel mitten in der Natur, mit Gästen, die unsere Leidenschaft für Bergtouren und Skifahren teilten. Deswegen war ich glücklich, mit 26 Jahren seine Nachfolge antreten zu dürfen.
Spüren Sie keine Verschleisserscheinungen nach all den 16-Stunden-Tagen ohne Wochenende und Ferien?
Es ist zum Glück nicht immer Hochsaison. Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer Bank einen 8-Stunden-Tag abzusitzen ohne positive Rückmeldungen von den Kunden. Jedes Mal, wenn ein Gast zu mir an die Reception tritt und mir versichert, er habe wunderbare Ferien gehabt, gibt das neue Energie. Zudem kann ich beim Laufen, Gleitschirmfliegen und Bergsteigen die Batterien aufladen. Aber Sie haben Recht, es ist manchmal auch ein Abnützungskampf. Meine Frau und ich sind seit 25 Jahren im Beruf, heute erholen wir uns langsamer als früher. Vor kurzem haben wir uns gefragt, wie lange wir das noch machen können und wollen. Unser Sohn ist jetzt 22-jährig. Eigentlich wollte er Arzt werden, doch dann besuchte seine Klasse im Sportgymnasium die Hotelfachschule in Thun. Er war so begeistert, dass er mich beinahe vorwurfsvoll fragte, warum ich ihn nie überzeugt habe, hier im Hotel einzusteigen. Ich wollte keinen Druck ausüben, die Kinder sollten machen können, was sie am liebsten tun.
Mit anderen Worten: Es zeichnet sich eine Nachfolgelösung ab?
Mein Sohn ist jetzt seit einem Jahr auf der Hotelfachschule. Wenn er – nachdem er in anderen Betrieben Erfahrung gesammelt hat – hier die Familientradition weiterführen möchte, wäre das ideal. 2018 hätten wir das 50-Jahr-Jubiläum, mein Vater feiert dann hoffentlich seinen 80. Geburtstag. Das könnte für meine Frau und mich ein guter Zeitpunkt sein für einen schrittweisen Rückzug. Wir wollen beide nicht bis zum Tod so weiterarbeiten. Mit 55 Jahren kann man noch viel erleben. Diese Perspektive ist für uns beide wichtig. Sie motiviert uns, in den nächsten fünf bis sechs Jahren noch viel zu bewegen hier.
Kontakt und Information:
www.hotelsilvana.ch
info@hotelsilvana.ch




Der 1975 in Bern geborene Mathias Morgenthaler hat Germanistik studiert. Seit 1997 ist er für den «Bund» tätig. Seit 1998 veröffentlicht er Interviews zu Arbeits- und Laufbahnfragen. Seit 2002 ist er Wirtschaftsredaktor. Ergänzend ist er freiberuflich als Texter, Autor und Journalist (u. a. für die «Zeit») tätig. Er ist Vater einer Tochter.








































Ich mache regelmäßig Urlaub in der Schweiz und konnte diese genau diese Beobachtung in den letzten etwa 2 Jahren auch machen. Viele Betriebe klagen über fallende Besucherzahlen und damit natürlich auch Umsatzeinbrüche. Ich hoffe, dass hier Gegenmaßnahmen getroffen werden können, um Existenzen zu retten.
Mein Mann und ich betreiben in Nova Scotia, Canada, das Second Paradise Retreat, ein kleines Feriendorf. Wir können die Aussagen von Herrn Biner Wort für Wort bestätigen. Unsere Arbeitslast hat sich in den letzten 5 Jahren fast verdoppelt. Das Ferien- und Reiseverhalten hat sich drastisch geändert, schneller, billiger, kürzer. Die “Kleinen” können nur mitviel Mehrarbeit noch bestehen. Die Frage ist, wie lange?
ja die zeit steht nicht still auch nicht in zermatt, baut man immer mehr hotels (verschiedene klassen) , wird der kuchen auch kleiner, das fängt schon an dass immer weniger fam. mit kindern kommen, auch die preise der bahnen steigt immer mehr, man baut immer mehr, man hat nie genug, fragen sie mal die rentner-familien-die jungen, nicht jeder ist bereit für einen tag 300.– und mehr auszugeben, die statistik beweist es und die kurven zeigen immer mehr nach unten – was macht die gemeinde, hoteliers, ladenbesitzer, wenn die kurve weiter nach unten geht, das jammern beginnt von vorne- und gibt es weniger schnee
kommen noch weniger, im sommer machen die grossen hotels preisreduktionen, oder haben nicht offen, weil es nicht rentiert, es ist höchste zeit das die gemeinde etwas unternimmt – in allen punkten, wenn nicht kommen auch weniger gäste, — jammern ist angesagt
Werter Herr u.Frau Biner,
Sechsunddreussig Jahre war ich mit der Gastwirtschaft konfrontiert und habe so manches gesehen und erlebt
und somit gesehen wie hart im Gastgewebe gearbeitet werden muss und wie viele Stunden das verlangt einen
Bertieb zu führen. Da gibt es sicher Harte aberauch schöne Zeiten, aber ietzt ist natürlich der schwache Euro
in deiser wie auch in andern Brangschen ein grosses Problem,darum bewundere ich viele im Gastgewerbe wie
diese uber die Runde kommen. Darum wünsch ich Ihnen Herr u. Frau Biner viel Mut und vor allen gute Gesundheit
und alles Gute für die Zukunft.
wenn man vom euroraum urlaub in der schweiz machen möchte, überlegt jeder sehr gut, ob das finanziell möglich ist. die schweiz hat unglaublich hohe preise im vergleich zu österreich. wenn wir gelegentlich in die schweiz fahren und im restaurant zur kasse gebeten werden, bekommt man fast einen schock. die preise im hochpreisland schweiz sind einfach unverschämt. kürzlich waren wir mit unserem wohnmobil in arosa auf dem stellplatz und genossen die natur. wir unternahmen einen bergbahnausflug in die höhe. wir waren alle sehr erstaunt, dass wir grais mit allen bahnen fahren konnten (sommerzeit). wir waren aber auch erstaunt, dass fast keine touristen da waren. die bergbahnenkabinen waren waren fast alle leer-warum? wir fragten andere gäste: viele urlaubsgäste reisen nach österreich, da ist alles wesentlich günstiger und – das restaurantpersonal sei viel viel netter zu den gästen. das können wir nur bestätigen, diese erfahrung haben wir leider auch schon in der schweiz machen müssen. den nächsten urlaub machen wir auch in österreich,das wollen wir einmal testen-schade für die schweiz